Muskelkater

Muskelkater kennen die meisten Menschen. Aber was tun bei Muskelkater. Informationen dazu im Ratgeber Muskelkater

Definition

Als Muskelkater werden Schmerzen nach ungewohnten, muskulären Bewegungsabläufen oder nach sportlicher Anstrengung sowie muskulärer Überlastung bezeichnet. Muskelkater tritt etwa 1 bis 2 Tage nach der Belastung auf. Der Mensch besitzt mehr als 400 Skelettmuskeln. Diese Muskeln können enorme Kräfte aushalten - allerdings nur, wenn sie regelmäßig belastet und trainiert werden. Untrainierte und überbeanspruchte Muskeln hingegen fangen an wehzutun.

Symptome

Muskelkater macht sich einen bis zwei Tage nach der ungewohnten Muskelbeanspruchung bemerkbar. In den Muskeln wird ein Ziehen, Spannen oder Reißen bemerkt. Betroffene Muskeln sind oft druckempfindlich, steif und hart. Sie fühlen sich kraftlos an. Bei den geringsten Bewegungen steigern sich die unangenehmen Beschwerden. Besonders schmerzhaft wird Muskelkater am Oberschenkel und im Schulter-Nacken-Bereich empfunden. Muskelkater dauert bis zu einer Woche an.

Ursachen

Hauptursache von Muskelkater sind ungewohnte, ungewohnt lange oder sehr starke körperliche Tätigkeiten. Das können sowohl Kraftübungen oder Laufen beim Sport wie auch ungewohnte Bewegungsabläufe im Haushalt, zum Beispiel beim Holzhacken oder Fensterputzen, sein. Was genau den Muskelkater hervorruft, darüber sind sich die Experten noch immer nicht einig. Die Laktat-Theorie gilt heute als überholt. Früher nahmen Mediziner an, dass Muskelkater durch Milchsäure (bzw. Laktat), die sich im Muskel ansammelt, ausgelöst wird.

Feine Risse verursachen Muskelkater

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Überbelastungen der Muskeln zu feinen Rissen in den Muskelfasern führen. Diese sogenannten Mikrotraumata entstehen insbesondere durch Abbremsbewegungen (wie beim Abfedern eines Sprungs oder beim bergab steigen). Die überlastenden Bewegungen schmerzen zunächst nicht, da in Muskelfaserzellen keine schmerzweiterleitenden Nervenenden liegen. Der Körper versucht nun, diese Mikroverletzungen zu reparieren. Dabei gelangen Abbauprodukte in das Bindegewebe. Im Bindegewebe gibt es schmerzweiterleitende Nervenenden, die durch die Abbauprodukte gereizt werden: Schmerzen entstehen, die als Muskelkater wahrgenommen werden.

Muskelfasern quellen auf

In überbeanspruchten Muskeln entstehen häufig Muskelfaserverletzungen. Diese führen zu minimalen Einblutungen und Entzündungsreaktionen. Infolge der Entzündung strömen Blut und Wasser ins Gewebe ein – die Muskelfasern quellen auf. Das verursacht den typischen Dehnungsschmerz bei Muskelkater. Die aufgequollenen Muskelfasern drücken zudem auf Blutgefäße, die den Muskel selbst und umliegende Muskeln versorgen. Eingeengte Gefäße führen nur weniger Blut mit sich, wodurch sich die Muskeldurchblutung verschlechtert. Eine Minderdurchblutung bereitet Schmerzen: Muskelkater. Häufig folgt auf Muskelschmerzen eine reflektorische Anspannung der Muskeln. Diese vermindert die Durchblutung in den Gefäßen weiter und führt zu noch mehr Schmerzen.

Behandlung

Muskelkater kennt wohl jeder. Er kann und muss üblicherweise nicht behandelt werden. Viele Menschen fragen sich dennoch, was sie gegen Muskelkater tun können. Mit einfachen Maßnahmen können Sie den Heilungsprozess unterstützen oder sogar beschleunigen.

Durchblutung fördern und Schmerzen stillen

Schmerzen bei Muskelkater können mit nicht-steroidalen Antirheumatika wie Naproxen, Diclofenac und Ibuprofen gelindert werden. Reiben Sie die schmerzenden Stellen mit durchblutungsfördernden und schmerzstillenden Salben ein. Folgende Wirkstoffe sind alleine oder in Kombination bei Muskelkater zu empfehlen: Capsaicin, Methylsalicylat, 2-Hydroxybenzoesäure und Heparin sowie Nicoboxil und Nonivamid. Auch pflanzliche Salben und Pflaster mit Arnika, Campher, Weihrauch, Beinwell, Pinie, Eukalyptus, Rosmarin, Pfefferminz, Wacholderbeere und Johanniskraut helfen bei Muskelkater.

Mineralstoffe wie Magnesium und Calcium (zum Beispiel in Form von Brausetabletten) können den Heilungsverlauf von Muskelkater unterstützen. Diese beiden Elektrolyte sind außerdem wichtig für den Ablauf der Muskelbewegung.

Wärme steigert die Durchblutung und wirkt so gegen Muskelkater. Wärme entfalten Rotlicht, Wärmflaschen oder Saunabesuche sowie eisenpulverbasierte Wärmepflaster.

Entspannungsbäder werden von den meisten Menschen mit Muskelkater als wohltuend empfunden. Empfehlenswert sind Badezusätze, wie Rosskastanie, Heublumen, Arnika, Fichtennadeln, Rosmarin und Eukalyptus. Vorsicht bei Kleinkindern und Allergikern! Für sie sind ätherische Öle in der Regel nicht geeignet.

Moorbäder als Teil- oder Vollbad sowie Fangopackungen unterstützen ebenfalls die Heilung von Muskelkater. Sie entspannen und lockern die die Muskulatur und ermöglichen so eine bessere Beweglichkeit.

Bewegung und Massagen gegen Muskelkater

Bewegung mit geringer Belastung, zum Beispiel leichte Gymnastik oder lockeres Joggen sowie Lockerungs- und Dehnungsübungen, lockern die schmerzhaft verhärteten Muskeln. Aber bitte keine abrupten Bewegungen oder Training gegen den Schmerz! Dadurch verschlimmert sich Muskelkater eher.

Sanfte Massagen lockern schmerzende Muskelpartien. Kräftige Massagen werden hingegen nicht empfohlen. Sie hindern eher den Heilungsprozess bei Muskelkater aufgrund zusätzlicher Irritationen.

Vorbeugung

Sinnvoll ist es, Muskelkater gar nicht erst entstehen zu lassen. Zur Vorbeugung von Muskelkater helfen:

  • Aufwärmübungen
  • Dehnungsübungen vor der sportlichen Betätigung oder nach dem Training
  • sportliche Leistungen nur langsam steigern; Muskulatur nicht sofort übermäßig stark oder lang anhaltend beanspruchen
  • regelmäßig, mehrmals in der Woche, sportliches Ausdauertraining
  • keine großen Kraftanstrengungen nach längerer Trainingspause
  • langsames Ausklingen einer Trainingseinheit oder sportlichen Betätigung
  • eventuell betroffene Muskeln direkt nach der körperlichen Betätigung mit alkoholhaltigen Tinkturen oder Lösungen einreiben.

Autor: Charly Kahle, Mitarbeit: Christiane von der Eltz (Apothekerin), Dr. Regina Schick (Ärztin)

Stand: 01.08.2013

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