Psoriasis (Schuppenflechte)

Bei Schuppenflechte (Psoriasis) erneuert sich die Haut schneller als bei gesunden Menschen, was sich durch Bildung von Schuppen auf gerötetem Grund (Plaques) und Juckreiz bemerkbar macht. Aufgrund der Schuppenbildung kann Psoriasis die Lebensqualität von Patienten deutlich schmälern.

Synonyme

Schuppenflechte, Psoriasis

Definition

Psoriasis (Schuppenflechte)

Psoriasis ist die medizinische Fachbezeichnung für Schuppenflechte. Dabei handelt es sich um eine nicht ansteckende, chronisch-entzündliche Hautkrankheit. Neben der Haut können aber auch Nägel, Weichteile, Augen, Gefäße, Gelenke und selbst Organe von Psoriasis betroffen sein. Schuppenflechte verläuft oft schubweise. Aufgrund der optisch auffallenden Hautveränderungen haben viele Erkrankte einen hohen Leidensdruck. Um auf Psoriasis aufmerksam zu machen und über die Erkrankung aufzuklären, wurde der 29.10. weltweit zum Psoriasis-Tag erklärt.

Überschnelle Hauterneuerung

Die für Psoriasis typischen Hautschuppen entstehen durch überschießende Hautzellerneuerung. Normalerweise erneuert sich unsere Haut in einem etwa 28-tägigen Zyklus. Dabei wandern die Hautzellen von innen nach außen an die Hautoberfläche und werden abgestoßen. Bei Psoriasis dauert die Hauterneuerung lediglich 3 bis 6 Tage, geht also wesentlich schneller als bei gesunder Haut.

Die Hautzellen ballen sich bei Schuppenflechte an der Hautoberfläche zusammen und schaffen das typische Hautbild. Aufgrund der vermehrten Hautzellbildung sind die betroffenen Stellen stark durchblutet. Darum erscheinen die Hautschuppen auf einem meist stark geröteten Grund.

Wegen des schnellen Wachstums liegen die Hautschuppen nicht sehr fest auf der Haut. Sie sind aber trotzdem mit den unteren Hautschichten verbunden. Daher lösen sich beim Abheben der Schuppen auch die unteren Hautschichten (Phänomen des letzten Häutchens). Nach Entfernung der Schuppen bleibt dann oft eine punktförmige Blutung zurück (Phänomen des blutigen Taus oder Auspitz-Phänomen).

Folgende Körperstellen sind besonders häufig von Psoriasis betroffen:

  • Streckseiten der Arme und Beine (vor allem Ellenbogen, Schienbein und Kniescheibe)
  • Hände, Füße (insbesondere Fingerknöchel, oft mit schmerzhaften Rissen oder Bläschen)
  • Bauch, Brust und Rücken (insbesondere Achselhöhlen, Kreuzbeinregion und Bauchnabelbereich)
  • behaarte Kopfhaut (je dichter behaart, umso schwieriger die Behandlung) und Gesichtsbereich (auch Augenbrauen und Ohrläppchen)
  • Fingernägel (Grübchenbildung und Verfärbung als sogenannte Tüpfel- und Ölflecknägel)
  • Geschlechtsorgane, Anusbereich (insbesondere Gesäßfalte)
  • Bei schwerer Form von Psoriasis kann die gesamte Haut befallen sein.

Häufigkeit

Etwa 2 bis 3 Prozent aller Mitteleuropäer sind von Psoriasis betroffen.

Symptome

In erster Linie zeigen sich die Symptome von Psoriasis auf der Haut. Erkrankte Hautstellen sind gerötet und mit silbrig-weißen Schüppchen bedeckt. Diese Stellen können punktförmig und klein, aber auch bis zu handtellergroß sein. Meist sind Schuppenflechte-Herde stark begrenzt, können aber auch großflächig zusammenfließen. Die Hautschuppen haben eine talgartige Konsistenz (sogenanntes Kerzenwachsphänomen) und jucken in der Regel nicht (Ausnahmen sind möglich).

