Katzenbiss

Ein Katzenbiss ist nicht nur häufig schmerzhaft, sondern sollte sicherheitshalber ärztlich untersucht und behandelt werden. Warum? Das lesen Sie im Krankheitsbild Katzenbiss.

Definition

Katzenbiss an der Hand

Einen Katzenbiss halten die meisten Menschen für harmlos. Und tatsächlich: In vielen Fällen verheilt die Wunde innerhalb von wenigen Tagen von selbst. Es bleibt aber eine große Menge an Katzenbissen, die nicht schnell verheilen. Nicht selten erleiden Katzenhalter nach einem vermeintlich harmlosen Biss schwerwiegende Komplikationen. Das sind vor allem Folgen von Wundinfektionen. An erster Stelle ist hier der Wundstarrkrampf (Tetanus) zu nennen. Bei streunenden Katzen besteht auch die Gefahr einer Tollwutinfektion (Rabies).

Was viele Haustierhalter nicht wissen: Ganz alltägliche Katzenbisse sind deutlich gefährlicher als Hundebisse. Hunde beißen häufiger. Und gefährliche Hunde fügen Menschen mitunter sehr schwere Verletzungen zu. Alltägliche oberflächliche Hundebisse aber verheilen fast immer von selbst. Katzenbisse hingegen sind wegen der spitzen scharfen Katzenzähne meist tief. Bei einem Biss übertragen Katzen häufig Bakterien bis in tiefe Hautschichten. Dort lösen die Bakterien mitunter schwere Wundinfektionen aus. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis).

Wegen dieser Risiken sollten Katzenbisse sicherheitshalber immer ärztlich untersucht werden. Das gilt insbesondere, wenn eine Katzenbisswunde Anzeichen für eine Entzündung zeigt. Das sind beispielsweise Rötungen, Schwellungen, Flüssigkeitsabsonderungen oder zunehmende Schmerzen.

Mit einer gründlichen Wundreinigung und einer antibiotischen Therapie nach Bedarf lassen sich Katzenbisse und ihre Folgen zuverlässig erfolgreich behandeln.

Häufigkeit

Über die Häufigkeit von Katzenbissen gibt es für Deutschland keine genauen Zahlen. Nach Angaben der deutschen Haftpflichtversicherer werden pro Jahr etwa 30.000 Tierbisse bei den Versicherern gemeldet. Man geht dabei davon aus, dass nur etwa 20 Prozent der Hunde- oder Katzenbisse offiziell werden. Hoch gerechnet kann man also von etwa 150.000 Bissverletzungen pro Jahr ausgehen. Hundebisse sind amerikanischen Studien zufolge etwa fünf Mal so häufig wie Katzenbisse. Rechnet man dieses Verhältnis auf Deutschland um, kommt man auf ca. 30.000 Katzenbisse im Jahr.

Wie viele von diesen Katzenbissen ärztlich untersucht werden, lässt sich nicht sagen. Man weiß aus Studien, dass zwischen 20 und 50 Prozent der bei einem Mediziner vorgestellten Katzenbisse mit einer Wundinfektion einhergehen.

Symptome

Charakteristisches Symptom eines Katzenbisses sind die sehr kleinen und vergleichsweise tief reichenden Verletzungen durch die spitzen scharfen Katzenzähne. In der Regel sind ernste Katzenbisse sehr schmerzhaft. Besonders häufig betroffen sind Hände, Arme, Gesicht und Beine. Insbesondere an den Händen und im Gesicht reichen Katzenbisse bis auf Gelenke oder Knochen. Zuweilen verletzen oder durchtrennen sie Sehnen oder Bänder.

Komplikationen von Katzenbissen

Wenn mit dem Katzenbiss Bakterien oder andere Erreger in die Bisswunde gelangen, kommt es häufig innerhalb von Stunden zu einer Infektion. Symptome einer Katzenbissentzündung sind Rötungen, Schwellungen oder zunehmende Schmerzen. Absonderungen von Eiter oder blutiger Gewebsflüssigkeit sowie Fieber oder geschwollene Lymphbahnen sind Anzeichen für eine fortgeschrittene Wundinfektion oder eines Abszesses. Solche Entzündungen müssen dringend behandelt werden, da die Infektion sich sonst auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Im schlimmsten Fall droht eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis).

Besonders komplikationsbehaftet sind Bisse im Bereich von Sehnenscheiden und Gelenken sowie Nervenbahnen. Katzenbisse in die Hand oder die Handgelenke führen nicht selten zu akuten Gelenkentzündungen (Arthritis) oder Knochenmarksentzündungen (Osteomyelitis). Auch bleibende nervale Schäden mit Funktionsausfällen der Finger sind möglich.

Infektion mit Capnocytophaga canimorsus

Im Maul von vielen Hunden und Katzen findet sich das grampositive Bakterium Capnocytophaga canimorsus. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (Kranke, Alter, Säuglinge) kann dieses Bakterium innerhalb von Stunden lebensgefährliche Komplikationen verursachen. Das sind vor allem Blutvergiftung (Sepsis), Hirnhautentzündung (Meningitis) und Herzinnenhautentzündungen (Endokarditis).

Schock

Katzenallergiker sowie entsprechend empfindliche Menschen geraten durch einen Katzenbiss mitunter in einen lebensgefährlichen Schockzustand. Der Schock ist ein medizinischer Notfall. Wenn Menschen nach einem Katzenbiss das Bewusstsein verlieren, die Haut besonders blass wird oder die Gebissenen über Frösteln oder Herzrasen berichten, sollte der Notarzt gerufen werden.

