Synonyme

gastroösophageale Refluxkrankheit, Refluxösophagitis

Definition

Mann hat Probleme mit seiner Speiseröhre

Die Refluxkrankheit wird oft mit dem häufigsten Symptom dieses Krankheitsbildes, dem Sodbrennen, verwechselt. Reflux, das Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre, verursacht Sodbrennen. Gelegentliches Sodbrennen ist aber keine Erkrankung, sondern meistens die Folge von üppigen Mahlzeiten oder übermäßigen Trinkens.

Wenn es regelmäßig zu Sodbrennen kommt, kann Refluxkrankheit die Ursache sein. Dabei handelt es sich meist um eine Fehlfunktion des unteren Speiseröhrenmuskels (unterer Ösophagussphinkter), der die Speiseröhre vom Magen trennt bzw. den Verschluss zwischen beiden Organen gewährleistet. Durch den geschwächten Schließmuskel kann Mageninhalt leicht in die Speiseröhre gelangen.

Zwei Formen der Refluxkrankheit: NERD und ERD

Mediziner sprechen meist von Refluxösophagitis. Sie unterscheiden Refluxkrankheit vor allem in zwei Untergruppen:

  • NERD steht für nicht erosive gastroösophageale Refluxkrankheit (Non-Erosive Reflux Disease). Bei dieser Form ist die Schleimhaut der Speiseröhre durch das Aufsteigen der Magensäure (noch) nicht nachweisbar geschädigt.
  • ERD ist die Abkürzung für erosive Refluxkrankheit (Erosive Reflux Disease). Bei dieser Verlaufsform ist die schützende Schleimhaut der Speiseröhre sichtbar verletzt und geschwürartig verändert.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Refluxkrankheit in Deutschland wird mit einem Anteil zwischen 10 und bis zu 25 Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung angegeben. In den Studien wird allerdings nicht immer genau zwischen gelegentlichem oder wiederkehrenden Sodbrennen und tatsächlicher Refluxösophagitis, also Refluxkrankheit, unterschieden. Experten gehen davon aus, dass etwa 10 Prozent der Erwachsenen chronisch unter einer behandlungsbedürftigen Refluxkrankheit leiden.

Symptome

Mehr über die Symptome und Komplikationen von Refluxkrankheit: siehe Sodbrennen

Ursachen

Häufigste Ursache der Refluxkrankheit ist ein schwacher unterer Speiseröhrenmuskel. Der sogenannte untere Ösophagussphinkter trennt die Speiseröhre vom Magen. Ist der Muskel zu schwach, kann saurer Mageninhalt leicht aus dem Magen in die Speiseröhre gelangen und die Schleimhaut schädigen.

Die Ursache für die Schwäche des Ösophagussphinkters lässt sich in den meisten Fällen nicht ermitteln. Mediziner sprechen dann von einer primären Refluxkrankheit. Diese Form ist mit Abstand am häufigsten.

Eine sekundäre gastroösophageale Refluxkrankheit hingegen entsteht durch eine Veränderung der körperlichen Struktur bzw. Funktion. In der Hälfte der Fälle wird die sekundäre Form durch die räumlichen Verschiebungen während der Schwangerschaft verursacht. Eine andere häufige Ursache sind Erkrankungen des Magens wie etwa ein verengter Magenausgang (Pylorusstenose). Angeborene oder erworbene Veränderungen der Speiseröhre, eine zu große Magensäureproduktion, Magenmundschwäche (Kardiainsuffizienz) oder Zwerchfellschwäche (Hiatushernie) sind weitere Ursachen von sekundärer Refluxkrankheit.

Auch Medikamente können die Speiseschleimhaut reizen. Eine sogenannte Pillenösophagitis wird beispielsweise durch Antibiotika (z.B. Tetrazykline, Clindamyzin und Penicillin) oder Bisphosphonate gegen Osteoporose (z.B. Alendronat, Etidronat und Pamidronat) ausgelöst, wenn diese im Liegen eingenommen und mit zu wenig Wasser heruntergeschluckt werden.

