Hodenhochstand

Beim Hodenhochstand können sich die Hoden im Bauchraum oder Leistenkanal befinden. Entweder stecken sie dort fest oder gleiten und pendeln zwischen Leistenkanal und Hodensack hin und her. Mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung von Hodenhochstand.

Synonyme

Maldescensus Testis

Definition

Hodenhochstand

Hodenhochstand (Maldescensus Testis) ist eine meist harmlose Entwicklungsstörung von männlichen Neugeborenen. Bei etwa 4 % aller termingerecht geborenen Jungen (bei Frühgeborenen deutlich mehr) sind einer oder beide Hoden nicht wie gewöhnlich in den Hodensack gewandert. Stattdessen verblieben sie im Leistenkanal oder im Bauchraum.

Eine Behandlung von Hodenhochstand ist nicht sofort zwingend notwendig. Bei vielen Jungen senkt sich der Hoden während der ersten sechs Lebensmonate von selbst in die richtige Position. Spätestens bis zum 1. Lebensjahr sollten sie sich aber im Hodensack befinden. Ansonsten sind bleibende Funktionsstörungen des Hodens (zum Beispiel Unfruchtbarkeit) und ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs, Leistenbrüche oder Hodentorsionen (Drehung von Hoden und Samenstrang) möglich.

Formen von Hodenhochstand

Beim Ungeborenen entwickeln sich die Hoden in der Bauchhöhle. Während der normalen Entwicklung des Embryos wandern die Hoden dann durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bleiben Sie jedoch im Bauchraum, sprechen Mediziner von Bauchhoden (oder Kryptorchismus; kryptos = verborgen). Hängen die Hoden im Leistenkanal fest, nennt man das Leistenhoden. Zudem gibt es sogenannte Gleithoden und Pendelhoden. Gleithoden können durch Druck in den Hodensack geschoben werden, gleiten aber aufgrund eines zu kurzen Samenstrangs von selbst wieder zurück in den Leistenkanal. Pendelhoden (Wanderhoden) werden durch bestimmte Situationen (wie sexuelle Erregung oder Kälte) durch den Hodenhebermuskel Richtung Leistenkanal gezogen, senken sich jedoch von selbst wieder zurück in den Hodensack.

Symptome

Bei Hodenhochstand ist der Hoden nicht im Hodensack tastbar.

Ursachen

Die Ursachen der fehlenden Wanderung des Hodens in den Hodensack sind bislang noch nicht ausreichend erforscht. Möglicherweise fördern andere anatomische und hormonelle Fehlbildungen diese Entwicklungsverzögerung.

Untersuchung

Die Diagnose Hodenhochstand ist anhand des fehlenden Hodens im Hodensack leicht zu stellen. Wo die Hoden liegen, wird durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), Computertomographie (CT) oder endoskopische Bauchspiegelung (Laparoskopie) ermittelt.

Behandlung

Die Behandlung von Hodenhochstand muss nicht unbedingt sofort nach der Geburt erfolgen. Mitunter wandert der Hoden in den ersten sechs Lebensmonaten von selbst in den Hodensack. Nach aktueller Lehrmeinung (Februar 2013) sollte der Hoden jedoch spätestens bis zum 1. Lebensjahr seine normale Position erreicht haben und die Therapie abgeschlossen sein. Als Behandlung stehen dem Arzt zwei Optionen zur Verfügung, eine Hormontherapie und die Operation.

Hormontherapie von Hodenhochstand

Zunächst wird bei Hodenhochstand üblicherweise eine hormonelle Therapie versucht. Mit dieser Behandlungsmethode soll die spontane Wanderung des Hodens in den Hodensack und die Reifung der Keimzellen angeregt werden. Mittel der Wahl sind Choriongonadotropin (Human Chorionic Gonadotropin, kurz HCG) und/oder Gonadotropinrealisinghormone (kurz GnRH, zum Beispiel Gonadorelin). Eine Hormontherapie ist in mehr als 60 % der Fälle erfolgreich. Mitunter kommt es jedoch zu einem erneuten Hodenhochstand. Deshalb ist es wichtig, den Hoden bis zur Pubertät regelmäßig ärztlich untersuchen zu lassen.

Hodenhochstand-OP

Ist die hormonelle Therapie nicht erfolgreich, folgt die operative Behandlung. Bei der Hodenhochstand-OP werden die Hoden operativ im Hodensack fixiert (sogenannte Orchidopexie). Nach der Operation sind ebenfalls regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen der Hoden zu empfehlen.

Selbsthilfe

Bei Hodenhochstand sind keine Selbstmaßnahmen anzuraten. Versuchen Sie keinesfalls, mit Gewalt (Druck oder Zug), den Hoden in die richtige Position zu bringen!

Vorbeugung

Hodenhochstand kann nicht vorgebeugt werden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 03.04.2016

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