Schock

Schock im medizinischen Sinne ist eine Notfallsituation. Mit diesen Informationen können Sie einen Schock erkennen und sinnvoll Erste Hilfe leisten.

Definition

Frau erleidet Schock nach Unfall

Umgangssprachlich jagt ein Schock uns einen Schrecken ein – oder wir sind für kurze Zeit wie gelähmt, geschockt eben. Für Mediziner ist der Schock hingegen ein ernsthaft lebensbedrohliches Krankheitsbild. Hier lesen Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Erste Hilfe.

Was ist ein Schock?

Ein Schock im medizinischen Sinn ist ein Zustand, in dem die Sauerstoffversorgung der Organe wegen eines Blutmangels im Blutkreislauf nicht mehr sichergestellt ist. Dieser Mangel kann ganz verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind innere und äußere Blutungen (meist durch Verletzungen) sowie Störungen des Flüssigkeitshaushaltes, die das Blutvolumen immer weiter verringern. Auch lang anhaltender Durchfall, massives Erbrechen oder ausgeprägtes Schwitzen können einen Schock verursachen. Mediziner sprechen bei diesen Ursachen von einem Volumenmangelschock.

Wird bei einem Herzversagen nicht mehr ausreichend Blut in den Körper gepumpt, fallen die Betroffenen ebenfalls in einen Schockzustand. Mediziner sagen, sie werden schockig. Der Fachausdruck für diese Form des Schocks lautet kardiogener Schock.

Symptome

Um den Körper mit lebenswichtigem Sauerstoff zu versorgen, steigt zu Beginn des Schocks die Herzfrequenz auf mehr als 100 Schlägen pro Minute. Typischerweise sinkt der Blutdruck dabei stark ab (erster Wert unter 90 mmHg).

Schockzustände sind auch äußerlich erkennbar: Die Haut ist blass und fühlt sich meist kühl und feucht an. Menschen mit Schock haben oft starken Durst. Je länger ein Schock anhält, umso flacher wird die Atmung. Der Blutdruck fällt weiter ab, der Puls rast und ist kaum noch tastbar. Schließlich verlieren die Betroffenen das Bewusstsein.

Je nach Ursache des Schocks gibt es weitere Symptome:

  • beim anaphylaktischem Schock: allergische Symptome wie Hautausschläge, Juckreiz, Gesichtsschwellung und Atemnot
  • beim kardiogenem Schock: Brustenge und Atembeschwerden
  • beim septischem Schock: Fieber oder verminderte Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius und Hauteinblutungen, die Haut ist mitunter rot und überwärmt.

Ursachen

Allergiker kennen den anaphylaktischen Schock als die heftigste allergische Reaktion. Viele Allergiker führen ein Notfallset mit sich, um gegen den lebensbedrohlichen allergiebedingten Schockzustand vorgehen zu können.

Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) kann sich im Endstadium ein septischer Schock entwickeln. Dieser führt fast immer zum Tod.

Zudem gibt es noch seltenere Schock-Formen wie den neurogenen Schock (nerval bedingt), den elektrischen Schock (in Folge eines Elektrounfalls), den endokrinen Schock (hormonell bedingt), den hypoglykämischen Schock (Insulin-Schock) und den orthostatischen Schock (durch eine gestörte Gefäß- und Kreislaufregulation).

Untersuchung

Schock erkennen mit der Rekap-Probe

Rettungskräfte testen häufig am Fingernagel, ob ein Schock besteht. Das kann aber auch jeder Laie. Die sogenannte Rekap-Probe besteht darin, den Fingernagel kurz ins Nagelbett zu drücken. So wird das Blut unter dem Nagel aus den kleinsten Blutgefäßen, den Kapillaren, gedrückt und die Haut färbt sich weiß. Lässt man den Fingernagel los, achtet man auf die Zeit, bis sich die Haut unter dem Nagel wieder rot färbt. Dauert diese sogenannte Rekapillarisation (Rekap) länger als eine Sekunde, kann das als ein Hinweis auf eine mangelnde Blutzirkulation gesehen werden. Selbstverständlich ist das kein sicheres Diagnosekriterium, aber immerhin eine Orientierungshilfe.

Behandlung

Erste Hilfe: Schocklagerung sicherstellen und Notarzt alarmieren

Bei Verdacht auf Schock sollte umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. Bis zum Eintreffen des Einsatzfahrzeugs ist Erste Hilfe mit der sogenannten Schocklagerung möglich. Dabei werden die Beine höher gelagert als der Kopf, beispielsweise liegt der Patient auf dem Rücken und die Beine lagern auf einem Stuhl/Hocker. Damit soll der Rückfluss des Blutes zum Herzen gesteigert und die Organversorgung verbessert werden.

Keine Schocklage bei B-Verletzungen

Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Schockzuständen, bei denen die Schocklagerung nicht sinnvoll ist und sogar schadet. Viele Rettungskräfte merken sich diese Fälle mit einer Eselsbrücke. Sie lautet: „B = Schocklage nee“. Dazu gehören die folgenden 6 Bs:

  1. Birne: sichtbare und nichtsichtbare Kopf- und Schädelverletzungen, Flüssigkeitsaustritt aus Nase und/oder Ohren
  2. Brust: Schmerzen im Herz- und Brustbereich
  3. Bauch: Verletzungen oder Schmerzen im Bauchbereich
  4. Beine: offene Beinbrüche mit hervorstehenden Knochenteilen oder überhaupt Verdacht auf Beinbruch
  5. Becken: Verletzungen im Bereich des Beckens
  6. Buckel: Verletzungen des Rückens und der Wirbelsäule, insbesondere mit Taubheit oder Lähmungen der Gliedmaßen oder unkontrolliertem Harn- und Stuhlabgang.

Keine Panik vor Erster Hilfe

Die meisten Menschen kommen nur sehr selten in Situationen, in denen sie auf einen Schock reagieren müssen. Am häufigsten geschieht dies wohl bei Verkehrs- und Arbeitsunfällen. Egal wie schwer der Unfall auch ist: Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick, sichern Sie dann den Unfallbereich und alarmieren Sie anschließend den Rettungsdienst. Danach können Sie Erste Hilfe leisten. So helfen Sie sich und anderen am besten dabei, einen Schockzustand gesund zu überstehen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.11.2016

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