Mumps (Ziegenpeter)

Mumps zählt zu den klassischen Kinderkrankheiten. Beinahe jeder kennt die typischen dicken Mumps-Backen. Die sind zwar lästig, aber harmlos. Bei 5 Prozent der Mumps-Kranken kommt es zu schwerer wiegenden Komplikationen. Mehr über Symptome, Ursachen, Impfung und Behandlung von Mumps

Synonyme

Ziegenpeter

Definition

Mutter misst Fieber

Mumps ist eine klassische Kinderkrankheit. Die meisten Menschen kennen das typischste der Mumps-Symptome: die charakteristischen Hamsterbacken. Ausgelöst wird Mumps durch das Mumpsvirus, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Dieses Virus befällt vor allem die Ohrspeicheldrüsen. Dort verursacht es Schwellungen, die zu den Mumpsbacken führen. Mumps kann leicht verlaufen, aber auch zu Komplikationen führen. Dazu gehören vor allem Hirnhautentzünden (Meningitis) und Gehirnentzündungen (Enzephalitis). Mumpsinfektionen bei Jungen gehen zuweilen mit Hodenentzündungen einher, die zu Unfruchtbarkeit führen können. Wer einmal Mumps hatte, ist sein Leben lang gegen die Krankheit immun. Mit einer Impfung kann Mumps relativ sicher vorgebeugt werden.

Ziegenpeter und andere Namen

Mumps hat viele Namen. Die medizinische Bezeichnung ist Parotitis epidemica. Landläufige Namen sind Ziegenpeter, aber auch Tölpel, Wochendippel oder Bauernwetzel. Warum jedoch heißt Mumps im Volksmund Ziegenpeter? Die Frage ist nicht ganz eindeutig zu klären. Es gibt 4 verbreitete Erklärungsversuche (und wahrscheinlich sogar noch mehr):

  1. Die geschwollenen Wangen infolge der entzündeten Ohrspeicheldrüsen geben Mumpskranken ein leicht einfältiges Aussehen. Die etwas „Dümmeren“ bzw. Tölpel im Dorf waren nur zum Ziegenhüten zu gebrauchen. Und viele von ihnen hießen – wir kennen es nicht nur aus den „Heidi“-Erzählungen - Peter. Daher die Bezeichnung Ziegenpeter.
  2. Speicheldrüsenentzündungen waren bei Schafen und Ziegen verbreitet. Bei Menschen hieß diese Ziegenerkrankung Ziegen-Peter.
  3. Abergläubisch ging man früher davon aus, dass ein Wesen für Erkrankungen verantwortlich war. Ziegenpeter soll der Kobold geheißen haben, der Mumps verursachte.
  4. Bei Mumps stehen die Ohren infolge der Ohrspeicheldrüsenentzündung seitlich ab und die Wangen schwellen an. Mit etwas Fantasie ergibt sich die Optik einer Ziege. Und „mump“ bedeutet im Englischen so viel wie mürrisch, verärgert, verdrießlich. Der Betroffene ähnelt also einer mürrischen Ziege.

Häufigkeit

Die Zahl der Mumps-Erkrankungen in Deutschland hat in den vergangenen 50 Jahren sehr deutlich abgenommen. Noch in den 70iger Jahren kam es zu 200 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Mittlerweile gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Inzidenz mit weniger als einem Fall pro 100.000 Einwohner an. Zwischen 2001 und 2012 verzeichnete das RKI insgesamt 858 Fälle. Die meisten dieser Erkrankungen bei Kindern unter 15 Jahren. Seit 2013 ist Mumps eine meldepflichtige Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz. 2015 wurden 799 Fälle in Deutschland gemeldet.

In jüngster Vergangenheit kam es immer wieder zu kleineren und größeren Mumps-Ausbrüchen. Im Sommer 2016 verbreitete sich das Mumpsvirus in München. 2011 hatte es in Bayern schon einen größeren Ausbruch mit mehr als 300 Fällen gegeben. Auch im Ausland greift Mumps verstärkt um sich. New York meldete 2016 einen Ausbruch mit mehr als 400 Erkrankungen, andere US-Städte kleinere Mumpsausbrüche.

