Magengeschwür (Ulcus ventriculi)

Magengeschwüre zählen zu den häufigsten ernsthaften Magen-Darm-Erkrankungen. Ein ein Ulkus entsteht, wenn die Magenschleimhaut über längere überbeansprucht wurde. Hier finden Sie mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung von Magengeschwüren.

Synonyme

Ulcus ventriculi

Definition

Magenbeschwerden Untersuchung

Als Magengeschwür bezeichnen Mediziner eine örtlich begrenzte Schädigung der Magenwand. Ein Magengeschwür oder Ulcus ventriculi entsteht, wenn die Magenschleimhaut geschädigt wird und die Magensäure das darunter liegende Gewebe der Magenwand von innen angreifen kann. Bei etwa 5 Prozent der Fälle durchbricht das Magengeschwür die Magenwand. In diesem Fall ist sofortige notärztliche Hilfe vonnöten, da der Mageninhalt durch die Öffnung in den Bauchraum gelangt und dort eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (sogenannte Peritonitis) verursacht. Wiederkehrende Magengeschwüre werden auch als Ulkuskrankheit bezeichnet.

Als Hauptursache für Magengeschwüre gelten Infektionen mit dem Bakterium Heliobacter pylori. Auch eine erbliche Veranlagung, ein Überschuss an Magensäure sowie Stress und ungünstige Verhaltensweisen wie Rauchen oder häufiger Alkoholkonsum sind weitere Ursachen von Magengeschwüren. Häufig sind Magenschleimhautentzündungen eine Vorstufe des Magengeschwürs.

Häufigkeit

Am häufigsten sind Magengeschwüre und Ulkuskrankheit bei Menschen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

Symptome

Magengeschwüre machen sich häufig über einen längeren Zeitraum überhaupt nicht bemerkbar. Vor allem Menschen, die nicht-steroidale Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen einnehmen, verspüren wegen der schmerzlindernden Wirkung dieser Wirkstoffe mitunter kaum Symptome von Magengeschwüren. Zuweilen werden die ersten Symptome von Magengeschwüren nur als leichte Befindlichkeitsstörungen wahrgenommen.

Im weiteren Verlauf der Ulkuskrankheit kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

  • brennender oder bohrender Schmerz in der Magengrube. Die Schmerzen können im nüchternen Zustand, nach den Mahlzeiten oder unabhängig von den Mahlzeiten auftreten. Typischerweise aber verstärken sich die Schmerzen nach Nahrungsaufnahme.
  • Völlegefühl, Aufstoßen
  • Übelkeit, Erbrechen, auch Bluterbrechen
  • Gewichtsverlust
  • Teerstühle, Blut im Stuhl.

Ursachen

Als Ursache von Magengeschwüren gelten vor allem die folgenden Faktoren oder Umstände:

  • Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) sind häufig eine Vorstufe von Magengeschwüren, da die Magenschleimhaut durch eine Gastritis geschwächt wird.
  • Helicobacter pylori: Bei 75 Prozent aller Magengeschwüre lässt sich im Magen das Bakterium Helicobacter pylori nachweisen. Man weiß zwar nicht genau, wie das Bakterium an der Entstehung von Magengeschwüren beteiligt ist, geht aber davon aus, dass es dabei eine zentrale Rolle spielt.
  • Medikamente: Der häufige Gebrauch oder Missbrauch von Medikamenten ist ein erheblicher Risikofaktor für Magenschleimhautentzündungen und daraus resultierende Magengeschwüre. Besonders im Fokus stehen hier die vermeintlich harmlosen frei verkäuflichen Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen. Werden diese NSAR noch mit Kortisonpräparaten kombiniert, erhöht sich das Risiko von Magengeschwüren weiter.
  • Stress, Rauchen, Alkohol und falsche Ernährung: „Das schlägt mir auf den Magen": Dieses sprachliche Bild passt auch zur Entstehung von Magengeschwüren. Stress, schwere fettreiche Ernährung, Rauchen und Alkohol reizen den Magen, schlagen also mitunter auf den Magen – und gelten als erhebliche Risikofaktoren für die Entstehung von Gastritis, Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren.
  • Erbliche Veranlagung: Zuweilen sind Magengeschwüre auch erblich veranlagt. Nachgewiesenermaßen haben auch Menschen mit der Blutgruppe 0 ein höheres Risiko von Magengeschwüren als Personen mit anderen Blutgruppen. Warum das so ist, ist bislang noch nicht erforscht.

Untersuchung

Die Verdachts-Diagnose von Magengeschwüren sichert in der Regel ein Facharzt für Innere Medizin oder Gastroenterologe. Nach Laboruntersuchungen des Stuhls ist das diagnostische Verfahren der Wahl meist eine Gastroskopie, also eine Magenspiegelung. Bei dieser Untersuchung kann der Arzt den Zustand von Magenschleimhaut und Magenwand genau beurteilen. Außerdem können Proben genommen werden, um beispielsweise das Bakterium Helicobacter pylori im Magen nachzuweisen.

Behandlung

Die Therapie von Magengeschwüren hängt davon ab, wie der Ulcus entstanden ist. Häufig reicht es aus, die Lebensführung zu verändern. Also beispielsweise auf magenreizende Substanzen wie Koffein, Nikotin und Alkohol zu verzichten und Stress durch Entspannungstechniken sowie eine entzerrte Terminplanung zu verringern.

