Rippenfellentzündung

Rippenfellentzündungen treten vor allem bei schweren Lungenerkrankungen auf. Erste Symptome sind häufig stechende Brustschmerzen und Atemnot. Lesen Sie alles Wichtige über Symptome, Ursachen und Behandlung von Rippenfellentzündungen.

Synonyme

Pleuritis, SeitenkrankheitPleuritis, Seitenkrankheit

Definition

Ältere Dame mit plötzlich auftretenden Brustschmerzen

Rippenfellentzündungen bezeichnen Mediziner als Pleuritis. Dieser Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort für das Brustfell, Pleura, ab. Das Brustfell besteht aus zwei Schichten: dem Lungenfell und dem Rippenfell. Bei einer Rippenfellentzündung sind – anders als der Name es vermuten lässt - fast immer Rippen- und Lungenfell betroffen. Man kann also treffender von einer Brustfellentzündung sprechen.

Das Rippenfell kleidet den Brustkorb aus und begrenzt ihn zu den Rippen hin. Das Lungenfell ist der innere Teil des Brustfells, der die Lunge überzieht. An den Rändern sind Lungenfell und Rippenfell miteinander verwachsen. Zwischen den Fellen liegt ein kleiner mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, der sogenannte Pleuraspalt.

In der Regel treten Rippenfellentzündungen als Folge von Lungenerkrankungen wie Tuberkulose oder Lungenentzündungen auf (mehr dazu siehe: Ursachen). Eine beginnende Pleuritis macht sich meist durch Brustschmerzen bemerkbar, die sich beim Atmen verstärken. Auch Atemnot kann ein Anzeichen von Rippenfellentzündungen sein. Häufig ist nur ein Lungenflügel von Pleuritis betroffen und die Schmerzen sind einseitig. Daher kommt auch der frühere Name Seitenkrankheit, der vielen älteren Menschen noch geläufig ist.

Trockene und feuchte Rippenfellentzündung

Mediziner unterscheiden zwei Arten der Rippenfellentzündung: die trockene Rippenfellentzündung und die feuchte Rippenfellentzündung. Dabei geht die trockene Form (Pleuritis sicca) nicht selten in feuchte Form (Pleuritis exsudsativa) über. Heute wird die Einteilung jedoch nicht mehr so streng vorgenommen, da im Ultraschall auch bei einer trockenen Pleuritis fast immer ein minimaler Anteil von Feuchtigkeit erkennbar ist. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Formen:

  • Bei der trockenen Rippenfellentzündung bildet sich keine zusätzliche Flüssigkeit im Pleuraspalt. Hier reiben die Felle aneinander und erzeugen so starke Schmerzen.
  • Bei der feuchten Rippenfellentzündung hingegen kommt es zu einem sogenannten Pleuraerguss. Die vermehrte Flüssigkeit im Hohlraum zwischen Rippen- und Lungenfell drückt in aller Regel auf die Lungenflügel und erschwert das Atmen zusätzlich (siehe auch Symptome). Bei einem Pleuraemphysem finden sich Eiteransammlungen in der Pleurahöhle.

Rechtzeitig erkannt lassen sich Rippenfellentzündungen meistens erfolgreich behandeln. Antibiotika beispielsweise bekämpfen die Erreger bakteriell bedingter Lungenentzündungen oder von Tuberkulose. Pleuraergüsse werden – je nach Größe und Lage – mit einer sogenannten Thoraxdrainage trockengelegt.

Vor allem bei geschwächten Patienten sowie bei Säuglingen können Rippenfellentzündungen bzw. die sie verursachenden Umstände oder Erkrankungen auch zum Tode führen.

Häufigkeit

Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Rippenfellentzündungen gibt es nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass Pleuritis nicht selten ist.

Alleine in Deutschland erkranken nach Angaben des Lungeninformationsdienstes jährlich bis zu 500.000 Menschen an einer Lungenentzündung. Mehr als die Hälfte davon wird zur Behandlung stationär aufgenommen. Schätzungen zufolge kommt es bei 50 Prozent dieser stationär aufgenommenen Menschen mit Lungenentzündung auch zu einer Pleuritis, fast immer als feuchte Rippenfellentzündung.

Besonders häufig sind Säuglinge im ersten Lebensjahr und Menschen nach dem 65. Lebensjahr betroffen.

Symptome

Die Symptome von Rippenfellentzündungen unterscheiden sich nach Art der Pleuritis (trocken oder feucht). Meistens geht die trockene Form (Pleuritis sicca) in die feuchte Form (Pleuritis exsudativa) mit Pleuraerguss über. Dieser Prozess ist häufig von Fieber begleitet. Außerdem wirkt sich die auslösende Grunderkrankung auf die Grunderkrankung aus.

