Hodenentzündung (Orchitis)

Hodenentzündungen sind überaus schmerzhaft und können Komplikationen bis hin zur Zeugungsunfähigkeit verursachen. Hier erfahren Sie mehr zu Symptomen, Ursache, Behandlung und Vorbeugung einer Hodenentzündung.

Synonyme

Orchitis

Definition

Hodenentzündung

Orchitis ist der medizinische Fachausdruck für Hodenentzündung. Orchitiden sind virale oder bakterielle Infektionen der Hoden. Virale Hodenentzündungen treten vor allem bei Jungen auf. Bakterielle Entzündungen der Hoden sind hingegen vor allem bei Männern verbreitet.

Unabhängig von der Ursache sind die überaus unangenehmen Symptome: Bei einer Hodenentzündung schwellen einer oder beide Hoden stark an. Schon die kleinste Berührung oder Bewegung verursacht starke Schmerzen. Bei einem komplizierten Verlauf können die Hoden sogar absterben oder so starken Schaden nehmen, dass die Zeugungsfähigkeit gefährdet ist.

Bakterielle Hodenentzündungen treten meist in Kombination mit Nebenhodenentzündungen auf. Virale Hodenentzündungen bei Jungen sind meistens Folge einer Mumpsinfektion. Es kommen aber auch andere Infektionskrankheiten als Ursache infrage.

Bakteriell bedingte Hodenentzündungen werden mit Antibiotika behandelt. Die Therapie von viral bedingter Orchitis hingegen muss sich darauf beschränken, die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu bekämpfen.

Den besten Schutz vor Hodenentzündungen bieten Impfungen (beispielsweise gegen Mumps) sowie der Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr.

Häufigkeit

Genaue Zahlen über die Häufigkeit von Orchitiden gibt es nicht.

Hodenentzündungen bei Jungen gelten als sehr selten. Schmerzhafte Hodenschwellungen bei Kindern werden in der Regel durch eine Hodentorsion (Verdrehung der Hoden) verursacht.

Wenn Männer nach der Pubertät an Mumps erkranken, entwickelt sich bei bis zu 30 Prozent eine Hodenentzündung. In etwa einem Drittel dieser Fälle sind beide Hoden entzündet.

Symptome

Bei Hodenentzündung schwellen einer oder beide Hoden schnell an. Die Hodenschwellung geht mit starken Schmerzen einher. Die Hoden sind überaus druckempfindlich. In der Regel ist der Hodensack deutlich gerötet und glänzend. Blutspuren im Urin oder der Samenflüssigkeit sind weitere Symptome von Orchitis. Zudem kommt es oft zu Schmerzen beim Wasserlassen oder sogar zu einem Harnverhalt.

Neben diesen spezifischen Symptomen der Hodenentzündung können sich allgemeine Beschwerden wie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und Gliederschmerzen einstellen.

Bei viralen Hodenentzündungen beginnen die Symptome in der Regel 4 bis 5 Tage nach Auftreten der Grunderkrankung. Ähnliches gilt nach bakteriellen Harnwegsinfekten. Hodenentzündungen treten aber auch ohne vorangehende Erkrankungen und infolge von Autoimmunerkrankungen auf (siehe Ursachen).

Die wohl am meisten gefürchtete Folge von Hodenentzündungen sind Beeinträchtigungen der Zeugungsfähigkeit. Die treten vor allem auf, wenn es im Verlauf der Erkrankung zu Komplikationen kommt.

Komplikationen

Komplikationen von Hodenentzündungen sind selten. Zuweilen greift eine Orchitis auf die Nebenhoden über. In der Regel ist es aber umgekehrt: Nebenhodenentzündungen sind eine häufige Ursache von Orchitis.

