Psoriasis-Arthritis

Psoriasis-Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die in Zusammenhang mit Schuppenflechte auftritt. Mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung.

Synonyme

Psoriasisarthropathie, PsA, Arthritis psoriatica, Arthropathia psoriatica

Definition

Schuppenflechte am Ellenbogen

Psoriasis-Arthritis ist eine nicht ansteckende, chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung, die in Zusammenhang mit Schuppenflechte auftritt. Daher auch der Name: Psoriasis ist der Fachausdruck für Schuppenflechte, Arthritis bedeutet Gelenkentzündung. Mediziner zählen Psoriasis-Arthritis zur Gruppe der sogenannten Spondyloarthritiden. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise auch Morbus Bechterew oder Gelenk- und Wirbelsäulenrheuma durch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Mediziner bezeichnen Psoriasis-Arthritis auch als Psoriasisarthropathie oder PsA. Sie unterscheiden die Erkrankung nach ihrem Erscheinungsbild vor allem in 3 Formen:

  • peripherer asymmetrischer Typ
  • peripherer symmetrischer Typ
  • axialer Typ

Psoriasis-Arthritis verläuft in der Regel schubförmig. Typische Symptome sind schmerzende und geschwollene Gelenke, die zunehmend unbeweglicher werden oder versteifen. Neben den Gelenken können auch gelenknahe Strukturen wie Sehnen, Bänder, Muskelansätze oder die Gelenkkapsel betroffen sein.

Meist beginnt die Erkrankung an den Fingern oder Zehen. Sie kann aber auch alle anderen Gelenke sowie die Wirbelsäule erfassen. Zudem verursacht Psoriasis-Arthritis mitunter Herzkreislaufbeschwerden. Auch Nieren und Augen können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Warum Schuppenflechte in einigen Fällen eine Psoriasis-Arthritis nach sich zieht, in anderen aber nicht, ist nicht bekannt.

In der Behandlung von Psoriasis-Arthritis haben sich entzündungshemmende Medikamente bewährt. Dazu zählen beispielsweise entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika oder Glukokortikoide. Vergleichsweise neu sind Biologika aus den Wirkstoffgruppen der TNF-alpha-Blocker oder Interleukin-Blocker.

Häufigkeit

Verlässliche Angaben zur Häufigkeit von Psoriasis-Arthritis gibt es gegenwärtig aber nicht. Im Vergleich zum Auftreten von Schuppenflechte (etwa 1,5 Millionen oder 2 Prozent der Gesamtbevölkerung) ist Psoriasis-Arthritis in Deutschland aber vergleichsweise selten.

Die Deutsche Rheuma-Liga gibt mindestens 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr an. Andere Experten gehen von etwa 160.000 Patientinnen und Patienten aus. Das entspräche einem Anteil von mehr als 10 Prozent der Schuppenflechte-Fälle. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2009 kommt zu einem deutlich niedrigeren Ergebnis. Demnach liegt der Anteil der PsA-Fälle nach 5 Jahren bei 1,7 Prozent, nach 10 Jahren bei 3,1 Prozent und nach 20 Jahren bei 5,1 Prozent.

Die meisten Patientinnen und Patienten sind beim ersten Auftreten der Symptome zwischen 35 und 55 Jahre alt. Bei mehr als der Hälfte (60 Prozent) treten die Gelenkbeschwerden erst viele Jahre nach Beginn einer Schuppenflechte aus. In einem von zehn Fällen (10 Prozent) beginnt Psoriasis mit Gelenkbeschwerden.

Symptome

Die Symptome von Psoriasis-Arthritis sind von Patient zu Patient verschieden. In der Regel aber sind die betroffenen Gelenke und gelenknahen Ansätze geschwollen, druckempfindlich und schmerzhaft. Häufig sind von Psoriasis-Arthritis alle Gelenke eines Fingers oder eines Zehs betroffen. Mediziner sprechen vom Strahlbefall.

