Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis)

Die afrikanische Trypanosomiasis wird auch als Schlafkrankheit bezeichnet. Die Tropenkrankheit wird vor allem durch Tsetse-Fliegen übertragen. 500.000 Menschen gelten als infiziert. Ihre Überlebenschancen sind gering. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Therapie der Reisekrankheit.

Synonyme

Schlafkrankheit, Afrikanische Trypanosomiasis, Trypanosomiasis gambiensis, Trypanosomiasis rhodesiensis

Definition

Schlafkrankheit

Die afrikanische Trypanosomiasis bzw. Schlafkrankheit ist eine von Stechfliegen (Tsetse-Fliegen) übertragene, lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Im tropischen Afrika sterben viele Menschen an der Schlafkrankheit.

Afrikanische Trypanosomiasis beginnt mit Fieber. Später folgen Bewusstseinsstörungen und Krampfanfälle. Ohne rechtzeitige Behandlung fallen die infizierten Menschen in einen Dämmerzustand, der Monate oder sogar mehrere Jahre andauern kann. Daher auch die Bezeichnung Schlafkrankheit. Letztlich versterben die Betroffenen an Begleitinfektionen oder Komplikationen der afrikanischen Trypanosomiasis. In einigen Regionen Afrikas ist die Sterblichkeitsrate der Schlafkrankheit mit der von AIDS zu vergleichen.

Vorkommen vor allem in West- und Ostafrika

Die Schlafkrankheit ist im gesamten Tropengürtel Afrikas verbreitet. Sie kommt aber vorzugsweise südlich der Sahara im tropischen Afrika vor.

  • Tryposoma brucei gambiense verursachen vor allem die sogenannte westafrikanische Trypanosomiasis (West- und Zentralafrika). Die Erreger finden sich insbesondere in Feuchtgebieten bzw. an feuchtwarmen Flussufern.
  • Trypanosoma brucei rhodesiense ist insbesondere für die ostafrikanische Schlafkrankheit in den trockenen Savannenlandschaften Ostafrikas (auch Südafrikas) verantwortlich.

Farmer, Jäger, die Landbevölkerung allgemein sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Endemiegebieten sind besonders gefährdet, sich mit der Schlafkrankheit anzustecken.

Häufigkeit

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht weltweit von mehr als 500.000 Menschen aus, die an afrikanischer Trypanosomiasis erkrankt sind. Die Dunkelziffer wird vermutlich noch um einiges höher liegen. In einigen Regionen, beispielsweise dem Kongo, sind bis zu 70 Prozent der Bevölkerung mit Trypanosomen infiziert.

Die Krankheitszahl ist durch Bürgerkriege, Flüchtlingsbewegungen und unzureichende Abwehrmaßnahmen gegen die Stechfliegen in den letzten Jahren stark gestiegen – und wird nach Einschätzung der WHO auch noch weiter zunehmen.

In Deutschland besteht keine Gefahr, sich mit den Trypanosomen anzustecken. Nur ganz vereinzelt kommt es hierzulande zu eingeschleppten Fällen aus Risikogebieten. Bei Reisen in die Risikogebiete allerdings besteht für Touristen die gleiche Gefahr, gestochen und infiziert zu werden, wie für die einheimische Bevölkerung.

Symptome

Afrikanische Trypanosomiasis  beginnt in 20 Prozent der Fälle mit einem sogenannten Trypanosomenschanker. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Reaktion im Bereich des Stichs der Tsetse-Fliegen, die an Hautbläschen zu erkennen ist. Diese von Medizinern Primärläsion genannte Hautreaktion heilt innerhalb von wenigen Wochen von selbst ab.

Hämolytische Phase

Nach dem die Trypanosomen in den Körper gelangt sind, vermehren sie sich in den Zellzwischenräumen. Von dort dringen sie über das Blut bis ins Gehirn vor. Dabei kommt es zu periodischen Fieberschüben, Schüttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Typisch ist zudem ein ringförmiger Hautausschlag, der sich vor allem am Körperstamm zeigt. Der Ausschlag geht mit starkem Juckreiz einher.

Vor allem bei der westafrikanischen Form der Schlafkrankheit sind Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Schwellungen von Milz und Leber sowie Lymphknotenschwellungen typisch. Geschwollene Lymphknoten im Nacken gelten sogar als Leitsymptom für das 1. Stadium der Schlafkrankheit (Winterbottom-Zeichen). Blutarmut und ein Mangel an Blutplättchen sind weitere Symptome der ersten Krankheitsphase.

