Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs ist eine relativ seltene aber gut behandelbare Krebserkrankung. Hier finden Sie alles Wichtige über Symptome, Ursachen und Behandlung eines Schilddrüsenkarzinoms.

Synonyme

Schilddrüsenkarzinom, Struma maligna

Definition

Sonographie

Schilddrüsenkrebs ist eine in Deutschland seltene Krebserkrankung. Mediziner bezeichnen das entartete Wachstum der Schilddrüse als Schilddrüsenkarzinom oder Struma maligna. Struma bedeutet Kropf und steht für ein typisches, aber nicht zwingend auftretendes, Symptom des Schilddrüsenkrebses. Zudem sind und bleiben die meisten Strumen gutartig.

Mediziner unterscheiden im Wesentlichen 3 Formen des Schilddrüsenkarzinoms. Das ausschlaggebende Kriterium für die Unterscheidung sind die Schilddrüsenzellen, von denen der Schilddrüsentumor ausgeht.

  • Differenzierte Schilddrüsenkarzinome machen gut 80 Prozent der Schilddrüsentumoren aus. Sie entstehen aus den Schilddrüsenzellen, die für die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Thyroxin verantwortlich sind. Die wichtigsten Unterformen sind papilläre und follikuläre Karzinome der Schilddrüse.
  • Medulläre Schilddrüsenkarzinome werden auch als C-Zell-Karzinome bezeichnet. Hier wächst der Tumor aus den sogenannten C-Zellen. C steht für Calcitonin und ist ein Botenstoff, der maßgeblich am Kalziumstoffwechsel beteiligt ist. Mit einem Anteil von bis zu 10 Prozent sind medulläre Schilddrüsenkarzinome vergleichsweise selten.
  • Noch seltener (etwa 5 Prozent) sind undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome, die auch als anaplastische Tumoren bezeichnet werden.

Alle Formen des Schilddrüsenkrebses sind vergleichsweise gut behandelbar. 10 Jahre nach der Diagnose haben 90 Prozent der Betroffenen den Tumor überlebt.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs nimmt in den vergangenen Jahren weltweit zu. Aber noch ist Schilddrüsenkrebs in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes entfallen auf 100.000 Einwohner pro Jahr 3 Neuerkrankungen (Jahresinzidenz). Daraus ergibt sich eine Jahresprävalenz (Neuerkrankungen pro Jahr auf die gesamte Bevölkerung) von 7.000 Männern und Frauen. Das ist weniger als ein Zehntel der Krankheitsfälle, die beispielsweise auf Brustkrebs oder Darmkrebs entfallen.

Frauen sind deutlich häufiger von Schilddrüsenkrebs betroffen als Männer. Die papilläre Form trifft vor allem junge Erwachsene um das 25. Lebensjahr. Follikuläre und medulläre Tumoren haben einen Häufigkeitsgipfel rund um das 50. Lebensjahr. Schilddrüsenkrebs vom anaplastischen Typ tritt vornehmlich nach dem 60. Lebensjahr auf.

Symptome

Schilddrüsenkrebs verursacht häufig über lange Zeit keinerlei Symptome. Bei bis zu einem Drittel aller Menschen lassen sich durch bildgebende Verfahren sogenannte Mikrokarzinome mit einem Durchmesser von 10 mm in der Schilddrüse nachweisen. Diese Knötchen sind aber weder tastbar noch führen sie zu äußerlich sichtbaren Veränderungen. Auch entsteht aus ihnen nur in jedem 200. Fall Schilddrüsenkrebs.

Warnzeichen für Schilddrüsenkrebs

Eindeutige Warnzeichen für Schilddrüsenkrebs gibt es nicht. Eine rasche Vergrößerung der Schilddrüse mit Kropfbildung, schnelles Wachstum einer bestehenden Struma oder tastbare Knoten im Bereich der Schilddrüse aber sollten immer ärztlich untersucht werden. Hinter diesen Symptomen kann sich ein wachsender Tumor der Schilddrüse verbergen. Das ist aber nur selten der Fall. Viel häufiger sind beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) Ursache der Veränderungen. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist mit etwa 80 Prozent die häufigste Form einer Schilddrüsenentzündung (in Nicht-Jodmangel-Gebieten) und häufigste Ursache von Schilddrüsenunterfunktion im Erwachsenenalter.

Weitere Anzeichen für eine mögliche Erkrankung der Schilddrüse sind:

  • neu auftretende oder sich verschlimmernde Schluckbeschwerden
  • tastbare oder sichtbar vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich
  • Luftnot und Druckgefühl im Hals
  • unerklärliche Heiserkeit mit Hustenreiz und/oder Räusperzwang.

Ursachen

Die Ursachen von Schilddrüsenkrebs sind nicht vollständig erklärt. Sicher ist, dass Jodmangel und radioaktive Strahlung den Tumor begünstigen. Welche Prozesse zum bösartigen Wachstum der Schilddrüsenzellen führen, ist ebenfalls weitegehend unbekannt.

Behandlung

Die Behandlung von Schilddrüsenkrebs hängt von Art und Größe des Tumors ab. In der Regel wird der Tumor operativ entfernt. An die Schilddrüsenoperation schließt sich meistens eine Nachbehandlung an. Je nach individuellem Gesundheitszustand kommen dafür eine Strahlentherapie (Radiojodtherapie) und Zytostatikabehandlung mit nachfolgender Schilddrüsenhormonsubstitution infrage. Auf eine Chemotherapie sprechen aber nur sehr wenige Schilddrüsenkrebsarten an.

Seit 2014 ist in der EU der Tyrosinkinase-Hemmer Sorafenib zugelassen. Der Wirkstoff kann bei fortgeschrittenem, differenziertem Schilddrüsenkrebs gegeben werden, der nicht mehr auf eine Radiojodtherapie reagiert.

Prognose

Die Zahl der Todesfälle durch Schilddrüsenkrebs ist seit Jahren rückläufig. Das liegt vor allem daran, dass die Diagnose immer früher gestellt wird. Inzwischen beträgt die 10-Jahres-Überlebensrate nach einer Schilddrüsen-Operation bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen 90 Prozent. Todesfälle infolge des Tumors sind die Ausnahme. In der Regel sterben die Betroffenen dann auch nicht am Tumor oder den Folgen der OP, sondern beispielsweise wegen Altersschwäche oder anderer Erkrankungen.

Die schlechteste Prognose haben nach wie vor anaplastische Schilddrüsenkarzinome. Bei ihnen liegt die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate (mit Behandlung) bei unter 10 Prozent.

Autor: Charly Kahle

Stand: 25.01.2019

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