Psoriasis-Formen

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen von Psoriasis. Am häufigsten mit etwa 90 Prozent aller Schuppenflechtenformen ist die Psoriasis vulgaris, die sogenannte gemeine Schuppenflechte. Sie beginnt fast immer vor dem 40. Lebensjahr und tritt oft familiär gehäuft auf. Daneben gibt es noch Sonderformen, zum Beispiel:

  • Psoriasis geographica: ähnlich einer Landkarte fließen Psoriasis-Herde zusammen
  • Psoriasis punctata: oft am gesamten Oberkörper streichholzkopfgroße Psoriasisherde
  • Psoriasis pustulosa: schwere entzündliche Form der Schuppenflechte, eher Pustel- als Schuppenbefall, vor allem an Fußsohlen und Handinnenflächen
  • Psoriasis inversa: Symptome nicht an den Streckseiten, sondern viel mehr an den Beugeseiten, in Hautzwischenräumen (intertriginös) sowie in Achsel-, Leisten- und Genitalregion
  • Psoriasis Arthritis (auch Psoriasis arthropatica): Befall der Gelenke (bei etwa 10 bis 15% aller Psoriasis-Patienten). Gelenkentzündungen können mit und ohne Hautsymptome auftreten, häufig betroffen sind Finger- und Zehengelenke sowie Hand- und Fußgelenke.

Ursachen

In jedem Fall kann von einer starken erblichen Komponente als Ursache von Psoriasis ausgegangen werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Schuppenflechte immer direkt von den Eltern auf die Kinder vererbt wird. Es gibt sogar Fälle, in denen beide Elternteile mit Schuppenflechte gesunde Kinder haben und die nächsten Fälle von Psoriasis erst mehrere Generationen später auftreten.

Die genetische Veranlagung alleine scheint aber keine ausreichende Ursache von Psoriasis zu sein. Für einen Krankheitsschub braucht es noch weitere Auslöser wie zum Beispiel:

  • Infektionen (z.B. Erkältungskrankheiten, Angina, Mittelohrentzündungen)
  • Stoffwechselstörungen und Hormonschwankungen
  • bestimmte Medikamente (z.B. Malariamittel, Lithium, Betablocker, Interferone oder nicht-steroidale Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen)
  • übermäßiger Nikotin- und Alkoholgenuss
  • Umwelteinflüsse und belastende oder wechselnde klimatische Bedingungen
  • emotionale Belastung und Stress
  • Übergewicht
  • Hautverletzungen oder -reizungen (Sonnenbrand, Tattoos, Kratzen, reibende Kleidungsstücke wie Gürtel oder Büstenhalter).

Untersuchung

Die Diagnose von Psoriasis ist anhand der offenkundigen Hautsymptome leicht zu stellen. Ihr Arzt kann die für Schuppenflechte typischen Phänomene - Kerzenwachsphänomen, Phänomen des letzten Häutchens und blutigen Tau schon bei einer oberflächlichen Untersuchung der Haut erkennen. Nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen ist, ob auch Gelenke von der Schuppenflechte betroffen sind. Um Psoriasis an Gelenken zu erkennen, ist eine Röntgenuntersuchung notwendig.

Behandlung

Die Therapie von Psoriasis kann die Symptome der Krankheit häufig sehr gut lindern. Heilbar ist die Schuppenflechte gegenwärtig jedoch nicht. Um die Symptome zu lindern, wird eine Vielzahl von therapeutischen Ansätzen verfolgt, die in der Regel mit einer medikamentösen Behandlung der Psoriasis kombiniert werden. Im Folgenden lesen Sie zunächst über die medikamentösen Optionen, dann über die weiteren Therapien gegen Schuppenflechte.

Medikamentöse Therapie von Psoriasis

Die medikamentöse Therapie von Psoriasis ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. In leichten Fällen reicht es häufig aus, die folgenden äußerlich anwendbaren und frei verkäuflichen Medikamente einzusetzen:

  • Zur Ablösung der Hautschuppen helfen Salbenverbände mit Milchsäure oder Salicylsäure.
  • Steinkohlenteer und Schwefel wirken juckreizhemmend und bremsen die Zellteilung.
  • Dithranol (Cignoloin) wirkt ebenfalls zellteilungshemmend.
  • Entzündungshemmend wirken Cremes und Lotionen mit Vitamin-D-Abkömmlingen (Derivaten) wie Calcipotriol, Calcitriol und Tacalcitol.
  • Bei schwerem Befall oder in Ausnahmesituationen (wie Feierlichkeiten oder gesellschaftliche Auftritte) können kortisonhaltige Medikamente aufgetragen werden.
  • Vitamin B12 in einer Salbengrundlage aus Avocadoöl soll die Hautsymptome bei Psoriasis lindern.
  • Harnstoffhaltige Öle, Cremes oder Salben wirken pflegend und halten die Haut geschmeidig.