Aufgrund der extremen Wandlungsfähigkeit der Trypanosomen reagiert das Abwehrsystem ebenso erfolglos wie heftig. Dabei entstehen Antigen-Antikörper-Komplexe, die Entzündungen verursachen und die Organe schädigen. Typische Folgen der ostafrikanischen Variante sind Herzentzündungen, bei der alle Wandschichten des Herzens betroffen sind. Dementsprechend kommt es zu Herzinnenhautentzündungen, Herzmuskelentzündungen und Herzbeutelentzündungen. Diese können bereits im 1. Stadium tödlich verlaufen.

Meningoenzephalitische Phase

Auf die hämolytische Phase folgt die meningoenzephalitische Phase. Dieses 2. Stadium der Schlafkrankheit beginnt bei der westafrikanischen Form der Schlafkrankheit nach etwa 4 bis 6 Monaten, mitunter auch erst nach mehreren Jahren. Bei der ostafrikanischen Variante der Trypanosomiasis zeigt es sich bereits nach wenigen Wochen.

Bei beiden Formen verursachen die ins Gehirn eingewanderten Trypanosomen Entzündungen von Gehirn und Hirnhaut. Die zeigen sich unter anderem durch Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit, Koordinationsstörungen sowie Ein- und Durchschlafschwierigkeiten. In dieser Phase mögen die Betroffenen auch nicht mehr essen. Daraus resultieren starke Gewichtsverluste.

Weitere Symptome der Hirnhautentzündungen und/oder Gehirnentzündungen sind epileptische Krampfanfälle. Auch parkinsonähnliche Beschwerden wie Muskelsteifheit, Gang- und Standunsicherheiten sowie ein nicht-unterdrückbares Zittern sind möglich.

Endstadium der Schlafkrankheit

Im Endstadium verlieren die schlafkranken Menschen mehr und mehr das Bewusstsein. Sie fallen in einen kontinuierlichen Dämmerzustand. Sie essen und trinken nichts mehr. Der Körper entkräftet immer weiter, das Abwehrsystem ist extrem geschwächt. Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger haben jetzt leichtes Spiel. Meistens beenden schwere Lungenentzündungen oder Herzentzündungen das Leben der Menschen mit afrikanischer Trypanosomiasis.

Bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit sterben die Kranken relativ rasch, bei der westafrikanischen Form können Monate bis Jahre vergehen.

Ursachen

Ursache der afrikanischen Trypanosomiasis ist eine Infektion mit Einzellern (Protozoen) aus der Gruppe der Trypanosomen. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense. T. brucei gambiense überlebt vor allem in Menschen.  Haus- und Wildtiere wie Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe, Antilopen, Hyänen oder Löwen tragen vor allem T. brucei rhodesiense in sich. Durch Stechfliegen werden die Parasiten auf den Menschen übertragen.

Die Erreger werden von Stechfliegen (insbesondere weiblichen und männlichen Tsetse-Fliegen) übertragen. Zunächst infiziert sich die Fliege bei einem Wirt (Mensch oder Tier) mit den Parasitenzellen. Im Darm der Fliege entwickeln sich die Erreger zu heranreifenden Trypanosomen. Diese wandern in die Speicheldrüsen der Fliegen, wo sie sich weiter vermehren. Sticht das blutsaugende Insekt nun zu, gelangen die Trypanosomen über den Stichkanal in den menschlichen Organismus. Mit nur einem Stich werden mehrere tausend Trypanosomen übertragen. Und nur ein einziger Erreger reicht aus, um die afrikanische Trypanosomiasis auszulösen.

Eine infizierte Fliege lebt bis zu 5 Monate – und bleibt ihr ganzes Leben infektiös. Glücklicherweise sind aber nicht alle Tsetse-Fliegen Überträger der Schlafkrankheit. Im Durchschnitt ist eine von 100 Tsetse-Fliegen infiziert.

Weitere Übertragungsarten

Trypanosomen können nicht nur über Tsetse-Fliegen-Stiche, die im Übrigen ziemlich schmerzhaft sind, übertragen werden. Die Parasiten gelangen auch über Kratzwunden oder Schleimhäute (Mund, Augen, Nase) in den menschlichen Körper. Des Weiteren ist eine Übertragung über Bluttransfusionen oder Organtransplantationen möglich.

