Synonyme

Retinopathie

Definition

Retinopathie Auge

Eine Retinopathie ist eine Netzhauterkrankung des Auges, die zu Sehstörungen führt. Bluthochdruck (Hypertonie) und Zuckerkrankheit (Diabetes) sind typische Auslöser einer Retinopathie. Ein erhöhter Blutzuckerspiegel (diabetische Retinopathie) und erhöhte Blutdruckwerte (hypertensive Retinopathie) schädigen auf Dauer die Blutgefäße im Körper, vor allem die kleinen Äderchen. Bei einer Retinopathie sind die Netzhautgefäße im Auge betroffen.

Häufigkeit

Etwa 95 Prozent aller Typ-1-Diabetiker leiden nach 15 bis 20-jähriger Krankheitsdauer an einer Retinopathie, bei Typ-2-Diabetikern sind es nach der gleichen Zeit bis zu 80 Prozent.

Symptome

Eine Retinopathie kann sehr lange ohne jegliche Symptome fortschreiten. Eine Verschlechterung des Sehvermögens wie verschwommenes Sehen oder Verzerrungen treten häufig erst auf, wenn die Schäden bereits gravierend sind. Bei Einblutungen in die Netzhaut nehmen die Betroffenen häufig schwarze Punkte wahr. Bei einem Befall der Makula (also der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut) oder bei einer Netzhautablösung kann das Sehvermögen abrupt nachlassen. Pro Jahr erblinden ca. 6.000 Diabetiker aufgrund dieser Komplikation.

Sonderform: Frühgeborenen-Retinopathie

Eine Sonderform der Retinopathie ist die Frühgeborenen-Retinopathie. Dabei handelt es sich um eine Netzhautschädigung bei Frühgeborenen. Aufgrund der Unreife des Frühgeborenen haben sich die Blutgefäße in der Netzhaut nur unzureichend entwickelt. Zudem wirkt sich auch Sauerstoff – wie ihn viele Frühgeborene zur Beatmung bekommen – negativ auf diese Blutgefäße aus. Beides zusammen führt oft zu Netzhautschäden. Deshalb ist es wichtig, Frühgeborene (vor allem die, die nicht alleine atmen können) regelmäßig augenärztlich untersuchen zu lassen.

Folgen einer Retinopathie

Eine Retinopathie hat zwei wesentliche Folgen: Zum einen kann es zu Verschlüssen und damit zu einer verminderten Durchblutung der Sehzellen kommen, zum anderen werden die Wände der Gefäße brüchig. In den kleinen Netzhautgefäßen bilden sich Aussackungen und Flüssigkeit geht verloren. Das wiederum führt häufig zu Ablagerungen auf der Netzhaut. Dieses Stadium wird als nicht-proliferative Retinopathie bezeichnet. Schreitet die Erkrankung unbehandelt fort, geht sie in eine sogenannte proliferative (wuchernde) Retinopathie über, die das Sehvermögen stark gefährdet. Das Auge versucht in diesem Stadium über die Bildung neue Blutgefäße, die Defekte zu beheben. Diese neuen Gefäße aber wuchern unkontrolliert und können Blutungen auf der Netzhaut oder auch im angrenzenden Glaskörper verursachen. Im schlimmsten Fall üben sie einen so starken Zug auf die Netzhaut aus, dass diese sich von ihrem Hintergrund ablöst. Der Betroffene droht zu erblinden. Auch wenn die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, die Makula, von der Retinopathie in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Sehvermögen akut gefährdet.

Jede Sehverschlechterung sollte daher sofort augenärztlich abgeklärt werden. Bei einer spontanen Sehschwäche oder gar einem völligen Sehverlust rufen Sie bitte einen Rettungswagen.

