Synonyme

Verrenkungen, Dislokationen

Definition

Luxation (Verrenkung)

Als Luxation bezeichnen Medizinier Verletzungen, bei denen Knochen aus dem Gelenk springen, mit dem sie verbunden sind. Genauer gesagt, wird durch eine plötzlich und unerwartet einwirkende äußere Kraft die Verbindung von Gelenkkopf und Gelenkpfanne getrennt.

Direkte und indirekte Luxation

Mediziner unterscheiden vor allem zwei Formen der Luxation:

  • Bei einer direkten Luxation verursachen die einwirkenden Kräfte Bänder- und Kapselrisse. Dadurch verliert der Gelenkkopf seinen Halt und tritt aus der Gelenkpfanne heraus.
  • Bei indirekten Luxationen werden Gelenkkopf und -Pfanne ebenfalls getrennt. Allerdings wirken in diesem Fall lange Knochen wie der Oberarm- oder die Elle als Hebel.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Luxationen als Verrenkungen bezeichnet. Man sagt auch, man habe sich die Schulter ausgekugelt. Tatsächlich sind Verrenkungen der Schulter die häufigste Form der Luxation. Verrenkungen sind fast immer sehr schmerzhaft. Zudem lässt sich das betroffene Gelenk nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen. In günstigen Fällen lassen sich ausgerenkte Glieder ohne operativen Eingriff manuell einrenken. Ist das nicht möglich, ist eine Operation unumgänglich.

Häufigkeit

Am weitaus häufigsten sind Verrenkungen von Schulter oder Ellenbogen. Luxationen der Schulter sind mit 50 Prozent aller Fälle doppelt so häufig wie Luxationen des Ellenbogens. Für Deutschland gehen Experten von etwa 12.000 Schulterverrenkungen pro Jahr aus (15 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr). Daraus ergeben sich ca. 24.000 Luxationen pro Jahr in Deutschland.

Die anderen Luxationen entfallen vor allem auf Verrenkungen kleiner Gelenke (meistens Finger) oder Gelenkverletzungen von Knie oder Hüfte.

Symptome

Die typischsten Symptome von Luxationen sind plötzlich einsetzende starke Schmerzen und eine stark eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Je nach Ausmaß der Verrenkung ist nicht nur das Gelenk selbst geschädigt, sondern auch Muskeln, Gefäße und Nerven in der Nähe. Unmittelbar nach der Verrenkungen kommt es in der Regel zu starken Schwellungen.

Wenn auch Gefäße verletzt sind, bilden sich kleinere oder größere Blutergüsse (Hämatome). Insbesondere bei Verletzungen oder Quetschungen der Nerven kommt es zu Missempfindungen entlang der Nervenbahnen. Typisch sind beispielsweise kribbelnde oder taube Finger nach einer Schulter- oder Ellbogenluxation.

Ursachen

Gelenke sind die Verbindungen zwischen zwei Knochen. Ganz vereinfacht dargestellt bildet ein Knochenende die sogenannte Gelenkpfanne. Der andere Knochen bildet den Gelenkkopf. Diese beiden Enden verbinden sich in der Gelenkkapsel. Gehalten werden die Gelenke von Muskeln, Bändern und Sehnen. Bei einer Luxation wird die Verbindung von Gelenkpfanne und Gelenkkopf durch eine von außen einwirkende Kraft beschädigt oder sogar getrennt.

Wenn sich die Knochenenden im Gelenk noch berühren, sprechen Mediziner von einer Subluxation. Subluxationen treten häufig an der Hüfte, am zweiten Kopfgelenk oder bei Kleinkindern am Radiusköpfchen auf. Verrenkungen, die auf überdehnte Bänder oder Muskelverletzungen zurückzuführen sind, werden als habituelle Luxationen bezeichnet. Diese können angeboren, aber auch durch eine unfallbedingte Erst-Verrenkung entstehen.

Zuweilen springen Gelenkpfanne oder Gelenkkopf auch ohne äußere Wirkung aus der Gelenkkapsel. Das bezeichnen Mediziner als spontane Luxation. Traumatische Luxationen haben als Ursache einen Unfall oder Sturz. Aber auch Überstreckungen der Finger und Hände bei Ballsportarten wie Handball oder Volleyball können zu einer traumatischen Luxation führen.

