Pseudokrupp

Pseudokrupp äußert sich bei Kindern mit einer laut pfeifenden Einatmung, bellendem Husten und nächtlichen Hustenanfällen. Bei ausgeprägter Atemnot und heftigen Hustenattacken sollte jedoch vorsorglich immer ein Notarzt gerufen werden. Hier lesen Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung von Pseudokrupp.

Synonyme

Laryngitis subglottica, Krupp-Syndrom

Definition

Baby mit Asthmaspray

Pseudokrupp ist eine unspezifische Entzündung und Schwellung im Bereich des Kehlkopfes unterhalb der sogenannten Stimmritze (Glottis). Medizinisch wird Pseudokrupp auch als akute stenosierende Laryngotracheitis, Laryngitis subglottica oder als Krupp-Syndrom bezeichnet. Umgangssprachlich wird bei dieser Art von Kehlkopfentzündung häufig nur von Krupp gesprochen. Das ist jedoch irreführend. Denn als Krupp bezeichnen Mediziner die ansteckende Infektionskrankheit Diphtherie.

Pseudokrupp bis zum 6. Lebensjahr

Von Pseudokrupp-Anfällen betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Ab dem 6. Lebensjahr tritt Pseudokrupp nur noch selten auf. In diesem Alter führt eine Schwellung im Kehlkopfbereich meist nur noch zu Heiserkeit. Jugendliche und Erwachsene bekommen nur in sehr seltenen Fällen einen Pseudokrupp-Anfall.

Pseudokrupp vor allem nachts

Sehr häufig treten Pseudokrupp-Anfälle in der Nacht bei einem zuvor völlig gesunden Kind auf. Mediziner erklären sich die hauptsächlich nächtlichen Hustenattacken mit der sogenannten zirkadianen Kortisol-Rhythmik. Die körpereigene Kortisolproduktion schwankt nämlich im Tages- und Nachtverlauf erheblich. Zwischen 0.00 und 4.00 Uhr wird am wenigsten Kortisol gebildet.

Ohne Kortisol reagiert der Körper jedoch schlechter auf Entzündungen und es kommt unter Umständen zu einem Pseudokrupp-Anfall.

Häufigkeit

Pseudokrupp tritt vor allem in den Monaten von Oktober bis März auf. Vermutet wird, dass die kindlichen Abwehrkräfte durch das schmuddelige und feuchtkalte Wetter mehr als in den Sommermonaten geschwächt werden und zudem generell mehr Viren als in der warmen Jahreszeit im Umlauf sind.

Symptome

Viele Eltern kennen die typischen Symptome von Pseudokrupp: das Geräusch einer laut pfeifenden Einatmung gepaart mit bellendem, trockenen Husten - das Kind hat einen Pseudokrupp-Anfall. Auch Atemschwierigkeiten und Luftnot können auftreten. Aufgrund der Sauerstoffunterversorgung kommt es zu Herzrasen sowie blau verfärbten Lippen und Fingernägeln. Die meisten Kinder sind unruhig und haben Angst, wodurch sich die Situation zuweilen verschärft. Auch Fieber und Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhaut (Rachenentzündung) gehen mit Pseudokrupp einher.

Ursachen

Häufigste Ursachen von Pseudokrupp sind Erkältungsviren wie Parainfluenza-, Respiratory-Syntical- und Rhinoviren. Nur selten sind Masernviren sowie allergische oder bakterielle Infektionen Grund für einen Pseudokrupp-Anfall.

Umweltgifte wie Luftschadstoffe begünstigen die Entwicklung von Pseudokrupp. Belegt ist außerdem, dass Kinder aus Raucherfamilien häufiger an Pseudokrupp erkranken als Kinder aus Nichtraucherhaushalten.

Untersuchung

Die Diagnose von Pseudokrupp ist anhand der offenkundigen Symptome relativ leicht zu stellen. Zum Ausschluss anderer Erkrankungen (wie beispielsweise dem Verschlucken von Fremdkörpern) kommen bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen in Betracht.

