Definition

Frau mit Schizophrenie

Die Schizophrenie gehört zu den schwersten psychischen Erkrankungen. Sie zählt zu den Psychosen. Schizophrenie beeinträchtigt in hohem Maße den Willen, das Denken und Fühlen, die Wahrnehmung und die Leistungsfähigkeit, oft auch soziales Verhalten und Antrieb. Als zentrale Symptome der Schizophrenie gelten Wahnvorstellungen und Halluzinationen, also fehlender Realitätsbezug. Schizophrenie ist nicht ausschließlich gleichbedeutend mit einer Persönlichkeitsspaltung.

Bei Schizophrenen wird die Bewältigung ihres privaten und beruflichen Alltags zum großen Problem. Da sie ihr Leiden oft nicht erkennen oder nicht akzeptieren, dabei sich selbst und andere gefährden können, sind stationäre Einweisungen oft unvermeidbar.

Schizophrenie verläuft schleichend oder setzt plötzlich ein

Eine Schizophrenie kann sich unmerklich und schleichend über Jahre hinweg anbahnen, aber auch mit schweren Symptomen sehr plötzlich einsetzen. Nachdem die akute Phase abgeklungen ist, sind chronische Verläufen und/oder wiederkehrende Krankheitsschübe möglich. Bei etwa Dreiviertel der Betroffenen kommt es zu Rückfällen.

Hohe Selbstmordquote

Schizophrenie beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten sehr stark. Auch nach weitgehender Erholung bleiben bei vielen lebenslange Beeinträchtigungen. Bei schweren Verläufen ist es für Kranke oft hilfreicher, ihr Leben in Heimen oder betreuten Wohneinrichtungen zu verbringen. Bis zu 10 Prozent der Schizophrenen begehen Selbstmord.

Häufigkeit

Schizophrenie kann in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten beginnt die Erkrankung aber zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. Männer erkranken zwischen 20 und 25 Jahren und damit meist etwas früher als Frauen.

Weltweit erkrankt etwa 1 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an Schizophrenie. Alleine in Deutschland werden jährlich rund 13.000 Neuerkrankungen gezählt. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.

Symptome

Die Symptome der Schizophrenie werden zunächst in sogenannte Positiv-Beschwerden und Negativ-Beschwerden unterteilt, müssen aber nicht alle gleichzeitig vorhanden sein.

Positiv-Beschwerden bei Schizophrenie

Die Positiv-Beschwerden bei Schizophrenie treten in der akuten Phase auf:

  • Sinnestäuschungen: Schizophrene nehmen die Realität anders wahr als Gesunde. Sie wirken deshalb oft verwirrt, angstvoll, seltsam entrückt oder distanziert. Es kommt zu Halluzinationen, sie hören oft Stimmen (zum Beispiel aus ausgeschalteten TV- oder Radiogeräten), die ihnen etwas befehlen oder ihr Verhalten kommentieren. Sie sehen, riechen oder schmecken Dinge, die gar nicht vorhanden sind.
  • Ich-Störungen: Im Gegensatz zu Gesunden betrachten Ich-gestörte Patienten eigene Gedanken nicht als Teil ihrer selbst. So verschwimmt die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Umgebung. Gedanken werden als fremd, nicht zu ihnen selbst gehörig gewertet. Der Kranke meint, fremde Gedanken werden ihm von außen eingegeben. Oder es geht anders herum: Eigene Gedanken werden vermeintlich von außen entzogen. Manche Patienten sind der Überzeugung, ihre Gedanken würden sich ausbreiten oder laut werden, sodass sie von Umstehenden "mitgedacht" werden können.
  • Wahnvorstellungen: Bei Schizophrenie sind Betroffene – ohne realen Grund – zum Beispiel überzeugt, verfolgt, überwacht oder fremdgesteuert zu werden. Sie haben den Eindruck, dass alle anderen über sie reden oder dass etwa der Nachbar sie bedroht. Auch Größenwahn kann entstehen oder die zwanghafte Vorstellung, mit Sicherheit an einer gefährlichen Krankheit zu leiden. Selbst logische Argumente können sie nicht vom Gegenteil überzeugen.
  • Gestörtes Denken: Denkabläufe und Gedankengänge geraten ins Stocken, oder reißen unvermittelt ab, einzelne Gedanken blitzen abrupt auf und stören den Gedankenfluss. Die Erkrankten denken und sprechen "zerfahren". Deshalb wirken Schizophrenie-Kranke beim Reden und in ihren Gedanken sprunghaft, unlogisch, wirr, lassen sich ständig ablenken und haben keinen roten Faden mehr. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen Wichtigem und Unwichtigem.
  • Unverständliches Verhalten: An Schizophrenie Erkrankte sind teilweise von großer Unruhe getrieben, wirken rastlos, übererregt. Sie sind oft fröhlich, wenn eigentlich Trauer angebracht ist, oder weinen aus nichtigen Anlässen.

