Synonyme

Morbilli

Definition

Masern im Gesicht

Wenn Kinder an Masern erkranken, werden die meisten Eltern schnell bemerken, dass es sich trotz der erkältungsähnlichen Symptome um eine andere Erkrankung handelt. Typisch ist etwa die Lichtscheue der Kinder. Ärzte fassen das typische Masernbild kurz als „verheult, verrotzt, verquollen“ zusammen. Ein Kind mit diesem Aussehen gehört umgehend in die Hand eines Mediziners.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit

Weltweit sterben pro Tag etwa 400 Kinder an Masern. Das sind 16 Kinder pro Stunde oder gut 150.000 Kinder im Jahr (Zahlen von 2013). Masern sind eine der Hauptursachen für erhöhte Kindersterblichkeit. Ohne Maserimpfung wären die Zahlen noch viel höher. Masernimpfungen haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Erkrankungen innerhalb von 13 Jahren (2000 bis 2013) um 75 Prozent zurückgegangen ist. Nach Berechnungen der WHO wären ohne die Immunisierung in diesem Zeitraum mehr als 15 Millionen Kinder an Masern gestorben.

Masern-Partys kosten Menschenleben

Masern sind weltweit verbreitet. In den Entwicklungsländern, insbesondere Afrikas und Asiens, gehören Masern zu den 10 häufigsten Infektionserkrankungen. Viele der Maserninfektionen verlaufen wegen einer mangelnden medizinischen Versorgung tödlich.

Vor allem in Deutschland halten viele Menschen Masern noch immer für eine harmlose Kinderkrankheit. Sogar Masern-Partys gibt es noch. Bei diesen Treffen sollen sich bislang nicht erkrankte Kinder bei kranken Kindern mit Masern anstecken, damit alle Kinder in diesem Umfeld die Krankheit hinter sich haben. Wenn alle Kinder die Masern hinter sich haben, so die Argumentation der Befürworter, gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit keine Infektionen mehr im sozialen Umfeld des Kindes. Außerdem, so meinen manche Eltern, ersetze die Masern-Party die Immunisierung durch Impfstoffe. Denn Menschen, die eine Maserninfektion durchgemacht haben, sind mit einiger Sicherheit lebenslang vor einer weiteren Ansteckung geschützt. Allerdings haben Masern-Party einen entscheidenden Fehler: Sie können Menschenleben kosten.

Masernimpflücke in Deutschland noch größer als angenommen

Die Impflücke bei Masern ist in Deutschland noch größer als bislang als bekannt. Die Barmer-Krankenkasse schreibt im Arzneimittelreport 2019, dass mehr als 20 Prozent der Kinder des Jahrgangs 2017 mit Abschluss des 2. Lebensjahres nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft seien. Demnach waren 2017 knapp 166.000 Zweijährige ohne vollständigen Masernschutz. Bei den Kindern des Jahrgangs 2011 sind die Impfquoten laut Barmer ebenfalls nicht hinreichend. Bei den Zweijährigen lag die Masernimpfquote demnach bei 75 Prozent. Mit ansteigendem Alter wächst die Impfquote auf 86 Prozent (Vierjährige) und 89 Prozent (89 Prozent). Damit wird die für den Herdenschutz erforderliche Hürde von 95 Prozent weiterhin unterschritten. Die Barmer bezeichnet die Impfquote als alarmierenden Befund. Barmer-Chef Christoph Straub begrüßt die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Masernimpfpflicht. Darüber hinaus sei es aber notwendig, noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Das für die offizielle Erfassung der Masernimpfquote zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) weist deutlich höhere Durchimpfungsquoten von bis zu 97 Prozent bei der Einschulung aus. Die RKI-Experten haben in der Vergangenheit aber wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Ergebnisse aufgrund der Art der Datenerhebung wahrscheinlich zu hoch gegriffen seien.

Häufigkeit

In Deutschland geht die Zahl der registrierten Maserninfektionen seit dem Jahrtausendwechsel im Wesentlichen zurück. Allerdings gibt es immer wieder Wellen mit einer größeren Zahl von Infektionen. Möglicherweise steht für 2019 eine solche Welle bevor. Bis Ende Juli 2019 hat das Robert Koch Institut (RKI) bereits 457 Fälle voon Masern registriert. Damit ist der Wert für das ganze Jahr 2018 schon nahezu erreicht.

Weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation in 128 Ländern in den ersten 7 Monaten des Jahres 2019 insgesamt 365.000 Fälle von Masern gezählt. Das ist 3 Mal mehr als zwischen Januar und Juli 2017 – und mehr als im ganzen Jahr 2018. Diese bestätigten Infektionen sind aber nur ein Bruchteil der Erkrankungen. Für 2017 hat die WHO 6,7 Millionen Infektionen und 110.000 masernbedingten Todesfälle ermittelt.

