Definition

Schürfwunden und Schnittwunden sind Hautwunden, die durch äußere Einflüsse entstehen. Sie können oberflächlich sein oder tief in das Gewebe hineinreichen. Im ungünstigen Fall werden dabei größere Gefäße verletzt und es kommt zu starken Blutungen. Besonders gefährlich sind tiefere Verletzungen in der Nähe von Nerven, Sehnen oder Organen sowie in Augennähe. Durch die offene Wunde können leicht Keime tief in die Haut und auch in das Blutgefäßsystem gelangen. Dann ist die Gefahr für - mitunter schwerwiegende - Infektionen groß. Dies gilt insbesondere für verunreinigte Wunde oder wenn Wunden durch einen schmutzigen oder keimbehafteten Gegenstand verursacht wurden. Ohne Tetanusschutzimpfung besteht zudem die Gefahr von Wundstarrkrampf.

Symptome

Schürfwunden können die Haut nur oberflächlich verletzen oder auch tiefer liegende Hautschichten bis zur Lederhaut zerstören. Häufig ist die Haut flächig aufgescheuert, geschwollen und blutet. Mitunter sieht man Verunreinigungen, zum Beispiel Schotter und Split.

Bei Schnittwunden ist die Haut häufig nur oberflächlich durchtrennt (zum Beispiel durch sogenanntes Ritzen beim Borderline-Syndrom). Schnittwunden durch Messer oder Sägen können jedoch sehr tief in die Haut gehen und mitunter auch in die Muskelschicht oder bis zum Knochen reichen. Tiefe Schnittwunden bluten häufig sehr stark. Die Wundränder sind geschwollen und je nach Verletzungsgegenstand glatt oder zerklüftet.

Ursachen

Häufige Ursachen von Schürfwunden sind Stürze und Sportverletzungen. Schürfwunden entstehen durch Reibung, die die oberen Hautschichten verletzt. Je stärker die Reibungskräfte wirken, desto tiefer ist die Wunde.

Schnittwunden entstehen, wenn die Haut von einem scharfen Gegenstand durchtrennt wird. Das geschieht vor allem durch Schnitte von Messern, Sägen oder Scherben. Selbst ein Blatt Papier kann Schnittwunden hervorrufen. Häufig sind Schnittwunden vor allem bei der Küchenarbeit, im Hobbybereich beim Heimwerkeln oder im Berufsalltag (vor allem, wenn Schutzmaßnahmen nicht vorschriftsmäßig eingehalten werden).

Untersuchung

Die Diagnose von Schürfwunden und Schnittwunden ist anhand der offenkundigen Hautverletzungen leicht zu stellen. Den Verdacht sichert die Befragung nach dem Unfallhergang.

Behandlung

Die richtige Behandlung von Schürfwunden und Schnittwunden fördert die Heilung und verringert die Gefahr von Wundinfektionen. Zudem sollte bei Wunden jeder Art immer der Tetanusschutz überprüft und gegebenenfalls nachgeholt beziehungsweise aufgefrischt werden.

Behandlung von Schürfwunden

Schürfwunden sind sehr häufig verschmutzt und mit Fremdkörpern verunreinigt (zum Beispiel Teppichfasern, Schotter oder Split). Deshalb müssen sie zunächst gereinigt und desinfiziert werden. Die Reinigung erfolgt mit reichlich Kochsalz- oder Ringerlösung (notfalls auch mit Wasser), um den groben Dreck auszuwaschen. Größere Schmutzpartikel können mit einem sterilen Tupfer oder einer Pinzette entfernt werden. Bei stark verschmutzen Schürfwunden muss die Reinigung mitunter sogar mit einer Bürste unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose erfolgen.

Die saubere Schürfwunde sollte anschließend mit antiseptischen Spüllösungen gespült werden. Empfehlenswert sind Octanisept und Jodlösungen. Stark blutende Wunden können zusätzlich mit Wasserstoffperoxid oder Silbernitratlösung behandelt werden. Zuletzt werden Schürfwunden steril abgedeckt (zum Beispiel mit Pflastern, Kompressen oder speziellen Wundauflagen).