Negativ-Beschwerden bei Schizophrenie

Die Negativ-Beschwerden bei Schizophrenie treten meist erst nach der akuten Phase auf:

  • Verarmte Gefühlswelt: Schizophrene wirken sonderbar abgestumpft, apathisch und oberflächlich. Sie sprechen monoton, zeigen kaum Mimik. Alles, das früher Spaß machte oder Freude bereitete, erscheint jetzt bedeutungslos.
  • Rückzug: Bei Schizophrenie meiden Patienten den Kontakt zu Mitmenschen. Sie reagieren misstrauisch, leben in ihrer eigenen Welt und kapseln sich von der Umwelt zusehends ab. Sie haben keinen Spaß mehr an Hobbys und vernachlässigen selbst nahe Familienangehörige (auch die eigenen Kinder).
  • Aufmerksamkeitsstörung: Konzentration und Aufmerksamkeit sind bei Schizophrenen häufig gestört. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage,, sich auf mehrere Vorgänge gleichzeitig zu konzentrieren oder Problemaufgaben zu lösen.
  • Erschöpfung: Bei Gesprächen mit Schizophrenen wirken diese sehr erschöpft, ohne Antrieb, oft auch körperlich schwach. Die Lebensfreude fehlt. Kranke verharren bisweilen tagelang zu Hause ohne jegliche Aktivität, vernachlässigen dabei nicht selten sogar die notwendige Hygiene.
  • Erstarrung: Bei der heute seltenen katatonen Schizophrenie kommt es bei Betroffenen zu starrer Bewegungslosigkeit, bizarren Körperhaltungen oder zwanghaftem Nachahmen von Bewegungen.

Formen der Schizophrenie

Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie

  • häufigste Form
  • vorherrschende Symptome sind Wahn und Halluzinationen
  • Erkrankungsalter liegt über 25 Jahren
  • Prognose ist mittelmäßig.

Hebephrene Schizophrenie

  • beginnt meist im Teenager-Alter
  • vorherrschende Symptome sind Denk-, Antriebs- und Gefühlsstörungen
  • Jugendlichen fallen oft durch unpassendes Verhalten auf
  • Prognose ist vergleichsweise ungünstig.

katatone Schizophrenie

  • tritt nur sehr selten auf
  • Patienten wirken wie erstarrt, zeigen keinerlei Mimik, bewegen sich und sprechen nicht
  • hat eine eher günstige Prognose.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Schizophrenie sind bislang nicht bekannt. Mediziner gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammen eine Rolle spielen.

Sind Vater oder Mutter schizophren, tragen ihre Kinder ein bis zu 15-fach höheres Risiko zu erkranken als der Bevölkerungsdurchschnitt. Bei eineiigen Zwillingen steigt das Risiko der Geschwister auf bis zu 50 Prozent.

Bei Schizophrenen wurden veränderte Gehirnstrukturen gefunden (Vergrößerung oder Verkleinerung bestimmter Bereiche). Ob und in welchem Ausmaß dies zur Entstehung der Erkrankung beiträgt, ist noch unklar. Was sich Gehirn schizophrener Patienten abspielt, ist noch unklar. Es wird aber davon ausgegangen, dass Botenstoffe im Gehirn als Ursache von Schizophrenie eine Rolle spielen. Diese sogenannten Neurotransmitter ermöglichen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Bei Schizophrenen konnte ein Überschuss des Botenstoffes Dopamin nachgewiesen werden.

Auch eine Entwicklungsstörung vor der Geburt könnte Schizophrenie verursachen. Untersuchungen zeigten: Gehen in der fötalen Phase Nervenzellen fehlerhafte Verbindungen untereinander ein, kann sich dies später, etwa in der Pubertät, begünstigend für Schizophrenie auswirken.

Risikofaktoren für Schizophrenie

Äußere Einflüsse können bei gefährdeten Personen eine Schizophrenie begünstigen – vor allem emotional belastende Erlebnisse, dauerhafte Partnerschafts- oder Eheprobleme sowie soziale Schwierigkeiten mit versagender Leistung über längere Zeit.

