Leistenbruch (Leistenhernie)

Der Leistenbruch ist die häufigste Form des sogenannten Eingeweidebruchs (Hernie). Lesen Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung einer Leistenhernie.

Synonyme

Leistenhernie, Inguinalhernie, Hernia inguinalis

Definition

Mediziner bezeichnen den Leistenbruch als Leistenhernie oder Inguinalhernie. Hernien sind sackartige Ausstülpungen des Bauchfells (Bruchsack), die nach einem Bruch der Bauchwand  entstehen. Inguinal bedeutet, den Leistenbereich betreffend. Der Leistenbruch ist die mit Abstand häufigste Form der Hernie. Andere Formen sind beispielsweise der Zwerchfellbruch und die epigastrische Hernie (Bruch der oberen Bauchwand zwischen Bauchnabel und unterem Ende des Brustbeins).

Häufigkeit

Leistenbrüche zählen zu den sehr häufigen Diagnosen. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen pro Jahr liegt bei bis zu 3 Prozent aller Erwachsenen. Mit nahezu 90 Prozent stellen Männer den mit Abstand größten Teil der Betroffenen. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr etwa 240.000 Menschen wegen eines Leistenbruches operiert. Die Leistenbruch-OP zählt damit zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen.

Leistenbrüche sind nicht nur bei Erwachsenen häufig. Etwa 3 Prozent der Neugeborenen kommt mit einer Leistenhernie zur Welt. Bei Frühgeburten ist der Anteil mit bis zu 25 Prozent noch sehr viel höher.

Symptome

Die Symptome eines Leistenbruches zeigen sich – wie bei anderen Hernien auch – nicht immer auf Anhieb. Zuweilen entwickeln sich Leistenhernien über Monate und Jahre unbemerkt. Symptomatisch werden Leistenbrüche häufig erst, wenn sich ein größerer Bruchsack gebildet wirdhat.

Typisches Symptom für einen solchen Bruchsack ist ein mitunter nur leichter ziehender Schmerz im Bereich der betroffenen Leiste. Charakteristischerweise verstärkt sich dieser Schmerz sich immer dann, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Das ist beispielsweise der Fall beim Heben oder Tragen von schweren Lasten, beim Niesen oder Husten sowie beim Pressen während des Stuhlgangs. Bei Frauen strahlen die Schmerzen zuweilen bis in die Scheide aus, bei Männern bis in den Hodensack (Skrotum). Nicht selten ist der Bruchsack (die Bruchgeschwulst) als Schwellung in der Leistengegend auch von außen klar zu sehen und zu ertasten.

Komplikationen

Wie bei anderen Hernien besteht beim Leistenbruch die Gefahr, dass Organe oder Organteile (beispielsweise Darmschlingen) sich im Bruchsack verklemmen oder verdrehen. Mediziner bezeichnen das als Inkarzeration. Durch die Inkarzeration wird das Gewebe im Bruchsack von der Blutzufuhr getrennt und droht abzusterben. Deshalb sind Inkarzerationen ein Notfall, der eine dringende Operation erfordert.

Typische Anzeichen für Inkarzerationen von Leistenbrüchen sind stark zunehmende Schmerzen (insbesondere bei Belastung der Leisten) sowie Übelkeit und Erbrechen.

Ursachen

Die Bauchwand trennt den Unterleib (Abdomen) vom Brustkorb (Thorax). Die Bauchwand selbst besteht vor allem aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe. Die größten Schwachstellen dieser Trennschicht liegen dort, wo andere Strukturen durch die Bauchwand führen. Im zentralen Teil der Bauchwand sind das beispielsweise die Schlagader und die Speiseröhre.
Grundsätzlich sind die Ursachen von Leistenbrüchen danach zu unterscheiden, ob sie im Laufe des Lebens erworben sind oder angeboren.

Ursachen erworbener Leistenbrüche

Im seitlichen Bereich führen rechts wie links die Leistenkanäle durch die Bauchwand. Durch die Leistenkanäle verlaufen vor allem Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenbahnen. Zudem liegen dort bei Männern die Samenstränge und bei Frauen das runde Mutterband, das Gebärmutter und Scheide miteinander verbindet.

Leistenbrüche werden vor allem durch starke Belastungen im Bereich der Leistenkanäle verursacht. Bei Männern entstehen diese Belastungen meistvor allem  durch starke muskuläre Belastungen, beispielsweise beim Heben. Bei Frauen gehen die meisten Leistenbrüche auf Schwangerschaften zurück.

Begünstigt werden Leistenbrüche bei beiden Geschlechtern vor allem durch Übergewicht, schwache Muskulatur infolge von Bewegungsmangel, chronische Lungenerkrankungen mit dauerhaftem Husten (COPD) sowie die mit dem Alter zunehmende Schwäche des Bindegewebes.

Ursachen angeborener Leistenbrüche

Angeborene Leistenbrüche sind vor allem bei Frühgeborenen häufig. Bei diesen Kindern ist die Entwicklung der Bauchwand noch nicht abgeschlossen. Bei ausgereiften Säuglingen gehen angeborene Leistenbrüche auf eine  Entwicklungsstörung während der Schwangerschaft zurück. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt.

Behandlung

Die Behandlung von Leistenbrüchen erfolgt fast immer chirurgisch. Ausnahmen sind vor allem angeborene Leistenhernien. Hier wird mitunter abgewartet, ob sich der Leistenbruch nicht noch selbstständig verschließt. Eine andere Ausnahme sind Patienten, denen man die Belastung einer Leistenbruch-Operation nicht mehr zumuten möchte oder kann.

Je nach Art und Größe der Leistenhernie komment verschiedene Methoden der Leistenbruch-OP infrage. Einige Operationen erfolgen minimal-invasiv, also als endoskopischer Eingriff mit einem kleinen Schnitt. In der Regel aber werden Leistenbrüche mit einem großen Schnitt der Bauchdecke (Laparotomie) unter Vollnarkose versorgt.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach einem Leistenbruch sind sehr gut. Etwa 95 Prozent der Patienten verspüren schon kurze Zeit nach einer Leistenbruch-OP keine Beschwerden mehr.

Autor: Charly Kahle

Stand: 10.01.2018

  • Auf Whatsapp teilenTeilen
  • Auf Facebook teilen Teilen
  • Auf Twitter teilenTeilen
  • MerkenMerken
  • DruckenDrucken
  • SendenSenden
Anzeige