Abhängig vom Ort (Lokalisation) der entzündlichen Veränderungen unterscheiden Mediziner vor allem 2 Gruppen: die periphere und die axiale Psoriasis-Arthritis.

Symptome der peripheren Psoriasis-Arthritis

Die Symptome der peripheren Psoriasis-Arthritis werden noch einmal in 2 Untergruppen gegliedert, nämlich den asymmetrischen den symmetrischen Typ.

  • häufig nicht seitengleiche schmerzhafte Schwellungen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke in Fingern und Zehen (asymmetrischer Typ)
  • selten weitgehend beidseitige Beteiligung größerer Gelenke (symmetrischer Typ)
  • morgendliche Anlaufschmerzen
  • Nagelpsoriasis: verdickte oder verfärbte Finger- und/oder Zehennägel, die sich mitunter auch ablösen

Symptome der axialen Psoriasis-Arthritis (selten)

  • entzündliche Veränderungen der Wirbelsäule
  • Versteifung von Wirbelgelenken oder Kreuzbein-Darmbein-Gelenk

Komplikationen von Psoriasis-Arthritis

Ursachen

Die Ursache von Psoriasis-Arthritis liegt in einer Fehlreaktion des Immunsystems. Deshalb zählt die Psoriasis-Arthritis zu den Autoimmunerkrankungen.

Ob Schuppenflechte oder Psoriasis-Arthritis: Bislang kann die Medizin nicht erklären, warum Immunerkrankungen wie diese bei einem Menschen ausbrechen, bei anderen aber nicht.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Neigung zu Fehlreaktionen des Immunsystems in den Genen liegt, also erblich begünstigt wird. Doch auch wenn Schuppenflechte oder Psoriasis-Arthritis in der Erbsubstanz angelegt sind: Das bedeutet nicht, dass es zu einer Erkrankung kommt.

Trigger für Psoriasis-Arthritis

Viele Experten gehen davon aus, dass unterschiedlichste Einflüsse von innen wie außen den Ausbruch von Psoriasis-Arthritis begünstigen. Zu diesen sogenannten Triggerfaktoren zählen (alphabetisch):

  • Alkohol- und Nikotinkonsum
  • bakterielle Infektionen (vor allem mit Streptokokken-Infektionen)
  • einseitige Ernährung
  • Hormonschwankungen und Hormonumstellungen, vor allem Pubertät, Wechseljahre und Schwangerschaft
  • mechanische oder physikalische Hautreizungen
  • Medikamente wie ACE-Hemmer oder Beta-Blocker
  • Stress

Eindeutig belegt ist ein Zusammenhang zwischen diesen Triggern und Psoriasis-Arthritis aber nicht. Letztlich findet sich bei jedem kranken Menschen ein Umstand, der aber mit der Krankheit nichts zu tun haben muss. Wenn Sie beispielsweise an Grippe erkranken, ist das den Influenzaviren zuzuschreiben. Und nicht etwa der Tatsache, dass Sie ein Medikament gegen Bluthochdruck wie ACE-Hemmer oder Beta-Blocker einnehmen.

Diagnose

Bis zur Diagnose von Psoriasis-Arthritis kann viel Zeit vergehen. Das liegt aber in erster Linie nicht daran, dass die Diagnose besonders schwer zu stellen wäre. Vielmehr fragen Mediziner bei Schuppenflechte nicht immer auch nach Gelenkbeschwerden. Andererseits weisen Patientinnen und Patienten Ärzte mitunter nicht auf Gelenkbeschwerden hin.

Spezielle diagnostische Parameter wie beispielsweise bestimmte Blutwerte gibt es bei Psoriasis-Arthritis leider nicht. Dennoch kann eine Blutuntersuchung helfen: Wenn im Blut keine Rheumafaktoren nachweisbar sind, wird eine Psoriasis-Arthritis als Diagnose wahrscheinlicher. Die Wahrscheinlichkeit dieser Diagnose ist darüber hinaus bei positivem HLA-B27-Befund sowie bei dem Vorhandensein von bestimmten Antikörpern (ACPA) erhöht.