Medikamente gegen starke Psoriasis

Bei ausgeprägter Psoriasis kann eine sogenannte systemische, also den gesamten Körper betreffende Therapie, sinnvoll sein. Häufig verordnete Medikamente enthalten Wirkstoffe wie Methotrexat (MTX), Vitamin-A-Derivate (Retinoide wie Acitretin, auch zusammen mit einer UV-Bestrahlung), Kortison (auch als Injektion), Ciclosporin und Fumarsäureester. Zudem gibt es sogenannte Biologica, die eingesetzt werden, wenn andere Wirkstoffe und Lichttherapien nur unzureichend wirksam waren. Solche biotechnologisch hergestellten Substanzen sind die sogenannten TNF-Blocker Adalimumab, Infliximab und Ustekinumab sowie das Fusionsprotein Etanercept.

Nichtmedikamentöse Therapie

Begleitend zur medikamentösen Behandlung von Psoriasis wird eine Vielzahl von Verfahren eingesetzt. Besonders weit verbreitet und Erfolg versprechend sind Bade- und Lichttherapien.

Bade- und Lichttherapien

Bestrahlungen mit Licht bestimmter Wellenlänge können die Symptome von Psoriasis lindern. Bekannt ist insbesondere die sogenannte PUVA-Therapie bei Schuppenflechte. Dabei wird die Lichtempfindlichkeit der Haut mit Psoralenen (zum Beispiel Methoxsalen) gesteigert. Anschließend wird die Haut mit UVA-Licht bestrahlt. Bei vielen Psoriasis-Patienten mildert das die Hautsymptome.

Des Weiteren eingesetzt werden:

  • Schmalspektrum-UVB-Therapie (Mittel der Wahl ist eine 311-nm-Bestrahlung)
  • selektive Ultraviolett-Fototherapie (eine Kombination aus UVA- und UVB-Bestrahlung)
  • Licht-Laser-Therapie (vor allem bei kleineren Hautarealen geeignet)
  • Fischtherapie (Kangalfische oder Knabberfische entfernen die Hautschuppen)
  • Balneo-Foto-Therapien: Nach dem Bad in einer stark solehaltigen Lösung folgt eine kurzzeitige Bestrahlung mit UVB-Licht.

Elektrotherapie bei Psoriasis

Bei der Elektrotherapie gegen Psoriasis werden schwache Ströme eingesetzt, um das überschießende Hautwachstum zu bremsen. Über die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes gibt es noch keine ausreichenden Daten. Derzeit laufen mehrere Studien zu dieser Schuppenflechte-Therapie.

Selbsthilfe

Eine effektive Selbsthilfe bei Psoriasis sollte sich darauf konzentrieren, die Auslöser von weiteren Krankheitsschüben zu vermeiden. Dabei helfen die folgenden Empfehlungen:

Vermeiden Sie Sonnenbrände und Hautirritationen: Achten Sie auf gut sitzende Kleidung und nichtscheuernde Gürtel oder BH-Schnallen, um die Haut so gut wie möglich zu schonen. Psoriasis-Betroffene sollten unbedingt auf Brandings, Tätowierungen und andere hautschädigende Verfahren verzichten. Auch stark hautreizende Kosmetika sind nicht zu empfehlen.

Immunsystem stärken: Ein schwaches Immunsystem begünstigt Psoriasis. Sie tun also gut daran, Ihr Immunsystem zu stärken. Dazu gehören eine frische und abwechslungsreiche Ernährung, der Abbau von Übergewicht und regelmäßige körperliche Bewegung. Außerdem sollten Sie versuchen, Stress zu vermeiden und auf Alkohol möglichst weitgehend zu verzichten. Rauchen gilt als starker Risikofaktor für Psoriasis.

Psoriasis-Diäten: Des Weiteren sollen bestimmte Psoriasis-Diäten helfen, einen Schub zu verhindern. Wissenschaftlich belegt ist das jedoch nicht. Dennoch kann es nicht schaden, versuchsweise Geflügelprodukte den Wurst- und Fleischwaren von Schwein und Rind vorzuziehen und auf eine Vitamin D- und zinkreiche Ernährung zu achten. Einige Mediziner empfehlen zur Schubvorbeugung auch eine Ernährung mit reichlich Omega-3-Fettsäuren (Fischöl).

Homöopathie bei Psoriasis: Gegen Schuppenflechte greifen Homöopathen gerne zu Berberes aquifolium, Calcium carbonicum, Cardiospermum, Hydrocotyle asiatica, Ichtyolum, Kalium chloratum, Natrium muriaticum, Petroleum oder Sepia.

Autor: Charly Kahle

Stand: 04.04.2014

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