Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis)

Die afrikanische Trypanosomiasis wird auch als Schlafkrankheit bezeichnet. Die Tropenkrankheit wird vor allem durch Tsetse-Fliegen übertragen. 500.000 Menschen gelten als infiziert. Ihre Überlebenschancen sind gering. Eine Impfung gibt es bislang nicht. Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Therapie der Reisekrankheit.

Synonyme

<p> Schlafkrankheit, Afrikanische Trypanosomiasis, Trypanosomiasis gambiensis, Trypanosomiasis rhodesiensis</p>

Definition

Schlafkrankheit

<p> Die afrikanische Trypanosomiasis bzw. Schlafkrankheit ist eine von der Stechfliege (Tsetse-Fliege) &uuml;bertragene lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Im tropischen Afrika sterben viele Menschen an der Schlafkrankheit. Afrikanische Trypanosomiasis beginnt mit Fieber. Sp&auml;ter folgen Bewusstseinsst&ouml;rungen und Krampfanf&auml;lle. Ohne rechtzeitige Behandlung fallen die infizierten Menschen in einen D&auml;mmerzustand, der Monate oder sogar mehrere Jahre andauern kann. Daher auch die Bezeichnung Schlafkrankheit. Letztlich versterben die Betroffenen an Begleitinfektionen oder Komplikationen der afrikanischen Trypanosomiasis. In einigen Regionen Afrikas ist die Sterblichkeitsrate der Schlafkrankheit mit der von AIDS zu vergleichen.</p>

Häufigkeit

<p> Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht weltweit von mehr als 500.000 Menschen aus, die an afrikanischer Trypanosomiasis erkrankt sind. Die Dunkelziffer wird vermutlich noch um einiges h&ouml;her liegen. In einigen Regionen, beispielsweise dem Kongo, sind bis zu 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung mit Trypanosomen infiziert.</p> <p> Die Krankheitszahl ist durch B&uuml;rgerkriege, Fl&uuml;chtlingsbewegungen und unzureichende Abwehrma&szlig;nahmen gegen die Stechfliegen in den letzten Jahren stark gestiegen und wird nach Einsch&auml;tzung der WHO auch noch weiter zunehmen.</p> <p> In Deutschland besteht keine Gefahr, sich mit den Trypanosomen anzustecken. Nur ganz vereinzelt kommt es hierzulande zu eingeschleppten F&auml;llen aus Risikogebieten. Bei Reisen in die Risikogebiete allerdings besteht f&uuml;r Touristen die gleiche Gefahr, gestochen und infiziert zu werden, wie f&uuml;r die einheimische Bev&ouml;lkerung.</p> <h3> Vorkommen und Verbreitung</h3> <p> Die Schlafkrankheit ist im gesamten Tropeng&uuml;rtel Afrikas, also vor allem in West- und Ostafrika, verbreitet, kommt aber vorzugsweise s&uuml;dlich der Sahara im tropischen Afrika vor.</p> <ul> <li> Tryposoma brucei gambiense verursachen vor allem die sogenannte westafrikanische Trypanosomiasis (West- und Zentralafrika). Die Erreger finden sich insbesondere in Feuchtgebieten bzw. an feuchtwarmen Flussufern.</li> <li> Trypanosoma brucei rhodesiense ist insbesondere f&uuml;r die ostafrikanische Schlafkrankheit in den trockenen Savannenlandschaften Ostafrikas (auch S&uuml;dafrikas) verantwortlich.</li> </ul> <p> Farmer, J&auml;ger, die Landbev&ouml;lkerung allgemein sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Endemiegebieten sind besonders gef&auml;hrdet, sich mit der Schlafkrankheit anzustecken.</p>