Symptome der trockenen Rippenfellentzündung

Bei einer trockenen Rippenfellentzündung ist in aller Regel nicht nur das Rippenfell, sondern auch das Lungenfell entzündet. Durch die Reibung der Brustfellschichten kommt es zu starken stechenden Brustschmerzen, die sich vor allem beim Einatmen verschlimmern. Das hat einen einfachen Grund: Mit dem Aufblähen der Lungenflügel wird das Lungenfell ans Rippenfell gedrückt. Durch den Druck verstärken sich die Schmerzen. Die Schmerzen sind in vielen Fällen einseitig, da oft nur ein Lungenflügel an der Entzündung beteiligt ist. Zuweilen strahlen die Brustschmerzen bis in die Schulter aus. Verschlimmert werden die Schmerzen oft durch einen starken Reizhusten.

Ein auch äußerlich wahrnehmbares typisches Symptom von trockener Rippenfellentzündung ist eine – meist einseitige – flache Schonatmung, die den Schmerz lindern soll. Aus dieser Atmung entwickeln sich mitunter auffällige Schonhaltungen.

Beim Abhören des Brustkorbes wird das schmerzhafte Aneinanderreiben der Brustfellschichten sogar hörbar. Mediziner bezeichnen dieses Symptom trockener Rippenfellentzündungen als Lederreiben oder Schneeballknirschen. Bei der Auskultation (Abhören) mit dem Stethoskop ähnelt das Geräusch dem Knarren von Ledersohlen neuer Schuhe, andere erinnert es eher an Knirschen von Schnee, den man zu einem Schneeball zusammenpresst.

Symptome der feuchten Rippenfellentzündung

Charakteristisches Symptom der feuchten Rippenfellentzündung (Pleuritis exsudativa) ist ein sogenannter Pleuraerguss. Bei einem Pleuraerguss ist die Flüssigkeitsmenge im Hohlraum zwischen Rippen- und Lungenfell mehr oder minder stark erhöht. Die Symptome der feuchten Rippenfellentzündung hängen vor allem von der Größe und Lage des Pleuraergusses ab.

Kleine Pleuraergüsse verursachen mitunter keine spürbaren Symptome. Denn die Flüssigkeit sorgt dafür, dass die Brustfellschichten nicht aneinander reiben. Dadurch bleiben die für trockenen Rippenfellenzündungen typischen Schmerzen aus.

Je weiter der Pleuraerguss wächst, umso stärker drückt die Flüssigkeit im Pleuraspalt nach innen auf die Lunge. Das erschwert die Atmung, weil der betroffene Lungenflügel sich immer weniger aufblähen kann.

Hörbare Symptome der feuchten Rippenfellentzündung sind schwache oder sogar gänzlich ausbleibende Atemgeräusche im betroffenen Lungenflügel.

Durch Grunderkrankungen ausgelöste Symptome

Reine Rippenfellentzündungen ohne auslösende Grunderkrankung sind überaus selten. Daher vermischen sich die Symptome von Pleuritis und auslösender Erkrankung.

Typische Symptome von Lungenentzündungen sind beispielsweise Fieber, Schüttelfrost, Husten und ein insgesamt stark ausgeprägtes grippeähnliches Krankheitsgefühl. Auch Tuberkulose kann mit diesen Symptomen einhergehen, zudem mit ausgeprägter Müdigkeit und Schwäche.

Ursachen

Rippenfellentzündungen werden nahezu ausschließlich durch andere Erkrankungen verursacht. Die mit Abstand häufigste Ursache von Pleuritis sind Lungenentzündungen. Dabei greifen vor allem die Erreger von bakteriellen Lungenentzündungen auf das Brustfell über.

Mediziner unterscheiden zwischen infektiöser (durch Bakterien, Viren oder Pilze verursacht) und nichtinfektiöser Pleuritis (andere Ursachen). Weitere seltene Ursachen von Rippenfellentzündungen sind:

  • Tuberkulose (in Mitteleuropa nahezu ausgerottet und daher selten)
  • Pleurakarzinose: Metastasen von Krebsgeschwüren wie Brust- oder Lungenkrebs
  • Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
  • Lungenembolie oder Lungeninfarkt
  • Harnstoffvergiftungen (Urämie)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen
  • Verabreichung von reizenden Medikamenten in den Pleuraspalt (Instillation)
  • rheumatische Erkrankungen
  • Operationen oder Unfälle.

Zu den sehr seltenen Ursachen von direkten Rippenfellentzündungen gehören

  • Pleuramesotheliom: Tumor im Pleuraspalt (meist verursacht durch Asbest)
  • Direkte Infektionen des Brustfells mit Coxsackie-B-Viren (Morbus Bornholm).

Risikofaktoren

Lungenentzündungen und Rippenfellentzündungen werden durch Risikofaktoren begünstigt. Dazu zählen vor allem

Untersuchung

Bei einem Verdacht auf eine Rippenfellentzündung beginnt die körperliche diagnostische Untersuchung mit dem Abhören der Atemgeräusche (Auskultation). Typisches Anzeichen einer trockenen Rippenfellentzündung sind Atemgeräusche wie das Lederreiben (siehe Symptome). Bei einer Pleuritis mit Pleuraerguss hingegen sind die Atemgeräusche auf der betroffenen Seite zuweilen nur kaum oder gar nicht mehr wahrnehmbar.

