Synonyme

Schaufensterkrankheit, periphere arterielle Verschlusskrankheit

Definition

paVK Behandlung

paVK ist die Abkürzung für periphere arterielle Verschlusskrankheit. Dabei handelt es sich um eine arterielle Durchblutungsstörung der Gliedmaßen. In bis zu 90 % der Fälle sind die Beine betroffen, nur etwa 10 % der Patienten hat eine paVK an den Armen.

paVK beginnt meist unbemerkt und schleichend. Erste Symptome wie gelegentliche Beinschmerzen werden oft nicht ernst genommen. Dadurch verzögert sich der Behandlungsbeginn bei paVK häufig erheblich. Oft sind bei Therapiebeginn dann nicht nur die Beinarterien verengt, sondern auch die herz- und hirnversorgenden Blutgefäße.

Die Bezeichnung Schaufensterkrankheit für periphere arterielle Verschlusskrankheit ist wegen eines eingängigen Bildes populär geworden. Menschen mit paVK bleiben öfter mal vor Schaufenstern stehen, um die Schmerzen in den Beinen abklingen zu lassen.

Häufigkeit

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin leiden in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen an einer paVK. Zudem ergab eine bundesweite Untersuchung, dass jeder 5. Hausarzt-Patient eine paVK hat, ohne davon zu wissen. Mehr als 75 % aller von paVK Betroffenen versterben an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Symptome

Neben Schmerzen in den Beinen (sehr selten auch in den Armen) weisen noch andere Symptome auf eine paVK hin. So sind die betroffenen Gliedmaßen hinter der Gefäßverengung häufig blass und kalt, der Puls ist in diesen Bereichen oft nicht tastbar. Zudem heilen Wunden, Verletzungen und Geschwüre nur sehr schwer ab. Mitunter kommt es bei Belastungen zu Muskelschwäche.

Stadien von paVK

Mediziner teilen paVK nach ihrem Schweregrad in 4 Stadien ein. Dafür gibt es zwei Klassifikationen: die Klassifikation nach Fontaine und die Rutherford-Klassifikation. In Deutschland wird meist die Klassifikation nach Fontaine verwendet. Deshalb bezieht sich der folgende Abschnitt auch nur darauf.

  • Im Stadium I der paVK macht die Erkrankung häufig gar keine Beschwerden. Dennoch sind geringfügige Engstellen in den Arterien vorhanden. In diesem Stadium ist paVK oft ein Zufallsbefund und wird während einer anderen Untersuchung festgestellt. Treten doch Beschwerden auf, vor allem Beinschmerzen, sollten diese ernst genommen werden und zum Arzt führen.
  • Im Stadium II der paVK kommt es zu typischen Wadenschmerzen, die zum Stehenbleiben zwingen. Diese Symptome werden umgangssprachlich unter dem Begriff Schaufensterkrankheit zusammengefasst. Ausführliche Informationen darüber lesen Sie im Krankheitsbild Schaufensterkrankheit.
  • Im Stadium III schmerzen vor allem Füße und Zehen. Die Schmerzen treten insbesondere im Ruhezustand und im Liegen (häufig nachts) auf. Oft ist die Haut im betroffenen Bereich blasser und kühler als normal.
  • Im Stadium IV ist das Gewebe im Fußbereich bereits geschädigt. Selbst kleinste Verletzungen im Fußbereich heilen kaum noch ab. Häufig bilden sich Geschwüre an Füßen und Zehen. In einigen Fällen hilft nur noch eine Amputation des betroffenen Fußes.

Ursachen

Häufigste Ursache von paVK ist zunehmende Arteriosklerose. Selten sind auch Gefäßentzündungen, entzündliche Gefäßerkrankungen aus dem Rheumatischen Formenkreis und das sogenannte Entrapment-Syndrom (eine Durchblutungsstörung im Unterschenkel infolge einer Schädigung der Kniekehlenarterie) für eine paVK verantwortlich.

Arteriosklerose und paVK

Bei paVK verengt Arteriosklerose am häufigsten die Gefäße der Beine. Dadurch wird das Gewebe im Bereich dieser verengten Gefäße nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Diese Minderversorgung führt zu Schmerzen. Je weiter sich der minderversorgte Bereich ausweitet, umso ausgeprägter sind die Beschwerden der paVK. Verschlimmert wird paVK durch Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Diabetes. Selten gibt es bei paVK auch eine erbliche Veranlagung.

Untersuchung

Den Verdacht auf die Diagnose paVK geben zunächst die typischen Symptome und die körperliche Untersuchung. Ist zum Beispiel der Puls an Kniekehle oder Ferse nicht mehr tastbar, ist eine paVK wahrscheinlich. Testverfahren wie die Lagerungsprobe nach Ratschow (ein Durchblutungstest der Füße) erhärten den Verdacht weiter. Eine abschließende Diagnose erfolgt nach Funktionsuntersuchungen wie Dopplerdruckmessung (mittels Ultraschall wird der Blutdruck in den Beinen bestimmt) und Oszillografie (Ermittlung von Volumenschwankungen im Bein) sowie bildgebenden Verfahren wie Gefäßangiografie (Kontrastmittelröntgen der Gefäße) oder Magnet-Resonanz-Angiografie (Gefäßdarstellung mittels Kernspintomografie).

