Hydrozele Wasserbruch

Eltern kennen den Begriff Hydrozele öfter als Nicht-Eltern. Denn der sogenannte Wasserbruch tritt vor allem als Entwicklungsstörung bei männlichen Neugeborenen auf. Allerdings kann es auch Erwachsene treffen. Mehr über Symptome, Ursache und Behandlung von Hydrozelen.

Synonyme

Wasserbruch, Hydrocele testis

Definition

Hydrozele Wasserbruch

Hydrozele ist der medizinische Fachausdruck für den sogenannten Wasserbruch. Und was ist eine Hydrozele? Beim Wasserbrauch sammelt sich Flüssigkeit in einem oder beiden Hodensäcke, um den Nebenhoden oder am Samenstrang. Sicht- und tastbar wird eine Hydrozele durch mehr oder minder große Schwellungen der Hoden. Diese Schwellungen sind das auffälligste Symptom des Wasserbruchs. Krankheitszeichen wie Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit sind die Ausnahme.

Die überwiegende Mehrheit der Hydrozelen ist angeboren. Ursache ist eine unvollständig abgeschlossene Hodensenkung während der Schwangerschaft. Wasserbrüche bei Männern sind in  der Regel durch Entzündungen oder Verletzungen und Erkrankungen wie Hodentorsion oder Leistenbrüche verursacht.

In den meisten Fällen bildet sich eine angeborene (primäre) Hydrozele während des ersten Lebensjahres folgenlos zurück. Wenn Hydrozelen Beschwerden verursachen, lassen sie sich durch einen chirurgischen Eingriff korrigieren.

Formen der Hydrozele

Je nachdem, an welchem Ort sich die Flüssigkeit sammelt, werden Hydrozelen in die folgenden Formen unterschieden:

  • Hydrozele testis: Flüssigkeit sammelt sich um einen oder beide Hoden
  • Hydrozele funiculi: Flüssigkeit sammelt sich zwischen Hautschichten entlang des Samenstranges
  • Hydrozele vaginalis communicans: Flüssigkeit sammelt sich zwischen Hautschichten entlang des Samenstranges und gelangt dabei bis in den Unterbauch
  • Hydrozele multilocularis: Vollbild der Erkrankung mit allen genannten Symptomen.

Eine Hydrozele mit Einblutungen bezeichnen Mediziner als Hämatozele.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Neuerkrankungen für Hydrozelen wird in der Literatur mit 6 Fällen auf 100 Neugeborene (Jahresinzidenz) angegeben. Insgesamt sind bis zu 2 Prozent aller neugeborenen Jungen betroffen. Dabei sind Hydrozellen bei Frühgeburten deutlich häufiger als bei Jungen, die ausgereift auf die Welt kommen.

Über die Häufigkeit von Wasserbrüchen bei Männern finden sich keine detaillierten Angaben. In der internationalen Klassifikation der Erkrankungen (ICD) werden Hydrozelen unter der Ziffer ICD-10 N43 mit Spermatozelen zusammengefasst. Diese Nebenhodenzysten treten bei etwa 10 Prozent aller erwachsenen Männer im Laufe des Lebens auf.

Symptome

Auffälligstes Symptom von Hydrozelen sind ein- oder beidseitige Schwellungen des Hodensacks. Die Flüssigkeitsansammlungen sind im Skrotum leicht tastbar. Meistens fühlen sie sich wie ein prall gefüllter kleiner Ballon mit elastischer Oberfläche an.

Hydrozelen können so groß werden, dass sie Beweglichkeit einschränken (vor allem beim Gehen) oder das Tragen von weiten Hosen erfordern. Auch große Wasserbruche verursachen in der Regel keine Schmerzen.

Angeborenen Hydrozelen sind häufig nur sicht- oder tastbar, wenn die Kinder stehen. Der Grund: Die Flüssigkeit aus dem Hodensack läuft im Liegen in eine Gewebehöhle im Unterbauch (siehe auch Ursachen).

Ursachen

Ursachen angeborener Wasserbrüche (primäre Hydrozele)

Primäre Hydrozelen sind Folge einer kindlichen Entwicklungsstörung im Mutterleib oder einer frühkindlichen Entwicklungsverzögerung. Meist aufgrund von Frühgeburten wird der Prozess der vorgeburtlichen (pränatalen) oder der frühkindlichen Hodensenkung nicht vollständig abgeschlossen.

Während der Schwangerschaft beziehungsweise in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt, gleiten die kindlichen Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack. Dabei passieren sie den sogenannten Processus vaginalis peritonei. Das ist ein Teil des Bauchfells, der sich nach der Geburt normalerweise von selbst schließt bzw. bis auf einen kleinen Rest von selbst zurückbildet. Bei angeborenen Wasserbrüchen ist dieser Prozess in aller Regel nicht vollständig abgeschlossen. Über den unvollständig verschlossenen Processus vaginalis peritonei kann nun Gewebeflüssigkeit aus dem Bauchraum in den Hodensack gelangen und dort die Schwellungen verursachen.

Bei Neugeborenen oder Säuglingen mit einem gänzlich offenen Processus vaginalis peritonei kommt es nicht nur häufiger zu Hydrozelen, sondern auch zu Leistenbrüchen.