Mehr Mumpsfälle bei Erwachsenen

Auffällig bei den Mumpserkrankungen in der jüngeren Vergangenheit ist, dass der Anteil der älteren Betroffenen wächst. Nach Angaben des RKI entfällt mehr als die Hälfte der jüngsten Fälle in Deutschland auf Jugendliche und junge Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. In Großbritannien, Irland, Spanien und Tschechien seien vor allem 15- bis 19-Jährige betroffen.

Die Häufung der Mumpserkrankungen bei zunehmend älteren Patienten geht mit einem steigenden Risiko für Komplikationen einher.

Mumpsinfektionen trotz Impfung

Neben der Altersverschiebung betrachten Infektionsmediziner einen zweiten Aspekt mit Sorge. Insbesondere in den USA und Kanada mehren sich Mumpsfälle bei jungen Erwachsenen mit einer vollständigen Grundimmunisierung. Noch ist nicht ganz klar, warum die geimpften Menschen sich mit dem Mumpsvirus anstecken. Möglicherweise nimmt der Impfschutz ab, weil veränderte Mumpsvirenstämme nicht ausreichend auf die bei Impfungen verabreichten Antikörper ansprechen.

Eine andere Erklärung bietet die Impfquote. Noch bis 2001 war weniger als die Hälfte der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung vollständig gegen Mumps geimpft, hatte also nur die 1. Impfung erhalten. Wenn die zweite Impfung zur Grundimmunisierung nicht erfolgte, sind diese Menschen gegenwärtig als junge Erwachsene besonders anfällig für eine Infektion.

Symptome

Häufig verläuft eine Infektion mit Mumpsviren unbemerkt. Etwa 6 von 10 Infizierten aber erkranken. Dann beginnt Mumps mit den unspezifischen Symptomen, die auch für andere Infektionskrankheiten typisch sind. Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitverlust, Unwohlsein, Muskelschmerzen sowie Müdigkeit sind die spürbaren Anzeichen dafür, dass sich das Immunsystem gegen das Mumpsvirus wehrt. Manchmal gehören Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen und erhöhte Temperatur zu den Anzeichen von Mumps.

Geschwollene Ohrspeicheldrüsen: Mumps-Backen

Am 2. oder 3. Tag beginnt in der Regel die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen (Glandula parotis), die für die charakteristischen Mumps-Backen verantwortlich ist. Üblicherweise sind beide Seiten betroffen. In 20 bis 30 Prozent der Fälle tritt Mumps jedoch nur einseitig auf. Bei den meisten Kindern, aber auch bei vielen Erwachsenen, verursachen die Schwellungen Ohrenschmerzen.

Manchmal kommt es zu Schmerzen beim Kauen oder Schlucken. Das liegt daran, dass die Mumpsviren zuweilen nicht nur die Ohrspeicheldrüsen, sondern auch anderen Speicheldrüsen im Bereich von Zunge und Rachen befallen.

Die Schwellungen und die damit verbundenen Schmerzen vergehen in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 7 Tagen. Dann ist die Erkrankung in aller Regel überstanden.

Komplikationen

In 5 Prozent der Fälle verursachen Infektionen mit dem Mumpsvirus Komplikationen. Die treten auf, wenn die Viren nicht nur die Speicheldrüsen im Bereich von Ohren und Hals befallen, sondern sich im Körper ausbreiten.

Gelangen die Viren beispielsweise in das Zentrale Nervensystem (ZNS), können sie dort Hirnhautentzündungen (Meningitis) oder Gehirnentzündungen (Enzephalitis) verursachen. Eine andere typische Komplikation von Mumps ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese Mumps-Pankreatitis tritt bei 4 Prozent aller Mumpserkrankungen auf. Zudem sind Hörverluste nach Mumps nicht selten. 4 Prozent der Erkrankten erleiden eine vorübergehende partielle Taubheit (vor allem im Hochfrequenzbereich). Bei 1 von 20.000 Mumps-Erkrankten bleibt die Taubheit auf einem Ohr dauerhaft bestehen.

Weitere Komplikationen von Mumps sind Gelenkentzündungen (Arthritis), Nierenentzündungen (Nephritis), Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Blutarmut (Anämie).

