Synonyme

RLS, Restless-Legs-Syndrom

Definition

Frau mit Gefühlsstörungen in den Beinen

Restless Legs ist eine verkürzte Bezeichnung für das Restless-Legs-Syndrom. Die Abkürzung “RLS” bedeutet übersetzt: Erkrankung der unruhigen, ruhe- oder rastlosen Beine. Der Name dieser neurologischen Erkrankung beschreibt die Gefühlsstörungen und den Bewegungsdrang in den Beinen. Im Deutschen spricht man auch von unruhigen Beinen, doch setzen sich auch hier umgangssprachlich zunehmend Restless Legs und die Abkürzung RLS als Krankheitsname durch. RLS mindert zwar die Lebensqualität bisweilen in erheblichem Maße, es sind jedoch bisher keine Fälle bekannt geworden, in denen RLS die unmittelbare Todesursache war. Auf die Lebenserwartung hat das RLS nach heutigen Erkenntnissen keinen Einfluss.

Bei Ruhe häufig Restless Legs

Immer wenn der Betroffene die Ruhe und Entspannung sucht – sei es nachts, beim Lesen oder Fernsehen, im Kino aber auch im Theater – stellen sich die Beschwerden von Restless Legs ein. In der Regel ist dies am Abend und in der Nacht. Ziehen, Reißen, Kribbeln oder auch Schmerzen, machen sich in den Beinen bemerkbar. Erst durch Bewegung gehen die Beschwerden zurück. Zwangsläufig kommt es so nachts zu Schlafstörungen. Durch den ständigen Schlafmangel fühlt sich der Betroffene immer müde und zermürbt – bis hin zur körperlichen und seelischen Erschöpfung.

Schlafstörungen durch RLS

Schlaflabor-Tests haben ergeben, dass ein großer Teil (bis zu 20 %) der Schlafstörungen durch unerkanntes RLS verursacht werden. Die quälende Unruhe in den Gliedmaßen und der nicht zu unterdrückende Zwang, sich zu bewegen, hindert die Betroffenen daran, ein- und durchzuschlafen. Dabei muss sich der Patient – besonders bei sonst nur leicht ausgeprägten Symptomen – der eigentlichen Ursache für sein Problem nicht bewusst sein. Das Ausmaß an Schlafmangel durch die Störungen des Schlafs kann bei RLS-Patienten außergewöhnlich groß sein. In der Folge kommt es oft zu chronischer Müdigkeit am Tage, Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Vergesslichkeit und einer Verschiebung des Tag-und-Nacht-Rhythmus.

Als häufige Spätfolgen sind bei unbehandeltem Fortbestehen daher allgemeiner Leistungsabfall, soziale Isolation und – als schwerwiegendste Konsequenz – Depressionen zu beobachten. Bei schmerzhaften Ausprägungen kann sich, wie bei allen andauernden Schmerzzuständen, auch ein chronisches Schmerzsyndrom ausbilden.

Oft falsche Diagnosen bei Restless Legs

Die Begleiterscheinungen von Restless Legs führen sehr häufig zu einer falschen Diagnose, da die zugrunde liegende Krankheit oftmals nicht gesehen wird. Die ärztliche Annahme, es läge ursächlich eine psychosomatische Störung, eine Depression oder Hypochondrie vor, führt im Extremfall zu langjährigen, durch häufige Arztwechsel geprägte „Patientenkarrieren“. Fragen Sie daher bei anhaltenden Schlafstörungen oder Verdacht auf RLS bei Ihrer Krankenkasse, der Kassenärztlichen Vereinigung oder Selbsthilfegruppen nach einem RLS-erfahrenen Facharzt.

Häufigkeit

Etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung leiden am Restless Legs Syndrom. Jedoch nur bei ca. 1 bis 2 % sind die Beschwerden so stark, dass sie behandlungsbedürftig sind. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer.

Symptome

Restless Legs verursachen in Zuständen der Ruhe bzw. Entspannung in den Beinen und/oder Füßen (seltener auch in den Armen und/oder Händen) ein Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen, Wärmegefühl oder andere als unangenehm empfundene Gefühle. Diese Missempfindungen führen zu dem unwiderstehlichen Drang, sich zu bewegen, die Muskeln anzuspannen oder zu dehnen. Die Beschwerden sind abends oder nachts (Zeitraum zwischen 22:00 und 4:00 Uhr) schlimmer als während des Tages. Sie treten auch bei ruhigem Sitzen oder Liegen auf. Das macht auch Kinobesuche oder Bus- und Flugreisen, bei denen nicht nach Belieben umhergegangen werden kann, zur Qual.

