Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom)

Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom) ist die häufigste Krebsart im Rachenraum und betrifft vor allem Männer. Hier lesen Sie alles Wissenswerte über Symptome, Ursachen, Behandlung, Prognose und Vorbeugung von Kehlkopfkrebs.

Synonyme

Larynxkarzinom, Larynxtumor, Kehlkopftumor

Definition

Kehlkopfkrebs

Mediziner bezeichnen Kehlkopfkrebs als Larynxkarzinom. Kehlkopfkrebs ist der häufigste Krebs im Bereich von Rachen und Hals. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Insgesamt gehört Kehlkopfkrebs zu den seltenen Krebserkrankungen (1 bis 2 Prozent aller bösartigen Tumoren). Sein Anteil an den krebsbedingten Sterbefällen bei Frauen beträgt nur etwa 1 Prozent (Männer: 1,5 Prozent).

Bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie ist die Prognose im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen durchaus günstig. Fünf Jahre nach Diagnosestellung (5-Jahre-Überlebensrate) leben 60 Prozent der betroffenen Menschen. In den östlichen Bundesländern verlaufen Larynxkarzinome allerdings deutlich häufiger tödlich als im Westen.

Die ersten Symptome von Kehlkopfkrebs sind meist uncharakteristisch. Die Erkrankung beginnt häufig mit Halsschmerzen und Heiserkeit sowie einem Fremdkörpergefühl im Hals (sogenanntes Globusgefühl). Diese untypischen Symptome tragen dazu bei, dass Larynxkarzinome mitunter erst spät entdeckt werden. Ohne frühzeitige Diagnose aber droht ein schwerer Verlauf, der mit dem Verlust der Stimme oder dem Tod einhergehen kann.

Als wichtigste Ursachen von Kehlkopfkrebs gelten Rauchen und Alkoholgenuss. Auch Luftschadstoffe können den Tumor begünstigen. Noch nicht endgültig geklärt ist, ob Infektionen mit dem Humanen Papillomvirus (HPV) ebenfalls das Kehlkopfkrebsrisiko erhöhen.

Die Behandlung von Kehlkopfkrebs erfolgt durch eine Kombination von operativem Eingriff und anschließender Chemo- und/oder Strahlentherapie.

Häufigkeit

Kehlkopfkrebs ist der häufigste Tumor im Halsbereich. Im „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland 2016“ wird die Häufigkeit mit 3.520 Neuerkrankungen im Jahr 2013 angegeben. Die überwiegende Mehrheit (2.990) der Betroffenen ist männlich. Bei Frauen liegt das Durchschnittsalter zu Erkrankungsbeginn mit 63 Jahren etwas niedriger als bei Männern (66 Jahre).

Symptome

Die Symptome von Kehlkopfkrebs entwickeln sich mitunter langsam über einen Zeitraum von Wochen oder Monaten. Zu den ersten spürbaren Anzeichen gehören Halsschmerzen, Heiserkeit oder ein Fremdkörpergefühl im Hals (inkl. Räusperzwang). Später stellen sich häufig Schluckbeschwerden und Atemnot sowie eine raue Stimme ein.

Halten diese Symptome ohne erkennbar harmlose Ursache über mehr als 2 Wochen an, sollte das dringend untersucht werden. Ein HNO-Arzt kann eine mögliche Kehlkopfkrebserkrankung leicht ausschließen.

Formen von Kehlkopfkrebs

Die Symptome von Kehlkopfkrebs variieren leicht, je nachdem in welchem Bereich des Kehlkopfes der Tumor beginnt. Die häufigste Form ist der Glottis-Tumor. Bei diesem Tumor setzen die Symptome in der Regel recht früh an. Die Glottis ist der Bereich des Kehlkopfes mit der Stimmritze und den Stimmlippen, die umgangssprachlich als Stimmbänder bezeichnet werden. Über den Stimmlippen liegt der Kehldeckel, also die Supraglottis bzw. Epiglottis, darunter die Subglottis. Auch in diesen Bereichen kann Kehlkopfkrebs seinen Anfang nehmen. Dann sind die Symptome in aller Regel aber schwächer ausgeprägt als beim Glottis-Tumor. Beim sehr seltenen transglottischen Kehlkopftumor ist der gesamte Kehlkopfbereich betroffen. Die Symptome reichen dann von Heiserkeit über Stimmverlust bis zur Atemnot.

Stadien von Kehlkopfkrebs

Mediziner unterscheiden den Verlauf von Kehlkopfkrebs in eine Vielzahl von Stadien. Zu den wichtigsten gehören:

  • T1: Der Tumor beeinträchtigt die Beweglichkeit der Stimmlippen noch nicht.
  • T2: Der Tumor ist so weit gewachsen, dass er die Beweglichkeit der Stimmlippen bereits einschränkt.
  • T3: Der Tumor ist noch nicht über den Kehlkopf hinaus gewuchert, aber die Stimmlippen sind schon unbeweglich.
  • T4: Der Tumor hat auch andere Strukturen im Mund-Hals-Rachenraum gestreut (Schilddrüse, Luftröhre, Hals)
  • N1 bis N3: Es haben sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Lymphbahnen gebildet.
  • M1: Der Krebs hat auf andere innere Organe übergegriffen.

Ursachen

Die Ursachen von Kehlkopfkrebs sind nicht eindeutig geklärt. Es gibt aber sehr plausible und statistisch nachweisbare Ursachen. Am deutlichsten ist der Zusammenhang bei Rauchern und Menschen mit Alkoholabhängigkeit oder kritischem Alkoholkonsum. Sie stellen die Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit Kehlkopfkrebs.