Eradikationstherapie gegen Heilcobacter pylori

Ist eine Infektion mit Helicobacter pylori Ursache des Magengeschwüres, wird das Bakterium mit einer sogenannten Eradikationstherapie bekämpft. Dabei wird immer eine Kombination von Medikamenten eingesetzt. Mittel der 1. Wahl sind die Antibiotika Clarithromycin und Metronidazol sowie ein Protonenpumpenhemmer (zum Beispiel Esomeprazol, Omeprazol oder Pantoprazol). Protonenpumpenhemmer sind Medikamente, mit denen die Produktion der Magensäure verringert wird. Mittel der 2. Wahl sind Clarithromycin und Amoxicillin plus einem Protonenpumpenhemmer.

Operative Therapie

Fortgeschrittene Magengeschwüre – insbesondere wenn ein Durchbruch des Geschwüres oder andere Komplikationen drohen - werden operativ behandelt. Dabei wird in der Regel das Geschwür ausgeschnitten und die restliche Magenwand vernäht. Mitunter muss auch ein Teil des Magens entfernt werden.

Ist das Magengeschwür noch nicht so weit fortgeschritten, kann der Vagusnerv durchtrennt werden. Falls eine medikamentöse Behandlung keinen ausreichenden Erfolg erzielte, soll das die Produktion von Magensäure dauerhaft verringern. Diese Operation wird heute aber nur noch selten empfohlen.

Vorbeugung

Sie können selbst viel tun, um sich bei Magengeschwüren selbst zu helfen oder einem Ulcus vorzubeugen, denn die Risikofaktoren liegen hauptsächlich in der Lebensführung. Kernpunkte von Selbsthilfe und Vorbeugung sind der Verzicht auf magenreizende Genuss- und Lebensmittel. Eine besondere Rolle spielen hier Alkohol, Nikotin, Koffein und sehr scharfe Speisen. Auch Stress schlägt auf den Magen. Deshalb sollten Sie für den Fall von Magenbeschwerden darauf achten, Stress zu verringern.

Die Selbstbehandlung von säurebedingten Magenbeschwerden wie Sodbrennen mit frei verkäuflichen Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Wiederkehrendes Sodbrennen kann ein Hinweis auf ein sich entwickelndes Magengeschwür oder eine sich abzeichnende Magenschleimhautentzündung sein. In jedem Fall sollten Sie Ihren Arzt darauf hinweisen, wenn Sie solche Medikamente einnehmen.

Magensäureblocker bergen Risiken

Protonenpumpenhemmer wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol zählen zu den meistverkauften Medikamenten in Deutschland. Nach Angaben des Arzneimittelreports der Barmer Krankenkasse bekamen 2018 fast 12 Millionen Deutsche Protonenpumpenhemmer verordnet. Darüber hinaus sind die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol auch frei verkäuflich. In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Magensäureblocker aus der Wirkstoffgruppe der Protonenpumpenhemmer als einfaches und sicheres Medikament. Dabei bleiben allerdings 2 Aspekte außen vor: die Nebenwirkungen und der Umstand, dass Protonenpumpenhemmer abhängig machen können.

Nierenschäden als Nebenwirkung

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern zählen Knochenschwund (Osteoporose) und Magnesiummangel mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle. Diese Nebenwirkungen sind mittlerweile durch eine ganze Reihe von Studien belegt. Noch schwerer wiegt mitunter, dass die Medikamente den natürlichen Regelkreislauf der Magensäureproduktion dauerhaft aus dem Takt bringen. Nach längerer Einnahme bleiben zwischen 14 bis 64 Prozent der Patienten dauerhaft auf die Medikamente angewiesen.

Zusammenhang von Protonenpumpenhemmern und Allergien möglich

Möglicherweise erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko für allergische Erkrankungen. Wissenschaftler der Universität Wien veröffentlichten inm Fachmagazin "Nature Communications" (August 2019) eine Studie (siehe Quellen), die zumindest einen auffälligen statistischen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Protonenpumpenhemmern und allergischen Erkrankungen herstellt. Die Wissenschaftler hatten Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit für die Verschreibung von antiallergischen Medikamenten um bis zu 300 Prozent steigt, wenn zuvor Magensäureblocker verschrieben worden waren. Das bedeutet nicht zwingend, dass Protonenpumpenhemmer tatsächlich Allergien auslösen oder begünstigen. Der Zusammenhang ist nach Einschätzung der Studienautoren aber nicht von der Hand zu weisen und lege nahe, Magensäureblocker nur sehr dosiert einzusetzen.

Anders bewertet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten das Studienergebnis. Die Fachgesellschaft sieht laut Pressemitteilung keinen „evidenten Zusammenhang zwischen Magensäureblockern und Allergien“. Eine entsprechende Bewertung gebe das Design der österreichischen Studie nicht her.

Sonstiges

Studie zu Protonenpumpenhemmern und Allergie: Country-wide medical records infer increased allergy risk of gastric acid inhibition: https://www.nature.com/articles/s41467-019-10914-6

Autor: Charly Kahle

Stand: 06.08.2019

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