Um den Verdacht auf Pleuritis zu erhärten bzw. das Ausmaß einer Rippenfellentzündung zu bestimmen, folgt in aller Regel eine herkömmliche Röntgenuntersuchung. Hier sind große Pleuraergüsse fast immer gut erkennbar. Nur sehr kleine oder versteckte Ergüsse können zuweilen erst mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) oder einer Computertomografie (CT) sichtbar gemacht werden. Mit den bildgebenden Verfahren kann der Arzt auch Hinweise auf etwaige Tumoren oder Erkrankungen wie Tuberkulose erkennen.

Für die gezielte Behandlung von Rippenfellentzündungen ist es sinnvoll, den Erreger genau zu bestimmen (wenn der nicht schon bekannt ist). Bei einer sogenannten Pleurapunktion kann daher mit einer kleinen Nadel Sekret aus dem Pleuraspalt entnommen werden. Das Sekret wird dann labormedizinisch untersucht.

In seltenen Ausnahmefällen reichen diese Untersuchungen nicht aus, um die Diagnose Pleuritis komplett abzusichern bzw. die Ursache eindeutig zu bestimmen. Dann kann es notwendig werden, den Brustkorb bei einer endoskopischen Untersuchung (Thorakoskopie) von innen in Augenschein zu nehmen.

Behandlung

Die Behandlung einer Rippenfellentzündung richtet sich nach dem Stadium (trocken oder feucht) sowie der auslösenden Grunderkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen.

Behandlung der trockenen Rippenfellentzündung

Trockene Rippenfellentzündungen werden in dem meisten Fällen mit Antibiotika behandelt. Die Wahl der medikamentösen Therapie richtet sich dabei nach der Grunderkrankung bzw. deren Erregern. Bakterielle Lungenentzündungen und Tuberkulose sprechen auf Wirkstoffe wie Penicillin, Azithromycin, Rifampicin und Streptomycin an.

Die seltenen Formen von viral bedingten Rippenfellentzündungen lassen sich nicht kausal mit Medikamenten behandeln. In diesen Fällen bleibt die Therapie darauf beschränkt, die Symptome mit Schmerzmitteln, Hustenstillern oder fiebersenkenden Wirkstoffen zu lindern und ansonsten den Selbstheilungsprozess abzuwarten.

Behandlung der feuchten Rippenfellentzündung

Im Mittelpunkt der Therapie von feuchten Rippenfellentzündungen steht der Pleuraerguss. Kleine Pleuraergüsse baut der Körper meist von selbst ab, wenn die auslösende Erkrankung (meist also eine Lungenentzündung) medikamentös behandelt wird.

Um größere Pleuragergüsse zu entfernen, wird in der Regel eine sogenannte Thoraxdrainage angewendet. Dabei wird – mitunter bei lokaler Betäubung – ein kleiner Schlauch in den Pleuraspalt geführt. Das geschieht meistens seitlich oder am Rücken unterhalb der Rippen. Durch den Schlauch kann der Pleuraerguss abgesaugt werden. Zuweilen wird der Pleuraspalt bei diesem Eingriff gespült. Die Spüllösung aus Kochsalzlösung enthält gegebenenfalls Antibiotika, die so direkt an ihren Wirkort gelangen.

Bei wiederkehrenden Pleuraergüssen kann eine Thoraxdrainage als sogenannter dauerhafter Pleurakatheter gelegt werden. Das ist in der Regel nur bei schwerkranken Menschen nötig, die ohnehin einer stationären Überwachung bedürfen.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach einer Rippenfellentzündung hängen von der Ursache und dem allgemeinen Gesundheitszustand sowie dem Alter der Betroffenen ab. Auch der Zeitpunkt der Diagnose spielt eine wichtige Rolle: je früher die Diagnose, umso besser die Prognose.

Eine Pleuritis infolge einer bakteriellen Lungenentzündung bei ansonsten gesunden Kindern oder Erwachsenen heilt in der Regel innerhalb von wenigen Wochen ab. Ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen haben Kinder bis zum 1. Lebensjahr und Menschen über 65, weil deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt oder altersbedingt geschwächt ist. Lungenfachärzte schätzen, dass jährlich bis zu 35.000 Menschen vorzeitig an den Folgen einer Lungenentzündung sterben.

Vorbeugung

Lungenentzündungen sind die häufigste Ursache von Rippenfellentzündungen. Bakterien vom Typ der Pneumokokken sind die häufigsten Erreger von Lungenentzündungen. Und gegen Pneumokokken können Sie sich impfen lassen. Die Pneumokokken-Schutzimpfung senkt das Lungenentzündungsrisiko um mehr als 90 Prozent. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Kinder (ab dem 2. Lebensmonat) wie auch für Erwachsene über 60 Jahre sowie bei Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels.

Auch die Grippeschutzimpfung schützt indirekt vor Rippenfellentzündungen. Denn Grippe verläuft gerade bei kleinen Kindern und alten sowie abwehrgeschwächten Menschen überdurchschnittlich oft mit Komplikationen in Form einer Lungenentzündung.

Autor: Charly Kahle

Stand: 06.11.2019

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