Plazentainsuffizienz

Wenn der Mutterkuchen das Neugeborene nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen kann, bezeichnen Mediziner das als Plazentainsuffizienz. Was können Schwangere tun? Was bedeutet die Mutterkuchenschwäche für das Kind?

Synonyme

Mutterkuchenschwäche

Definition

 Plazentainsuffizienz

Der Fachbegriff Plazentainsuffizienz setzt sich zusammen aus den lateinischen Worten für Mutterkuchen (Plazenta) und Schwäche oder Versagen (Insuffizienz). Plazentainsuffizienz ist also eine Funktionsstörung des Mutterkuchens. Da der Fötus über den Mutterkuchen und die Plazenta mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird, kann die Mutterkuchenschwäche schwere Folgen haben.

Die akute Plazentainsuffizienz ist ein medizinsicher Notfall, der das Leben des Kindes stark bedroht. Wenn sich beispielsweise die Nabelschnur stark verdreht hat, droht dem Kind innerhalb von Minuten der Erstickungstod. Glücklicherweise ereignen sich akute Plazentainsuffizienzen nahezu ausschließlich während der Geburt, wenn Frauen also von geschulten Geburtshelfern umgeben sind, die sofort die nötige medizinische Hilfe einleiten können.

Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz wird der Fötus dauerhaft unzureichend versorgt. Das beeinflusst unter anderem das Wachstum und die Entwicklung. Chronische Plazentainsuffizienz ist nicht ursächlich therapierbar. Die Behandlung konzentriert sich vor allem darauf, die Schwangerschaft so spät wie möglich durch eine Geburtseinleitung zu beenden.

Häufigkeit

Plazentainsuffizienzen treten vergleichsweise häufig auf. In unterschiedlichen Studien wird die Inzidenz (Häufigkeit der Neuerkrankungen) mit 2 bis 5 Prozent angegeben.

Symptome

Die Symptome von Plazentainsuffizienz sind für die Schwangere in den meisten Fällen nicht spürbar, da vor allem der Fötus von der Mangelversorgung betroffen ist. Das äußert sich im Fall einer chronischen Plazentainsuffizienz vor allem in einem verlangsamten Wachstum des Ungeborenen und einem zu kleinen Bauch der Schwangeren. Zuweilen zeigen sich bei Frauen mit Plazentainsuffizienz auch Anzeichen einer Schwangerschaftsvergiftung. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine häufige Schwangerschaftskomplikation, die mit Bluthochdruck und einer beeinträchtigten Nierenfunktion einhergeht.

Symptome akuter Plazentainsuffizienz

Die Symptome einer akuten Plazentainsuffizienz sind für die Mutter nicht spürbar, sondern nur mit diagnostischen Mitteln wie einer Ultraschalluntersuchung nachzuweisen. Von daher sollten Schwangere vorsichtshalber bei jeder Auffälligkeit ihren Frauenarzt kontaktieren. Auffällig in diesem Sinn sind beispielsweise:

  • alle vaginalen Blutungen
  • nachlassende Bewegungen des Fötus
  • ungewöhnlich geringe Gewichtszunahme
  • kaum wachsender Bauchumfang
  • erhöhte Blutdruckwerte.

Ursachen

Die Ursachen für Plazentainsuffizienzen müssen nach den Verlaufsformen unterschieden werden.

Ursachen akuter Plazentainsuffizienzen

Bei akuten Plazentainsuffizienzen kommt es in aller Regel während der Geburt zu akuten Störungen der Durchblutung. Ursachen dafür sind meistens:

  • Verdrehungen oder Vorfall der Nabelschnur mit Unterbrechung des Blutflusses zum Fötus
  • vorzeitige Ablösung des Muterkuchens (Plazenta)
  • Blutungen aus einer Placenta praevia
  • sehr heftige oder sehr häufige Wehen (Wehensturm)
  • Stauungen der unteren Hohlvene mit Bewusstseinsverlust Mutter (Vena-cava-Kompressionssyndrom)
  • starker Blutdruckabfall der Mutter durch die Peridualanästhesie.