Ursachen

Die Ursachen für den Katzenbiss selbst sind meist offenkundig. Aber warum sind Katzenbisse so viel gefährlicher als beispielsweise Hundebisse?

Bei allen Bissen, ob von Mensch, Hund, Katze oder anderen Haustieren, werden Keime übertragen. Denn die Schleimhaut der Mundhöhle ist bei allen Tieren mit unzähligen Bakterien besiedelt. In der Regel nisten Bakterien auch zwischen und auf den Zähnen.

Bei Bissen werden in etwa 85 Prozent der Fälle potenziell krankmachende (pathogene) Bakterien übertragen. Bakterien, die tatsächlich Infektionen verursachen, sind vor allem Staphylokokken (Aureus und Intermedius), Streptokokken und Capnocytophaga canimorsus. Aus der Gruppe der anaeroben Keime sind vor allem Bacteroides und Clostridien zu nennen.

Tetanusbakterien werden bei den meisten Tierbissen ebenfalls übertragen. Sie lösen aber sehr oft keinen Wundstarrkrampf aus, da die meisten Menschen in Deutschland mit einer Tetanusschutzimpfung versorgt sind.

Bei Bissen von Haustieren spielen die viralen Erreger von Tollwut (Rabies) in Deutschland fast keine Rolle. In Tollwutgebieten sowie auf Reisen können Katzen aber durch aus mit dem Virus infiziert sein.

Besondere Risikofaktoren

Besondere Risikofaktoren für Komplikationen nach einem Katzenbiss stellen Erkrankungen des Stoffwechselsystems wie Diabetes oder Leberentzündungen dar. Auch eine Therapie mit Kortikoiden begünstigt schwere Verläufe von katzenbissbedingten Wundinfektionen.

Untersuchung

Der beste Ansprechpartner für die Untersuchung eines Katzenbisses ist Ihr Hausarzt, bei Kindern auch der Kinderarzt. Die Untersuchung beginnt mit einer gründlichen Inspektion der Bisswunde. Bei Anzeichen für eine Wundinfektion kann es notwendig sein, einen Abstrich zu nehmen, um den Erreger der Entzündung in einer labormedizinischen Untersuchung zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung eines Katzenbisses besteht zunächst darin, die Wunde gründlich zu reinigen und mit Jod- oder Kochsalzlösung zu spülen. Danach wird die Wunde steril abgedeckt. Je nach Tiefe und Lokalisation des Bisses kann es notwendig sein, das betroffene Gebiet ruhig zu stellen. Genäht werden Katzenbisswunden in aller Regel zunächst nicht. Denn das Verschließen der Wunde würde die Überlebenschancen von anaeroben Bakterien in tiefen Wundregionen begünstigen. Zudem verschließen sich Wunden im Zuge der normalen Wundheilung ohnehin von selbst.

Medikamentöse Therapie nach Katzenbissen

Bei Anzeichen für eine bakterielle Infektion werden in der medikamentösen Behandlung von Katzenbissen üblicherweise Antibiotika-Kombinationen wie Aminopenicillin plus einem Betalaktamase-Inhibitor, Piperacillin-Tazobactam und Cefotaxim plus Metronidazol angewendet. Von Monotherapien mit beispielsweise Clindamycin, Erythromycin, Flucloxacillin oder Cephalosporinen (1. Generation) ist eher abzuraten, da möglicherweise nicht alle Krankheitserreger erfasst werden.

Bei Verdacht auf eine Tollwutinfektion muss so schnell wie möglich eine gezielte Therapie einsetzen. Wenn die sogenannte Postexpositionsprophylaxe nicht spätestens sieben Tage nach der Infektion beginnt, ist die ohnehin kleine Überlebenschance bei Tollwut nur noch sehr gering.

Bei nicht vollständigem Tetanusimpfschutz gehören Komplettierung oder Auffrischung der Impfung gegen Wundstarrkrampf ebenfalls zur Behandlung von Katzenbissverletzungen.

Prognose

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle verursachen Katzenbisse bleibende Schäden nur in Form von kleinen Narben. Ernste Komplikationen sind selten. Dennoch ist das Risiko groß genug, um eine ärztliche Untersuchung von Katzenbissen dringend zu empfehlen.

Katzenbisse sind eindeutig gefährlicher als oberflächliche Bissverletzungen durch Hunde, Nager oder andere Haustiere.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Komplikationen nach einem Katzenbiss (und anderen Wundinfektionen) ist die Impfung gegen Wundstarrkrampf dringend zu empfehlen. Die Tetanusimpfung kann Ihr Leben oder das Ihrer Kinder retten.

Auch gegen Tollwut kann man sich impfen lassen. Die Ständige Impfkommission des RKI hält eine vorbeugende Impfung aber für nicht notwendig, da Tollwut in Deutschland praktisch nicht vorkommt. Die Tollwutimpfung kommt demnach nur für Menschen infrage, bei denen ein Kontakt mit dem Virus überdurchschnittlich wahrscheinlich ist. Das kann unter besonders ungünstigen Umständen beispielsweise der Fall sein, Menschen häufig Kontakt zu streunenden oder importierten Katzen haben.

Autor: Charly Kahle

Stand: 12.09.2018

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