Synonyme

Pes equinovarus, Pes varus, krummer Fuß, idiopathischer Klumpfuß

Definition

Fuß Behandlung

Der medizinische Fachbegriff Pes equinovarus steht für eine Reihe von Missbildungen des menschlichen Fußes, die umgangssprachlich als Klumpfuß zusammengefasst werden.

Klumpfüße sehen nicht immer gleich aus. Vielmehr handelt es sich um eine variierende Kombination von Verformungen und Fehlstellungen. Das sind vor allem:

  • Supinations- oder Varusstellung (Pes varus): Der hintere Teil des Fußes (Rückfuß) ist nach innen gedreht, die Fußsohle zeigt nach innen.
  • Sichelfußstellung (Pes adductus): Auch der Vorderfuß ist nach innen oder zur Fußmitte hin verdreht.
  • Spitzfuß (Pes equinus): Hochstellung der Ferse, beim Gehen setzt der Fuß nicht vollständig auf dem Boden auf.
  • Anspreizfuß (Pes supinatus): Die Ferse kippt seitlich ab, Vorder- und Mittelfuß sind seitlich nach innen verlagert und die Fußsohle ist stark abgesenkt. Oft fällt im Stehen eine vermehrte Drehung des gesamten Fußes nach innen auf.
  • Hohlfuß (Pes excavatus, Pes cavus): Gegenteil vom Plattfuß; das innere Längsgewölbe des Fußes ist stark überhöht.

Klumpfüße sind fast immer angeboren (kongenital). Manchmal entstehen sie auch als Folge von Störungen der Nervenfunktion, Operationen oder Unfällen sowie als Nebenwirkung von Medikamenten.

Eine wesentliche Rolle in der Behandlung spielen Gipsverbände, haltgebende Orthesen und frühe Physiotherapie. In manchen Fällen ist eine fußchirurgische Therapie unumgänglich.

Vor allem bei angeborenen Klumpfüßen sind die Behandlungsergebnisse in der Regel so gut, dass Kinder ein weitgehend normales Leben führen können. Zuweilen verbleiben Beeinträchtigungen, die beispielsweise einer Karriere als Tänzer oder Leistungssportler im Weg stehen.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von angeborenen Klumpfüßen wird für Deutschland mit bis zu 3 Fällen auf 1.000 Geburten angegeben. Genaue Zahlen sind nur schwer zu ermitteln, da die Diagnose Klumpfuß nicht zentral erfasst wird. Jungen kommen etwa doppelt so oft mit Fehlbindungen des Fußes zur Welt wie Mädchen. In etwa der Hälfte der Fälle sind beide Füße fehlgebildet.

Symptome

Die Symptome von Klumpfuß sind schon bei der Geburt deutlich sichtbar. In etwa der Hälfte der Fälle sind beide Füße betroffen. Klumpfüße sind in der Regel so stark nach innen gebogen, dass die Fußflächen aufeinander zeigen. Menschen mit unbehandelten Klumpfüßen laufen meistens auf dem Fußaußenrand. In besonders ausgeprägten Fällen bewegen sie sich sogar auf dem Fußrücken. Die Fehlbildungen führen häufig zu ausgeprägten Schmerzen.

Die Symptomatik von Klumpfüßen kann individuell sehr unterschiedlich sein. Besonders häufig sind:

  • Fehlbildungen des Fersenbeins
  • Fehlstellungen der Sprunggelenke
  • Verkürzungen der Achillessehne
  • verkürzte oder schwache Wadenmuskulatur
  • Missbildungen oder erworbene Fehlstellungen von Gelenkkapseln, Sehnen und Bändern

Komplikationen und Verlauf

Die krankhafte Veränderung der Füße wirkt sich auf das gesamte Muskel- und Skelettsystem aus. Klumpfüße verhindern beispielsweise eine gesunde Entwicklung des Rückens. Ohne schnelle und konsequente Behandlung sind Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems durch Fehl- und Schonhaltungen bei Klumpfüßen programmiert.

Ursachen

Mediziner unterscheiden nach der Ursache in angeborene (kongenitale) und erworbene (sekundäre) Klumpfüße.

Ursache angeborener Klumpfüße nicht eindeutig geklärt

In den meisten Fällen sind Klumpfüße angeboren. Mediziner sagen, sie treten kongenital auf. Die genaue Ursache für angeborene Klumpfüße ist nicht geklärt. Die Entwicklungsstörungen während der Schwangerschaft werden vor allem darauf zurückgeführt, dass der Embryo sich wegen Platzmangels oder einer ungünstigen Lage nicht ausreichend bewegen kann und es dadurch zu einer mangelhaft entwickelten Waden- und Fußmuskulatur kommt.

Ein Mangel an Folsäure oder die Einnahme von Folsäure-Antagonisten wie Aminopterin oder Methotrexat in der 4. bis 12. Schwangerschaftswoche können ebenfalls Ursache von Klumpfüßen sein.

Als andere Ursachen angeborener Klumpfüße werden Fruchtwassermangel oder durch den Mangel an Sauerstoff bedingte Reifestörungen des kindlichen Gehirns vermutet.

Ursachen erworbener Klumpfüße

Bis zur Einführung der Polio-Schutzimpfung war Kinderlähmung die häufigste Ursache von erworbenen Klumpfüßen. Heute erkranken in Deutschland und Europa aber kaum noch Kinder an Kinderlähmung.

Mittlerweile sind neurologische Erkrankungen, Durchblutungsstörungen und Verletzungen der Wadenmuskulatur die häufigste Ursache für sekundäre Klumpfüße.