Ursachen

Am häufigsten schädigen stark erhöhte Blutdruckwerte und dauerhaft erhöhte Blutzuckerkonzentration die Blutgefäße der Netzhaut (die sogenannte Retina). Damit wird die Retina nur noch unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Risikofaktoren für Retinopathie

Bestimmte Risikofaktoren können eine Retinopathie auslösen:

  • schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel
  • zusätzlich vorhandener erhöhter Blutdruck
  • Rauchen
  • erhöhtes Cholesterin
  • hormonelle Veränderungen, z.B. in der Schwangerschaft.

Untersuchung

Die Diagnose und Behandlung einer Retinopathie gehört in die Hand eines Augenarztes. Ein Augenarzt denkt bereits anhand der Symptome und der Vorerkrankungen an eine Retinopathie. Um seine Verdachtsdiagnose zu sichern, wird er die Netzhaut untersuchen.

Netzhaut-Untersuchung

Eine Netzhaut-Untersuchung ist einfach und schmerzlos. Zunächst werden die Pupillen üblicherweise mit Tropfen erweitert. Das ermöglicht dem Arzt eine bessere Sicht auf die Netzhaut. Mithilfe einer kleinen Lampe und einer Lupe kann er anschließend die Gefäße, die Austrittsstelle des Sehnervs (Papille), den gelben Fleck in der Mitte der Makula und die durchschimmernde Aderhaut beurteilen. Das genügt in der Regel für die Diagnose einer Retinopathie.

Behandlung

Zur Behandlung der Retinopathie ist eine Lasertherapie erfolgversprechend. Mittels Laser werden die Gefäßveränderungen beseitigt und so das Fortschreiten der Erkrankung verhindert oder wenigstens verlangsamt. Mögliche Nebenwirkungen der Therapie sind Gesichtsfeldeinschränkungen oder schlechteres Sehen im Dunkeln. Im fortgeschrittenen Stadium mit Einblutungen in den Glaskörper gibt es die Möglichkeit der sogenannten Vitrektomie. Dabei wird der Glaskörper entfernt und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt. Gleichzeitig kann bei dieser Operation auch eine Netzhautablösung versorgt werden.

Grunderkrankungen behandeln

Je nach Ursache der Retinopathie müssen natürlich auch die auslösenden Erkrankungen behandelt werden. Dazu gehören vor allem eine ausreichende Blutzuckersenkung bei Diabetes sowie eine medikamentöse Einstellung der Blutdruckwerte bei Bluthochdruck. Zudem müssen erhöhte Blutfettwerte gesenkt werden.

Vorsichtsmaßnahmen bei Retinopathie

Bei einer Retinopathie können Sie einiges tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

  • Achten Sie auf eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte.
  • Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck und lassen Sie ihn unter Umständen senken.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen. Rauchen beeinträchtigt die Durchblutung und verstärkt mögliche Gefäßschäden.
  • Behalten Sie Ihre Blutfette im Auge und versuchen Sie, diese gegebenenfalls durch Diät oder medikamentös zu senken.
  • Vermeiden Sie starke körperliche Anstrengungen oder Sportarten, da diese Blutungen auslösen könnten.

Vorbeugung

Lassen Sie sich möglichst rasch vom Augenarzt untersuchen, wenn bei Ihnen ein Diabetes festgestellt wird. Vor allem bei Typ-2-Diabetiker ist die Netzhaut oft schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung beschädigt. Bei Bluthochdruck oder Diabetes sollten Sie mindestens einmal jährlich zum Augenarzt gehen. Sind die Gefäße bereits in Mitleidenschaft gezogen, müssen die Abstände auf 3 bis 6 Monate verkürzt werden. Suchen Sie bei jeder Veränderung des Sehvermögens umgehend den Augenarzt auf. Außerdem helfen folgende Empfehlungen, einer Retinopathie vorzubeugen:

  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichende körperliche Bewegung. Das verbessert den Stoffwechsel und die Durchblutung. Geeignete Sportarten sind beispielsweise Schwimmen oder Radfahren.
  • Rauchen Sie nicht und trinken Sie nur in Maßen Alkohol, besser verzichten Sie ganz darauf.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Dr. med Anja Braunwarth (Ärztin)

Stand: 14.03.2015