Synonyme

autoimmune Hyperthyreose vom Typ Basedow, Basedowkrankheit, Basedowsche Krankheit, Graves-Krankheit, Basedow-Struma, Basedow-Syndrom

Definition

Morbus Basedow

Morbus Basedow ist eine Autoimmunkrankheit, die zu Schilddrüsenüberfunktion führt.

Autoimmun bedeutet, dass die Erkrankung durch das körpereigene Immunsystem verursacht wird. Normalerweise schützt das Immunsystem den Organismus, indem es Antikörper gegen Viren, Bakterien oder andere schädliche Umstände bildet. Im Fall der Basedowkrankheit aber bildet das Immunsystem Antikörper, die das Schilddrüsengewebe fälschlicherweise als Gefahr ansehen und angreifen. Die Antikörper regen die Schilddrüse zu vermehrtem Wachstum an und dazu, zu viele Schilddrüsenhormone auszuschütten. Einzelheiten dazu im Abschnitt Ursachen von Morbus Basedow weiter unten.

Kropf (Struma) und hervortretende Augäpfel (Exophthalmus)

Morbus Basedow hat zwei besonders charakteristische sichtbare Symptome. Zum einen kommt es sehr oft zu einer sichtbaren Schwellung der Schilddrüse. Umgangssprachlich ist von einem Kropf die Rede. Mediziner sprechen bei Kropfbildung von Struma. Das andere sehr typische Symptom von Basedow sind hervortretende Augäpfel (Exophthalmus).

In der Behandlung von Morbus Basedow werden vor allem Medikamente angewendet, die die Schilddrüsenüberfunktion und das überschießende Wachstum der Schilddrüse bremsen. Die Wirkstoffe wie Carbimazol, Methimazol, Propylthiouracil oder Thiamazol führen in etwa der Hälfte aller Fälle dazu, dass die Basedow-Krankheit vollständig zum Stillstand kommt. Wenn eine medikamentöse Therapie nicht erfolgreich verläuft, bleiben weitere Optionen wie etwa eine Radiojodtherapie oder operative Eingriffe (siehe Behandlung).

Mehr über Schilddrüsenüberfunktion

Herzklopfen, Zittern, Schlaflosigkeit, Gewichtsabnahme, Wärmeintoleranz, übermäßiges Schwitzen und ausgeprägte Unruhe: Das sind typische Symptome von Schilddrüsenüberfunktion. Die Unruhe kann so weit gehen, dass das Herz Schaden nimmt. Überdies kann in seltenen Fällen der Stoffwechsel lebensgefährlich entgleisen. Mehr über Symptome, Ursachen, Folgen und Therapie im Krankheitsbild Schilddrüsenüberfunktion

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Morbus Basedow hängt unter anderem davon, wie gut die Menschen in einer Region mit Jod versorgt sind. Weltweit ist Morbus Basedow die häufigste Ursache von Schilddrüsenüberfunktion. In Ländern mit ausreichender Jodversorgung wie Deutschland wird die Verbreitung (Prävalenz) von Morbus Basedow mit 2 bis 3 Prozent der erwachsenen Frauen angegeben. Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr (Jahresinzidenz) liegt demnach zwischen 10 und 40 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern.

Basedow bei Frauen besonders häufig

In Deutschland machen Immunhyperthyreosen wie die Basedow-Krankheit etwa 40 Prozent der Fälle von Schilddrüsenüberfunktion aus. Morbus Basedow betrifft vor allem Frauen. In der weiblichen Bevölkerung ist die Erkrankung zwischen 5 und 8 Mal so häufig wie bei Männern. Üblicherweise tritt die Basedowsche Krankheit erstmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, oft vor dem 35. Lebensjahr.

Symptome

Typische sichtbare Symptome von Morbus Basedow sind hervortretende Augen und deutliche Schilddrüsenschwellungen. Letztere kennt die Umgangssprache als Kropf, Mediziner sprechen von einem Struma. Das dritte charakteristische Krankheitszeichen von Basedow ist ein mehr oder minder stark beschleunigter Puls, der bis zum Herzrasen reichen kann. Diese Symptome müssen nicht zwingend stark ausgeprägt sein. Ist das aber der Fall, bezeichnen Mediziner das als Merseburger Trias.