Symptome

Masern beginnen wie viele andere Infektionskrankheiten mit uncharakteristischen Symptomen. In den ersten 3 bis 5 Tagen ähneln die Symptome von Masern zunächst denen einer Erkältung oder Grippe mit Fieber, geröteten Augen (Bindehautentzündung), Husten und Schnupfen. Insbesondere Kinder reagieren in dieser Phase häufig sehr empfindlich auf Licht. Einen ersten charakteristischen Hinweis auf eine Maserninfektion sind die sogenannten Koplik-Flecken. Das sind kleine sandkornartige weiße, kalkspritzerartige Fleckchen auf der Mundschleimhauthaut im Bereich der Backenzähne, die nach 2 bis 3 Tagen wieder verschwinden.

Typischer Masern-Hautausschlag

Die typischen rosa-bräunlichroten Hautflecken entwickeln sich 3 bis 7 Tage nach den ersten Symptomen und fließen ineinander über (sie konfluieren). Der Hautausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und kann sich über den ganzen Körper ausbreiten. Das Exanthem bleibt etwa 4 bis 7 Tage bestehen. In dieser Phase steigt das Fieber oft auf Werte von mehr 40 Grad. Außerdem sind kleine Hauteinblutungen (Petechien) nicht selten.

Wenn das Fieber am 5. bis 7. Krankheitstag langsam nachlässt, nähert sich der klassische Verlauf der Maserninfektion dem Ende. Sicher zu erkennen ist der Heilungsprozess daran, dass die rot-braunen Hautausschläge nachlassen und die Haut am Körper feine kleieartige Schuppen bildet. Nach durchgemachter Maserninfektion ist man lebenslang immun gegen die Krankheit.

Komplikationen

Nicht immer verlaufen Maserninfektionen nach diesem Muster. Komplikationen entstehen vor allem durch weitere, meist bakterielle, Infektionen. Typisch sind vor allem Bronchialentzündungen, Lungenentzündungen (Pneumonie), akute Mittelohrentzündungen (Otitis media acuta) und Durchfälle, die insbesondere Kinder und alte Menschen schwer belasten.

Masernenzephalitis und Panenzephalitis

Masernenzephalitis: Bei 1 von 1.000 Infizierten verursacht das Masernvirus eine Gehirnentzündung, die Masernenzephalitis. Diese schwere Komplikation verursacht Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, epileptische Anfälle und Lähmungen, die 30 Prozent der Betroffenen nicht überleben.

Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): Eine noch gefährlichere, aber auch seltenere Komplikation von Masern bezeichnen Mediziner als subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Diese Form der Gehirnentzündung gilt als Spätkomplikation und tritt bis zu 8 Jahre nach einer Masernerkrankung bei bis zu 11 von 100.000 Masern-Patienten auf. Am höchsten ist das Risiko an einer SSPE zu erkranken bei Kindern unter 5 Jahren. Die subakute sklerosierende Panenzephalitis kündigt sich mit psychischen Veränderungen und intellektuell nachlassenden Fähigkeiten an. Im Verlauf fallen immer mehr Nervenfunktionen aus und verursachen neurologische Störungen wie Krampfanfälle und Lähmungen. Am Ende versagte das Gehirn seinen Dienst ganz. Eine subakute sklerosierende Panenzephalitis ist unheilbar und endet immer tödlich.

Masern und Schwangerschaft

Besonders komplikationsträchtig sind Masern auch in der Schwangerschaft – für Mütter und ihre Kinder. Masern verlaufen bei Schwangeren häufig besonders schwer, weil das Immunsystem in der Schwangerschaft nicht ganz so effektiv arbeitet. Das Risiko für Frühgeburten steigt bei einer Maserninfektion der Mutter um 25 Prozent. Auch Totgeburten sind häufiger als bei gesunden Frauen.

Ursachen

Masern sind eine Virusinfektion. Das Masernvirus zählt zu den hoch ansteckenden Viren. Es wird sowohl durch Tröpfchen- als auch durch Schmierinfektionen übertragen. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome) beträgt bis zu 14 Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits in dieser Zeit - etwa 3 bis 5 Tage vor Ausbruch des typischen Hautausschlags. In dieser Zeit stecken Infizierte nahezu jeden Menschen an, der sich in ihrer Nähe befindet. Mit dem Hautausschlag ist die Ansteckungsgefahr jedoch nicht vorbei. Masern-Erkrankte sind auch noch bis 4 Tage nach Beginn des Ausschlages ansteckend und können die Viren übertragen.

Untersuchung

Die Diagnose wird der Kinder- oder Hausarzt in der Regel anhand der Symptome stellen. Zuweilen wird sicherheitshalber noch Blut auf Masernviren, Antikörper oder Teile von Viruserbgut getestet.