Untersuchung

Klumpfüße sind offenkundig und auf den ersten Blick zu erkennen. Um die Art des Klumpfußes genauer zu bestimmen, werden verschiedene Untersuchungsmethoden angewendet. Das sind zunächst einmal bildgebende Verfahren. Röntgenbilder und Ultraschalluntersuchungen verschaffen in aller Regel schon ein sehr detailliertes Bild des Befundes. Eine sogenannte Pedografie hilft, den Klumpfuß funktional noch besser zu beurteilen. Bei dieser Untersuchung wird gemessen, wie der Fuß im Stand belastet wird.

Behandlung

Die Behandlung von Klumpfuß orientiert sich naturgemäß am Ausmaß der Fehlstellungen und der Ursache. Generell lässt sich sagen, dass angeborene Klumpfüße eher durch konservative Behandlungsmethoden zu korrigieren sind. Erworbene Klumpfüße müssen in der Regel chirurgisch korrigiert werden. Operationen sind aber auch bei angeborenem Klumpfuß nicht selten.

Die Behandlung von angeborenen Klumpfüßen beginnt in der Regel unmittelbar nach der Geburt. Von Ausnahmen abgesehen setzt man dabei zunächst auf manuelle Therapietechniken und Fixierungen, die das Wachstum der Füße in die richtige Richtung lenken sollen. Die meistverwendeten Verfahren sind nach ihren Erfindern benannt, nämlich die Klumpfußbehandlung nach Ponseti bzw. nach Bonnet-Dimglio.

Klumpfußbehandlung nach Ponseti

Die Klumpfußbehandlung nach Ponseti als Standardtherapie. Bei diesem Verfahren werden die Beine der Neugeborenen eingegipst. Der Gips beginnt am Oberschenkel, die Knie sind gebeugt. Durch einen wöchentlichen Gipswechsel wird sichergestellt, dass die Füße nach und nach in die funktionale Position wachsen. Dieses Ziel ist in der Regel nach 6 bis 8 Gipswechseln erreicht.
Im Zuge der Klumpfußbehandlung nach Ponseti schließen sich meist zwei weitere Schritte an. Nach der Gipsbehandlung besteht häufig ein Fersenhochstand, der durch eine verkürzte Achillessehne bedingt ist. In diesen Fällen wird die Achillessehne bei einem kleinen Eingriff unter lokaler Betäubung durchtrennt. Anschließend wird das Bein zunächst getapt, dann eine Schiene angepasst. Die Schiene müssen Säuglinge in der Regel während des 1. Lebensjahres Tag und Nacht tragen und bis zum Ende des 3. Lebensjahres nur noch tagsüber.

Klumpfußbehandlung nach Bonnet-Dimeglio

Die Klumpfußbehandlung nach Bonnet-Dimeglio (auch französische Methode genannt) kombiniert Elemente der manuellen Therapie mit haltenden Tapes und Gipsverbänden. Der wesentliche Unterschied zur Ponseti-Methode besteht darin, dass einerseits nur der Unterschenkel eingegipst wird und andererseits unter dem Gips spezielle Tapes gesetzt werden, um das Wachstum der Wadenmuskulatur und der Füße in die anatomisch korrekte Lage zu lenken. Bei den Gipswechseln wird dieser Prozess durch eine gezielte manuelle Therapie unterstützt. Zu den Vorteilen der Behandlung nach Bonnet-Dimeglio gehört, dass die Kinder mehr Bewegungsfreiheit behalten.

Wenn die Fehlstellung der Füße nach ca. 8 Wochen behoben ist, erhalten die Kinder Physiotherapie sowie Tapes und Schienen, die in der Regel ebenfalls bis Ende des 3. Lebensjahres konsequent getragen werden müssen.

Operative Behandlung von Klumpfuß

Fußchirurgie ist eine überaus komplexe Disziplin. Für die Korrektur von angeborenen wie erworbenen Klumpfüßen gibt es eine Vielzahl von operativen Verfahren, die individuell eingesetzt werden. Eine der am häufigsten eingesetzten Methoden ist die Verlängerung der Achillessehne mit gleichzeitiger Aufrichtung von Sprungbein und Fersenbein. In anderen Operationstechniken werden Bänder durchtrennt oder Sehnen und Muskeln verlängert. Insgesamt kommt es in ca. 15 Prozent der Klumpfußbehandlungen zu einem operativen Eingriff.

Nachsorge in der Klumpfußtherapie

In der Nachsorge einer Klumpfußtherapie kommt der Physiotherapie eine besondere Rolle zu. Sie hilft, Muskeln und Sehnen dauerhaft zu dehnen sowie Schonhaltungen zu meiden und Fehlhaltungen zu korrigieren.

Zur Nachsorge gehört mitunter auch, orthopädische Schuhe oder Einlagen individuell anzupassen und diese dann auch konsequent zu tragen.

Prognose

Je früher und je konsequenter Klumpfüße behandelt werden, umso besser sind die Heilungsaussichten. In der Regel können Kinder mit angeborenen Fußfehlstellungen nach der Therapie ein weitegehend normales Leben führen. Allerdings sind die Füße mitunter nicht so stark belastbar bzw. funktional, dass sie Höchstbelastungen standhalten. Nicht jedem Kind mit erfolgreich behandelten Klumpfüßen steht beispielsweise eine Karriere als Tänzer oder Leistungssportler offen.

Mitunter kann es vorkommen, dass Klumpfüße nach einer ungenügenden Korrektur im Kindesalter später erneut auftreten (rezidivieren). Dann hilft meistens nur noch eine Operation, um eine bestmögliche Fußstellung zu erreichen.

Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung von Klumpfüßen ist nicht möglich.

Um angeborene Klumpfüße zu vermeiden, sollte in der Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäurezufuhr geachtet werden. Zudem sollten Schwangere keine Folsäure-Antagonisten wie Aminopterin oder Methotrexat erhalten.

Autor: Charly Kahle

Stand: 18.04.2018