Behandlung

Bei der Behandlung von paVK wird eine medikamentöse Therapie häufig mit gefäßerweiternden Verfahren und operativen Eingriffen kombiniert. Zunächst lesen Sie Informationen über häufig eingesetzte Medikamente bei paVK, im weiteren Verlauf dann über die Begleittherapien.

Medikamentöse Behandlung von paVK

Medikamente sollen vor allem helfen, ein Fortschreiten von paVK zu verhindern. In erster Linie werden dabei sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer eingesetzt. Diese Medikamente verhindern das Zusammenballen von Blutplättchen (Thrombozyten). So verbessern sie die Fließeigenschaften des Blutes und erleichtern es dem Blut, durch die verengten Gefäße zu gelangen. Typische Thrombozytenaggregationshemmer sind Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel. Selten sind auch gerinnungshemmende Wirkstoffe wie Phenprocoumon erforderlich (vor allem nach operativen Eingriffen).

Blutgefäßerweiternd wirken Naftidrofuryl und Prostaglandine. Der Phosphodiesterase-3-Hemmer Cilostazol erweitert ebenfalls die Blutgefäße und wirkt zudem der Verklumpung der Blutplättchen entgegen.

Gefäßerweiternde Verfahren bei paVK

Zu den gefäßerweiternden Verfahren bei paVK gehört in erster Linie die sogenannte Angioplastie (kurz PTA). Dabei werden verengte Blutgefäße, zum Beispiel mittels eines kleinen Ballons, geöffnet und erweitert. Zuweilen wird dabei auch ein sogenannter Stent eingesetzt. Ein Stent ist ein medizinisches Implantat in Form eines gitterartigen Röhrchens. Ein Stent hält das aufgedehnte Blutgefäß offen.

Eine andere Methode der Gefäßerweiterung ist die sogenannte Sympathikolyse. Dabei wird die Durchblutung in Armen oder Beinen verbessert, indem der Sympathikus bzw. das sympathische Nervensystem an einem bestimmten Punkt außer Funktion gesetzt wird. Der Sympathikus ist unter anderem für die Gefäßengstellung verantwortlich. Daher kommt es bei vielen Betroffenen nach dessen Funktionsverlust zu einer Gefäßerweiterung und einer verbesserten Durchblutung in dem blockierten Gebiet.

Operative Maßnahmen bei paVK

Als operative Maßnahmen bei paVK sind Bypass-Operationen oder eine sogenannte Thrombendarteriektomie (TEA) Methoden der Wahl. Bei der Bypass-Operation wird ein verengter Gefäßabschnitt durch ein körpereigenes Gefäß oder eine Kunststoffprothese ersetzt. Bei der Thrombendarteriektomie wird das verengte Gefäß eröffnet und von innen gesäubert. Mitunter kann auch ein Kunststoffflicken in das Gefäß eingesetzt werden, damit es länger geweitet bleibt.

Körpereigene oder künstliche Transplantate oder Implantate (sogenanntes Interponat) werden eingesetzt, um ausgedehnte Gewebsschädigungen im Stadium IV der paVK zu überbrücken. Dafür kommen Gewebe aus einem anderen, gesunden Körperbereich oder künstliche Biomaterialien infrage.

Mitunter wird auch eine Amputation erforderlich, zum Beispiel eine chirurgische Entfernung des betreffenden Fußes.

Selbsthilfe

Bewegungsübungen (insbesondere Fußroll- oder Faustschlussübungen) sowie Gehtraining können helfen, dass sich im Körper sogenannte Umgehungskreisläufe (Kollaterale) bilden. Dadurch kann das Blut besser abfließen. paVK-Patienten können so länger schmerzfrei gehen und auch Beschwerden im Arm verringern sich. Ausführliche Anleitungen für diese Übungen und weitere Informationen bekommen Sie bei einem Physiotherapeuten.

Vorbeugung

Um einer paVK vorzubeugen, sollten Sie insbesondere die Risikofaktoren vermeiden und auf eine gesunde Lebensweise achten. Das umfasst:

  • Senkung erhöhter Blutfettwerte
  • abwechslungsreiche und gesunde Ernährung
  • gute Einstellung von Bluthochdruck und Diabetes
  • auf Nikotin verzichten (Informationen dazu lesen Sie unter Rauchen aufhören)
  • regelmäßige körperliche Bewegung
  • Übergewicht abbauen
  • Allgemeinbefinden verbessern und Stress positiv beeinflussen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 18.10.2018