Risikofaktoren

Die meisten Luxationen entstehen infolge von Unfällen (95 Prozent). Es gibt aber Risikofaktoren, die Verrenkungen begünstigen:

  • Fehlstellungen durch Gelenkerkrankungen wie Arthrose, Arthritis oder Rheuma
  • stark bewegliche überdehnte Bänder und Muskeln durch Verletzungen oder Erkrankungen wie Marfan-Syndrom oder Ehlers-Danlos-Syndrom (beides angeborene Erkrankungen des Bindegewebes)
  • angeborene Gelenkfehlstellungen wie Hüftdysplasie oder Hüftluxation
  • Krampfleiden wie Epilepsie.

Untersuchung

Die Diagnose einer Luxation beginnt mit einer körperlichen Tast- und Sichtuntersuchung, um das Ausmaß der Gelenkschädigung vorläufig einordnen zu können. Mit den Händen kann der Arzt nicht nur einen ersten Eindruck vom Zustand des Gelenks ertasten, sondern auch prüfen, ob Nerven geschädigt wurden. Blasse oder bläulich verfärbte Hände oder Füße lassen darauf schließen, dass Blutgefäße verletzt oder abgeklemmt wurden. Kann der Patient den Fuß, Arm oder die Finger nicht mehr richtig bewegen oder spürt an den entsprechenden Stellen ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl, dann sind höchstwahrscheinlich Nerven verletzt worden.

Üblicherweise liefern normale Röntgenaufnahmen ein genaues Bild von der Verrenkung. Bei komplizierten Luxationen können Computertomografien, Magnetresonanztomografien oder Gelenkspiegelungen (Arthroskopien) nötig werden, um die Verletzung sicher beurteilen zu können. Im Wachstumsalter beispielsweise sind gelenknahe Knochenbrüche weitaus häufiger als eine zunächst angenommene Gelenkluxation. Das MRT beispielsweise zeigt auch Bänderrisse. Im Rahmen einer Arthroskopie wird zuweilen gleich beschädigter Gelenkknorpel abgetragen oder geglättet.

Behandlung

Luxationen sind medizinische Notfälle, die ausschließlich von dafür ausgebildeten Spezialisten versorgt werden sollten. Nicht-Mediziner sollten sich auf eine schnelle Erste Hilfe beschränken (siehe Erste Hilfe).

Bei unkomplizierten Verrenkungen wird das Gelenk üblicherweise ohne Operationen manuell eingerenkt. Das bezeichnen Mediziner als Reposition, das Gelenk wird bei dieser Behandlung reponiert. Da die Reposition sehr schmerzhaft ist, erfolgt sie normalerweise im Krankenhaus unter starker lokaler Betäubung oder während einer Kurznarkose. Im Anschluss an das manuelle Einrenken werden etwaige Begleitverletzungen versorgt.

In seltenen Fällen sind Luxationen so kompliziert, dass ein Einrenken nicht möglich ist. In diesen Fällen werden Verrenkungen bei einem chirurgischen Eingriff reponiert. An die stationäre Therapie einer Luxation schließt sich fast immer eine Physiotherapie an, um die Beweglichkeit des Gelenks nach und nach wieder herzustellen. Eine gute Physiotherapie zielt ferner darauf ab, Muskeln, Bänder und Sehnen zu stärken.

Zuweilen kommt es nach Verrenkungen zu chronischen Gelenkschmerzen. In diesen Fällen kann eine multimodale Schmerztherapie eine sinnvolle Option sein.

Erste Hilfe bei Verrenkungen

Die Erste Hilfe bei Verrenkungen besteht vor allem darin, dass betroffene Gelenk ruhig zu stellen und zu kühlen. Verbände sollten ohne Druck angelegt werden, um das instabile Gelenk nicht weiter zu schädigen oder das Blut weiter zu stauen. Die Kälte lindert die Schmerzen und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich die Blutgefäße verengen. Das mindert die Bildung von Blutergüssen und Schwellungen.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach einer Luxation gelten insgesamt als sehr gut. Allerdings gibt es auch schwere Verrenkungen, bei denen die volle Gelenkfunktion bzw. die schmerzlose Funktion des Gelenks nicht wieder hergestellt werden kann. Das gilt umso mehr, wenn ein Gelenk (wie bei Spitzen- oder Kraftsportlern) unverhältnismäßig hohen Belastungen standhalten muss.

Vorbeugung

Verrenkungen sind in der Regel das Ergebnis von Unfällen und damit nicht sicher ausschließbar. Bei wiederkehrenden Luxationen durch risikoreichen Tätigkeiten wie Sport, Tanzen, Radfahren oder Rollerbladen ist es möglich, mit stabilisierenden Bandagen das Verletzungsrisiko deutlich zu senken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 03.05.2018