Des Weiteren können antivirale Medikamente wie Zidovudin und Zalzitabin, nicht-steroidale Antirheumatika wie Aspirin, Ibuprofen und Naproxen, Herz-Kreislauf-Medikamente wie Alprenolol, Captopril und Nifedipin, Kortisonpräparate, Ascorbinsäure sowie Eisensulfat und Kaliumchlorid Speiseröhrenschleimhautschädigungen hervorrufen.

Behandlung

Beschwerden infolge primärer Refluxkrankheit lassen sich vor allem durch eine Umstellung der Ernährung zuverlässig lindern. Dabei kommt es vor allem darauf an, einerseits den Magen nicht zu überfüllen. Andererseits wirkt es sich positiv aus, auf magenreizende Substanzen zu verzichten. Das gilt beispielsweise für kohlensäurehaltige Getränke, fett- und kohlenhydratreiche Nahrungsmittel, Alkohol und Kaffee. Auch Nikotin zählt zu den magenreizenden Substanzen. Zu viele Pfunde in Form von Übergewicht wirken sich ebenfalls negativ auf den Speiseröhrenschließmuskel aus.

Für die medikamentöse Behandlung von primärer Refluxkrankheit und Sodbrennen steht eine Reihe von Wirkstoffe zur Verfügung. Mehr dazu lesen Sie hier: Sodbrennen.

Bei sekundärer Refluxkrankheit zielt die Therapie darauf ab, die auslösende Erkrankung zu behandeln bzw. die Medikation zu ändern. Nach Schwangerschaften normalisiert sich die Schließfestigkeit des Ösophagussphinkters in den meisten Fällen innerhalb von Wochen oder Monaten.

Magensäureblocker bergen Risiken

Protonenpumpenhemmer wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol zählen zu den meistverkauften Medikamenten in Deutschland. Nach Angaben des Arzneimittelreports der Barmer Krankenkasse bekamen 2018 fast 12 Millionen Deutsche Protonenpumpenhemmer verordnet. Darüber hinaus sind die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol auch frei verkäuflich.

In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Magensäureblocker aus der Wirkstoffgruppe der Protonenpumpenhemmer als einfaches und sicheres Medikament. Dabei bleiben allerdings 2 Aspekte außen vor: die Nebenwirkungen und der Umstand, dass Protonenpumpenhemmer abhängig machen können.

Nierenschäden als Nebenwirkung

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern zählen Knochenschwund (Osteoporose) und Magnesiummangel mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle. Diese Nebenwirkungen sind mittlerweile durch eine ganze Reihe von Studien belegt. Noch schwerer wiegt mitunter, dass die Medikamente den natürlichen Regelkreislauf der Magensäureproduktion dauerhaft aus dem Takt bringen. Nach längerer Einnahme bleiben zwischen 14 bis 64 Prozent der Patienten dauerhaft auf die Medikamente angewiesen.

Zusammenhang von Protonenpumpenhemmern und Allergien möglich

Möglicherweise erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko für allergische Erkrankungen. Wissenschaftler der Universität Wien veröffentlichten inm Fachmagazin "Nature Communications" (August 2019) eine Studie (siehe Quellen), die zumindest einen auffälligen statistischen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Protonenpumpenhemmern und allergischen Erkrankungen herstellt. Die Wissenschaftler hatten Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit für die Verschreibung von antiallergischen Medikamenten um bis zu 300 Prozent steigt, wenn zuvor Magensäureblocker verschrieben worden waren. Das bedeutet nicht zwingend, dass Protonenpumpenhemmer tatsächlich Allergien auslösen oder begünstigen. Der Zusammenhang ist nach Einschätzung der Studienautoren aber nicht von der Hand zu weisen und lege nahe, Magensäureblocker nur sehr dosiert einzusetzen.

Anders bewertet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten das Studienergebnis. Die Fachgesellschaft sieht laut Pressemitteilung keinen „evidenten Zusammenhang zwischen Magensäureblockern und Allergien“. Eine entsprechende Bewertung gebe das Design der österreichischen Studie nicht her.

Studienlage

Studie zu Protonenpumpenhemmern und Allergie: Country-wide medical records infer increased allergy risk of gastric acid inhibition: https://www.nature.com/articles/s41467-019-10914-6

Autor: Charly Kahle

Stand: 06.08.2019