Hodenentzündungen bei jungen Männern

Bei bis zu 30 Prozent der Jungen und jungen Männern kommt es zu einer Mumps-bedingten Hodenentzündung, der Mumps-Orchitis. Bei unglücklichem Verlauf kann diese Entzündung die Zeugungsfähigkeit einschränken. Dabei gilt: je älter der Betroffene, umso größer das Risiko für die spätere Zeugungsunfähigkeit und je höher das Risiko einer Sterilität.

Brustentzündungen bei Frauen

Bei Frauen besteht das Risiko einer Mumps-bedingen Brustentzündung (Mastitis) oder einer Entzündung der Eierstöcke (Oophoritis). In der Schwangerschaft wirkt sich das Mumpsvirus nach bisherigen Erkenntnissen glücklicherweise nicht auf das Ungeborene aus.

Ursachen

Mumps wird durch eine Infektion mit dem Mumpsvirus verursacht. Das gehört zur Familie der Paramyxoviridae. Mumpsviren reagieren sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Hitze, Licht, UV-Strahlung und Desinfektionsmittel können die Viren relativ leicht unschädlich machen.

Das Virus verbreitet sich vor allem per Tröpfcheninfektion oder direktem Speichelkontakt von Mensch zu Mensch. Das bedeutet, die Viren gelangen beispielsweise beim Niesen oder Husten in die Luft und werden dann von anderen Menschen eingeatmet. Beim Küssen übertragen sich die Viren direkt. Selten sind auch Schmierinfektionen möglich, etwa durch Händeschütteln oder über Gegenstände, die Kranke berührt haben.

Die Inkubationszeit (also die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden) nach einer Infektion mit den Mumpsviren liegt zwischen 12 und 25 Tagen. In den meisten Fällen bricht die Erkrankung 16 bis 18 Tage nach einer Infektion mit den Viren aus. Infizierte können das Virus bereits bis zu 7 Tage vor Ausbruch und bis zu 9 Tage nach überstandener Erkrankung übertragen.

Untersuchung

Die typischen Mumps-Backen sprechen eine deutliche Sprache: In den allermeisten Fällen braucht es nicht mehr, um den Verdacht auf eine Mumpsinfektion zu bestätigen. Im Zweifel bringt eine Blutuntersuchung auf Antikörper Gewissheit. Die Diagnose Mumps lässt sich darüber hinaus durch den Nachweis von Mumpsviren in Urin, Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) sicherstellen. Insbesondere die Punktionen zur Entnahme von Liquor erfolgen aber nur in seltenen begründeten Einzelfällen, um die mit den Punktionen verbundenen Belastungen zu vermeiden.

Werden bei einer Mumps-Infektion Komplikationen vermutet (beispielsweise eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Entzündung des Hodens, der Brust oder der Eierstöcke), können diese Gewebe mittels Ultraschall untersucht werden (Sonografie).

Behandlung

Glücklicherweise verläuft Mumps in den allermeisten Fällen, bei Kindern wie Erwachsenen, ohne heftige Symptome oder Komplikationen ab. Ansonsten gesunde Menschen brauchen daher bei einem normalen Verlauf von Mumps nicht unbedingt medizinische Hilfe. Das gilt aber nur für den milden Verlauf. In 95 Prozent der Fälle heilt die Erkrankung innerhalb von Wochen von selbst aus. Ohnehin lässt sich das Mumpsvirus nicht gezielt ausschalten. Insofern gibt es also keine Behandlungsmethode, um die Ursache von Ziegenpeter zu bekämpfen. Die Therapie konzentriert sich vielmehr darauf, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Bei schwerwiegenden Komplikationen wie Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Hirn- und Hirnhautentzündungen sowie anderen Organentzündungen müssen Mumps-Patienten im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Quarkwickel gegen Mumps-Backen

Die geschwollen Ohrspeicheldrüsen und damit die Mumps-Backen lassen sich in sehr vielen Fällen mit einem alten Hausmittel abschwellen: mit kalten oder warmen Quark- oder Ölwickeln. Bei einer akuten, schmerzhaften Entzündung der Ohrspeicheldrüsen hilft häufig ein kühler Quarkwickel besser. Im späteren Heilungsverlauf wird üblicherweise ein warmer Wickel als wohltuender empfunden. Und so stellen Sie einen Quarkwickel her:

