Plötzlicher Kindstod

Der plötzliche Kindstod ist immer noch unerklärbar. Lesen Sie mehr über bekannte Risikofaktoren und Vorbeugung.

Synonyme

plötzliche Säuglingstod, Krippentod, SIDS, sudden infant death syndrome

Definition

Als plötzlichen Kindstod definiert man das unerwartete und unerklärbare Ableben von Säuglingen und Kleinkindern. Mediziner bezeichnen den Krippentod auch mit dem englischen Begriff „sudden infant death syndrome“. Typisch für SIDS bzw. plötzlichen Kindstod ist, dass die Kinder vorher keinerlei Anzeichen von Krankheiten zeigen. Die Säuglinge oder Kleinkinder sterben völlig unerwartet – meist über Nacht.

Der Begriff plötzlicher Kindstod führt in die Irre, weil er den Eindruck erweckt, man habe es mit einer Erkrankung zu tun. Der plötzliche Kindstod ist aber keine Krankheit. Es handelt sich vielmehr um eine Bezeichnung für Todesfälle, für die man keine Ursache findet. Es steht noch nicht einmal fest, dass alle oder wenigstens viele Fälle von plötzlichem Kindstod eine gemeinsame Ursache haben könnten.

Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod werden aus statistischen Zusammenhängen abgeleitet. Diese Herangehensweise hat wenigstens zwei Schwächen. Zum Einen ist die Zahl der Fälle so klein, dass die Untersuchungen kaum repräsentativ sein können. Zudem Anderen beweist eine Häufung von Fällen plötzlichen Kindestodes bei einzelnen Personengruppen oder unter bestimmten Umständen nicht, dass diese Personen oder die Umstände tatsächlich Ursache des plötzlichen Kindes sind.

Häufigkeit

Glücklicherweise ist der plötzliche Kindstod sehr selten. Zudem geht die Zahl der betroffenen Kinder seit Jahren nahezu stetig zurück. Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) weist für 2015 bei mehr als 737.000 Geburten insgesamt 127 Fälle von plötzlichem Kindstod aus. Damit liegt das Risiko für den Krippentod bei 0,17 Prozent. 51 der Kinder wurden 2015 obduziert. Eine Todesursache wurde in keinem Fall nachgewiesen.

1990 lag die Zahl noch mehr als 10 Mal so hoch (1.283 Todesfälle).

Nahezu 80 Prozent der Fälle von plötzlichem Kindstod ereignen sich im Alter von bis zu 6 Monaten. Ein Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat. Sterbefälle nach dem 1. Lebensjahr sind sehr selten. Es gibt aber Einzelfälle vor Vollendung des 2. Lebensjahres.

Jungen sterben mit 60 Prozent etwas häufiger am plötzlichen Kindstod als Mädchen. Zwei Drittel aller Fälle ereignen sich in den Wintermonaten.

Ursachen

Die Ursachen für den plötzlichen Kindstod sind nicht bekannt. Man weiß noch nicht einmal, ob die einzelnen Fälle überhaupt eine gemeinsame Ursache haben. Da selbst Autopsien von verstorbenen Kindern keine eindeutigen Hinweise ergeben, bleibt der plötzliche Kindstod leider nach wie vor ein Rätsel.

Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod

Es gibt nur sehr wenige Anhaltspunkte dafür, welche Faktoren das Risiko für plötzlichen tödlichen Kindstod tatsächlich fördern. Alle Erklärungsversuche stützen sich auf nachträgliche Beobachtungen, die statistisch ausgewertet werden.

Zu den überzeugendsten und unvermeidbaren Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod zählt nach gegenwärtigem Stand der Forschung eine erbliche Veranlagung. So steigt das Risiko für plötzlichen Kindstod, wenn es unter den Geschwistern bereits einen Fall von plötzlichem Kindstod gegeben hat. Ähnlich erhöht ist die Quote bei Zwillingen.

Statistisch signifikante Zusammenhänge lassen sich zwischen plötzlichem Kindstod und folgenden Umständen ableiten. Bei den untersuchten Sterbefällen traf mindestens einer der genannten Umstände auf und wird daher als Risikofaktor aufgeführt:

  • niedriges Geburtsgewicht
  • Frühgeburten vor der 33. Schwangerschaftswoche
  • Mehrlingsgeburten
  • Mütter jünger als 20
  • alleinerziehend
  • geringes Einkommen
  • Co-Sleeping: Kinder schlafen im elterlichen Bett
  • Rauchen oder Passivrauchen während der Schwangerschaft und/oder nach der Geburt
  • Schlafen in Bauchlage
  • Stillverzicht
  • Drogenkonsum der Mutter, vor allem Konsum von mehreren legalen und illegalen Drogen
  • Überwärmung bzw. sehr starkes Schwitzen
  • längere Atempausen oder auffallende Blässe während der Schlafphase
  • Zudecken des Kopfes
  • mangelnde Luftzirkulation im Schlafzimmer des Kindes.

Bewertung der Risikofaktoren

Mindestens einer der bislang genannten Risikofaktoren trifft auf die 0,17 Prozent zu, die an plötzlichem Kindstod versterben. Allerdings: Auch auf die 99,83 Prozent der Kinder ohne SIDS trifft mindestens einer der Risikofaktoren zu. Es wäre also absurd, aus den Risikofaktoren auf die tatsächliche Gefährdung des eigenen Kindes zu schließen.

Vorbeugung

So sehr es auch zu wünschen wäre: Dem plötzlichen Kindstod lässt sich nicht zuverlässig vorbeugen. Viele (häufig selbst ernannte) Experten geben Tipps, die das Risiko deutlich senken sollen. Tatsächlich ist die Effektivität dieser Maßnahmen nicht nachweisbar.

Zu diesen Anregungen gehören:

  • nicht auf dem Bauch schlafen lassen
  • keine Kopfbedeckung beim Schlafen
  • keine Bettumrandung (sogenannte Nestchen)
  • Schlafsäcke verwenden, keine Decken, Felle oder Kissen
  • Keine sonstigen Gegenstände im Kinderbett, auch keine Kuscheltiere
  • Schlafzimmertemperatur von 16 bis 18 Grad
  • Schlafzimmer immer gut lüften
  • Stillzeit von mindestens 6 Monaten
  • absolut rauchfreie Umgebung
  • Kind nicht im Elternbett schlafen lassen (vor allem keine sehr jungen Neugeborenen), jedoch bis zum ersten Lebensjahr im Elternschlafzimmer.

Autor: Charly Kahle

Stand: 23.10.2017

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