In der Schwangerschaft ist eine Weitergabe der Erreger über den Mutterkuchen (Plazenta) möglich, kommt aber eher selten vor. Trypanosomen können zudem während der Geburt auf das Kind übertragen werden.

Trypanosomen – Meister der Tarnung

Normalerweise werden Krankheitserreger wie Trypanosomen vom menschlichen Abwehrsystem erkannt und eliminiert. Das umgehen Trypanosomen aber geschickt. Mit einem speziellen Anpassungsmechanismus verändern sie ihre Oberflächenbeschaffenheit und tarnen sich so, dass die Immunzellen sie nicht erkennen können. Selbst ihren Energiestoffwechsel können Trypanosomen umstellen.

Untersuchung

Die Diagnose Schlafkrankheit lässt sich durch Erregernachweis-Tests sichern. Im Stadium I wird Blut, Schankerpunktat, Knochenmark oder Lymphknotengewebe entnommen und auf Trypanosomen untersucht. Im Stadium II können die Trypanosomen im Nervenwasser (Liquor) nachgewiesen werden. Zudem findet sich eine erhöhte Zahl von Abwehrzellen im Liquor.

Ein Test auf Antikörper ist ebenfalls möglich. Allerdings bilden die sich üblicherweise erst Wochen nach der Infektion.

Behandlung

Die Therapie der Schlafkrankheit erfolgt medikamentös und sollte möglichst rasch in einer Klinik erfolgen. Im Stadium I ist der antiparasitäre Wirkstoff Suramin (bei der westafrikanischen Form ausschließlich Pentamidin) Mittel der Wahl. Im Stadium II wurde lange Zeit Melasoprol eingesetzt. Aufgrund der extremen Nebenwirkungen dieses Medikamentes wird heute eine Kombination von Eflornithin und Nifurtimox bevorzugt.

Prognose

Die medikamentöse Therapie sichert Erfolgsraten von 95 Prozent mit vollständiger Genesung. Die Behandlung sollte so früh wie möglich einsetzen. Je fortgeschrittener die Infektion, umso größer ist das Risiko für bleibende Schäden und/oder Tod.

Der Verlauf der Schlafkrankheit hängt davon ab, welche der Trypanosomen-Arten bei der Infektion übertragen wurde. Die durch Tryposoma brucei gambiense verursachte westafrikanische Schlafkrankheit verläuft insgesamt langsamer als die ostafrikanische Variante durch Tryposoma brucei rhodesiense, die überdies schwerer ist.

Auch die Inkubationszeiten (also die Zeit zwischen Ansteckung und den ersten Krankheitszeichen) unterscheiden sich. Bei der westafrikanischen Form beträgt sie Wochen bis Jahre. Die ostafrikanische Schlafkrankheit macht sich hingegen schon nach 3 bis 21 Tagen Wochen bemerkbar.

Vorbeugung

Gegen die afrikanische Trypanosomiasis gibt es bislang keine Impfung. Im vergangenen Jahrhundert wurde zur Vorbeugung der Schlafkrankheit Pentamidin in die Muskulatur gespritzt. Heute setzt man eher auf den Schutz vor Stichen bzw. der Ausrottung der Stechfliegen.

In Trypanosomen-Risikogebieten sollten Reisende lange, stichfeste und vor allem helle  Kleidung (Tsetse-Fliegen werden von schwarz und blau angezogen) tragen. Repellenzien wie DEET und gut abdichtende Moskitonetze sowie Fenster- und Türnetze schützen vor den Plagegeistern. In Risikogebieten sollten Sie besser in geschlossen Fahrzeugen fahren und Sitze, Boden und Armaturen vor der Abfahrt mit Insektiziden einsprühen.

Afrikanische Trypanosomiasis und Schwangerschaft

Afrikanische Trypanosomiasis erhöht das Risiko für Früh-, Fehl- und Totgeburten stark. Zum vorzeitigen Ende einer Schwangerschaft kommt es vor allem, wenn Trypanosomen bereits sehr früh in das Gehirn des Ungeborenen vorgedrungen sind. Überleben Kinder die Infektion im Mutterleib, erleiden sie nach der Geburt nicht selten Fieber, Leber- und Milzschwellungen, Bewusstseinsstörungen und Muskelschwäche. Schwangere sollten daher nicht in Trypanosomen-Risikogebiete reisen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 24.06.2019

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