Synonyme

Bösartige Knochentumoren, Knochensarkome, osteogenes Sarkom

Definition

Knochenkrebs (Osteosarkom)

Knochenkrebs wächst sehr aggressiv und zerstört rasch umliegendes Knochengewebe. Mitunter sind auch die angrenzenden Gelenke betroffen. Knochenkrebs bildet oft Tochtergeschwüre. Die bösartigen Zellen werden dabei über das Blut in andere Gewebe und Organe geschwemmt, in denen sich erneute Krebsgeschwüre, sogenannte Metastasen, bilden.

Mediziner unterscheiden bösartige Knochentumoren zunächst in primäre und sekundäre Formen des Knochenkrebses.

Primäre Knochenkrebsformen

Primäre bösartige Krebserkrankungen des Knochens bezeichnen Mediziner als Sarkome. Primärer Knochenkrebs wird wiederum vor allen in drei Gruppen unterschieden:

  • Knochentumoren entstehen direkt in den Knochen selbst: Die häufigste Form dieses Knochenkrebses ist das Osteosarkom.
  • Knorpeltumoren, sogenannte Chondrosarkome, sind die zweithäufigste Form des Knochenkrebses.
  • Knochenmarkstumoren wie das Ewing-Sarkom bilden die 3. Untergruppe der primären Knochenkrebsformen.

Sekundäre Knochenkrebsformen

Viele Krebserkrankungen bilden Tochtergeschwüre in den Knochen. Diese Metastasen werden als sekundäre Knochentumoren bezeichnet. Typisch sind Knochenkrebsmetastasen beispielsweise bei Brustkrebs, Lungenkrebs, Nierenkrebs, Prostatakrebs oder Schilddrüsenkrebs.

Knochenkrebs bei Kindern

Da Knochenkrebs häufig bei Kindern auftritt, sollten Knochenschmerzen in diesem Alter ernst genommen werden. Zu oft kommt es zu verspäteten Diagnosen, da schmerzende Arme und Beine dem Wachstum zugeschrieben und als harmlos bewertet werden. Schmerzende Knochen und insbesondere Schmerzen im Kniegelenkbereich sollten spätestens nach vier Wochen mittels Röntgenuntersuchung ärztlich abgeklärt werden.

Symptome

Die Symptome von Knochenkrebs sind in aller Regel uncharakteristisch. Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen, Rötungen, eingeschränkte Beweglichkeit oder Druckempfindlichkeit deuten nicht zwingend auf eine Krebserkrankung hin. Vielmehr haben solche Symptome in aller Regel eine sehr viel harmlosere Ursache. Zudem sind diese Symptome von Knochenkrebserkrankungen häufig auch nur sehr gering ausgeprägt.

Knochenkrebsgeschwüre in der Nähe von Gelenken führen mitunter zu Einschränkungen der Beweglichkeit. In fortgeschrittenen Stadien greifen Osteosarkome die Knochensubstanz so weit an, dass es vermehrt zu Knochenbrüchen kommt. Typischerweise brechen vor allem die langen Röhrenknochen in Beinen und Armen leichter.

Knorpeltumoren (Chondrosarkome) machen sich meist durch Schwellungen und Schmerzen im Bereich der Schultern, des Beckens, der Knie oder der Oberschenkel bemerkbar.

Untersuchung

Knochentumoren jeder Art lassen sich durch bildgebende Untersuchungsmethoden, Gewebeproben und anhand von Laboruntersuchungen vergleichsweise leicht nachweisen. Die Herausforderung bei der Diagnose von Knochenkrebs besteht in der Regel vor allem darin, auf Tumoren als Ursache der Beschwerden zu kommen.

Bildgebende Untersuchungsverfahren in der Diagnose von Knochenkrebs sind unter anderem:

  • Klassische Röntgenaufnahmen zeigen beispielsweise Tumoren in den Knochen oder auch Tochtergeschwüre, unter anderem in der Lunge.
  • Computertomografien (CT) und Magnetresonanztomografien (MRT) werden erstellt, um Größe und Lage von Knochentumoren besser vom umgebenden Gewebe abzugrenzen (MRT) sowie um Metastasen zu detektieren (CT).
  • Skelett-Szintigrafie ist ein Verfahren, mit dem unter Zuhilfenahme von leicht radioaktiven Markern Krebszellen in den Knochen dargestellt werden können.