Linderung durch Bewegung

Charakteristisch für das RLS ist die sofortige Linderung durch Muskeltätigkeit, d. h. durch Umhergehen, Kniebeugen, Radfahren oder periodisches Anspannen. Die Symptome kehren jedoch nach einer nur kurzfristigen Besserung bereits in der nächsten Ruhesituation wieder zurück.

Ursachen

Die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Offenbar beruht die Krankheit auf einem Defekt bei der Übertragung von Nervensignalen. Vor allem der Stoffwechsel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn ist gestört. Dopamin als Nervenbotenstoff ist an der Erregungsleitung zwischen den Nervenzellen beteiligt. Wegen der Störung des Dopamin-Stoffwechsels liegen Parallelen zu Parkinson nahe. Jedoch konnte bisher kein Zusammenhang zwischen den beiden Krankheiten festgestellt werden. RLS-Patienten sind nicht häufiger als der Rest der Bevölkerung von der Parkinson-Krankheit betroffen.

Darüber hinaus sind Störungen im Kleinhirn und im Hirnstamm eine mögliche Ursache von RLS.

Risikofaktoren für RLS

Mediziner unterscheiden idiopathischem RLS (ohne auslösende Ursachen, jedoch familiär gehäuft auftretend) und symptomatischem RLS (erworben durch eine andere Grunderkrankung). Die häufigsten Grunderkrankungen bzw. Faktoren, die dieses symptomatische - auch sekundär genannte - RLS auslösen können, sind zum Beispiel:

  • Dialysepflichtige Niereninsuffizienz (schwere Nierenfunktionsstörung)
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Schwangerschaft
  • rheumatoide Arthritis
  • Eisenmangel
  • hormonelle Störungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Nervenschäden (wie Polyneuropathien, beispielsweise infolge von Diabetes).

Erbliche Komponente als Ursache wahrscheinlich

Restless Legs werden vermutlich vererbt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jeder, der von einem Elternteil die Erbanlage für RLS erbt, auch daran erkrankt. Bei mehr als 50 Prozent der Betroffenen tritt das Restless-Legs-Syndrom familiär gehäuft auf.

Medikamente als RLS-Ursache

Verschiedene Medikamente können symptomatisches RLS auslösen oder ein vorhandenes idiopathisches RLS wesentlich verstärken. Das sind beispielsweise trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Antiemetika oder Lithium und Koffein.

Nach Absetzen dieser Medikamente oder Behandlung der üben beschriebenen auslösenden Erkrankungen, geht das sekundäre RLS wieder zurück.

Untersuchung

Es gibt- außer dem Schlaflabor - keine apparativen Untersuchungsmethoden und auch keine Bluttests für die zweifelsfreie RLS-Diagnose. Daher ist der Arzt - der entsprechende Facharzt ist der Neurologe - auf die Symptombeschreibung des Patienten angewiesen. Hierbei kommen standardisierte Fragebögen zum Einsatz. Anhand einer Skala (RLS Severity Scale) kann dann der Schweregrad der Erkrankung eingeschätzt werden.

Dopamin testweise bei RLS-Diagnose

Bereits eine einmalige Gabe von L-Dopa (Vorläufer des Botenstoffes Dopamin im Gehirn) bessert die Symptome bei fast allen RLS-Patienten dramatisch. Daher wird die einmalige Gabe von Dopamin oft als Test für Restless Legs eingesetzt. Andererseits kann ein Restless Legs Syndrom aber nicht ausgeschlossen werden, wenn dieser Test negativ ist und die Beschwerden trotz L-Dopa anhalten.

Ein Immobilisationstest, bei dem die Beine des Betroffenen für eine Zeit lang fixiert werden, kann die genannten begleitenden unwillkürlichen, d. h. nicht willentlich unterdrückbaren periodischen Zuckungen der Muskeln auftreten lassen. In unklaren Fällen ist eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich.

Behandlung

Die individuell angepasste ärztliche Therapie von Restless Legs richtet sich nach dem subjektiven Leidensdruck der Patienten. Im Vordergrund steht meist, die Schlafqualität zu verbessern.

