Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Schmerzmittelbedingter Kopfschmerz entsteht durch den meist langfristen Gebrauch von Schmerzmitteln. Mehr über Symptome und Behandlung.

Synonyme

Schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz, schmerzmittelbedingte Kopfschmerzen, Kopfschmerzen durch Schmerzmittelübergebrauch

Definition

Frau mit Kopfschmerzen

Als medikamenteninduzierten Kopfschmerz bezeichnen Mediziner Kopfschmerzen, die durch die Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen entstehen. Andere Bezeichnungen für das Krankheitsbild sind schmerzmittelinduzierter oder schmerzmittelbedingter Kopfschmerz. Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz zählt zur Gruppe der sogenannten substanzinduzierten Kopfschmerzen. Das sind Kopfschmerzen, die durch den Gebrauch oder den Entzug von Substanzen entstehen. Andere Beispiele für substanzinduzierte Kopfschmerzen sind koffein- oder alkoholbedingte Kopfschmerzen.

Häufigkeit

Die Angaben zur Häufigkeit von medikamenteninduzierten Kopfschmerz sind je nach Quelle sehr unterschiedlich. Etwa 3 Prozent der Gesamtbevölkerung in den westlichen Staaten haben regelmäßig mehr als 1 Mal pro Woche Kopfschmerzen. Fast 90 Prozent der Kopfschmerzpatienten nimmt regelmäßig Schmerzmittel zu sich.

Schätzungen zufolge entwickeln zwischen 5 und 8 Prozent der Schmerzmittelanwender medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Einige Studien rechnen für Deutschland mit bis zu 1,6 Millionen Menschen mit schmerzmittelbedingten Kopfschmerzen. Frauen sind davon mindestens doppelt so oft betroffen wie Männer.

Symptome

Nach den Diagnosekriterien ist ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz gegeben, wenn

  • Schmerzmittel an mindestens 10 Tagen des Monats eingenommen werden und
  • die Betroffenen an wenigstens 15 Tagen des Monats über Kopfschmerzen nach Einnahme oder bei Entzug der Schmerzmittel klagen.

Die Symptome von medikamenteninduziertem Kopfschmerz sind von Person zu Person unterschiedlich. In den meisten Fällen ähneln sie denen von Spannungskopfschmerzen oder Migräne. Typischerweise treten medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auf oder sie verstärken sich, wenn das Schmerzmittel der Wahl nicht verfügbar ist.

Ursachen

Ursache des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes ist der langfristige Gebrauch oder Übergebrauch von Schmerzmitteln. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen genommen werden oder wegen anderer chronischer Schmerzen wie bei Rheuma oder anderer Erkrankungen.

Auch die Wahl des Schmerzmittels spielt keine wesentliche Rolle. Mehr als die Hälfte der Patienten mit medikamenteninduzierten Kopfschmerzen nimmt Kombinationspräparate ein. Auf die Häufigkeit der Erkrankung scheint aber auch das keinen Einfluss zu haben.

Schmerzmittel, die Kopfschmerzen auslösen

Bei den Auslösern von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen stehen Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Paracetamol und Ergotamin sowie Koffein mit Werten zwischen 40 und 50 Prozent an der Spitze. Danach Dihydroergotamin (24 Prozent) und nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (23 Prozent). Opioide Schmerzmittel, Codein, Triptane und Benzodiazepine kommen auf Anteile von jeweils weniger als 10 Prozent.

Behandlung

Die einzige Möglichkeit zur Behandlung von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen besteht darin, das auslösende Schmerzmittel abzusetzen. Dieser Entzug geht häufig mit verstärkten Schmerzen einher. In der Regel dauert diese Entgiftung zwischen 7 und 10 Tagen. Sie kann ambulant, in einer Tagesklinik oder stationär erfolgen.

Im Anschluss an den Schmerzmittelentzug müssen schmerzauslösende Grunderkrankungen und/oder Nebenwirkungen der langfristigen Schmerzmitteleinnahme behandelt werden. Falls die Erkrankung mit einer Medikamentenabhängigkeit einhergeht, wird möglicherweise wird eine stationäre Suchttherapie notwendig.

Die Behandlung von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen ist für Patienten wie Ärzte oft sehr herausfordernd. Denn die Schmerzmittel, die die Erkrankung verursacht haben, werden häufig ja aus gutem Grund eingenommen. Längst nicht immer stehen Schmerzmittel zur Verfügung, die nach der Therapie alternativ angewendet werden können. Insbesondere in diesen Fällen sind die Betroffenen darauf angewiesen, beispielsweise mit Entspannungsübungen oder kognitiver Verhaltenstherapie neue Konzepte gegen ihre Schmerzen zu entwickeln.

Vorbeugung

Insbesondere bei chronischen Schmerzen ist der Entwicklung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes nicht immer sicher vorzubeugen. In jedem Fall sollten Sie mit Ihrem Arzt offen über das Risiko sprechen und die medikamentöse Schmerzmitteltherapie entsprechend anpassen.

Wer gelegentlich eine Schmerztablette einnimmt, ist nicht gefährdet. Der kritische Konsum ist nach Einschätzung der meisten Experten bei etwa 4 Schmerztabletten pro Tag an mehr als 10 Tagen pro Monat erreicht.

Autor: Charly Kahle

Stand: 02.09.2019

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