Regelschmerzen

Ziehen und Stechen im Unterleib, krampfartige Bauchschmerzen und Rückenschmerzen: Viele Frauen kennen die Symptome von Regelschmerzen (Dysmenorrhö) während der Periode nur zu gut. Lesen Sie mehr zu Symptomen, Ursachen, Diagnose und Therapie von Regelschmerzen.

Synonyme

Dysmenorrhö, Dysmenorrhoe

Definition

Wärmeflasche gegen Unterleibschmerzen

Regelschmerzen sind Schmerzen, die während der Menstruation auftreten. Die medizinische Bezeichnung ist Dysmenorrhoe. Regelschmerzen gehören zu den Zyklusstörungen und Menstruationsbeschwerden.  Die Schmerzen während der Regelblutung unterscheiden sich mitunter erheblich. Vom leichten Ziehen bis zu stärksten Unterleibskrämpfen ist alles möglich. 15 bis 25 % aller gynäkologischen Patienten suchen die Praxis wegen Regelschmerzen auf.

Primäre und sekundäre Regelschmerzen

Mediziner unterscheiden primäre und sekundäre Regelschmerzen. Bei der primären Form entstehen die Regelschmerzen alleine durch die Menstruation. Davon sind insbesondere junge Mädchen nach der ersten Regel und sehr schlanke Frauen betroffen. Bei sekundären Regelschmerzen sind Erkrankungen die Ursache der Beschwerden.

Risiko Tamponkrankheit

Schmerzen während der Regelblutung können in seltenen Fällen auch Symptom der Tamponkrankheit (sogenanntes Toxisches Schocksyndrom) sein. Ursache der Tamponkrankheit sind häufig mit Krankheitserregern kontaminierte Tampons (oder auch Diaphragmen). Um dieser lebensgefährlichen Erkrankung vorzubeugen, sollten Sie Tampons immer mit sauberen Händen einführen, Tampons regelmäßig wechseln und nachts auf Binden ausweichen. Ein Diaphragma zur Verhütung sollte nicht länger als nötig getragen werden.

Symptome

Symptome von Regelschmerzen können unterschiedlich stark ausfallen. Einige Frauen verspüren nur ein leichtes Ziehen im Unterleib, der Flanke oder im Rücken. Andere klagen über krampfartige Bauchschmerzen und Rückenschmerzen. Häufig werden Regelschmerzen von Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Auch Brust- und Kopfschmerzen sind üblich. Viele Frauen fühlen sich krank, schlapp und leistungsunfähig. Bis zu etwa 10 % der Frauen sind aufgrund von Regelschmerzen arbeitsunfähig.

Ursachen

Mediziner unterscheiden primäre von sekundären Regelschmerzen. Bei primären Regelschmerzen ist allein die monatliche Blutung Grund der Beschwerden. Bei der sekundären Form lösen Erkrankungen die Beschwerden während der Regel aus.

Primäre Regelschmerzen

Primäre Regelschmerzen werden durch sogenannte Prostaglandine ausgelöst. Prostaglandine sind Schmerzbotenstoffe, die während der Menstruation vermehrt gebildet werden. Sie lassen die Gebärmuttermuskulatur sich krampfartig zusammenziehen, wenn die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Dabei vermindert sich die Durchblutung der Gebärmuttermuskulatur und die Schmerzen werden ausgelöst. Je mehr Prostaglandine gebildet werden, umso stärker sind die Regelschmerzen.

Ein erhöhtes Risiko, an primären Regelschmerzen zu erkranken, haben Frauen

  • mit einer früh einsetzenden ersten Regel
  • deren Mütter oder Schwestern an Regelschmerzen leiden
  • die emotional belastetet sind
  • die besonders sensibel sind
  • mit ungesunder Lebensweise.

Faktoren, die das Risiko von primären Regelschmerzen vermindern, sind zunehmendes Lebensalter und fehlende Eisprünge. Letztere können zum Beispiel Folge von mehreren Schwangerschaften oder Einnahme der „Pille“ sein.

Sekundäre Regelschmerzen

Sekundäre Regelschmerzen werden nicht durch die Menstruation selbst ausgelöst. Vielmehr sind sie Folge von Erkrankungen oder Umständen. Dazu gehören insbesondere:

  • Endometriose, wenn Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst (in mehr als der Hälfte der Fälle)
  • Anwendung mechanischer Verhütungsmittel wie der Spirale
  • Gebärmuttermyome
  • Zysten der Gebärmutter.

Stress und seelische Belastungen wie unerfüllter Kinderwunsch oder Probleme in der Partnerschaft verstärken die Regelschmerzen häufig zusätzlich.

Untersuchung

Die Diagnose Regelschmerzen ist anhand der offenkundigen Symptome leicht zu stellen. Um Erkrankungen auszuschließen, die möglicherweise Regelschmerzen hervorrufen, helfen eine gynäkologische Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall.

Behandlung

Sind Erkrankungen wie Endometriose oder Gebärmuttermyome die Ursache von Regelschmerzen, werden diese zunächst behandelt. Anderenfalls sind Schmerzmittel die Behandlung der Wahl gegen Regelschmerzen.

Medikamente gegen Regelschmerzen

Häufig eingesetzte Schmerzmittel gegen Regelschmerzen sind Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht-opioiden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Metamizol und Paracetamol. Gleichzeitig entzündungshemmend wirken die nicht-steroidalen Wirkstoffe wie Dexibuprofen, Diclofenac, Flupirtin, Ibuprofen, Indometacin, Ketoprofen und Naproxen. Krampflösend ist beispielsweise der muskelentspannende Wirkstoff Butylscopolamin.