Augensymptome bei Morbus Basedow

Die hervortretenden Augäpfel sind nicht das einzige Augen-Symptom von Basedow. Daneben kommt es oft zu Symptomen wie

  • trockene Augen
  • Sehfehler wie häufiges Sehen von Doppelbildern
  • verschwommenes Sehen
  • eingeschränkte Augenbeweglichkeit
  • Lichtempfindlichkeit bis Lichtscheue
  • vermehrter Tränenfluss
  • gerötete Augenbindehaut
  • Fremdkörpergefühl im Auge

Weitere Basedow-Symptome

Daneben verursacht Morbus Basedow das komplette Spektrum der vielfältigen möglichen Symptome der Schilddrüsenüberfunktion. Diese Symptome können individuell sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manchmal sind sie so leicht, dass eine Hyperthyreose zunächst überhaupt nicht erkannt wird.

Ursachen

Ursache von Morbus Basedow ist eine gestörte Funktion des körpereigenen Immunsystems. Deshalb zählt die Basedow-Krankheit wie die Hashimoto-Thyreoiditis zu den Immunhyperthyreosen bzw. zu den Autoimmunerkrankungen.

Risikofaktoren für Morbus Basedow

Morbus Basedow ist keine Erbkrankheit. Offenbar aber wird eine Neigung zu dieser und/oder anderen Fehlreaktionen des Immunsystems vererbt. Morbus Basedow ist besonders häufig unter Verwandten 1. Grades. Ähnlich wie bei Hashimoto-Thyreoiditis tritt Morbus Basedow zudem häufiger bei Menschen und in Familien mit einer der folgenden Erkrankungen auf:

Wie Morbus Basedow die Schilddrüse angreift

Die Schilddrüse hat zentrale Bedeutung für den Stoffwechsel. Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zählen zu den wichtigsten Botenstoffen. Sie sind an sehr vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Damit diese Prozesse reibungslos funktionieren können, braucht es ein fein austariertes Gleichgewicht der Botenstoffe (Hormone). Und genau dieses Gleichgewicht wird durch die für das Basedow-Syndrom typischen Antikörper gestört.

Warum das Immunsystem sich gegen die Schilddrüsenzellen wendet, ist – wie bei den meisten Autoimmunerkrankungen – nicht geklärt. Das Wie hingegen lässt sich gut beschreiben.

Das Gehirn, genauer gesagt die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), reguliert die Aktivität der Schilddrüse durch Botenstoffe. Das wichtigste Hormon ist das schilddrüsenstimulierende Hormon. Es wird auch als TSH oder Thyreotropin bezeichnet. TSH dockt an bestimmten Bindestellen der Schilddrüse, den TSH-Rezeptoren an und gibt damit das Signal für die Produktion der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4).

Im Fall von Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper, die wie Schlüssel und Schloss auf die TSH-Rezeptoren passen. So können die TSH-Rezeptorantikörper (TRAK) an den TSH-Rezeptoren andocken und die Schilddrüse fortlaufend aktivieren. Bildlich gesprochen läuft die Schilddrüse dadurch dauerhaft auf Überlast und das Wachstum der Schilddrüse über. Dies wird durch die Kropfbildung sichtbar. Die Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen führt zum Krankheitsbild der Schilddrüsenüberfunktion.

Diagnose

Die Diagnose von Morbus Basedow stützt sich vor allem auf die sichtbaren Symptome und auf den Nachweis der TSH-Rezeptorantikörper (TRAK) im Blut (mehr als 90 Prozent der Fälle). Das Fehlen von TRAK schließt Morbus Basedow aber nicht aus. Vielmehr ist es durchaus nicht selten, dass die TSH-Rezeptorantikörper nur zu Beginn der Erkrankung nachweisbar sind. Andere für Morbus Basedow typische Antikörper sind Antikörper gegen thyreoidale Peroxidase (TPO-AK; bei 70 Prozent der Fälle) und gegen Thyreoglobulin (Tg-AK, in etwa 20 Prozent aller Fälle nachweisbar).

Zudem werden im Blut die Schilddrüsenhormonkonzentrationen von fT3 und fT4 sowie der basale TSH-Wert untersucht. Im Urin kann je nach Jodversorgung Jod nachgewiesen werden.

Darüber hinaus wird die Schilddrüse mit einer sogenannten Dopplersonografie (Ultraschall) untersucht. Mitunter kommt auch eine Schilddrüsenszintigrafie zum Einsatz.