Symptome

<p> Afrikanische Trypanosomiasis beginnt in 20 Prozent der F&auml;lle mit einem Trypanosomenschanker. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Reaktion im Bereich des Stichs der Tsetse-Fliegen, die an Hautbl&auml;schen zu erkennen ist. Diese von Medizinern Prim&auml;rl&auml;sion genannte Hautreaktion heilt innerhalb von wenigen Wochen von selbst ab.</p> <h3> H&auml;molytische Phase</h3> <p> Nach dem die Trypanosomen in den K&ouml;rper gelangt sind, vermehren sie sich in den Zellzwischenr&auml;umen. Von dort dringen sie &uuml;ber das Blut bis ins Gehirn vor. Dabei kommt es zu periodischen Fiebersch&uuml;ben, Sch&uuml;ttelfrost sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Typisch ist zudem ein ringf&ouml;rmiger Hautausschlag, der sich vor allem am K&ouml;rperstamm zeigt. Der Ausschlag geht mit starkem Juckreiz einher.</p> <p> Vor allem bei der westafrikanischen Form der Schlafkrankheit sind Wasseransammlungen im Gewebe (&Ouml;deme), Schwellungen von Milz und Leber sowie Lymphknotenschwellungen typisch. Geschwollene Lymphknoten im Nacken gelten sogar als Leitsymptom f&uuml;r das 1. Stadium der Schlafkrankheit (Winterbottom-Zeichen). Blutarmut und ein Mangel an Blutpl&auml;ttchen sind weitere Symptome der ersten Krankheitsphase.</p> <p> Aufgrund der extremen Wandlungsf&auml;higkeit der Trypanosomen reagiert das Abwehrsystem ebenso erfolglos wie heftig. Dabei entstehen Antigen-Antik&ouml;rper-Komplexe, die Entz&uuml;ndungen verursachen und die Organe sch&auml;digen. Typische Folgen der ostafrikanischen Variante sind Herzentz&uuml;ndungen, bei der alle Wandschichten des Herzens betroffen sind (Herzinnenhaut, Herzmuskel und Herzbeutel). Diese k&ouml;nnen bereits im 1. Stadium t&ouml;dlich verlaufen.</p> <h3> Meningoenzephalitische Phase</h3> <p> Auf die h&auml;molytische Phase folgt die meningoenzephalitische Phase. Dieses 2. Stadium der Schlafkrankheit beginnt bei der westafrikanischen Form der Schlafkrankheit nach etwa 4 bis 6 Monaten, mitunter auch erst nach mehreren Jahren. Bei der ostafrikanischen Variante der Trypanosomiasis zeigt es sich bereits nach wenigen Wochen.</p> <p> Bei beiden Formen verursachen die ins Gehirn eingewanderten Trypanosomen Entz&uuml;ndungen von Gehirn und Hirnhaut. Die zeigen sich unter anderem durch Konzentrationsst&ouml;rungen, Pers&ouml;nlichkeitsver&auml;nderungen, zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit, Koordinationsst&ouml;rungen sowie Ein- und Durchschlafschwierigkeiten. In dieser Phase m&ouml;gen die Betroffenen auch nicht mehr essen. Daraus resultieren starke Gewichtsverluste.</p> <p> Weitere Symptome der Hirn- und Gehirnentz&uuml;ndungen sind epileptische Krampfanf&auml;lle. Auch parkinson&auml;hnliche Beschwerden wie Muskelsteifheit, Gang- und Standunsicherheiten sowie ein nicht-unterdr&uuml;ckbares Zittern sind m&ouml;glich.</p> <h3> Endstadium der Schlafkrankheit</h3> <p> Im Endstadium verlieren die schlafkranken Menschen mehr und mehr das Bewusstsein. Sie fallen in einen kontinuierlichen D&auml;mmerzustand. Sie essen und trinken nichts mehr. Der K&ouml;rper entkr&auml;ftet immer weiter, das Abwehrsystem ist extrem geschw&auml;cht. Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger haben jetzt leichtes Spiel. Meistens beenden schwere Lungenentz&uuml;ndungen oder Herzentz&uuml;ndungen das Leben der Menschen mit afrikanischer Trypanosomiasis.</p> <p> Bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit sterben die Kranken relativ rasch, bei der westafrikanischen Form k&ouml;nnen Monate bis Jahre vergehen.</p> <h3> Verlauf</h3> <p> Der Verlauf der Schlafkrankheit h&auml;ngt davon ab, welche der Trypanosomen-Arten bei der Infektion &uuml;bertragen wurde. Die durch Tryposoma brucei gambiense verursachte westafrikanische Schlafkrankheit verl&auml;uft insgesamt langsamer als die ostafrikanische Variante durch Tryposoma brucei rhodesiense, die &uuml;berdies schwerer ist.</p> <p> Auch die Inkubationszeiten (also die Zeit zwischen Ansteckung und den ersten Krankheitszeichen) unterscheiden sich. Bei der westafrikanischen Form betr&auml;gt sie Wochen bis Jahre. Die ostafrikanische Schlafkrankheit macht sich hingegen schon nach 3 bis 21 Tagen Wochen bemerkbar.</p> <h3> Afrikanische Trypanosomiasis und Schwangerschaft</h3> <p> Afrikanische Trypanosomiasis erh&ouml;ht das Risiko f&uuml;r Fr&uuml;h-, Fehl- und Totgeburten stark. Zum vorzeitigen Ende einer Schwangerschaft kommt es vor allem, wenn Trypanosomen bereits sehr fr&uuml;h in das Gehirn des Ungeborenen vorgedrungen sind.</p> <p> &Uuml;berleben Kinder die Infektion im Mutterleib, erleiden sie nach der Geburt nicht selten Fieber, Leber- und Milzschwellungen, Bewusstseinsst&ouml;rungen und Muskelschw&auml;che. Schwangere sollten daher nicht in Trypanosomen-Risikogebiete reisen.</p>

