Raynaud-Syndrom

Anfallsartig blasse Finger, die nach kurzer Zeit schmerzen oder kribbeln? Das können Symptome einer Durchblutungsstörung sein, dem Raynaud-Syndrom.

Synonyme

Morbus Raynaud, Weißfingerkrankheit, Leichenfinger, Digitus mortuus, Reilscher Finger

Definition

Krankenhelfer hält die Hand eines Patienten

Als Raynaud-Syndrom (Morbus Raynaud) bezeichnen Mediziner eine in Schüben auftretende Durchblutungsstörung, die vor allem an den Fingerendgliedern auftritt. Es können aber auch Zehen, Nase oder Ohren betroffen sein. Den Namen Weißfingerkrankheit oder Leichenfinger erhielt die Erkrankung aufgrund der typischen Symptome: Die Finger werden blass. In der Regel schmerzen die betroffenen Stellen oder sind gefühllos. Üblicherweise tritt das Raynaud-Syndrom anfallsartig auf und verebbt nach wenigen Minuten. Es kann aber auch über Stunden anhalten und zu Gewebeschädigungen bin zum Absterben von Gliedmaßen (Nekrose) führen.

Häufigkeit

Über die Häufigkeit des Raynaud-Syndroms finden sich sehr unterschiedliche Angaben. Einige Autoren nennen eine Häufigkeit von 4 Prozent der Gesamtbevölkerung, andere gehen von bis zu 17 Prozent aus.

Symptome

Die Symptome des Raynaud-Syndroms laufen in der Regel in 3 Phasen ab.

Im ersten Stadium erblassen die betroffenen Gliedmaßen (Ischämie), meistens die Finger, selten auch Nase, Ohren oder Zehen. Bei stillenden Frauen kann auch die Brustwarze betroffen sein. Je nach Grad der Durchblutungsstörung verfärben sich die Gliedmaßen bzw. Körperteile bläulich (Zyanose). Wenig später kommt werden die minderdurchbluteten Bereiche wieder durchblutet. Das wird von Rötungen, Kribbeln oder pulsierendem Klopfen begleitet. Diese Symptome des Raynaud-Syndroms fühlen sich etwa so an, wie das „Aufwachen“ einer „eingeschlafenen“ Gliedmaße.

Die Phasen der Verfärbung -  also weiß, blau, rot – werden nach der französischen Flagge als Tricolore-Phänomen bezeichnet.

Ursachen

Ursache für die Symptome des Raynaud-Syndroms ist eine anfallsartige Durchblutungsstörung der betroffenen Gliedmaßen, meist infolge eines Gefäßkrampfes. Mediziner unterteilen Weißfingerkrankheit nach der Ursache in das primäre und das sekundäre Raynaud-Syndrom. Beim primären Raynaud-Syndroms ist keine körperliche Ursache erkennbar. Es wird deshalb auch als idiopathisch bezeichnet.

Ursachen für sekundäres Raynaud-Syndrom

Das sekundäre Raynaud-Syndrom ist Folge unterschiedlichster Erkrankungen und/oder Reizen oder Umstände. Dazu zählen unter anderem:

  • Arteriosklerose und periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK)
  • Autoimmunerkrankungen wie Lupus Erythematodes oder Sjögren-Syndrom
  • Vergiftungen mit Schwermetallen oder Vinylchlorid
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, vor allem: Betablocker, Ergotaminpräparate und Krebsmittel (Zytostatika)
  • Veränderungen in der Blutzellzusammensetzung wie Polycythaemia vera (PV) oder essenzielle Thrombozythämie (ET)
  • Verletzungen der Hände oder Füße
  • Überlastungen von Händen (beispielsweise durch vibrierende Werkzeuge; Vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom).

Auslöser

Typischerweise werden Anfälle des sekundären Raynaud-Syndroms durch physikalische Reize wie Kälte, Hitze oder Vibrationen ausgelöst. Auch Stress scheint die Anfälle zu begünstigen.

Behandlung

In den allermeisten Fällen sind die Symptome des Raynaud-Syndroms nicht gefährlich. In der Regel reicht es aus, die minderdurchbluteten Gliedmaßen zu erwärmen. Händewaschen mit warmem Wasser oder ein warmes Fußbad lassen die Symptome oft schnell abklingen. Zudem regen Bewegung und Massagen die Durchblutung an.

Wenn die Symptome länger als 30 Minuten anhalten oder häufig wiederkehren, sollte das Raynaud-Syndroms ärztlich untersucht werden. Bei sekundärem Raynaud-Syndrom kommt es vor allem darauf an, die auslösende Umstände oder Erkrankungen zu identifizieren.

Medikamentöse Therapie von Raynaud-Syndrom

Wenn die einfachen physikalischen Anwendungen und die Behandlung der Grunderkrankung nicht zum gewünschten Ergebnis führen, ist eine medikamentöse Therapie des Raynaud-Syndroms möglich. Dabei werden beispielsweise gefäßerweiternde Wirkstoffe wie Nifedipin aus der Gruppe der Kalziumantagonisten angewendet. Alpha-Rezeptorenblocker (ebenfalls gefäßerweiternd) wie Phentolamin und Tolazolin oder Prostaglandinanaloga wie Alprostadil oder Prostacyclinanaloga wie Ilomedin und Iloprost sind weitere Optionen. Eine Alternative sind auch Einreibungen oder Salben mit Nitroglyzerin.

Sympathektomie: Durchtrennung von Nervenfasern

Bei besonders schweren und/oder belastenden Fällen von Raynaud-Syndrom kann erwogen werden, bestimmte Nervenfasern des sympathischen Nervensystems zu durchtrennen. Mediziner bezeichnen diesen Eingriff als Sympathektomie. Wegen starker Nebenwirkungen wird dieser Eingriff allerdings nur selten vorgenommen. Zu den Nebenwirkungen gehört unter anderem, dass die Betroffenen in den operierten Bereichen wegen einer Lähmung der Schweißdrüsen nicht mehr schwitzen können. Zudem werden die betroffenen Bereiche überstark durchblutet.

Vorbeugung

Dem Raynaud-Syndrom lässt sich nicht sicher vorbeugen. Das Risiko für eine Erkrankung sinkt aber deutlich, wenn das Risiko für Durchblutungsstörungen gesenkt wird. Das geht am besten durch abwechslungsreiche und fettreduzierte Ernährung mit frischen Lebensmitteln. Auch regelmäßige Bewegung stimuliert das Kreislaufsystem. Nichtraucher profitieren, weil sie im Gegensatz zu Rauchern ihren kleinsten Blutgefäßen nicht schaden.

Bei bekanntem Raynaud-Syndrom sollten die Betroffenen vor allem Hände und Füße immer warm halten. Zudem verringern Entspannungstechniken gegen Stress die Zahl der Anfälle.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.01.2018

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