Morbus Bechterew

Rückenschmerzen, morgendliche Versteifungen und Gelenkschmerzen können auf Morbus Bechterew hindeuten. Die Gelenkerkrankung ist nicht heilbar. Die Behandlung von Morbus Bechterew zielt darauf, einer Versteifung der Wirbelsäule und einem dauerhaften Rundrücken entgegenzuwirken. Hier erfahren Sie mehr über Symptome, Therapie und Selbsthilfe bei Morbus Bechterew.

Synonyme

Morbus Bechterew, ankylosierende Spondylitis, rheumatoide Spondylitis, Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit

Definition

Gelenkschmerzen

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gelenke, die zum rheumatischen Formenkreis zählt. Morbus Bechterew wird auch ankylosierende Spondylitis, rheumatoide Spondylitis oder Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit genannt.

Die chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung betrifft vor allem die Wirbelsäule, aber auch Hüft- und Schultergelenk. Es kommt zu einer fortschreitenden Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule, weil die Wirbelgelenke und der Bandapparat verknöchern.

Im Einzelnen ist der Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew sehr unterschiedlich und reicht von leichten Einschränkungen über ausgeprägte Wirbelsäulenverkrümmungen bis hin zur völligen Wirbelsäulenversteifung.

Häufigkeit

Die Krankheit befällt zu 90 % Männer, meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr.

Symptome

Im Anfangsstadium kommt es bei Morbus Bechterew zu Nacken-, Gelenk-, Knie- oder Fersenschmerzen, Schmerzen im Gesäß und Engegefühl im Brustkorb oder einer Entzündung der Regenbogenhaut des Auges mit schmerzenden, geröteten und lichtempfindlichen Augen. Die Patienten berichten außerdem von nächtlichen Kreuzschmerzen, die bis in den Oberschenkel ausstrahlen können. Auch Rückenschmerzen nach längeren Ruhepausen oder nach dem Aufstehen und unbewegliche sowie steife Gelenke (Morgensteifigkeit) sind typisch für die Erkrankung. Morbus Bechterew verläuft bei den meisten Betroffenen schubweise. Dann gibt es immer wieder Phasen mit starken Schmerzen und ausgeprägtem Krankheitsgefühl.

Im späteren Stadium der Krankheit lassen die Schmerzen nach, und die Patienten nehmen die typische nach vorn gebeugte Haltung an. Der Rücken ist rund und steif (Buckel) und der Bauch kugelförmig.

Ursachen

Die Ursachen von Morbus Bechterew sind weitgehend unbekannt. Offenbar spielt – wie bei vielen anderen Erkrankungen auch – eine erbliche Komponente eine Rolle. Es scheint auch so zu sein, als richtet sich die körpereigene Abwehr bei Morbus Bechterew gegen gesunde Strukturen. Man spricht von einer Autoimmunreaktion. In diesem Fall richtet sich die Fehlregulation gegen die Gelenke in Wirbelsäule, Schulter und Nacken. Warum die Gelenke verknöchern, ist nicht eindeutig klar.

Als weitere Ursachen von Morbus Bechterew werden Virusinfektionen und Stoffwechselerkrankungen diskutiert.

Untersuchung

Sobald Sie unerklärliche Rückenschmerzen haben oder die Funktion der Schulter ohne triftigen Grund eingeschränkt ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Zunächst einmal kann Ihr Arzt anhand einer eingehenden Untersuchung (Blutuntersuchung, Röntgen, Computertomografie etc.) feststellen, ob Beschwerden tatsächlich durch Morbus Bechterew oder durch andere Erkrankungen verursacht werden.

Behandlung

Die ärztliche Therapie von Morbus Bechterew beschränkt sich darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Heilbar ist Morbus Bechterew nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung leider nicht.

Ziel der Behandlungen ist, die Versteifung der Wirbelsäule hinauszuzögern und der Entwicklung eines dauerhaften Rundrückens entgegenzuwirken. Dafür sollte möglichst frühzeitig mit einer krankengymnastischen Therapie begonnen werden. Denn Bewegung ist als wichtigste Maßnahme in der Bechterew-Therapie unverzichtbar.

Medikamentöse Therapie bei Morbus Bechterew

Medikamente können die Beschwerden bei Morbus Bechterew lindern.

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (kurz NSAR), wie zum Beispiel Diclofenac oder Indometacin, wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd.
  • Kortisonpräparate werden vor allem kurzfristig angewandt, um akute Gelenk- oder Augenentzündungen zu lindern.
  • Sogenannte Standard- oder Basismedikamente (wie Sulfasalazin oder Methotrexat) unterdrücken starke Entzündungen von Gelenken oder Sehnen außerhalb der Wirbelsäule. Sie werden über einen längeren Zeitraum gegeben.
  • Ist keine Therapie erfolgreich, können Medikamente eingesetzt werden, die den entzündungsfördernden Botenstoff Tumor-Nekrose-Faktor alpha (kurz TNF alpha) hemmen. Deren Wirksamkeit ist aber bisher nicht bewiesen. Deshalb sollte der behandelnde Arzt genau abwägen, ob und wann eine TNF-alpha-Therapie bei Morbus Bechterew angewandt wird.

Operationen bei Morbus Bechterew

Bei Morbus Bechterew wird selten operiert. Bei stark verkrümmter Wirbelsäule sind Aufrichtungsoperationen an einzelnen Wirbelkörper oder mehreren Wirbeln denkbar. Dazu wird zum Beispiel ein spezielles Schrauben-Stab-System eingesetzt. Bei einer sogenannten Keilosteotomie werden Knochenstücke aus der Wirbelsäule entnommen). Bei entzündlich verändertem Hüftgelenk kann eine Hüftprothese helfen.

Selbsthilfe bei Morbus Bechterew

Es erscheint den Patienten meistens widersinnig: Bei nahezu allen Gelenkerkrankungen trägt Bewegung deutlich dazu bei, dass die Gelenke länger funktionieren und weniger schmerzen. Allerdings sollte die Bewegung angemessen sein. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie durch Bewegung die Symptome von Morbus Bechterew lindern können. Es spricht viel für spezielle Krankengymnastik oder Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.

Tipp für die Nacht

Bei Morbus Bechterew sollte das Bett sollt möglichst flach und hart sein. Viele Patienten berichten, dass Schlaf in der Bauchlage am leichtesten fällt und weniger Schmerzen verursacht.

Weitere Tipps zur Selbsthilfe

  • Infrarotbestrahlung und Rheumabäder können helfen, Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit zu erhalten.
  • Vermeiden Sie schwere körperliche Tätigkeiten.
  • Absolvieren Sie regelmäßig Ihre krankengymnastischen Übungen.
  • Suchen Sie sich eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.
  • Wärme tut gut, häufig bessern sich Rückenschmerzen durch Wärmflasche, Heizdecke oder ein warmes Bad.
  • Rotlicht und durchblutungsfördernde Maßnahmen (wie Rheumasalben oder Schmerzpflaster) werden ebenfalls oft als wohltuend beschrieben.
  • Kälte (wie Coolpacks oder Gelkissen) wirken schmerzlindernd bei entzündeten und geschwollenen Gelenken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.11.2015

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