Rot-Grün-Schwäche

Rot-Grün-Schwäche ist eine nicht heilbare Farben-Sehstörung. Hier erfahren Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlung einer Rot-Grün-Schwäche.

Synonyme

Rot-Grün-Blindheit, Rot-Grün-Sehschwäche

Definition

Rot-Grün-Schwäche

Rot-Grün-Schwäche definieren Mediziner als Farbsinnstörung. Die Grünschwäche bezeichnen Mediziner als Deuteranomalie oder Deuteranopie. Die Fachbegriffe für Rotschwäche sind Protanomalie und Protanopie. Im umgangssprachlichen Sinne ist eher von einer Farben-Sehstörung oder Farben-Schwäche die Rede.

Wenn Frauen feststellen, dass Männer bei der Farbwahrnehmung häufiger daneben liegen, kann eine Rot-Grün-Schwäche die Ursache sein. Tatsächlich ist diese Farbschwäche bei Männern sehr viel häufiger als bei Frauen. Allerdings sind die Unterschiede der Wahrnehmung im Vergleich mit normalsichtigen Männern oder Frauen fast immer sehr gering. Menschen mit Rot-Grün-Schwäche sehen die Welt im Großen und Ganzen so wie andere Menschen auch.

Rot-Grün-Schwäche ist genetisch bedingt und wird vererbt. Die Fähigkeit zum Unterscheiden von Rot und Grün ist auf dem X-Chromosom codiert. Fehlerhafte Erbanlagen führen dazu, dass die Farbzapfen für die Farbwahrnehmung ausfallen. Das Ausmaß dieser Ausfälle kann sehr unterschiedlich sein.

Häufigkeit

Die Angaben zur Rot-Grün-Sehschwäche sind je nach Studie etwas unterschiedlich. In Deutschland sind demnach zwischen 8 und 10 Prozent der Männer betroffen. Der Anteil der Frauen wird mit 0,5 bis 0,8 Prozent angegeben.

Die Grünschwäche ist mit mehr als 50 Prozent die häufigste Farbsehschwäche. Rotschwäche ist aber nicht viel seltener: Sie macht mehr als 40 Prozent der Farbsehstörungen aus. Der Anteil der Menschen mit Blauschwäche ist verschwindend gering. Noch seltener ist die absolute Farbenblindheit: Hier kommt etwa 1 Fall auf 200.000 Geburten.

Symptome

Einziges Symptom der Rot-Grün-Schwäche ist eine veränderte Farbwahrnehmung. Je nach Stärke sehen Betroffene die Umwelt also verändert. Aber selbst starke Ausprägungen erlauben eine vollkommen alltagstaugliche Orientierung.

Bei der Mehrzahl der Menschen mit Farbschwäche (60 Prozent) ist die Wahrnehmung für nur eine Farbe gestört, also für Rot, Grün oder Blau. Aus diesen Farben setzen sich alle Farben zusammen. Am häufigsten ist die Kombination von Rot- und Grün-Schwäche.

Die häufigsten Symptome der Farbschwäche

  • Protanomalie: keine Wahrnehmung von langwelligem Rotlicht; verwechseln Rot, Gelb, Braun und Grün, keine Unterscheidung von Violett und Blau; Dunkelrot wird als Schwarz wahrgenommen
  • Deuteranomalie: Farbempfindung nur für Rot und Blau; wie Protanomalie, bis auf die Wahrnehmung von Dunkelrot
  • Tritanomalie: keine Wahrnehmung von kurzwelligem Blaulicht; können Blau und Grün sowie Gelbgrün und Grau nicht unterscheiden.

Im Straßenverkehr kann vor allem die Rotschwäche Probleme bereiten. Autofahrer erkennen rote Ampeln nachts dann erst in kurzer Distanz. Eine Grünschwäche wirkt sich hingegen nicht sonderlich aus. Allenfalls kommt es in großer Entfernung zu Verwechslungen von Straßenlaternen und grünen Ampeln.

Oft können sich Menschen mit Farbsehschwächen besser im Dunkeln bzw. in der Dämmerung orientieren.

Ursachen

Rot-Grün-Schwäche wird durch ein fehlerhaftes Gen auf den X-Chromosomen verursacht. In der Regel ist das fehlerhafte Gen nur auf einem X-Chromosom vorhanden. Frauen haben 2 X-Chromosomen. Bei ihnen setzt sich das gesunde Gen gegen das kranke Gen auf dem anderen X-Chromosom durch. Männer haben nur ein X-Chromosom. Daher kann eine fehlerhafte Erbanlage bei ihnen nicht durch ein gesundes Gen ausgeglichen werden.

Das Farbsehen im menschlichen Auge ermöglichen spezialisierte Zellen in der Netzhaut. Diese Farbzapfen oder Zapfenzellen (Neuron coniferum) gibt es für jede der drei Grundfarben. Die Störungen der Farbwahrnehmung entstehen, weil fehlerhafte Erbanlagen die Ausbildung oder Funktion dieser spezialisierten Sinneszellen (Neuronen) stören.

Untersuchung

Die Untersuchung der Rot-Grün-Schwäche erfolgt in der Regel anhand eines Sehtests. Der nach seinem Entwickler benannte Ishihara-Farbtest besteht aus Kreisen in verschiedenen Farben auf weißem Grund. Normalsichtige Menschen erkennen darauf beispielsweise eine Ziffer oder einen Buchstaben, bei einer Störung der Farbwahrnehmung aber nicht. Anhand verschiedener Ishihara-Farbtafeln kann man sich so der Diagnose der Farbsehstörung nähern.

Eine andere Methode zur Bestimmung der Farbsehkraft ist die Untersuchung mit einem Anomaloskop. Mithilfe dieses Geräts wird der sogenannte Anomal-Quotient ermittelt. Dieser Quotient beschreibt, wie stark die Farbwahrnehmung von der Normalsichtigkeit abweicht.

Bei der Untersuchung mit dem Anomaloskop blicken die Patienten durch eine Optik auf einen hälftig geteilten Kreis. Eine Kreishälfte ist beispielsweise grün. Über einen Mechanismus lassen sich weitere Farbtöne auf die andere Kreishälfte einblenden. Der Patient hat die Aufgabe, den gleichen Farbton wie auf der ersten Hälfte zu finden. Aus den Fehlversuchen lässt sich der Grad der Farbfehlsichtigkeit ableiten.

Behandlung

Es gibt keine ursächliche Behandlung der Rot-Grün-Schwäche. Das einzige Hilfsmittel sind Brillen, deren Gläser speziell beschichtet sind. Passende Gläser gibt es für unterschiedlich starke Ausprägung der Rot-Grün-Schwäche sowie andere Farbwahrnehmungsstörungen. Der Effekt dieser Brillen wird von den meisten Nutzern allerdings als recht klein beschrieben.

Vorbeugung

Da Rot-Grün-Schwäche vererbt wird und angeboren ist, lässt sich der Erkrankung auch nicht vorbeugen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.10.2017

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