Ursachen chronischer Plazentainsuffizienzen

Chronische Plazentainsuffizienzen werden durch eine Vielzahl von Umständen hervorgerufen oder begünstigt. Dazu zählen:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Bluthochdruck (Hypertonie) oder dauerhaft niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • angeborene oder erworbene Herzfehler
  • Anlage- oder Entwicklungsstörungen der Plazenta
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes (beeinflusst in fortgeschrittenen Stadien die Durchblutung)
  • Infektionen der Gebärmutter
  • Schwangerschaftserkrankungen wie Präeklampsie (verursacht unter anderem Bluthochdruck) oder Eklampsie (Schwangerschaftsstörung mit Krampfanfällen)
  • Mangel- oder Fehlernährung
  • Rauchen (vermindert unter anderem die Durchblutung).

Untersuchung

Üblicherweise wird die Diagnose von chronischen Plazentainsuffizienzen während der regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen gestellt. Äußere Anzeichen gibt es bis auf einen zu geringen Bauchumfang praktisch nicht. Daher erfolgt die Diagnose meistens bei der Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Charakteristisch für die Diagnose sind vor allem das Minderwachstum von Fötus und/oder Plazenta sowie eine geringe Menge an Fruchtwasser.

Bei Verdacht auf eine akute Plazentainsuffizienz kommen zwei weitere Diagnoseverfahren zur Anwendung. Mit einer Doppler-Sonografie wird bestimmt, ob noch ausreichend Blut durch die Nabelschnur fließt. Gleichzeitig werden der Herzschlag des Fötus und die Wehen mittels der Kardiotokografie (CTG) überwacht. Ein abfallender Blutdruck der Mutter wird ebenfalls stabilisiert.

Behandlung

Es gibt keine Behandlung, mit der sich Plazentainsuffizienzen heilen lassen. Die akute Plazentainsuffizienz ist ohnehin ein Notfall, der eine umgehende Entbindung erfordert.

Aber auch bei der chronischen Plazentainsuffizienz kann selbst die moderne Medizin nur wenig tun, um die Versorgung des Kindes mit Nährstoffen und Sauerstoffen entscheidend zu verbessern. Die Hilfe beschränkt sich darauf, die auslösenden oder begünstigenden Erkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck, niedrigen Blutdruck oder Diabetes möglichst gut zu behandeln. Zudem wird meistens Bettruhe oder wenigstens strikte körperliche Schonung verordnet.

Je nach Ausmaß der Mutterkuchenschwäche, Zeitpunkt der Schwangerschaft und Allgemeinzustand der Mutter kann eine stationäre Aufnahme mit engmaschiger Überwachung notwendig werden. In aller Regel vereinbaren Geburtshelfer und Schwangere im Fall von Plazentainsuffizienzen einen Geburtsplan. Darin wird vor allem festgehalten, was die Schwangere bei welchen Anzeichen tun sollte.

Prognose

Im Vergleich zu Schwangerschaften ohne Komplikationen ist die Rate an Totgeburten durch eine akute Plazentainsuffizienz deutlich erhöht. Etwa ab der 25. Schwangerschaftswoche haben Frühgeborene gute Chancen, sich vergleichsweise normal zu entwickeln.

Chronische Verlaufsformen begünstigen vor allem Wachstums- und Entwicklungsstörungen, die sich auch im späteren Leben noch bemerkbar machen können. Zu den typischen Folgen einer Frühgeburt zählt vor allem ein deutlich erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit (Adipositas), Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Bluthochdruck (Hypertonie) und Zuckerkrankheit (Diabetes).

Vorbeugung

Eine garantiert sichere Vorbeugung von Plazentainsuffizienzen ist nicht möglich. Insbesondere Schwangere aus den Risikogruppen tun gut daran, sich strikt an die Therapievorgaben für bestehende Erkrankungen zu halten. Zudem ist es überaus sinnvoll, die Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Darüber hinaus gilt der Grundsatz: Lieber einmal zu viel zum Frauenarzt gehen, als unbedacht Risiken in Kauf zu nehmen.

Ebenfalls grundsätzlich gilt, dass Schwangere sich abwechslungsreich und frisch ernähren sollten. In Absprache mit dem Arzt sind Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure eine gute Option.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.09.2017

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