Synonyme

Orientbeule, Kala-Azar, Aleppobeule, Dum-Dum-Fieber, Espundia

Definition

Frau mit Fieber

Leishmaniose ist eine weltweit verbreitete Infektionserkrankung. Andere Bezeichnungen lauten Orientbeule, Aleppobeule, Kala-Azar, Dum-Dum-Fieber oder Espundia. Leishmaniose wird von Einzellern der Gattung Leishmania verursacht. Diese Parasiten werden vor allem durch Sandmücken, auch Schmetterlingsmücken genannt, auf den Menschen übertragen. Je nach Leishmania-Gattung werden unterschiedliche Formen der Leishmaniose ausgelöst:

  • Leishmania tropica, L. major und L. aethiopica verursachen die Haut-Leishmaniose bzw. kutane Form der sogenannten „Alten Welt“ (Europa und Asien).
  • Leishmania mexicana (Haut-Form) und L. brasiliensis (Schleimhaut-Form) sind Erreger der Leishmaniose der sogenannten „Neuen Welt“ (Mittel- und Südamerika).
  • Erreger aus dem Leishmania-donovani-Komplex mit den Spezies L. infantum und L. chagasi verursachen die innere bzw. viszerale Leishmaniose.

Leishmaniose kommt in nahezu allen warmen Ländern vor, vor allem in Süd- und Mittelamerika, Asien, Kolumbien, Südeuropa (Mittelmeerraum) und Teilen Ostafrikas.

Häufigkeit

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit mehr als 12 Millionen Menschen mit Leishmanien infiziert. 350 Millionen Menschen in Risikogebieten gelten als infektionsgefährdet. Pro Jahr gibt es schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen neue Leishmaniose-Infektionen.

Leishmaniose in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es vereinzelt Leishmaniose-Erkrankungen. Hierzulande wird die Infektion aber fast immer importiert. Meist werden die Erreger von Reisenden aus Endemiegebieten oder mit infizierten Hunden mitgebracht. Beispielsweise ist der größte Teil der Straßen- und Stadthunde Spaniens infiziert. Nicht selten finden die oft bedauernswerten Vierbeiner in Deutschland ein neues Zuhause – und mit ihnen auch die Leishmanien.

Symptome

Beim Menschen unterscheidet man drei Formen der Leishmaniose:

  • Haut-Leishmaniose (kutane Form)
  • Schleimhaut-Leishmaniose (mukokutane Form)
  • Innere Leishmaniose (viszerale Form).

Die Formen verteilen sich auf verschiedene Regionen. Der Grund: In den Ländern sind sehr verschiedene Arten der Gattung Leishmania verbreitet, die jeweils andere Symptome verursachen. Bis zu 90 Prozent der Menschen mit innerer bzw. viszeraler Leishmaniose leben in Bangladesch, Brasilien, Indien oder dem Sudan. Die Schleimhaut bzw. mukokutane Form kommt fast ausschließlich in Südamerika vor. 90 Prozent der Betroffenen stammen aus Bolivien, Brasilien und Peru. Die Haut bzw. kutane Leishmaniose tritt zu 90 Prozent in Afghanistan, Brasilien, Iran, Peru, Saudi-Arabien und Syrien auf.

Haut-Leishmaniose

Haut-Leishmaniose wird medizinisch kutane Leishmaniose genannt. Andere Bezeichnungen sind Orientbeule, Bagdadbeule, Aleppobeule oder Beule von Jericho. Die kutane Leishmaniose befällt nur die Haut. Innere Organe sind nicht betroffen.

Nach dem Stich einer infizierten Sandmücke rötet sich die Einstichstelle innerhalb weniger Tage bis Wochen (selten auch erst nach Jahren). Dann bilden sich rotbraune Knötchen, die zu größeren Papeln werden. Im weiteren Verlauf gehen die Papeln in schmerzlose Geschwüre mit erhabenen Randwall über. Die Geschwüre können einige Zentimeter groß werden und krustig bedeckt sein. Häufig sind Gesicht und Arme betroffen.