Zu den weiteren Risikofaktoren werden Schadstoffbelastungen der Atemluft gezählt. Dabei geht es nicht um Feinstaubbelastungen oder Ähnliches, sondern um Schadstoffe am Arbeitsplatz. Typische Beispiele dafür sind Arsen Asbest, Chrom, Nickel und sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Eine mögliche andere Ursache von Kehlkopfkrebs sorgt in regelmäßigen Abständen immer wieder für Schlagzeilen wie „Kehlkopfkrebs durch Oralsex“. In den Berichten ist zu lesen, dass humane Papillomviren Kehlkopfkrebs auslösen. Tatsächlich können diese Viren beim Küssen oder beim Oralsex übertragen werden. Ob sie aber wirklich für Kehlkopfkrebs verantwortlich gemacht werden können, ist bislang nicht bewiesen. Der Nachweis dürfte auch sehr schwerfallen, da nahezu alle sexuell aktiven Menschen mit den HP-Viren infiziert sind.

Untersuchung

Wichtigste Untersuchung beim Verdacht auf Kehlkopfkrebs ist die sogenannte Laryngoskopie. Hier gibt es zwei Verfahren: die indirekte und die direkte Kehlkopfspiegelung.

Bei der indirekten Kehlkopfspiegelung betrachtet der Arzt den Stimmapparat bzw. die Glottis über einen Spiegel und eine Vergrößerungsoptik. Bei dieser relativ schmerzfreien Untersuchung lassen sich Tumoren in sehr vielen Fällen schon gut erkennen.

Eine kleine Probe von auffälligen Zellwucherungen (Biopsie) erfolgt bei einer direkten Laryngoskopie. Diese Untersuchung ist deutlich aufwendiger und erfolgt in der Regel unter Vollnarkose. Die bei der Biopsie gewonnene Probe wird anschließend histologisch untersucht. Das heißt, man bestimmt im Labor, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Tumor handelt.

Zu den weiteren Untersuchungsmethoden bei Kehlkopfkrebs gehören bildgebende Verfahren. Ultraschall (Sonografie), Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Halses dienen dazu, Ausmaß und Lage von Tumoren und möglichen Metastasen genau zu bestimmen.

Auch durch Blutuntersuchungen lassen sich Hinweise auf einen Tumor durch den Nachweis von spezifischen Tumormarkern bestätigen.

Behandlung

Die Behandlung von Kehlkopfkrebs hängt ganz wesentlich davon ab, wie weit der Tumor fortgeschritten ist.

Frühe Kehlkopfkrebsoperationen

In frühen Stadien ist es häufig möglich, Kehlkopfkrebs sehr schonend zu operieren. Diese minimal-invasiven chirurgischen Eingriffe erfolgen über den Mund. Dabei wird der Tumor mit einem Skalpell oder einem Laser Schicht für Schicht abgetragen. In der Regel lässt es sich nicht vermeiden, auch einen Teil des Kehlkopfes zu entfernen. Dennoch bleibt nach diesen frühen Kehlkopfkrebsoperationen die Funktionalität in der Regel voll erhalten. Das bedeutet, nach der OP können die Patienten normal atmen und sprechen.

Laryngektomie

Bei ungünstig gelegenen oder fortgeschritten Tumoren ist ein schonender Eingriff oft nicht mehr möglich. Dann müssen Teile oder der gesamte Kehlkopf entfernt werden. Mediziner bezeichnen das als Laryngektomie. Die Laryngektomie bedeutet immer auch den Verlust von Geruchssinn und der natürlichen Stimme. Mithilfe bestimmter Stimmtechniken und Stimmprothesen kann aber sichergestellt werden, dass die Betroffenen sich weiter verständlich machen können.

Unter besonders ungünstigen Umständen geht mit der Laryngektomie die Fähigkeit verloren, normal den Mund oder die Nase zu atmen. In solchen Fällen schaffen Chirurgen eine künstliche Atemöffnung.

Chemo- und Strahlentherapie

Die Notwendigkeit einer Chemo- oder Strahlentherapie hängt unter anderem davon ab, ob ein Kehlkopftumor beispielsweise die Lymphbahnen infiltriert hat oder ob sich Metastasen in anderen Geweben gebildet haben. Bei sehr kleinen und früh diagnostizierten Kehlkopftumoren kann eine Bestrahlung (meist in Verbindung mit einer Chemotherapie) schon ausreichen, den Krebs zu beseitigen.

Prognose

Die allgemeine Prognose bei Kehlkopfkrebs ist vergleichsweise gut, wenn der Krebs früh erkannt wird. Die beste Prognose hat das Stimmlippenkarzinom. Larynxkarzinome machen nur 1 Prozent (Frauen) beziehungsweise 1,5 Prozent (Männer) der krebsbedingten Sterbefälle aus. Die 5-Jahre-Überlebensrate beträgt mehr als 60 Prozent.

Die individuelle Prognose hängt sehr stark davon ab, wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist. Wenn Larynxkarzinome in die Lymphbahnen oder andere Organe gestreut haben, liegt die Sterberate deutlich höher.

Kehlkopfkrebs gehört zu den Karzinomen, die wiederholt auftreten. Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten mit Larynxkarzinom kommt der Tumor wieder. Etwa 90 Prozent dieser Rezidive ereignen sich in den ersten zwei Jahren nach dem ersten therapeutischen Eingriff.

Vorbeugung

Einer Krebserkrankung lässt sich nicht sicher vorbeugen. Das gilt auch für Kehlkopfkrebs. Allerdings lassen sich die Risiken deutlich reduzieren. Nichtrauchen und maßvoller Konsum von Alkohol (vorzugsweise kein Alkohol) senken das Kehlkopfkrebsrisiko sowie das Erkrankungsrisiko insgesamt.

Eine Infektion mit dem humanen Papillomvirus lässt sich durch eine HPV-Schutzimpfung senken.

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