Drogen wie Kokain, Haschisch, Marihuana oder LSD sind nach fast einhelliger Expertenmeinung gefährliche Wegbereiter für Schizophrenie. Zudem kann Drogenmissbrauch - insbesondere bei entsprechender Veranlagung - eine Schizophrenie früher zum Ausbruch bringen und den Verlauf der Erkrankung ungünstig beeinflussen.

Behandlung

Die Behandlung der Schizophrenie erfordert ein individuell abgestimmtes therapeutisches Konzept. Dieses Konzept besteht meist aus einer Kombination von Medikamenten, Psychotherapie und sogenannter Soziotherapie (Unterstützung bei der Bewältigung von Leben und Alltag).

Medikamentöse Behandlung von Schizophrenie

Zur medikamentösen Behandlung der Schizophrenie werden gegen akute Symptome vor allem Neuroleptika (Antipsychotika) Amisulpirid, Clozapin oder Haloperidol eingesetzt. Sie bringen die Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht. Dies geschieht meist im Rahmen einer mehrwöchigen stationären Behandlung. Auch zur Vorbeugung werden Neuroleptika oft über längere Zeiträume verordnet, um spätere Rückfälle zu vermeiden.

  • Antidepressiva wie Amitriptylin, Clomipramin, Citalopram, Desipramin, Maprotilin oder Paroxetin verbessern Stimmung, Antrieb und Leistungsfähigkeit von Schizophrenie-Patienten.
  • Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wie Bromazepam, Diazepam, Lorazepam oder Triazolam vermindern Ängste und wirken entspannend.

Psychotherapie bei Schizophrenie

Eine Psychotherapie (stationär und ambulant) bei Schizophrenie hat zum Ziel, den Patienten zu stabilisieren. Ihm soll geholfen werden, Stress zu bewältigen, mit Belastungen besser umzugehen. Angehörige können und sollten mit einbezogen werden, denn ihnen kommt auch in der Nachsorge eine wichtige Rolle zu.

Soziotherapie

Bei der Soziotherapie wird mit den Erkrankten trainiert, wie sie Alltagssituationen zu Hause, in der Öffentlichkeit und im Beruf wieder meistern, wie sie ihre Fähigkeiten und ihre soziale Kompetenz zurückgewinnen.

Selbsthilfe: Was Sie gegen Schizophrenie tun können

Scheuen Sie sich nicht, mit Angehörigen und Freunden über die Schizophrenie zu sprechen, ziehen Sie sich nicht zurück. Zudem gibt es Selbsthilfegruppen sowie Gesprächskreise für Betroffene und Angehörige. Krankenkassen, Gesundheitsämter und sozialpsychiatrische Dienste erteilen Auskunft.

Durchhalten bei der Therapie

Auch wenn's schwerfällt – arbeiten Sie mit Ihren Therapeuten, Ärzten und nahestehenden Menschen zusammen. Nehmen Sie Ihre Medikamente wie verordnet: in der richtigen Dosierung und gemäß dem vereinbarten Zeitplan. Sonst werden Heilungschancen verringert und die Wahrscheinlichkeit späterer Rückfälle vergrößert.

Vermeiden Sie Situationen, die Sie als Stress empfinden, gönnen Sie sich Zeit und Ruhe. Haben Sie Geduld mit sich selbst.

Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung von Schizophrenie gibt es nicht. Aber Alarmzeichen und Verhaltensweisen, die eine Früherkennung begünstigen.

  • Achten Sie auf stärker werdende mögliche Symptome, wie etwa diffuse Ängste, große Empfindlichkeit im Umgang mit anderen Menschen oder einen veränderten Schlaf-wach-Rhythmus.
  • Wenn erste Warnzeichen auftreten: Nicht abkapseln, sondern darüber reden – mit dem Lebenspartner, mit guten Freunden.
  • Erwägen Sie frühzeitig, auch professionellen Rat und Hilfe zu suchen, um Symptome zu klären und rechtzeitig eine Therapie einzuleiten. Je früher die Therapie beginnt, umso besser sind die Heilungsaussichten.
  • Neuer Krankheitsschub: Seien Sie darauf gefasst, dass es Sie immer wieder treffen kann. Bereiten Sie für diese Situation eine Art Notfallplan vor: Wer muss dann informiert werden? Wer wird sich um Sie kümmern?
  • Nach überstandener akuter Phase: Überfordern Sie sich nicht. Erhöhen Sie die täglichen Belastungen durch berufliche und private Verpflichtungen nur schrittweise.
  • Nehmen Sie alle Medikamente ein, die Ihnen zur Vorbeugung verschrieben wurden. Hierbei kann Sie ein in die Therapie eingebundener Psychiater zur Kontrolle unterstützen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019