Placenta praevia

Als Placenta praevia bezeichnen Mediziner eine Fehllage des Mutterkuchens (der Plazenta), die eine natürliche Geburt häufig unmöglich machen kann. Hier lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung von Placenta praevia.

Definition

Schwangerschaftsuntersuchung

Placenta praevia ist der medizinische Fachausdruck für eine Verlagerung des Mutterkuchens, der Plazenta. Die Lage der Plazenta ist entscheidend dafür, ob eine natürliche Geburt möglich ist oder das Kind per Kaiserschnitt geholt werden muss. Normalerweise endet der Mutterkuchen in einigem Abstand vom Muttermund. Bei Placenta praevia hingegen ist diese normale Position mehr oder minder stark verändert.

Es gibt 4 Formen der Placenta praevia:

  • Bei Placenta praevia totalis überdeckt die Plazenta den Mutermund vollständig. Wenn der Muttermund nur teilweise verdeckt ist, sprechen Mediziner von Placenta praevia partialis. Bei diesen beiden Formen der Verlagerung des Mutterkuchens ist eine natürliche Geburt nicht möglich, weil es im letzten Schwangerschaftsdrittel oder spätestens bei der Geburt zu schweren Blutungen kommen könnte.
  • Wenn sich ein Teil der Plazenta tief in der Gebärmutter befindet, dieser Teil aber nicht den Muttermund erreicht, sprechen Gynäkologen von einem tiefen Sitz der Plazenta. Wenn der Mutterkuchen den Muttermundrand erreicht, bezeichnen Mediziner das als Placenta praevia marginalis. Bei diesen beiden Formen kann eine normale Geburt weiterhin möglich sein.

Nicht selten erfordert ausgeprägte Placenta praevia (totalis und partialis) die stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus. Dort werden Schwangere bei strikter Bettruhe engmaschig überwacht.

Üblicherweise werden Verlagerungen des Mutterkuchens im Rahmen der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen rechtzeitig entdeckt. Eine Placenta praervia wird ab der 24. Schwangerschaftswoche diagnostiziert. Vor dieser Zeit ist es möglich, dass sich Lageanomalien von selbst normalisieren. Bei Beachtung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bringen Mütter mit Placenta praevia gesunde Kinder zur Welt.

Häufigkeit

Verlagerungen des Mutterkuchens sind vergleichsweise selten. Insgesamt kommt es bei einer von 200 Schwangerschaften zu einer Placenta praevia. Etwa die Hälfte entfällt auf Placenta praevia totalis (30 Prozent) und Placenta praevia partialis (20 Prozent). Die anderen beiden Formen kommen auf je 25 Prozent. Im Ergebnis begründet die Verlagerung des Mutterkuchens bei einer von 400 Schwangerschaften die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts.

Mit einem Anteil von zwischen 70 und 80 Prozent ist Placenta praevia die häufigste Ursache für vaginale Blutungen in der 2. Schwangerschaftshälfte.

Verlagerungen des Mutterkuchens betreffen fast immer Frauen, die häufig und/oder in schneller Folge geboren haben.

Symptome

Das charakteristische Symptom von Placenta praevia sind wiederkehrende oder anhaltende schmerzlose Blutungen. Das austretende Blut ist, anders als bei einer Plazentainsuffizienz, hellrot.

Üblicherweise treten die Blutungen verstärkt in der Mitte und im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Selten kommt es auch um die 20. Schwangerschaftswoche zu ersten Symptomen. Typisch für Placenta praevia ist ferner, dass der Bauch weich bleibt und auf Druck nicht empfindlich reagiert.

Ursachen

Die genauen Ursachen für Placenta praevia sind nicht bekannt. Im Verlauf einer gesunden Schwangerschaft wächst die Gebärmutter. Dabei dehnt sich der Uterus vor allem nach oben aus.

Normalerweise bewegt sich damit auch der Mutterkuchen weg vom Geburtskanal. Damit bleibt der Geburtskanal frei. Bei Placenta praevia vollzieht der Mutterkuchen diese Bewegung nicht oder nur teilweise mit. Insbesondere im letzten der Drittel der Schwangerschaft dehnt sich der Uterus natürlicherweise stark aus. Wenn der Mutterkuchen falsch sitzt, entstehen kleine Risse, die für die Blutungen verantwortlich sind.

Risikofaktoren

Auch wenn die genaue Ursache der Mutterkuchenfehllage nicht bekannt ist, weiß man doch sehr gut, welche Risikofaktoren eine Placenta praevia begünstigen. So treten die meisten Fälle bei Frauen auf, bei denen die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) verletzt wurde. Ursache solcher Verletzungen sind beispielsweise Kaiserschnitte, Abtreibungen per Ausschabung oder andere intrauterine Eingriffe.

Weitere wichtige Risikofaktoren sind:

  • häufige Schwangerschaften und Geburten
  • Mehrlingsgeburten
  • hohes Alter
  • Rauchen
  • Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut in der Vergangenheit
  • Kokainmissbrauch.

Weitere – meist im Vorhinein bekannte - Risikofaktoren sind Fehlbildungen der Gebärmutter (Uterusanomalien) sowie künstliche Befruchtungen (In-vitro-Fertilisation).

Untersuchung

Den ersten Hinweis auf die Diagnose Placenta praevia liefern naturgemäß die hellroten Blutungen. Bei einer Ultraschalluntersuchung lässt sich der Verdacht leicht bestätigen, weil der Mutterkuchen per Sonografie problemlos darstellbar ist. Dadurch erübrigt sich in der Regel eine Untersuchung des Muttermundes mit dem Spekulum. Auf keinen Fall darf bei Verdacht auf Placenta praevia eine intravaginale Tastuntersuchung vorgenommen werden. Die könnte schwere, lebensbedrohliche Blutungen verursachen.

Behandlung

Die Therapie von Placenta praevia richtet sich nach dem Ausmaß der Verlagerung des Mutterkuchens, dem Gesundheitszustand von Mutter und Kind sowie der Stärke der Blutungen.

Bei leichten Verlaufsformen können Bettruhe und weitgehende körperliche Schonung ausreichend sein. Schonung bedeutet auch: kein Sex, nichts in die Scheide einführen (auch keine Spülungen).

Falls sich Anzeichen für eine bevorstehende Frühgeburt mehren, erfolgt in der Regel eine medikamentöse Therapie. Dabei werden wehenhemmende Wirkstoffe wie Atosiban oder Fenoterol angewendet. Um die Überlebenschancen eines Frühchens zu verbessern, wird oft die Lungenreifung des Kindes mit Glukokortikoiden wie Betamethason beschleunigt.

Die weitere Therapie bei Placenta praevia kann darin bestehen, eine Geburt einzuleiten oder das Kind per Kaiserschnitt zu holen. Dabei werden die Risiken von Blutungen stets gegen die einer Frühgeburt abgewogen.

Prognose

Die gute Nachricht für alle Schwangeren mit Placenta praevia: In aller Regel bringen Frauen mit Verlagerung des Mutterkuchens ebenso gesunde Kinder zur Welt wie Frauen ohne diese Erkrankung.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.09.2017

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