Laboruntersuchungen des Blutes können den Verdacht auf Knochenkrebs ebenfalls erhärten. Beispielsweise können erhöhte Konzentrationen von Enzymen wie alkalische Phosphatase (AP) oder Lactatdehydrogenase (LDH) ein Hinweis auf Knochentumoren sein. Als alleinige Untersuchungsmethode taugen Blutanalysen aber nicht, da Knochenkrebs in sehr vielen Fällen keine auffälligen Blutwerte verursacht.

Gewissheit über bösartige Knochenkrebserkrankungen schafft oft erst die histologische Untersuchung von Gewebe nach einer Probenentnahme (Biopsie).

Behandlung

Die Behandlung von primärem Knochenkrebs erfolgt in der Regel in Spezialkliniken (onkologische Zentren). Je nach Art des Knochenkrebses werden unterschiedliche Behandlungsmethoden kombiniert.

Behandlung von primären Knochentumoren (Osteosarkomen)

Am Beginn der Behandlung von Osteosarkomen und anderen Knochentumoren steht in der Regel eine medikamentöse Chemotherapie. Diese hat zwei Ziele: Einerseits soll der Tumor verkleinert werden, um ihn anschließend besser operativ entfernen zu können. Andererseits verringert die Chemotherapie das Risiko, dass sich Krebszellen über die Blutbahn verbreiten und so zur Keimzelle von Tochtergeschwüren werden.

Bei der Operation von Knochentumoren werden die Geschwüre großräumig entfernt. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk darauf, die betroffenen Gliedmaßen zu erhalten. Zuweilen lassen sich Knochenschäden durch die Transplantation von körpereigenem Knochengewebe oder Fremdknochenmaterialien ausgleichen. Ist das nicht möglich, sind Knochenverkürzungen und Amputationen mit anschließender Versorgung von Knochenprothesen (Tumorendoprothesen) oder auch Gelenkprothesen eine weitere Option. An die Operation schließt sich in der Regel eine weitere Chemotherapie an (mitunter auch in Kombination mit dem Immunmodulator Mifamurtid), um verbliebene Krebszellen abzutöten und das Risiko für eine Neubildung (Remission) zu verringern.

Behandlung von Chondrosarkomen

Knorpel-Knochenkrebs (Chondrosarkome) wird in aller Regel nur operativ behandelt. Die Wirkung von Chemotherapien auf diese Knochenkrebsform konnte bislang nicht überzeugend nachgewiesen werden. Eine Strahlentherapie kommt nicht infrage, weil die Tumorzellen von Chondrosarkomen kaum auf die Strahlung reagieren.

Der Operationserfolg hängt wesentlich davon ab, wie weit Chondrosarkome fortgeschritten sind. Oft ist es möglich – ähnlich wie bei Osteosarkomen – körpereigenes Knochengewebe zu transplantieren oder Prothesen einzusetzen.

Behandlung von Ewing-Sarkomen

Die Behandlung von Knochenmarkstumoren (Ewing-Sarkomen) hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Stand früher die Strahlentherapie im Vordergrund, hat sich in den Zentren mittlerweile eine multimodale Behandlung etabliert. Sie beginnt in der Regel ebenfalls mit einer Chemotherapie, die aber mitunter schon vor der Operation mit einer Strahlentherapie kombiniert wird. Anschließend wird versucht, das Tumorgewebe möglichst vollständig zu entfernen. An die Operation schließt sich häufig eine zweite Strahlentherapie an.

Bei etwa einem Viertel aller Patientinnen und Patienten mit Ewing-Sarkomen hat der Knochenkrebs bereits zum Zeitpunkt der Diagnose ferne Tochtergeschwüre (Fernmetastasen) gebildet. Unter Umständen erfordern diese Krebsgeschwüre weitere Chemotherapie oder operative Eingriffe.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei primärem Knochenkrebs hängen wesentlich vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lage des Knochentumors. Grundsätzlich gilt, dass ein früher Behandlungsbeginn Heilungsrate und Überlebensdauer deutlich verbessert.

Auch neue Behandlungsansätze verbessern die Prognose deutlich. Nach Angaben der Uniklinik Münster konnte beispielsweise die Überlebensrate bei Ewing-Sarkomen durch die operative Entfernung der Tumoren um bis zu 15 Prozent verbessert werden.

Die Fünf-Jahre-Überlebensrate beim Osteosarkom beträgt unterschiedlichen Studien zufolge zwischen 60 und 80 Prozent.

Autor: Charly Kahle

Stand: 08.01.2019