Außerdem sprechen sich Masernfälle im Umfeld von Kindern schnell herum – und sensibilisieren für den Masernverdacht. In jedem Fall sollten Sie bei den geringsten Anzeichen von Masern unbedingt mit dem Kind zum Kinderarzt gehen. Gemeinsam mit dem Kinderarzt können Sie das weitere Vorgehen abstimmen. Das gilt auch und sogar insbesondere, wenn sich ihr Kind auf einer Masernparty angesteckt hat. Falsche Scham oder Scheu ist hier fehl am Platz. Sie vergrößert schlimmstenfalls das Risiko für bleibende Schäden oder gar den Tod des Kindes.

Behandlung

Masern lassen sich leider nicht ursächlich behandeln. In den gut 2 Wochen der Erkrankung sind viel Ruhe und viel Schlaf die besten Heilmittel. Hausmittel gegen Erkältung können helfen, die lästigen Symptome zu lindern.

Zusätzliche Infektionen wie Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen werden in aller Regel ambulant mit Antibiotika behandelt. Bei Säuglingen, alten Menschen oder Menschen mit schwacher Immunabwehr können diese Zusatzinfektionen schon Grund genug für die stationäre Aufnahme im Krankenhaus sein. Diese wird in jedem Fall nötig bei den geringsten Anzeichen für eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Bei Ohnmacht, Bewusstseinsstörungen, Krämpfen, epileptischen Anfällen oder Lähmungen sollten Sie umgehend einen Rettungswagen und den Notarzt rufen.

Vorbeugung

Den einzigen zuverlässigen Schutz gegen Masern bietet eine Masernimpfung.

Masern-Impfung

Bei dieser Impfung werden abgeschwächte Masernviren verabreicht. Das Immunsystem kann auf diese geschwächten Viren reagieren und bildet Antikörper, die das Virus bei einem Kontakt mit echten Masernviren erfolgreich bekämpfen. Bei einer vollständigen Impfserie (Erwachsene 1 Impfung, Kinder 2 Impfungen) beträgt der Impfschutz für mindestens 10 Jahre 100 Prozent. Insgesamt geht man nach einer vollständigen Grundimmunisierung jedoch von einem lebenslangen Schutz vor Masern aus.

Die Masern-Impfung schützt aber nicht nur zuverlässig vor den Masern, sondern wohl auch vor vielen anderen Infektionskrankheiten. Und das bis zu 3 Jahre lang.

Impfempfehlungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) empfiehlt die Masernimpfung grundsätzlich für alle Menschen. Kinder werden in der Regel im Rahmen der U-Untersuchungen mit einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft. Diese MMR-Impfung legt die STIKO auch allen anderen Menschen ohne ausreichenden Masern-Impfschutz nahe. Denn mehr als die Hälfte aller Masernfälle in Deutschland treten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Der Grund dafür ist eine Impflücke. Nach 1970 geborene Menschen sind häufig nur 1 Mal (und damit unvollständig) oder gar nicht gegen Masern geimpft. Außerdem empfiehlt die STIKO die Masernimpfung für alle Menschen, die in Gesundheitsberufen oder mit Kindern arbeiten sowie für alle, die Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem betreuen.

Impfschema

Kinder erhalten in der Regel die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln im Alter von 11 bis 14 Monaten. Die 2. Impfung folgt im Alter von 15 bis 23 Monaten. Erst mit der 2. Impfung ist die Grundimmunisierung gegen Masern abgeschlossen. Bei Erwachsenen ist in aller Regel nur eine MMR-Impfung nötig, um den vollen Impfschutz herzustellen.

Nebenwirkungen

Masernimpfstoffe und auch die MMR-Kombinationsimpfstoffe sind nachgewiesenermaßen sehr sicher und sehr gut verträglich. Dennoch ist beispielsweise immer wieder von Gehirnentzündungen zu lesen, die durch Masernimpfstoffe verursacht worden sein sollen. Richtig ist, das weltweit Milliarden von Impfdosen gegen Masern verabreicht wurden. Und richtig ist auch: Es gibt Berichte über eine sehr kleine Anzahl von Fällen, bei denen es in zeitlicher Nähe zu einer Masernimpfung zu Gehirnentzündungen gekommen ist. Ein Zusammenhang von Impfung und Gehirnentzündung konnte dabei noch nie nachgewiesen werden.

Nichtsdestotrotz haben Masernimpfungen unbestritten Nebenwirkungen. Bei bis zu 5 Prozent der Fälle kommt es zu den sogenannten Impfmasern. Typische Symptome sind Fieber, schwacher masernähnlicher Hautausschlag, geschwollene Ohrspeicheldrüse und Hoden sowie Gelenkschmerzen. Die Impfmasern klingen in der Regel nach 2 bis 5 Tagen ab.

Weitere kurzfristige Impfreaktionen sind Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle sowie leichtes Fieber, Frösteln, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit oder Durchfall. Diese Reaktionen sind auf die Aktivierung des Immunsystems durch die abgeschwächten Masernviren zurückzuführen.

Quellen

Autor: Charly Kahle

Stand: 13.08.2019