Behandlung von Schnittwunden

Bei der Behandlung von Schnittwunden geht man ebenso vor wie bei Schürfwunden. Zudem muss bei tiefen Schnittwunden ausgeschlossen werden, dass Nerven, Sehnen oder größere Blutgefäße verletzt worden. Diese müssen gegebenenfalls chirurgisch versorgt werden. Große und tiefe Schnittwunden werden mitunter genäht oder geklammert.

Antibiotika gegen Wundinfektionen

Infizierte Wunden oder Wundinfektionen werden üblicherweise mit Antibiotika behandelt. Dabei können diese direkt auf die Wunde aufgebracht, als Tabletten oder Saft eingenommen sowie als Infusion in die Vene gegeben werden. Antibiotika der Wahl bei Wundinfektionen sind Cefadroxil, Cefazolin und Vancomycin.

Selbsthilfe

Kleine Schnitt- und Schürfwunden können Sie mit klarem Wasser ab- oder ausspülen, besser sind jedoch desinfizierende Spüllösungen (zum Beispiel Jodlösung). Saubere Wunden werden anschließend mit einem Pflaster abgedeckt. An schwer zu erreichenden oder schlecht klebenden Stellen sind Sprühpflaster geeignet. Bei empfindlicher Haut empfehlen sich hautfreundliche und hypoallergene Pflaster (zum Beispiel Papierpflaster).

Lassen Sie verschmutzte Wunden bluten. Mit dem Blut werden Fremdkörper und mögliche Krankheitserreger aus der Wunde herausgespült. Versuchen Sie nicht, Fremdkörper manuell herauszulösen. Bei starken und anhaltenden Blutungen sollten Sie umgehend zum Arzt gehen. Größere Schürfwunden sollten Sie möglichst nur lose abdecken und einem Arzt vorstellen.

Schnittwunden mit Druck verbinden

Schnittwunden werden mit einer möglichst sterilen Kompresse abgedeckt. Diese sollten Sie mit leichtem Druck mit einer Mullbinde oder Heftpflaster befestigen.

Narbenbildung verringern

Nach dem Wundverschluss können Sie die Heilungsphase mit Cremes, Salben oder Lotionen unterstützen, die Dexpanthenol oder Kamillenextrakt enthalten. Diese wirken pflegend und halten die Haut geschmeidig. Um die Bildung von starken Narben zu verringern, gibt es spezielle Narbencremes und -gele. Sie enthalten als Wirkstoffe unter anderem Harnstoff, Allantoin, Heparin und Extractum cepae.

Vorbeugung

Schürfwunden und Schnittwunden kann nicht zu 100 % vorgebeugt werden. Kleine Verletzungen gibt es immer wieder und sind nicht zu verhindern. Arbeitsschutzmaßnahmen (Handschuhe, Arbeitsschuhe, Sicherheitsabdeckungen) sowie Schutzkleidung (Helm, Protektoren) verringern jedoch das Risiko von größeren Hautverletzungen. Sorgfältiges und konzentriertes Arbeiten in der Küche sowie der vorsichtige Umgang mit Schneidewerkzeugen vermindern das Risiko von Schnittwunden. Zudem sollte beschädigtes Geschirr (insbesondere Gläser oder Tassen) aussortiert werden, um Verletzungen zu vermeiden.

Auf Tetanus-Schutz achten

Wundstarrkrampf (Tetanus) ist eine lebensbedrohliche und schwere Erkrankung, die als Komplikation bei Schürfwunden und Schnittwunden auftreten kann. Diese Gefahr können Sie leicht verhindern, indem Sie sich gegen Tetanus impfen lassen. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts empfiehlt eine Tetanus-Impfung für Menschen jeden Alters.

Normalerweise erfolgt die Grundimmunisierung gegen Wundstarrkrampf bereits im Säuglingsalter zusammen mit den Standardimpfungen. Eine Nachimpfung wird vor Schuleintritt (im 5. bis 6. Lebensjahr) sowie zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr empfohlen. Erwachsene sollten sich anschließend alle 10 Jahre nachimpfen lassen, um den Impfschutz gegen Wundstarrkrampf zu erhalten.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 09.09.2015