Synonyme

Encephalitis japonica, Japan-B-Enzephalitis

Definition

Die Virusinfektion Japanische Enzephalitis ist eine Form der Gehirnentzündung (Enzephalitis). Die Krankheit ist – anders als es der Name vermuten lässt - nicht nur in Japan, sondern auch in vielen anderen asiatischen Ländern verbreitet. Tatsächlich ist die Infektionsrate infolge der Durchimpfung von Haustieren in Japan selbst sogar stark zurückgegangen.

Häufigkeit

Gegenwärtig kommt die Infektion in vielen Ländern Asiens vor. Betroffen sind vor allem ländliche und Stadtrandgebiete in Burma, Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam, Nord-Thailand und Süd-China. Pro Jahr erkranken 35.000 bis 50.000 Menschen, vor allem Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Mehr als 10.000 von ihnen versterben an der Japanischen Enzephalitis. Die Dunkelziffer nicht erfasster Krankheits- und Todesfälle liegt vermutlich aber noch weitaus höher.

Virus breitet sich über Asien hinweg aus

Mittlerweile ist die Japanische Enzephalitis nicht mehr alleine auf Asien begrenzt. Immer wieder gibt es Berichte über Fälle an der Nordspitze Australiens im nördlichen Queensland. Dafür verantwortlich gemacht werden insbesondere Zugvögel, die zunehmende Erderwärmung und der Schmuggel von Tieren und Tierprodukten.

Infektionsrisiko für Urlauber sehr gering

Für Touristen wird das Infektionsrisiko im Allgemeinen als nicht sehr hoch bewertet. Es steigt jedoch bei längeren Aufenthalten in gefährdeten Gebieten, insbesondere zu Beginn und am Ende der Regenzeit sowie bei Aufenthalten in unmittelbarer Nähe großer Reisfelder und Schweinezuchtanlagen.

Symptome

In den meisten Fällen verläuft die Japanische Enzephalitis mild und macht kaum oder sogar keine Beschwerden. Viele Erwachsene sind nach durchgemachter Infektion in Kindertagen immun gegen die Erkrankung. Aber: Eine von 250 infizierten Personen erkrankt schwer.

Nach einer Inkubationszeit (Zeit der Ansteckung bis zum ersten Symptom) von 5 bis 15 Tagen steigt die Körpertemperatur rasant an. Das hohe Fieber wird oft von Schüttelfrost begleitet. Dazu kommen allgemeine Schwäche, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Gelangen die Viren ins Gehirn, kommt es schon bald zu Krampfanfällen, Verwirrtheit, Lähmungen und Bewusstseinseintrübungen bis hin zum Bewusstseinsverlust (Koma).

Schätzungen zufolge verläuft jede 3. JE-Gehirnentzündung tödlich. Etwa ein Drittel der Erkrankten, die einen schweren Verlauf überleben, muss mit bleibenden neurologischen und/oder psychischen Schäden leben. Einige Quellen geben die Häufigkeit der bleibenden Schäden sogar mit 50 Prozent an.

Ursachen

Auslöser der Japanischen Enzephalitis ist das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV). Es gehört wie der Erreger von Gelbfieber und Dengue-Fieber zur Gruppe der Flaviviren. Mücken übertragen das Virus von Tieren, häufig Haustieren wie Schweinen oder Pferden, über einen Stich auf den Menschen. Häufig mit JEV infiziert sind Mücken der Gattung Culex tritaeniorhynchus (Reisfeldmücke), Culex vishnui und Culex annulus. Diese Stechmücken sind vor allem abend- und nachtaktiv. Deshalb sollten Schlafstätten in asiatischen Reisegebieten immer von einem Moskitonetz umspannt sein.

Untersuchung

Die Diagnose Japanische Enzephalitis ist selbst zu Beginn eines schweren Verlaufs nicht auf Anhieb zu stellen. Denn die Symptome alleine erlauben oft keine schlüssige Erklärung. Umso wichtiger ist es, dass Urlauber ihrem Arzt von etwaigen Auslandsaufenthalten berichten. Diese Information kann der Schlüssel zur Diagnose sein.

Labormedizinische Untersuchungen können die Verdachtsdiagnose Japanische Enzephalitis bestätigen. Die JE-Viren sind allerdings nur in der ersten Woche nachweisbar. Ab der 2. Woche sichert ein Antikörper-Nachweis die Diagnose. Blutbilder, bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) untermauern die Diagnose.

