Synonyme

Lungenarterienembolie, Lungenthrombembolie, pulmonale Thromboembolie, Pulmonalarterienthrombembolie

Definition

Lungenembolie

Mediziner bezeichnen Lungenembolien genauer als Lungenthrombembolie oder pulmonale Thromboembolie. Was bedeuten diese Begriffe?

Embolien sind Blutgefäßverschlüsse, die durch vom Blut mitgeführtes Material verursacht werden. Das sind in den meisten Fällen Teile von Blutgerinnseln. Das Blutgerinnsel als Ganzes wird in der Fachsprache als Thrombus bezeichnet. Ein frei im Blut zirkulierender Thrombus  - oder auch nur ein Teil davon - heißt Embolus.

Im Fall der Lungenembolie setzen sich Emboli in der Lungenarterie fest und verschließen diese teilweise. Deshalb werden diese Embolien auch als Lungenarterienembolie, Lungenthrombembolie, pulmonale Thromboembolie oder Pulmonalarterienthrombembolie bezeichnet. Die umgangssprachliche Bezeichnung von Lungenembolie ist Lungeninfarkt.

Lungenembolien können unbemerkt bleiben oder schnell und lebensbedrohlich verlaufen. Das hängt vor allem davon ab, welche Blutgefäße der Lunge betroffen sind und wie sehr der Thrombus die Durchblutung behindert. Außerdem spielt der Gesundheitszustand der Betroffenen eine Rolle. Häufig treffen Lungenembolien Menschen, die bereits durch Herz- oder Lungenerkrankungen geschwächt sind.

Schwere Lungenembolien sind Notfälle. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall sind Verschlüsse der Lungenarterie die dritthäufigste Todesursache bei den Herz-Kreislauferkrankungen.

Lungenembolien führen oft zur sogenannten pulmonalen Hypertonie. Das ist eine Druckerhöhung im Herz-Lungenkreislauf zwischen den Lungenflügeln und dem Herzen. Diese Druckerhöhung führt zu einer übermäßigen Belastung des rechten Herzens und einer Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff – häufig mit tödlichen Folgen durch Rechtsherzschwäche oder Organversagen infolge des Sauerstoffmangels. Dieses Krankheitsbild wird auch als Cor pulmonale bezeichnet.

Häufigkeit

Ganz genaue Angaben zur Häufigkeit von Lungenembolien in Deutschland gibt es nicht. Nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) wurde 2105 insgesamt gut 66.000 Menschen mit der Diagnose „Pulmonale Herzkrankheit und Krankheiten des Lungenkreislaufes“ stationär in deutschen Krankenhäusern aufgenommen. Mit gut 5.500 Sterbefällen liegt die Mortalitätsrate damit bei knapp unter 10 Prozent.

In die GBE-Statistik fließen allerdings nicht alle Fälle von Lungenembolie ein. Experten schätzen, dass zwischen 40.000 und 100.000 Menschen durch Lungenembolien ums Leben kommen. Die Schätzungen sind so ungenau, weil in vielen Fällen die Symptome der Lungenembolie stumm verlaufen und/oder mit den Folgen eines Herzinfarktes verwechselt werden. Zudem lässt sich beispielsweise nicht immer sagen, ob es zuerst eine tödliche Rechtsherzschwäche gab oder ob Herzschwächen durch einen Thrombus in der Lungenarterie verursacht wurde.

Symptome

Die Symptome von Lungenembolien sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Sehr oft kommt es sehr schnell zu ausgeprägter Atemnot mit hochfrequenter Kurzatmigkeit  (Tachypnoe). Gleichzeitig rast das Herz mit einer Pulsfrequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute (Tachykardie) und der Blutdruck sinkt (Hypotonie). Typisch sind auch Brustschmerzen, die sich beim Einatmen verstärken und/oder bis ins Bein ausstrahlen.

Husten mit blutigem Auswurf, Herzrhythmusstörungen und einseitige Beinschwellungen sind weitere Symptome für eine Lungenarterienembolie. Angstzustände, verstärktes Schwitzen und Ohnmacht können ebenfalls Anzeichen einer Lungenembolie sein.

Achtung Lebensgefahr: Warnzeichen für Lungenembolie

Warnzeichen einer schweren und/oder schnell verlaufenden (fulminanten) Lungenembolie sind gestaute Halsvenen und die sogenannte Kranzzyanose. Die prall hervortretenden gestauten Halsvenen sind Symptom eines sogenannten Vorwärtsversagens. Das Herz kann den erhöhten Lungenarteriendruck nicht mehr überwinden und das Blut staut sich in den zuführenden Halsvenen. Gleichzeitig entsteht ein Sauerstoffmangel, der als Kranzzyanose (schwedischer Kragen) sichtbar wird. Die Haut erscheint im Bereich des Halses und Dekolletés dunkelrot bis bläulich marmoriert. Eine solche Kranzzyanose mit prall gestauten Halsvenen findet man auch bei Patienten, die aufgrund einer schweren Lungenembolie wiederbelebt werden müssen.