Ursachen

<p> Ursache der afrikanischen Trypanosomiasis ist eine Infektion mit Einzellern (Protozoen) aus der Gruppe der Trypanosomen. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense. T. brucei gambiense &uuml;berlebt vor allem in Menschen. Haus- und Wildtiere wie Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe, Antilopen, Hy&auml;nen oder L&ouml;wen tragen vor allem T. brucei rhodesiense in sich. Durch Stechfliegen werden die Parasiten auf den Menschen &uuml;bertragen.</p> <p> Die Erreger werden von Stechfliegen (insbesondere weiblichen und m&auml;nnlichen Tsetse-Fliegen) &uuml;bertragen. Zun&auml;chst infiziert sich die Fliege bei einem Wirt (Mensch oder Tier) mit den Parasitenzellen. Im Darm der Fliege entwickeln sich die Erreger zu heranreifenden Trypanosomen. Diese wandern in die Speicheldr&uuml;sen der Fliegen, wo sie sich weiter vermehren. Sticht das blutsaugende Insekt nun zu, gelangen die Trypanosomen &uuml;ber den Stichkanal in den menschlichen Organismus. Mit nur einem Stich werden mehrere tausend Trypanosomen &uuml;bertragen. Und nur ein einziger Erreger reicht aus, um die afrikanische Trypanosomiasis auszul&ouml;sen.</p> <p> Eine infizierte Fliege lebt bis zu 5 Monate &ndash; und bleibt ihr ganzes Leben infekti&ouml;s. Gl&uuml;cklicherweise sind aber nicht alle Tsetse-Fliegen &Uuml;bertr&auml;ger der Schlafkrankheit. Im Durchschnitt ist eine von 100 Tsetse-Fliegen infiziert.</p> <h3> Weitere &Uuml;bertragungsarten</h3> <p> Trypanosomen k&ouml;nnen nicht nur &uuml;ber Tsetse-Fliegen-Stiche, die im &Uuml;brigen ziemlich schmerzhaft sind, &uuml;bertragen werden. Die Parasiten gelangen auch &uuml;ber Kratzwunden oder Schleimh&auml;ute (Mund, Augen, Nase) in den menschlichen K&ouml;rper. Des Weiteren ist eine &Uuml;bertragung &uuml;ber Bluttransfusionen oder Organtransplantationen m&ouml;glich.</p> <p> In der Schwangerschaft ist eine Weitergabe der Erreger &uuml;ber den Mutterkuchen (Plazenta) m&ouml;glich, kommt aber eher selten vor. Trypanosomen k&ouml;nnen zudem w&auml;hrend der Geburt auf das Kind &uuml;bertragen werden.</p> <h3> Trypanosomen &ndash; Meister der Tarnung</h3> <p> Normalerweise werden Krankheitserreger wie Trypanosomen vom menschlichen Abwehrsystem erkannt und eliminiert. Das umgehen Trypanosomen aber geschickt. Mit einem speziellen Anpassungsmechanismus ver&auml;ndern sie ihre Oberfl&auml;chenbeschaffenheit und tarnen sich so, dass die Immunzellen sie nicht erkennen k&ouml;nnen. Selbst ihren Energiestoffwechsel k&ouml;nnen Trypanosomen umstellen.</p>

