Legionärskrankheit

Die Legionärskrankheit ist eine Infektion mit Legionellen. Diese Bakterien verursachen eine Lungenentzündung, die bei abwehrgeschwächten Menschen häufig tödlich verläuft. Mehr über Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung.

Synonyme

Legionellose

Definition

Legionärskrankheit ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Lungenerkrankung, die Mediziner als Legionellose bezeichnen. Der Fachbegriff leitet sich vom Verursacher der Erkrankung ab: den Legionellen. Das sind Bakterien, die sich vor allem in den Leitungen von nachlässig gewarteten Warmwassersystemen finden.

Legionellose wurde erst vor knapp 50 Jahren erstmals diagnostiziert. Nach einem Treffen von Kriegsveteranen in der US-Stadt Philadelphia 1976 waren zahlreiche Teilnehmer mit schwer verlaufenden Lungenentzündungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Wegen der Umstände der Entdeckung wurde die Erkrankung als Legionärskrankheit bekannt.

Legionellen verursachen häufig komplikationsträchtige Verläufe von Lungenentzündungen (Pneumonie). Das liegt insbesondere daran, dass die Erreger vor allem abwehrgeschwächte Menschen und Patienten mit Niereninsuffizienz sowie starke Raucher und alkoholabhängige Menschen infizieren. Allem Anschein nach haben gesunde Menschen nur ein verhältnismäßig kleines Ansteckungsrisiko.

Die Legionärskrankheit spricht auf eine Therapie mit Antibiotika gut an. Insofern ist die Erkrankung also heilbar. Da aber vor allem Menschen mit geschwächtem Immunsystem und einem ohnehin schon angegriffenen Gesundheitszustand betroffen sind, ist die Sterberate sehr viel höher als bei gewöhnlichen Lungenentzündungen.

Häufigkeit

Die genaue Häufigkeit der Legionärskrankheit in Deutschland ist nur schwer zu bestimmen, obwohl die Krankheit meldepflichtig ist. Experten gehen davon aus, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer an Legionellosen gibt, die als Grippe oder Erkältung fehlgedeutet werden.

Die Legionärskrankheit tritt besonders häufig bei Männern (2 bis 3 Mal öfter als bei Frauen auf. Starke Raucher und Menschen mit übermäßigem Alkoholgenuss sind überdurchschnittlich oft betroffen. Der Erkrankungsgipfel liegt im mittleren Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Tödliche Verläufe sind besonders häufig bei alten und kranken Menschen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) kommt es in Deutschland jährlich zu etwa 600 gemeldeten Fällen der Legionärskrankheit. Die meisten Infektionen seien Einzelfälle, gelegentlich komme es zu begrenzten größeren Ausbrüchen.

Die Zahlen des RKI stehen in einem deutlichen Missverhältnis zu Studien. Demnach sind Antikörper für Legionelleninfektionen bei etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung nachweisbar. Demnach müssten sich mehr als 80.000 Menschen pro Jahr mit Legionellen infizieren. Allerdings muss eine Infektion nicht zwingend zum Vollbild der Legionärskrankheit führen. Experten gehen davon aus, dass das in ca. 12 Prozent der Fall ist. Daraus ergebe sich eine Gesamthäufigkeit von fast 10.000 Legionellosen mit einem schweren Verlauf als Lungenentzündung.

Symptome

Bei einer mild verlaufenden Legionärskrankheit ähneln die Symptome der Virusgrippe. Bei einem schweren Verlauf stehen die typischen Symptome der atypischen Lungenentzündung im Vordergrund.

Erste Symptome der Legionärskrankheit zeigen sich etwa 2 bis 10 Tage nach der Infektion (Inkubationszeit). Mehr über die Symptome bei einem unkomplizierten Verlauf lesen Sie hier: https://meine-gesundheit.de/krankheit/krankheiten/grippe

Symptome atypischer Lungenentzündung

Bei einem schweren Verlauf entwickeln sich die Symptome einer Lungenentzündung. Im Fall der Legionärskrankheit wird diese Pneumonie atypisch genannt, weil die Lungenentzündung nicht durch die sonst dafür verantwortlichen Erreger ausgelöst wird. Mehr über die Symptome von Lungenentzündungen lesen Sie hier: https://meine-gesundheit.de/krankheit/krankheiten/lungenentzuendung

Komplikationen

Typischerweise leiden Menschen mit einer Legionellose auch unter Magen-Darm-Beschwerden wir Übelkeit und Durchfall. Als Komplikationen besonders häufig sind Lungenfellentzündungen (Pleuritis) und Kehlkopfentzündungen (Laryngitis). In seltenen Fällen kommt es zudem zu Gehirnentzündungen (Enzephalitis). Auch Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) und Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) sind seltene Komplikationen der Legionärskrankheit.

Typische, nicht die Lunge betreffende, Komplikationen nach Legionellen-Infektionen im Kindesalter sind Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Bauchfellentzündung (Peritonitis), Entzündung von Gehirn und Rückenmark (Enzephalomyelitis) sowie Herzinnenhaut- und Herzmuskelentzündungen (Endo- und Myokarditis).

Symptome von Pontiac-Fieber

Eine weitere Form der Legionelleninfektion ist das sogenannte Pontiac-Fieber. Die Symptome ähneln in diesem Fall einer mild verlaufenden Virusgrippe. Typisch für das Pontiac-Fieber ist eine Inkubationszeit von nur 1 bis 3 Tagen.