Ursachen erworbener Wasserbrüche (sekundäre Hydrozele)

Erworbene Wasserbrüche werden vor allem durch Verletzungen und Erkrankungen verursacht. Dazu zählen:

  • Traumata wie Schläge, Tritte oder Quetschungen
  • Verletzungen wie Leistenbruch oder Hodentorsion
  • Erkrankungen wie Hodenentzündungen, Nebenhodenentzündungen oder Tumoren.

Untersuchung

Angeborene Hydrozelen fallen vor allem bei der nachgeburtlichen Erstuntersuchung oder im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchungen von Neugeborenen und Säuglingen auf. Männer entdecken erworbene Wasserbrüche in der Regel eher zufällig bei einer Selbstuntersuchung.

Ob beim Kinderarzt oder beim Urologen: Die diagnostische Untersuchung beginnt mit einer Tastuntersuchung des Hodens. Bei einem auffälligen Befund folgt meist die Sonografie. Mit der Ultraschalluntersuchung lassen sich die Flüssigkeitsansammlungen oft ausreichend genau darstellen. Ist das nicht der Fall, kann die Magnetresonanztomografie (MRT) infrage kommen.

Zuweilen wenden vor allem ältere Mediziner die sogenannte Diaphanoskopie an. Bei dieser Untersuchung wird der Hodensack in einem abgedunkelten Raum mit einer Taschenlampe durchleuchtet. Flüssigkeitsansammlungen sind bei dieser Untersuchung daran zu erkennen, dass sie heller erscheinen. Wegen des vergleichsweise geringen Erkenntnisgewinns kommt die Diaphanoskopie immer mehr aus der Mode.

Insbesondere bei erworbenen Hydrozelen zielen weitere Untersuchungen darauf ab, den Wasserbruch von anderen Krankheitsbildern wie Tumoren oder Leistenbrüchen abzugrenzen.

Behandlung

Wenn Hydrozelen keine Beschwerden verursachen, brauchen sie keine Behandlung. Ohnehin werden angeborene Wasserbrüche normalerweise erst mit Beginn des 3. Lebensjahres oder noch später operiert. Der Grund dafür: In den ersten 3 Lebensjahren verschließt sich der Processus vaginalis peritonei in den allermeisten Fällen von selbst und die Hydrozelen bilden sich von alleine zurück. Zudem besteht keine Gefahr, dass sich Hydrozelen bei normalgroßen Hoden bösartig verändern. Die Notwendigkeit für eine Operation besteht nur dann, wenn die Hydrozelen sehr groß werden oder die Rückbildung des Processus ausbleibt.

Sekundäre Hydrozelen werden in den meisten Fällen operiert, insbesondere, wenn sie als Folge von Verletzungen oder Tumoren auftreten. Zuweilen wartet man mit der Operation aber auch ab, bis verursachende Erkrankungen wie Hoden- oder Nebenhodenentzündungen abgeklungen sind.
Die Operationsverfahren hängen von Ursache, Größe und Lage der Hydrozelen ab. Angeborene Wasserbrüche bei Kindern werden meist über einen kleinen Leistenschnitt und die Verbindung zum Processus vaginalis peritonei geschlossen.

Sekundäre Hydrozelen erfordern in aller Regel einen kleinen Schnitt in den Hodensack. Durch die Öffnung wird die Flüssigkeitsansammlung dann drainiert. Eine weitere Möglichkeit ist die operative Freilegung des Wasserbruchs. Je nach Operationstechnik werden die Hydrozelenwände anschließend umgeschlagen und vernäht oder abgetragen.

Hydrozelenpunktion ist veraltet

Ältere Männer kennen möglicherweise die Behandlungsmethode der Hydrozelenpunktion. Bei diesem Verfahren wird eine Hohlnadel durch den Hodensack in die Flüssigkeitsblase geführt und die Flüssigkeit abgesaugt. Bei diesem Verfahren besteht ein hohes Risiko für Infektionen. Deswegen wird es heutzutage in Deutschland nicht mehr angewendet.

Prognose

Angeborene Hydrozelen heilen in aller Regel folgenlos aus. Auch nach einem operativen Eingriff sind keine Komplikationen zu erwarten.

Die Heilungsaussichten bei sekundären Hydrozelen sind insgesamt ebenfalls sehr gut. Nach einer Operation kommt es nur selten zu einem Rezidiv, also einem erneuten Wasserbruch.

Dauerhaft unbehandelte große Hydrozelen erhöhen das Risiko für indirekte Leistenbrüche, Zeugungsunfähigkeit und Hodentorsionen.

Vorbeugung

Angeborenen Hydrozelen lässt sich nicht vorbeugen. Erworbene Wasserbrüche lassen sich mitunter vermeiden. Das gilt beispielsweise für Sportarten, bei denen die männlichen Genitalien potenziell verletzt werden. Aus gutem Grund schützen sich sowohl Balletttänzer wie auch viele Boxer, Handballer oder Footballspieler mit einem Suspensorium.

Autor: Charly Kahle

Stand: 05.10.2017

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