Behandlung

Bislang gibt es noch keine ursächliche (kausale) Therapie gegen Japanische Enzephalitis. Die Behandlung bleibt darauf beschränkt, Symptome wie Schmerzen zu lindern und das Fieber zu senken.

Bei schweren Verläufen wird es nicht selten unumgänglich, Herz- und Kreislauf medikamentös zu stärken oder die Atmung zu unterstützen. Manchmal muss der Hirndruck gesenkt werden. Das geschieht medikamentös, mittels Lumbalpunktion (Absaugen von Liquor aus dem Rückenmarkskanal) oder über eine spezielle Drainage.

Im schlimmsten Fall werden Teile des Schädeldachs entfernt (Dekompressionskraniektomie), um das Gehirn von erhöhtem Druck zu entlasten. Der Knochendeckel wird aufbewahrt und später wieder eingesetzt.

Prognose

In den allermeisten Fällen verläuft die Japanische Enzephalitis mild und heilt folgenlos ab. Eine von 250 infizierten Personen allerdings erkrankt schwer. Dann verstirbt etwa ein Drittel der Patienten an der durch das Virus verursachten Gehirnentzündung tödlich. Etwa ein Drittel der Überlebenden mit Gehirnentzündung muss mit bleibenden neurologischen und/oder psychischen Schäden leben.

Vorbeugung

Die wichtigste Schutzmaßnahme gegen Japanische Enzephalitis ist konsequenter Mückenschutz, vor allem in Dämmerung und Nacht. Mückennetze, lange Kleidung und Antimückenmittel (Repellenzien) machen es den Mücken schwer, die Viren über einen Stich weiter zu geben.

Impfung gegen Japanische Enzephalitis

Die zweite wichtige Schutzmaßnahme ist die Impfung gegen Japanische Enzephalitis. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert-Koch-Institut (RKI) empfehlen Asien-Reisenden, die Schutzimpfung nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in Betracht zu ziehen. Sinnvoll erscheint die Impfung vor allem, wenn ein Aufenthalt in Endemie/Epidemiegebieten – insbesondere auf dem Land – geplant ist. Das gilt vor allem für die Regenzeit, in der die Mücken besonders zahlreich sind. Zu den potenziellen Endemiegebieten gehören Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Nors- und Südkorea, Laos, Myanmar, Nepal, Teile Ozeaniens, die Philippinen, das Indusdelta Pakistans, Sri Lanka, Taiwan und Vietnam.

Totimpfstoff gegen Japanische Enzephalitis

Seit 2009 gibt es in den USA und Europa einen neuen Totimpfstoff. Das Impfserum ist unter dem Handelsnamen IXIARO erhältlich. Neu an dem Impfstoff ist, dass der Impfvirus auf Verozellen (Nierenzellen von Grünen Meerkatzen) gezüchtet wird. Für frühere Impfstoffe wurden die Viren in Mäusegehirnen heranzogen. Darauf führt man zurück, dass alte JEV-Impfstoffe nicht selten neurologische und allergische Beschwerden verursachten. IXIARO ist laut Liste des Paul-Ehrlich Institutes gegenwärtig der einzige in Deutschland zugelassene Impfstoff zur Vorbeugung von japanischer Enzephalitis.

Nach der Impfung bildet das Immunsystem Antikörper gegen die JE-Viren. Die Schutzwirkung liegt nach vollständiger Grundimmunisierung bei mehr als 95 Prozent. Wie lange die Impfung Schutz bietet, ist bislang noch nicht bekannt. Die WHO empfiehlt, nach 1 bis 2 Jahren aufzufrischen.

Grundimmunisierung eine Woche vor Reise

IXIARO ist für Erwachsene, Jugendliche, Kinder und Säuglinge ab vollendetem 2. Lebensmonat zugelassen. Er wird vorzugsweise in die Muskulatur von Oberarm oder Oberschenkel injiziert. Der Impfschutz wird nach zwei Impfungen erreicht. Die 2. Impfung erfolgt 4 Wochen nach der ersten. Diese Grundimmunisierung sollte mindestens eine Woche vor einem möglichen Kontakt mit den JE-Viren abgeschlossen sein, also wenigstens eine Woche vor einer Reise in betroffene Gebiete.

Quellen

Paul Ehrlich Institut: Japanische Enzephalitis-Impfstoffe, https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/japanische-enzephalitis/japanische-enzephalitis-node.html

Autor: Charly Kahle

Stand: 24.06.2019