Ursachen

Ursache der Legionärskrankheit ist eine Infektion mit Legionellen. Diese Süßwasser-Bakterien kommen weltweit vor. In freier Natur vermehren sie sich allerdings nur selten so sehr, dass sie Menschen gefährden können.

Ganz anders verhält es sich in schlecht gewarteten Warmwassersystemen, Luftbefeuchtern, Inhalatoren oder Klimaanlagen. Hier finden Legionellen bei Wassertemperaturen zwischen 20 und 55 Grad ideale Lebensbedingungen. Den Weg zum Menschen finden sie mit dem Wasserdampf. Einmal eingeatmet nisten die Legionellen sich vorzugsweise in den Schleimhäuten der Atemwege und den Lungen ein.

Nach gegenwärtigem Stand werden Legionellen ausschließlich per Wasserdampfinhalation übertragen. Eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion von Mensch zu Mensch konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Untersuchung

Die Diagnose Legionärskrankheit lässt sich in den ersten Tagen nach der Infektion nur durch einen Erregernachweis von einer normalen Erkältung, Grippe oder Lungenentzündung abgrenzen. Für diese labormedizinische Untersuchung wird Ihr Arzt in aller Regel einen Abstrich der Rachenschleimhaut machen. Vorteil dieser Untersuchung: Sie ist schon 24 Stunden nach einer Infektion möglich. Erregernachweise aus Blut und Urin oder Gewebeproben liefern erst nach mehreren Tagen eindeutige Ergebnisse. Antikörper bildet der Körper erst 1 bis 2 Wochen nach der Infektion.

Sie selbst können wesentlich zu einer schnellen Diagnose von Legionärskrankheit beitragen, indem sie ihren Arzt auf mögliche Infektionsquellen hinweisen. Wenn sich grippeähnliche Symptome beispielsweise nach einem Hotelbesuch einstellen, sollten Sie das Ihrem Arzt mitteilen. Das gilt auch, wenn Sie in jüngster Vergangenheit eine öffentliche Dusche benutzt haben oder die Warmwasserversorgung zuhause vorübergehend stillgelegt war.

Behandlung

In der Behandlung der Legionärskrankheit haben sich Antibiotika bewährt. In der Regel beginnt die medikamentöse Therapie schon bei Verdacht auf eine Infektion. Je nach Gesundheitszustand und Begleiterkrankungen kommen unterschiedliche Antibiotika infrage. Das sind beispielsweise Wirkstoffe aus der Gruppe der Makrolidantibiotika wie Azithromycin oder Clarithromycin. Levofloxacin und Ciprofloxacin gehören zur Wirkstoffgruppe der Fluorchinolon-Antibiotika und zeichnen sich ebenfalls durch eine gute Wirkung gegen Legionellen aus. Mittel der 2. Wahl sind Rifampicin aus der Gruppe der Ansamycine sowie die Tetracyclin-Antibiotika Doxycyclin und Tigecyclin.

Bei einem schweren Verlauf der Legionärskrankheit mit Lungenentzündung erfolgt die Behandlung stationär in einem Krankenhaus, oft auf der Intensivstation. Das ist notwendig, da vor allem ältere und/oder chronisch kranke Menschen engmaschig überwacht werden müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass bei Komplikationen wie beispielsweise Atemstillständen rechtzeitige Hilfe möglich ist.

Bei leichten grippeähnlichen Verläufen von Legionellose sowie bei Pontiac-Fieber kann unter Umständen bei sorgfältiger medizinischer Überwachung auf eine medikamentöse Behandlung mit Antibiotika verzichtet werden.

Prognose

Bei ansonsten gesunden Menschen und bei rechtzeitigem Therapiebeginn heilen auch schwere Verläufe der Legionärskrankheit in der überwiegenden Mehrheit der Fälle folgenlos aus. Dennoch besteht auch für diese Personengruppe ein Sterberisiko von 10 Prozent. Ohne Behandlung verläuft die Legionärskrankheit bei 15 Prozent der Betroffenen aus dieser Gruppe tödlich.

Deutlich schlechter ist die Prognose bei Menschen jenseits des 60. Lebensjahres mit Herz-, Nieren- und Lungenerkrankungen sowie einer geschwächten Immunabwehr. In dieser Personengruppe beträgt die Sterberate bis zu 70 Prozent.

Vorbeugung

Legionellen verbreiten sich hierzulande nahezu ausnahmslos in Warmwasseranlagen. Dabei kommen alle Geräte in Betracht, in denen Wasser aufgewärmt oder verdampft wird. Das sind beispielsweise Warmwasseraufbereitungsanlagen, Klimaanlagen, Dampfsaunen oder Inhalatoren. Das Risiko für eine Kontamination mit Legionellen steigt, je schlechter solcher Anlagen oder Geräte gewartet werden. Von daher besteht die beste Vorbeugung von Legionärskrankheit darin, Warmwassergeräte regelmäßig zu reinigen und zu desinfizieren. Bei Temperaturen über 60 Grad oder Spülungen mit chlorhaltigen Reinigern sterben Legionellen ab.

Autor: Charly Kahle

Stand: 09.10.2017

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