Narbenbruch (Narbenhernie)

Symptome, Ursache und Behandlung von Narbenhernien – kompakt und verständlich.

Synonyme

Narbenhernie

Definition

Narbe am Bauch

Bei dem Begriff Narbenbruch denken viele Menschen an eine sichtbar aufgeplatzte Narbe. Dass die Wundnaht sich oberflächlich öffnet, ist allerdings die absolute Ausnahme. Mediziner sprechen nicht von Narbenbruch, sondern von Narbenhernien. Hernien sind Öffnungen in der Bauchwand, durch die Gewebe aus dem Bauchbereich (Abdomen) durch die Bauchwand in den Brustkorb (Thorax) gelangt und dort einen sogenannten Bruchsack bildet.

Hernien bilden sich, wenn die Bauchwand geschwächt ist. Je nachdem, wo der Bruchsack durch die Bauchwand tritt, werden sie unterschiedlich bezeichnet, beispielsweise als Leistenbruch (Hernie im Bereich der Leistenkanäle) oder Nabelbruch (Hernie im Bereich des Bauchnabels). Bei einer Narbenhernie entsteht der Bruchsack im Bereich von Narben im Bauchraum.

Häufigkeit

Narbenbrüche sind eine sehr häufige Komplikation nach chirurgischen Eingriffen am Bauch. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 700.000 Menschen am Abdomen operiert. In etwa 20 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen in Form von Narbenbrüchen. Das ergibt für Deutschland gut 140.000 Narbenhernien pro Jahr. Etwa 50.000 dieser Narbenbrüche sind so stark, dass sie bei einer erneuten Operation versorgt werden müssen.

Symptome

Die Symptome von Narbenbrüchen können sehr unterschiedlich ausfallen. Oft bleiben sie über Monate oder Jahre unbemerkt. In anderen Fällen führen sie schnell zu starken Beschwerden.

Narbenbrüche entstehen in den verschiedensten Größen. Manche sind knopflochklein, andere reichen bis zu 30 cm. In diesen Fällen sprechen Mediziner zuweilen auch von Monster-Hernien. Am häufigsten bilden sich Narbenhernien entlang von senkrecht verlaufenden Narben zwischen Brustbein und Schambein (mediane Laparotomie).

In den meisten Fällen machen sich Narbenhernien sichtbar bemerkbar: Im Bereich der Operationsnarbe bilden sich Vorwölbungen. Zuweilen ist der Inhalt des Bruchsacks tastbar und lässt sich durch die Bauchwand zurückdrücken. Manchmal sind es auch kleine Einbuchtungen in der Operationsnarbe, die auf eine sich bildende Narbenhernie hinweisen. Diese Symptome des Narbenbruchs können sich kurz nach einer Operation einstellen, aber auch noch Jahre nach dem Eingriff.

Weitere Symptome von Narbenbrüchen sind:

  • ziehende Schmerzen im Bereich der Narbe, die sich bei Anspannung des Bauchraums (Husten, Stuhlgang, Heben, Sport) verstärken
  • Stuhlunregelmäßigkeiten und erschwerter Stuhlgang, Verstopfung
  • nicht seitengleiche Bauchform
  • eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Bauchmuskulatur.

Komplikationen von Narbenhernien

Kleinere Narbenhernien sind häufig harmlos. Zu Komplikationen kommt es vor allem, wenn bei größeren Narbenbrüchen Darmschlingen durch die Bauchdecke dringen. Wenn der Bruchsack mit der Darmschlinge nun abgeklemmt wird oder sich verdreht, kommt es zu einem Darmverschluss (Ileus). Zudem besteht das Risiko, dass die Darmschlingen oder andere Gewebe im Bruchsack im Bruchsack absterben. Diese Nekrose kann beispielsweise zu Infektionen des Bauchraumes wie Bauchfellentzündungen (Peritonitis) führen.

Die Einklemmung eines Bruchsacks geht in der Regel mit starken Symptomen einher. Das sind vor allem stark zunehmende Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Typischerweise lässt sich der Bruchsack nicht mehr durch die Bauchwand zurückschieben.

Ursache

Wichtigste Ursache von Narbenbrüchen sind Operationen, bei denen der Bauchraum mit einem großen Schnitt eröffnet wurde (Laparotomie). Am häufigsten sich Narbenhernien entlang von senkrecht verlaufenden Narben zwischen Brustbein und Schambein (mediane Laparotomie). Aber auch quer verlaufende Narben können brechen.

Bei einer Laparotomie wird nicht nur die Haut durchschnitten, sondern auch die Bauchwand. Dabei handelt es sich um einen Komplex aus Muskeln, Sehnen und Bindegewebe. Vor allem das Durchtrennen der Bauchmuskeln schwächt die Bauchwand. Selbst bei sorgfältigstem chirurgischem Vorgehen lässt sich ein guter Ausgangszustand nicht immer wieder bis in die feinsten Strukturen herstellen. Eine Narbe in der Bauchwand stellt also immer eine Schwachstelle da. Daher ist ein späterer Narbenbruch mit Bildung eines Eingeweidesacks nicht sicher auszuschließen, sondern mit einer Quote von 20 Prozent eher häufig.

Risikofaktoren

Das Risiko steigt stark, wenn eine Bauchnarbe schon kurz nach der Operation stark belastet wird. Solche Belastungen entstehen in der Regel nicht durch körperliche Aktivität. Schon Niesen, Husten oder Pressen beim Stuhlgang können Narbennähte lockern oder reißen lassen. Einen weiteren Risikofaktor bilden beispielsweise Dränagen, mit denen nach einem Eingriff Wundsekrete abgeleitet werden. Dort, wo Dränagen durch die Bauchdecke verlaufen, ist das Risiko für eine Narbenhernie deutlich erhöht. Weitere operationsbedingte Risikofaktoren sind Wundinfektionen, wiederholte Operationen und Blutungen.

Nicht operationsbedingte Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht und untrainierte oder sehr schwach ausgebildete Bauchmuskulatur. Wundheilungsstörungen, einige Krebsarten und Erkrankungen wie Diabetes, chronische Lungenerkrankungen (COPD) oder Blutarmut (Anämie) sowie Langfristbehandlungen mit Kortison und langjähriges Rauchen fördern das Risiko für Narbenhernien ebenfalls.

Behandlung

Narbenhernien werden ausschließlich operativ behandelt. Die Operationsmethoden hängen von der Lage und dem Ausmaß des Narbenbruchs ab. Der Eingriff erfolgt entweder bei einer Bauchöffnung (Laparotomie) oder minimal-invasiv über einen kleinen Schnitt und ein Endoskop.

Autor: Charly Kahle

Stand: 11.01.2018

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