Behandlung

Zur ärztlichen Behandlung von Pseudokrupp sind Kortisonpräparate wie Dexamethason, Prednison und Prednisolon gut geeignet. Diese Wirkstoffe werden eingenommen, inhaliert, gespritzt oder als Zäpfchen in den After eingeführt. Je nach Art der Anwendung setzt die Wirkung zügig ein (innerhalb von etwa 20 bis 60 Minuten) und die Beschwerden bessern sich.

Bei schweren Pseudokrupp-Anfällen mit Atemnot sollte zusätzlich Adrenalin (L-Epinephrin) inhaliert werden. So schwellen die Schleimhäute im Kehlkopfbereich nach 10 Minuten ab und das Kind bekommt wieder leichter Luft.

In ganz seltenen Fällen muss das Kind narkotisiert, intubiert und künstlich beatmet werden.

Selbsthilfe gegen Pseudokrupp

Mit den folgenden Informationen helfen Sie Ihrem Kind, die quälende und angstmachende Situation besser zu überstehen.

Ruhe bewahren: Auch wenn Pseudokrupp erschrecken kann: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und beruhigen Sie vor allem das Kind. Je ruhiger Ihr Kind ist, desto weniger Sauerstoff verbraucht es und umso geringer ist die Luftnot. Häufig überträgt sich die Ruhe von den Eltern auf das Kind.

Aufrechte Haltung: In aufrechter Haltung bekommen Kinder während eines Pseudokrupp-Anfalls deutlich besser Luft. Nehmen Sie Ihr Kind vorzugsweise auf den Arm, trösten und streicheln Sie es. Neben der verbesserten Atmung gibt der enge Körperkontakt das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Atmung aus.

Kalte Luft einatmen: Das Einatmen von kalter Luft kann geschwollene Schleimhäute im Hals- und Rachenbereich abschwellen lassen. Lassen Sie Ihr Kind auf dem Arm vor dem offenen Fenster atmen. Mitunter hilft auch ein kleiner Spaziergang an der kalten Luft. Bei ausgeprägter Atemnot sollten Sie jedoch nicht experimentieren und sofort den Rettungsdienst alarmieren.

Kalte Getränke können die Abschwellung der Schleimhaut im Kehlkopfbereich unterstützen. Geben Sie Ihrem Kind kühles, stilles - eventuell leicht gesüßtes - Mineralwasser und lassen Sie es in kleinen Schlucken trinken. Zwingen Sie es jedoch nicht dazu.

Nicht rauchen: Während eines Pseudokrupp-Anfalls sollte in der Umgebung des Kindes keinesfalls geraucht werden. Das würde die empfindlichen Schleimhäute nur noch mehr reizen und die Beschwerden verschlimmern.

Notfallmedikamente bereithalten: In der Regel haben Eltern von Pseudokrupp-Kindern vom Arzt Notfallmedikamente verschrieben bekommen. Lagern Sie diese Medikamente immer in Reichweite, auch wenn längere Zeit kein Anfall vorkam. Notieren Sie sich gegebenenfalls die Anwendungsvorschriften, um im Notfall gewappnet zu sein und nicht vor Aufregung etwas falsch zu machen.

Die Verneblung von feuchter Luft oder das Aufhängen feuchter Handtücher soll laut neueren Studien keine Besserung während eines Pseudokrupp-Anfalls bringen. Viele Eltern behaupten jedoch das Gegenteil und sind von diesen Maßnahmen überzeugt. Schaden kann die feuchte Luft jedenfalls nicht.

Vorbeugung

Leider gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen, um einen Pseudokrupp-Anfall sicher zu verhindern. Mit einigen Tipps können Sie das Anfallsrisiko jedoch senken.

  • Nicht in überwärmten und Räumen mit trockener Raumluft schlafen.
  • Vor dem Zubettgehen Fenster 10 Minuten öffnen und kräftig durchlüften.
  • Kinder sollten sich nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird.
  • Allergietests machen, um evtl. auslösende Allergene meiden zu können.
  • Bei Erkältungen viel trinken, um den Schleim zu verflüssigen, damit er leichter abgehustet werden kann.
  • Immunsystem stärken durch viel Bewegung an der frischen Luft und abwechslungsreiche, fettarme Ernährung.

Autor: Charly Kahle, Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 17.09.2015

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