  • Legen Sie zwei nicht-fusselnde Baumwolltücher (beispielsweise eine Stoffwindel) und 250 g Magerquark bereit, dazu noch zwei Wärmflaschen – und es kann losgehen. Wärmflaschen eignen sich als Wärmequelle übrigens besonders gut, weil sie genau die richtige Temperatur liefern. Tücher von der Heizung oder aus dem Backofen werden leicht zu heiß.
  • Legen Sie diesen Streifen zwischen zwei Wärmflaschen (bei kalten Wickeln nicht nötig), bis er sich durchgehend gut erwärmt hat.
  • Streichen sie dann eine etwa 1 bis 2 cm dicke Quarkschicht auf das Tuch.
  • Nun binden Sie dem Kind das quarkfreie Tuch direkt unter den Ohren locker um den Hals (als Hautschutz, mitunter reagiert entzündliches Gewebe verstärkt auf die im Quark enthaltene Milchsäure).
  • Darauf geben Sie den Quarkschal (mit dem Quark Richtung Haut). Bei warmen Wickeln können Sie darüber noch einen Wollschal nach oben über die Ohren binden, um die Wärme länger zu halten.

Grundsätzlich können Quarkwickel so lange anliegen, wie es der Patient als angenehm empfindet. Kalte Quarkwickel werden in der Regel nach 3 Stunden gewechselt, vorzugsweise aber, bevor der Quark trocken und bröckelig geworden ist.

Vor allem Kinder leiden nicht nur unter den Ohrenschmerzen, sondern klagen häufig auch über Schmerzen beim Schlucken und Kauen. Mit breiförmigen Speisen und Suppen lässt sich den Kindern das Leben bei Mumps erleichtern. Außerdem macht es den meisten Kindern Spaß, wenn sie mal eine Suppe mit dem Strohhalm trinken dürfen.

Medikamente gegen Mumps-Symptome

Gegen die Ohrenschmerzen und Fieber helfen Paracetamol oder Ibuprofen. Bitte geben Sie Kindern auf keinen Fall Acetylsalicylsäure, also ASS oder Aspirin. Dieser Wirkstoff kann bei Kindern lebensgefährliche Komplikationen in Leber und Gehirn auslösen.

In der Apotheke erhalten Sie auch abschwellende Nasen- oder Ohrentropfen (Ohrentropfen bitte nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden). Bei starken Entzündungen wird der Arzt gegebenenfalls kortisonhaltige Medikamente verschreiben. Die kommen auch zum Einsatz, um eine Hodenentzündung medikamentös zu behandeln.

Vorbeugung

Mumps lässt sich überaus erfolgreich vorbeugen. Nach Einführung der Mumps-Impfung sank die Zahl der Erkrankungen von mehr als 200 pro 100.000 Einwohner auf weniger als 1 Kind mit Mumps pro 100.000 Einwohner.

Mumps-Impfung: offizielle Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt die Mumps-Impfung für alle neugeborenen Kindern. Dabei ist nach Einschätzung der STIKO ein MMR-Impfstoff die beste Wahl, also die gleichzeitige Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln.

Mumps-Impfstoffe

Mumps-Impfstoffe sind als Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) und als Masern-Mumps-Röteln-Varizellen-Impfstoff (MMRV-Impfstoff) erhältlich. Die Auswahl des Impfstoffes erfolgt entsprechend dem Impfstatus des Impflings und in Absprache von Arzt und Eltern/Betroffenen.

Impfschutz und Impfschema

Der Impfschutz nach der Mumps-Impfung entfaltet sich auf zweifache Weise. Zum einen schützt die Impfung mit bis zu 90prozentiger Sicherheit vor einer Infektion mit Mumpsviren. Zum anderen sorgt die Impfung dafür, dass das Immunsystem für den seltenen Fall einer Erkrankung auf die Mumpsviren vorbereitet ist. Daher verläuft Mumps bei Geimpften deutlich häufiger deutlich leichter als bei ungeimpften Menschen.

Um den vollständigen Impfschutz zu erreichen, sind 2 Impfungen nötig. Nach aktueller Empfehlung der STIKO erfolgt die 1. Impfung Alter von 11 bis 14 Monaten. Die Impfserie sollte dann im Alter von 15 bis 23 Monaten mit der 2. Impfung abgeschlossen werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 22.02.2018

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