Hormone gegen Regelschmerzen

Mitunter werden auch Hormone gegen Regelschmerzen verordnet. Beispiele dafür sind Gestagene wie Lynestrenol, Norethisteron und Progesteron. Reicht das nicht aus, kann das Hormon Chlormadinonacetat (CMA) dazugegeben werden. Die Gestagene regulieren den Menstruationszyklus und CMA hemmt die Bildung der schmerzauslösenden Prostaglandine (Entzündungsbotenstoffe).

Selbsthilfe: Hausmittel gegen Regelschmerzen

Wärmeanwendungen wie warme Bäder oder auch Wärmflaschen, Fango oder Moorkompressen sowie warme Kirschkern- und Heublumenkissen auf dem Unterleib oder im Rücken werden von bei vielen Frauen als wohltuend und schmerzlindernd empfunden. Sie sind eines der am meisten verbreiteten Hausmittel gegen Regelschmerzen.

Bewegungsübungen für den Beckenboden helfen, die Beckenmuskeln zu entspannen und die Beckenregion zu entkrampfen. Ihr Gynäkologe und auch Physiotherapeuten informieren Sie gern über entsprechende Übungen.

Entspannungstechniken lernen: Regelschmerzen sprechen gut auf Entspannungstechniken an. Empfehlenswert sind Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Qigong. Krankenkassen, Gesundheitszentren und Volkshochschulen bieten diese Kurse häufig kostenlos oder zu einem geringen Kostenbeitrag an.

Gesunde Ernährung: Eine gesunde, frische und abwechslungsreiche Ernährung mit reichlich Ballaststoffen, wenig Zucker und Alkohol hilft, Regelschmerzen positiv zu beeinflussen.

Wenig Salz: Bei Wasseransammlungen im Gewebe (insbesondere in der 2. Zyklushälfte) ist es ratsam, die Salzzufuhr zu verringern. Prinzipiell ist es gesünder, statt Salz frische Kräuter und Gewürze zu verwenden.

Viel Magnesium: Bevorzugen Sie magnesiumreiche Lebensmittel. Magnesium kann gegen krampfhafte Regelschmerzen wirken und ihnen sogar vorbeugen. Sehr viel Magnesium enthalten Nüsse, Weizenkeime, Hülsenfrüchte und Vollkornreis.

Akupressur: Bei Regelschmerzen können Sie versuchsweise mit Akupressur starken Blutungen und krampfartigen Schmerzen entgegenwirken. Der entsprechende Reflexunkt gegen Regelschmerzen befindet sich etwa eine Handbreit unterhalb des Knies auf der Innenseite des Unterschenkels. Drücken Sie diesen Reflexpunkt mehrmals täglich für etwa 1 bis 2 Minuten.

Geschlechtsverkehr und Selbstbefriedigung: Wenn Sie Lust haben und die Schmerzen nicht zu stark einschränken, sind Geschlechtsverkehr und Selbstbefriedigung ein gutes Mittel gegen Regelschmerzen. Beim Orgasmus werden zum einen schmerzlindernde Endorphine ausgeschüttet. Des weiteren lockern sich die Muskeln im Unterleib während der Muskelkontraktion. Beides ist gut gegen Regelschmerzen.

Viel Eisen: Bei starken Blutungen und körperlicher Schwäche kann Eisen helfen. Dazu können Sie - nach ärztlicher Untersuchung - die Eisenaufnahme kurz vor und zu Beginn der Menstruation auf etwa 10 bis 15 Milligramm Eisen erhöhen. Eisen wirkt Müdigkeit und Schwäche bei Regelschmerzen entgegen und sorgt für eine bessere Leistungsfähigkeit während der Menstruation.

Pflanzliche Medikamente

Neben frei verkäuflichen schmerz- und entzündungslindernden Wirkstoffen (siehe Behandlung) gegen Regelschmerzen gibt es eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die die Beschwerden verringern können. Besonders geeignete Medikamente enthalten die Wirkstoffe aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga) und Keuschlammfrüchte (Mönchspfeffer).

Tabletten mit Galgantwurzel sowie Tees mit Frauenmantel, Gänsefingerkraut, Kamillenblüten und Melisse wirken krampflösend.

Ätherische Öle aus Majoran und Wacholder harmonisieren Ihr Wohlbefinden stabilisieren die Stimmung.

Auch wenn die Wirkung nicht belegt ist, sind viele Frauen sind von homöopathischen Globuli bei Regelschmerzen überzeugt. Häufig eingesetzte Arzneien sind Belladonna, Chamomilla, Cimicifuga, Coffea, Nux vomica, Pulsatilla und Sepia.

Vorbeugung

Regelschmerzen kann nur bedingt vorgebeugt werden. Hauptsächlich hilft eine gesunde Lebensweise wie:

  • regelmäßige sportliche Betätigung (erhöht die Durchblutung in der Beckenregion)
  • Normalgewicht anstreben
  • gesunde, abwechslungsreiche und frische Ernährung
  • geringer Verzehr von Kaffee und Alkohol
  • nicht rauchen
  • evtl. Einnahme der Antibabypille (mit dem Gynäkologen besprechen).

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.03.2013

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