Diese Warnzeichen gehen oft mit einem starken Blutdruckabfall bis zum Schock einher. Beim geringsten Anzeichen für diese Warnzeichen muss umgehend ein Notarzt verständigt werden. Es besteht höchste Lebensgefahr.

Komplikationen

Je größer das verstopfte Blutgefäß, umso schwerer ist die Lungenembolie. Mediziner klassifizieren Lungenembolien unter anderem in 4 Schweregrade nach Grosser und/oder 5 Klassen von Punktwerten nach PESI. Die Abkürzung steht für Pulmonary Embolism Severity Index, also „Schwere einer Lungenembolie“.

Neben den aktuell lebensbedrohlichen Verläufen bringen Lungenembolien häufig weitere Komplikationen mit sich. So verursachen sie beispielsweise eine bestimmte Form der Rechtsherzschwäche, das sogenannte Cor pulmonale.

Ursachen

Bei fast allen Lungenembolien (90 Prozent) liegt die Ursache in einer Thrombose der tiefen Bein- und Beckenvenen. Dort lösen sich zuweilen Teile des Blutgerinnsels oder der Thrombus selbst. Wenn diese freischwimmenden Gerinnselgebilde, die sogenannten Emboli, über die Blutbahn (untere Hohlvene) und das Herz (rechte Herzhälfte) bis in die Lungengefäße gelangen, können sie sich in einer der beiden Lungenarterien oder dem fein verästelten Gefäßsystem der Lunge festsetzen.

3 Formen von Emboli

Mediziner kennen 3 Formen von Emboli: fest, flüssig und gasförmig.

Ein fester Embolus ist nicht in Blut löslich. Er muss aber nicht zwingend verschleppter Teil eines Blutgerinnsels sein. In sehr seltenen Fällen sind feste Emboli beispielsweise Teile eines Tumors oder von Parasiten wie Würmern oder Kleinstlebewesen.

Flüssige Emboli bestehen vor allem aus Fetttropfen. Diese Fetttropfen können beispielsweise bei Knochenbrüchen aus dem Knochenmark freigesetzt werden. Am häufigsten gelangen flüssige Emboli aber während der Geburt über das Fruchtwasser in die Blutbahn.

Gasförmige Emboli sind vor allem Luftblasen, die durch Verletzungen oder Operationen in die Blutbahn geraten.

Risikofaktoren

Lungenembolien sind fast immer Folge einer Thrombose. Demnach sind die Risikofaktoren für beide Erkrankungen gleich. Am häufigsten werden Lungenembolien begünstigt durch besondere Umstände wie:

  • lange Bettlägerigkeit und/oder Bewegungsmangel (auch lange Flugreisen)
  • Venenschwäche und andere Gefäßerkrankungen, Krampfadern
  • hormonelle Verhütungsmittel wie Anti-Baby-Pille oder Hormonersatztherapien, vor allem in Kombination mit Rauchen
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Herz- und Lungenerkrankungen wie COPD, Rechtsherzschwäche oder Cor pulmonale
  • Krebserkrankungen oder Krebstherapie (vor allem Chemotherapie und Bestrahlung)
  • Operationen (vor allem am Unterleib, Hüft- oder Kniegelenk)
  • Gerinnungsstörungen
  • Thrombosen bei Verwandten 1. Grades.

Allgemeine Risikofaktoren sind:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Lebensalter über 50.

Untersuchung

In der Diagnostik von Lungenembolien werden vor allem Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren eingesetzt. Das gilt umso mehr, wenn Patienten wegen einer fulminanten Lungenembolie nicht mehr ansprechbar sind.

Zu den wichtigen Blutuntersuchungen gehört die Blutgasanalyse. Bei einer Lungenembolie fällt der Sauerstoffgehalt des Blutes, weil weniger Sauerstoff über die Lungen in das Blut aufgenommen wird. Gleichzeitig sinkt die Konzentration von Kohlendioxid, weil dieses Abbauprodukt infolge einer erhöhten Atemfrequenz vermehrt über die Ausatemluft abgegeben wird. Bei einer fulminanten Lungenembolie mit nachfolgendem Schock kann der Kohlendioxidanteil auch erhöht sein.

Einen weiteren Hinweis auf Lungenembolien liefert die Untersuchung auf sogenannte D-Dimere. Das sind Abbaustoffe der Blutgerinnung, die der Körper bei der Bekämpfung von Blutgerinnseln produziert. Der Nachweis von D-Dimeren ist daher ein Indiz für Lungenembolien, jedoch kein Nachweis. Erhöhte Konzentrationen des Muskeleiweißes Troponin gelten ferner als Nachweis dafür, dass das Herz geschädigt wurde.