Behandlung

Medikamentöse Behandlung von Morbus Basedow

Am Anfang der Behandlung von Morbus Basedow steht in der Regel eine medikamentöse Therapie. Die Einnahme von schilddrüsenhemmenden Wirkstoffen (sogenannten Thyreostatika wie Carbimazol, Methimazol, Propylthiouracil oder Thiamazol) bremst sowohl die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen wie das Wachstum der Schilddrüse selbst. Die thyreostatische Therapie verläuft individuell sehr unterschiedlich. Meistens braucht es zwischen 12 und 18 Monaten, bis die Schilddrüsenfunktion sich normalisiert. In etwa der Hälfte der Fälle schlägt die Behandlung mit Thyreostatika so gut an, dass die Basedowkrankheit dauerhaft zum Stillstand kommt (mehr über die Aussichten nach der Behandlung: siehe Prognose). Mitunter machen die Augenveränderungen unangenehme Beschwerden. Diese können mit Tränenersatzmitteln in Form von Tropfen gelindert werden.

Neue Anwendungseinschränkungen für Carbimazol und Thiamazol: Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat im Februar 2019 einen Rote-Hand-Brief zu Medikamenten mit Carbimazol und Thiamazol veröffentlicht. Demnach verursachen die Wirkstoffe mitunter Bauchspeicheldrüsenentzündungen (akute Pankreatitis). Für diesen Fall müssen Carbimazol und Thiamazol laut AkdÄ umgehend abgesetzt werden. Für Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündungen in der Vorgeschichte dürfen die Wirkstoffe nicht mehr verordnet werden.

Carbimazol und Thiamazol in der Schwangerschaft: Gleichzeitig wurden die Warnhinweise für die Verwendung von Carbimazol und Thiamazol bei schwangeren Frauen verschärft. Demnach stehen insbesondere hohe Dosierungen der Wirkstoffe während des ersten Schwangerschaftsdrittels im Verdacht, Fehlbildungen des Kindes zu verursachen. Daher sollten Frauen im gebärfähigen Alter unbedingt verhüten, wenn Sie Carbimazol oder Thiamazol einnehmen. Zudem dürfen die Wirkstoffe in der Schwangerschaft nur nach strenger individueller Nutzen-Risiko-Bewertung und in der niedrigsten wirksamen Dosis ohne zusätzliche Verabreichung von Schilddrüsenhormonen angewendet werden.

Radiojodtherapie und Schilddrüsenentfernung

Schlägt die konservative Basedow-Therapie mit Medikamenten nicht an, bleiben vor allem zwei Optionen:

  • Bei der Radiojodtherapie handelt es sich um eine Form der Bestrahlung. Die Strahlen kommen aber nicht aus einem Gerät von außen. Vielmehr nehmen Patientinnen und Patienten eine individuell unterschiedlich große Dosis von radioaktivem Jod ein. Das Jodisotop J-131 zählt zu den sogenannten Betastrahlern. Seine hochenergetische Wirkung reicht nur wenige Millimeter weit. Einmal eingenommen, reichert sich das Jod innerhalb von wenigen Stunden in der Schilddrüse an. Dort gibt es seine Energie ab und zerstört das überschüssige Schilddrüsengewebe.

    Der Begriff Radiojodtherapie weckt mitunter Ängste. Aus medizinischer Sicht besteht dazu kein Anlass. Die Behandlung wird seit Jahrzehnten angewendet und ist daher bestens erprobt. Nebenwirkungen bleiben auf seltene Fälle von Halsbeschwerden beschränkt.
     
  • Schilddrüsenentfernung (Thyreoidektomie): Bei diesem chirurgischen Eingriff wird die Schilddrüse komplett entfernt.

Prognose

Der Heilungsverlauf von Morbus Basedow lässt sich individuell nicht vorhersagen. Insgesamt verläuft die medikamentöse Therapie mit Thyreostatika in gut 50 Prozent der Fälle dauerhaft erfolgreich. Die andere Hälfte der Betroffenen muss davon ausgehen, dass die Erkrankung im Lauf der Jahre erneut auftritt. In der Regel lassen sich diese Remissionen ebenfalls gut mit Medikamenten beherrschen. Mitunter entwickelt sich nach erfolgreich therapiertem Morbus Basedow eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion.

Nach einer Radiojodtherapie ist die Schilddrüse in der Regel nicht mehr in der Lage, den Stoffwechsel in ausreichender Menge mit den notwendigen Schilddrüsenhormonen zu versorgen. Ebenso wie nach einer Schilddrüsenentfernung müssen die Hormone T3 und T4 daher lebenslang in Medikamentenform eingenommen werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 06.03.2019