Bei der sekundären Form des RLS muss nach Möglichkeit die zugrundeliegende Ursache beseitigt werden. Ein Eisenmangel beispielsweise ist durch Eisenpräparate leicht auszugleichen.

Medikamentöse Behandlung von Restless Legs

Zur medikamentösen Behandlung von Restless Legs werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Hier die gängigsten Substanzgruppen, die bei RLS angewendet werden:

Levodopa: Da beim RLS Störungen des Botenstoffes Dopamin im Gehirn eine Rolle spielen, setzt man vor allem bei leichtem und mittlerem RLS häufig eine biochemische Vorstufe des Dopamins, das Levodopa, ein. Levodopa kann bei Bedarf zusammen mit Benserazid eingenommen werden und führt zu fast sofortiger Linderung der Beschwerden. Die dauerhafte Gabe verstärkt aber bei den meisten Patienten das Krankheitsbild. Außerdem kommt es zu Veränderungen des RLS (Augmentation). Diese Augmentation ist die häufigste und wichtigste Nebenwirkung der Medikamente. Des Weiteren stellen Nebenwirkungen, Toleranzentwicklung sowie schnelles Abklingen der Wirkung im Laufe der Nacht oftmals ein Problem dar.

Dopaminagonisten: Bei der Behandlung schwerer bzw. täglicher Beschwerden gelten Dopamin-ähnlich wirkende Substanzen (Dopaminagonisten) inzwischen als Mittel der Wahl. Diese Substanzen stimulieren Dopamin-Rezeptoren. Zur Anwendung kommen hier hauptsächlich die Substanzen Ropinirol und Pramipexol. Die Medikamente stellen aktuell, neben der Behandlung mit L-Dopa-Präparaten, den Goldstandard in der Behandlung des RLS dar. Der Wirkstoff Rotigotin steht auch als Pflaster zur Verfügung. Als besonderes Merkmal scheint bei der Rotigotin-Therapie per Pflaster das Risiko einer Augmentation besonders gering.

Opioide stehen in schweren und schwersten, vor allem schmerzhaften Fällen von Restless Legs bzw. bei Versagen anderer Therapieversuche als (stärkstes) Mittel zur Behandlung zur Verfügung. Bei dieser Stoffgruppe steht für die Behandlung des RLS weniger die sonst häufig gewünschte schmerzstillende Wirkung im Vordergrund. Vielmehr wird die dopaminähnliche (dopaminerge) Komponente dieser Stoffgruppe ausgenutzt.

Antiepileptika: Bei stark ausgeprägten Restless Legs können Antiepileptika wie Carbamazepin oder Gabapentin gegeben werden. Diese Stoffgruppe ist zwar noch nicht für die RLS-Therapie zugelassen, wird aber bereits bei stark ausgeprägtem und sehr schmerzhaftem RLS eingesetzt.

Bei der Behandlung von RLS sollten Sie auf Experimente verzichten. Sinnlos sind Behandlungsversuche mit Schlafmitteln, Antidepressiva, Neuroleptika und Betablockern. Im Gegenteil: Viele der genannten Medikamentengruppen, auch die nicht verschreibungspflichtigen, können schon nach kurzer Zeit abhängig machen und beispielsweise die Schlafstörungen durch RLS dramatisch verschlechtern.

Selbsthilfe: Nicht-medikamentöse Behandlung von RLS

Unterstützend bzw. in sehr leichten Fällen können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie etwa die Verbesserung der Schlafhygiene, leichter Sport (u. a. auch gymnastische Übungen wie Dehngymnastik, Pilates, Yoga, Taijiquan, Qigong), Massagen, Koffein oder das Abduschen mit kaltem oder heißen Wasser bei einzelnen Patienten Linderung bringen.

Wirkungslos sind psychotherapeutische Maßnahmen, die das RLS beseitigen sollen; eine professionelle unterstützende Begleitung bei der Alltagsbewältigung für chronisch Kranke kann hingegen sehr hilfreich sein.

Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Meditation wirken sich bei den meisten unbehandelten Betroffenen negativ aus, da diese die Symptome aufgrund der ruhig zu haltenden Gliedmaßen bei diesen Techniken in aller Regel besonders verstärken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 19.04.2018