Untersuchung

<p> Die Diagnose Schlafkrankheit l&auml;sst sich durch Erregernachweis-Tests sichern. Im Stadium I wird Blut, Schankerpunktat, Knochenmark oder Lymphknotengewebe entnommen und auf Trypanosomen untersucht. Im Stadium II k&ouml;nnen die Trypanosomen im Nervenwasser (Liquor) nachgewiesen werden. Zudem findet sich eine erh&ouml;hte Zahl von Abwehrzellen im Liquor.</p> <p> Ein Test auf Antik&ouml;rper ist ebenfalls m&ouml;glich. Allerdings bilden die sich &uuml;blicherweise erst Wochen nach der Infektion.</p>

Behandlung

<p> Die Therapie der Schlafkrankheit erfolgt medikament&ouml;s und sollte m&ouml;glichst rasch in einer Klinik erfolgen. Im Stadium I ist der antiparasit&auml;re Wirkstoff Suramin (bei der westafrikanischen Form ausschlie&szlig;lich Pentamidin) Mittel der Wahl. Im Stadium II wurde lange Zeit Melasoprol eingesetzt. Aufgrund der extremen Nebenwirkungen dieses Medikamentes wird heute eine Kombination von Eflornithin und Nifurtimox bevorzugt.</p>

Prognose

<p> Die medikament&ouml;se Therapie sichert Erfolgsraten von 95 Prozent mit vollst&auml;ndiger Genesung. Die Behandlung sollte so fr&uuml;h wie m&ouml;glich einsetzen. Je fortgeschrittener die Infektion, umso gr&ouml;&szlig;er ist das Risiko f&uuml;r bleibende Sch&auml;den und/oder Tod.</p>

Vorbeugung

<p> Gegen die afrikanische Trypanosomiasis gibt es bislang keine Impfung. Im vergangenen Jahrhundert wurde zur Vorbeugung der Schlafkrankheit Pentamidin in die Muskulatur gespritzt. Heute setzt man eher auf den Schutz vor Stichen bzw. der Ausrottung der Stechfliegen.</p> <p> In Trypanosomen-Risikogebieten sollten Reisende lange, stichfeste und vor allem helle Kleidung (Tsetse-Fliegen werden von schwarz und blau angezogen) tragen. Repellenzien wie DEET und gut abdichtende Moskitonetze sowie Fenster- und T&uuml;rnetze sch&uuml;tzen vor den Plagegeistern. In Risikogebieten sollten Sie besser in geschlossen Fahrzeugen fahren und Sitze, Boden und Armaturen vor der Abfahrt mit Insektiziden einspr&uuml;hen.</p>

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.05.2017

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