Mediziner unterscheiden bei der Haut-Leishmaniose die feuchte, die trockene und die diffuse Form. Die besten Heilungsaussichten bestehen bei der feuchten und der trockenen Form. Beide heilen nach 9 bis 15 Monaten ohne Behandlung von selbst ab. Es bleibt lediglich eine pigmentierte Narbe zurück.

Die diffuse Form tritt eher selten auf. Meist sind abwehrgeschwächte Personen betroffen. Bei dieser Form sind die Hautschäden deutlich stärker ausgeprägt als bei den beiden anderen Formen. Die großflächigen Knoten und Papeln an Haut und Schleimhaut lassen zuweilen sogar an Lepra denken. Die diffuse Haut-Leishmaniose heilt ohne therapeutische Maßnahmen nicht von alleine und bedarf therapeutischer Maßnahmen (siehe weiter unten: Therapie).

Eine besondere Form der Haut-Leishmaniose ist die kutane Leishmaniose der „Neuen Welt“. Sie wird auch als Kaugummi-Geschwür oder Chiclero-Ulkus bezeichnet. Von dieser Form sind insbesondere Wald- und Forstarbeiter betroffen. Charakteristisch sind Knoten und Geschwüre am Ohrmuschelknorpel.

Schleimhaut-Leishmaniose

Schleimhaut-Leishmaniose bezeichnen Mediziner als mukokutane Leishmaniose. In Peru nennt man sie Espundia, in Brasilien Bouba. Nach dem Stich und einer geschwürigen Infektion im Gesicht gelangen die Leishmanien über Blut oder Lymphe in den Nasen-Rachen-Raum. Dort besiedeln sie die Schleimhäute.

Nach Monaten bis Jahren verdicken sich die Schleimhäute im Bereich von Nase, Rachen, Mund und Lippen. Typische Symptome sind verstopfte Nase, Nasenbluten, Fremdkörpergefühl, Geschmacksstörungen sowie Schmerzen im Mund-Rachen-Bereich. Mitunter wird im Krankheitsverlauf die gesamte Nasenscheidewand zerstört und die Nase fällt in sich zusammen. Eine Schwellung im Kehlkopfbereich führt zunehmend zu Atemnot. Selten sind auch die Genitalschleimhäute befallen und geschwürartig verändert. Im schlimmsten Fall kann sich aus der mukokutanen Leishmaniose eine Sepsis entwickeln. Diese Blutvergiftung ist lebensgefährlich und muss dringend intensivmedizinisch behandelt werden.

Innere Leishmaniose

Die innere Leishmaniose, medizinisch viszerale Leishmaniose, ist auch unter dem Namen Schwarzfieber, Dum-Dum-Fieber oder Kala-Azar (schwarzer Tod) bekannt. Sie ist die gefährlichste Form der Leishmaniosen.

Eine Woche bis mehrere Monate nach dem Stich einer infizierten Sandmücke (selten auch erst nach mehreren Jahren) entstehen knötchenartige Hautveränderungen und Geschwüre. Breiten sich die Leishmanien über Blut und Lymphe aus, kommt es je nach Organbefall zu weiteren Beschwerden. Typisch sind Fieberschübe, Blutarmut, Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust. Mitunter vergrößern sich Lymphknoten, Leber und Milz. Zudem sind Lungenentzündungen, Muskelentzündungen, Gelenkentzündungen, Nervenentzündungen, Nierenentzündungen, Wassereinlagerungen im Gewebe sowie Blutungen möglich. Einige Patienten bekommen eine fleckige, dunkle Hautpigmentierung (daher auch der Name Kala-Azar). Unbehandelt sterben viele Patienten an Nieren- und Herzkreislaufversagen, inneren Blutungen, schweren bakteriellen Infektionen oder Sepsis als Komplikationen der inneren Leishmaniose.