Ansprechpartner für die Diagnose von Psoriasis-Arthritis sind Hautärzte (Dermatologen) und Rheumaärzte (Rheumatologen). Beide Facharztgruppen setzen nach individuellem Bedarf unterschiedliche bildgebende Verfahren ein, um das Ausmaß der Gelenkbeeinträchtigung zu bestimmten – und eine passgenaue Therapie einzuleiten.

Behandlung

Psoriasis-Arthritis ist nicht ursächlich heilbar. Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Beschwerden zu lindern und ein Fortschreiten der Gelenk-, Knochen- oder Organschäden zu vermeiden.

Entzündungshemmer bei leichten Beschwerden

Die medikamentöse Behandlung zielt zunächst darauf, die Entzündungsprozesse als Ursache von Schmerzen und Gelenkzerstörung auszuschalten. Im Frühstadium von Psoriasis-Arthritis beziehungsweise bei gering ausgeprägten Beschwerden haben sich entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (ASS), Arylessigsäurederivate (zum Beispiel Diclofenac) und Arylpropionsäurederivate (zum Beispiel Ibuprofen) bewährt. Bei stärkeren Beschwerden oder akuten Entzündungsschüben sind Glukokortikoide wie Prednison und Prednisolon eine Alternative. Für eine Dauerbehandlung sind aber beide Medikamentengruppen nicht geeignet.

Medikamentöse Therapie mit DMARDs

In der Langzeittherapie von entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthritis oder rheumatoider Arthritis werden pharmazeutische Wirkstoffe angewendet, die nicht nur akut Symptome lindern, sondern den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen sollen. Diese Medikamente werden als Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs bezeichnet. Zur Gruppe dieser DMARDs gehören:

  • Azathioprin
  • Ciclosporin
  • Goldverbindungen
  • Leflunomid
  • Methotrexat
  • Sulfasalazin

In der Regel beginnt die Behandlung mit Methotrexat (MTX). Wenn nach 3 bis 6 Monaten kein befriedigendes Ergebnis zu verzeichnen ist, wird Methotrexat meist mit einem der anderen DMARDs kombiniert oder durch eines der anderen Basismedikamente ersetzt.

Biologika als Reserve

Wenn die bislang genannten medikamentösen Therapieversuche nicht ansprechen, bilden sogenannte Biologika wie Adalimumab, Etanercept oder Infliximab eine Alternative. Dabei handelt es sich um komplexe Wirkstoffe, die tief in das Immunsystem eingreifen. Entsprechend häufig und schwer sind die möglichen Nebenwirkungen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Lungenentzündung (Pneumonie) und tiefe Entzündungen des Bindegewebes (Phlegmone).

Biologika zeichnen sich durch eine hohe Wirksamkeit ist. Das allerdings ist nicht bei allen Patientinnen und Patienten der Fall. Zudem sind diese Medikamente in der Regel sehr kostspielig.

Die bei rheumatoiden Erkrankungen eingesetzten Biologika gehören zu den Wirkstoffgruppen der TNF-alpha-Blocker oder Interleukin-Blocker.

Prognose

Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar. In den allermeisten Fällen bleiben Betroffene dauerhaft auf Medikamente angewiesen. In etwa der Hälfte der Fälle verschlimmern sich die Symptome der PsA mit den Jahren. Mediziner bezeichnen diesen Verlauf als progredient-erosiv. In jedem 5. Fall von Psoriasis-Arthritis kommt es zu schweren Verläufen, bei denen die Gelenke nahezu zerstört werden können. Bei besonders schweren Verläufen kann auch die Lebenserwartung negativ beeinflusst sein.

Autor: Charly Kahle

Stand: 02.01.2019

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