Die Werte aus den Blutuntersuchungen ergeben in Kombination mit Symptomen wie etwa Atemnot oder Brustschmerzen und der Krankengeschichte häufig schon ein schlüssiges Bild.

Bildgebende Verfahren liefern weiteren Aufschluss. An erster Stelle steht dabei das EKG. Das Elektrokardiogramm bildet die elektrische Herzaktivität ab. Aus den EKG-Kurven können Ärzte beispielsweise ablesen, ob die rechte Herzkammer überlastet ist. Das wäre ein klarer Hinweis auf eine mögliche Lungenembolie.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung wie der farbcodierten Echokardiografie lassen sich die Blutströme im Herzen sowie zwischen Herz und Lunge detailliert darstellen. Die Analyse der Fließbewegungen gibt Aufschluss über die Schwere einer Lungenembolie. Außerdem lassen sich Komplikationen wie Verdickungen der Herzwände oder Beschädigungen von Herzklappen erkennen.

Einfache Rötgenuntersuchungen werden in der Untersuchung von Lungenembolien eingesetzt, um beispielsweise Flüssigkeiten in der Lunge darzustellen.

Aufwendige Untersuchungen wie Computertomografien oder Szintigrafien arbeiten in der Untersuchung von Lungenembolien mit Kontrastmitteln. Beim CT wird das Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Auf dem CT lässt sich dann die Verteilung nachverfolgen.

Bei einer Lungen-Szintigrafie wird der Weg der Atemluft verfolgt. Dazu müssen die zu untersuchenden Patienten eine radioaktive Substanz als Marker einatmen. Dieses Untersuchungsverfahren wird heute jedoch nur noch selten angewandt.

Behandlung

Schwere Lungenembolien sind ein medizinischer Notfall. Hier sollte die Behandlung so schnell wie möglich beginnen. Die meisten Todesfälle ereignen sich in den ersten beiden Stunden nach Auftreten. In der Notfallversorgung werden zunächst Atmung und Kreislauf stabilisiert. Die Patienten erhalten Sauerstoff über eine Atemmaske. Spätestens beim Eintreffen auf der Intensivstation wird ein Venenkatheter gelegt, um Medikamente schnell in die Blutbahn geben zu können. Schon beim leisen Verdacht auf eine fulminante Lungenembolie beginnt die medikamentöse Therapie mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen wie Heparin und Schmerzmitteln. Die weitere Behandlung richtet sich nach den Ergebnissen der Diagnose.

Die weitergehende Behandlung von Lungenembolien zielt darauf ab, den Embolus und den verursachenden Thrombus aufzulösen bzw. Komplikationen durch die Gefäßverschlüsse zu beherrschen. Ist eine medikamentöse Auflösung der Gefäßverschlüsse nicht möglich, kommen operative Verfahren in Betracht. Dabei wird in der Regel zunächst versucht, Thromben oder Emboli bei einem Kathetereingriff zu entfernen. Gelingt das nicht, bleibt als letzte Option eine Operation mit Eröffnung des Brustraums.

Prognose

90 Prozent der Patienten mit einer fulminanten Lungenembolie versterben in den ersten beiden Stunden nach Auftreten der ersten Symptome. Deshalb ist es für die Prognose von entscheidender Bedeutung, dass die intensivmedizinische Therapie so schnell wie möglich beginnt. In diesen Fällen ist die Sterblichkeit deutlich geringer. Allgemeingültige Aussagen lassen sich aber nicht treffen, da die Überlebensrate auch stark vom sonstigen Gesundheitszustand der Betroffenen abhängt. Viele Patienten mit Lungenembolie sind schwer herzkrank oder haben chronische Lungenerkrankungen.

Nach einer Lungenembolie ist das Risiko für ein erneutes Auftreten (Rezidiv) deutlich erhöht. In vielen Fällen müssen die Patienten lebenslang gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar einnehmen.

Eine typische Folge von chronischen Lungenerkrankungen ist das Cor pulmonale. Diese Form der Rechtsherzschwäche wird durch Lungenembolien verstärkt.

Vorbeugung

Eine absolute Vorbeugung von Lungenembolien ist nicht möglich. Das Risiko lässt sich aber sehr stark senken, indem Sie Thrombosen vorbeugen und Risikofaktoren für chronische Lungenerkrankungen meiden. Wenn Frauen hormonelle Verhütungsmittel nutzen und zudem rauchen, ist das Thromboserisiko beispielsweise um ein Vielfaches höher als bei Frauen, die Hormone nehmen und nicht rauchen.

Bei Bettlägerigkeit, Venenschwäche oder in der Schwangerschaft trägt die konsequente Thrombose-Prophylaxe mit gerinnungshemmenden Medikamenten und/oder Kompressionsstrümpfen wesentlich dazu bei, das Risiko für eine Lungenembolie mit den potenziell lebensbedrohlichen Folgen zu senken.

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.01.2019