Ursachen

Erreger der Leishmaniose sind einzellige Parasiten der Gattung Leishmania. Leishmanien sind eng mit dem Erreger der Schlafkrankheit, den Trypanosomen, verwandt. Mit dem Stich von Sandmücken werden die Parasiten auf den Menschen übertragen. Dort werden sie vom körpereigenen Abwehrsystem erkannt und von Abwehrzellen wie Makrophagen aufgenommen. Leider aber sind die Immunzellen mitunter nicht in der Lage, die Parasiten abzutöten. Dann vermehren sich die Schmarotzer in den Zellen. Irgendwann platzen die Immunzellen und die Leishmanien befallen weitere Abwehrzellen. So unterwandern die Parasiten das körpereigene Abwehrsystem.

Seltene Übertragungswege

Leishmanien können auch über verunreinigte Bluttransfusionen sowie bei Knochenmark- oder Organtransplantationen übertragen werden. In der Schwangerschaft gelangen die Parasiten selten über den Mutterkuchen (Plazenta) zum Kind und infizieren so das Ungeborene. Eine Übertragung der Erreger über Muttermilch hingegen gilt als unwahrscheinlich.

Untersuchung

Bei Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose lassen sich die Parasiten im Labor nachweisen. Für die Proben wird Haut, Knochenmark oder Lymphknotengewebe entnommen. Bei einer Infektion mit Leishmanien bildet das Immunsystem zwar Antikörper, doch der Nachweis von Antikörpern im Blut gilt als nicht ausreichend zuverlässig für die Diagnose der Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose.

Bei der inneren Leishmaniose können die Erreger in Proben aus Leber, Milz, Lymphknoten oder Knochenmark nachgewiesen werden. Bei einer Ersterkrankung mit Leishmanien gilt auch ein Test auf Antikörper als aussagekräftig.

Behandlung

Nicht jede Leishmaniose muss behandelt werden. Haut- und Schleimhaut-Leishmaniose heilen häufig von selbst ab. In einigen Fällen aber ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll und geboten.

Antimonpräparate gegen Leishmanien

Bei ausgeprägten Haut- und Schleimhaut-Leishmaniosen sollte eine systemische, also eine den gesamten Körper betreffende, Therapie erfolgen. Diese umfasst mehrere Behandlungszyklen mit 5-wertigen Antimonpräparaten wie N-Methylglucaminantimonat. Antimon ist ein sehr seltenes chemisches Element, das zu den Halbmetallen zählt. Der Wirkstoff stört den Stoffwechsel der Parasiten, sodass sie absterben. Sind Leishmanien gegen Antimon resistent, ist ein Behandlungsversuch mit sogenannten Ambisomen wie liposomalem Amphotericin B möglich. Amphotericin B wird üblicherweise als Anti-Pilzmitteln verwendet. Der Wirkstoff tötet Leishmanien, indem er die Parasiten am Aufbau einer gesunden Zellmembran hindert. Mitunter sind auch plastische Operationen notwendig, um die Geschwüre und Narben zu versorgen und Entstellungen entgegenzuwirken.

Wirkstoffe gegen innere Leishmaniose

Die innere Leishmaniose wird immer systemisch mit Ambisomen behandelt. Mittel der Wahl sind ebenfalls Amphotericin B in Lipidform oder 5-wertige Antimonpräparate. Alternativ können das Antiprotozoikum Pentamidin (Wirkstoff gegen Einzeller) und das Antibiotikum Paromomycin eingesetzt werden. Zur Stärkung des Immunsystems und zur Verhinderung weiterer Infektionen erhalten Patienten mit innerer Leishmaniose mitunter rekombinantes Interferon. Interferone sind Botenstoffe, die unter anderem antivirale Eigenschaften haben.

Vorbeugung

Gegen Leishmaniosen gibt es bislang keine Schutzimpfung. Der beste Schutz ist die Vermeidung von Mückenstichen in Leishmaniose-Risikogebieten. Imprägnierte Moskitonetze, Mückenschutzmittel und stichfeste Kleidung helfen gegen die stechenden Plagegeister. Für Hunde gibt es spezielle Mückenhalsbänder, die auch die Vierbeiner vor einer Leishmaniose-Infektion schützen.

Importierte Hunde aus südlichen Ländern sollten grundsätzlich tierärztlich untersucht werden. Der kann eine Leishmaniose ausschließen – oder im Fall einer Erkrankung therapeutische Empfehlungen aussprechen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 24.06.2019