Im Verlauf von bakteriellen Hodenentzündungen - insbesondere infolge von sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis und Tripper (Gonorrhoe) - kommt es selten zur Bildung von Eiterabkapselungen (Abszessen) in den Hodenhüllen. Diese Abszesse drücken auf die geschwollenen Hoden und erhöhen so das Risiko, dass Hodengewebe abstirbt. In der Folge kann es auch zu einer Verkleinerung der Keimdrüsen kommen (Hodenatrophie). Und die wiederum kann die Zeugungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen. Das gilt umso mehr, wenn beide Hoden von der Hodenentzündung betroffen sind.

Einen Zusammenhang zwischen Hodenentzündungen und einem erhöhten Risiko für Hodenkrebs hat man bislang nicht nachweisen können.

Ursachen

Hodenentzündungen werden durch Infektionen verursacht. Erreger der Infektion sind Viren oder Bakterien, selten auch Pilze und Parasiten (zum Beispiel Plasmodien als Auslöser von Malaria). Am häufigsten greifen Nebenhodenentzündungen auf die Hoden über.

Ursache viraler Hodenentzündungen

In den meisten Fällen werden einfache Hodenentzündungen durch Mumpsviren verursacht. Das gilt sowohl für Jungen wie für Männer. Aber auch andere Virusinfektionen kommen in Betracht. Das sind vor allem Grippe (Influenza-Virus), Pfeiffersches Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) oder Windpocken und Gürtelrose (Varizella-Virus).

Ursache bakterieller Hodenentzündungen

Bakterielle Hodenentzündungen gehen in der Regel auf Bakterien zurück, die über die Harnwege bis in die Hoden aufsteigen. Das gilt beispielsweise für die bakteriellen Erreger von Harnröhrenentzündungen (Urethritis) oder Prostataentzündungen (Prostatitis). Eine weitere wichtige Ursache sind sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis oder Tripper (Gonorrhoe) zurück.

Bei Kindern sind mitunter die Erreger von Scharlach (A-Streptokokken) sowie Pneumokokken oder Salmonellen Ursache von Hodenentzündungen.

Nichtinfektiöse Ursachen

Nicht immer sind Krankheitserreger für eine Orchitis verantwortlich. Zu den nichtinfektiösen Ursachen einer Hodenentzündung zählen Verletzungen, Quetschungen und Unfälle (traumatisch bedingte Orchitis) sowie ein überschießendes Immunsystem (autoimmunbedingte Orchitis). In seltenen Fällen wird auch gar keine Ursache gefunden. Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen Orchitis.

Untersuchung

Die Verdachtsdiagnose Hodenentzündung stellen Kinderärzte oder Urologen anhand der sicht- und tastbaren Schwellungen sowie der Schmerzen.

Ein positives Prehn-Zeichen kann die Verdachtsdiagnose erhärten. Dabei liegt der Patient entspannt auf der Untersuchungsliege und der Arzt hebt den betroffenen Hoden an. Nehmen die Schmerzen beim Anheben des Hodens ab, ist das Prehn-Zeichen positiv. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung. Nehmen die Schmerzen beim Anheben des Hodens zu oder verändern sich nicht, ist das Prehn-Zeichen negativ. Ein negatives Prehn-Zeichen weist auf eine Hodentorsion hin.

Sicheren Aufschluss bringt in aller Regel aber erst eine Ultraschalluntersuchung. Mit einer Sonografie (meist Farbdopplersonografie) lässt sich die Hodenentzündung nachweisen und gleichzeitig eine Hodentorsion als Ursache der Beschwerden ausschließen. Blut- und Urinuntersuchungen dienen vor allem dazu, bakterielle Erreger zu bestimmen.

Behandlung

Viral bedingte Hodenentzündungen lassen sich nicht kausal medikamentös behandeln. Es gibt keine Wirkstoffe, die die auslösenden Viren effektiv bekämpfen könnten. Bei bakterieller Orchitis ist eine kausale Therapie mit Antibiotika hingegen möglich und sinnvoll. Je nach Art des Bakteriums kommt eine Vielzahl von Wirkstoffen in Betracht. Häufig werden aber auch ohne Bestimmung der Erreger Breitbandantibiotika wie Ceftriaxon und Doxycyclin eingesetzt.

Symptome lindern

Hodenentzündungen klingen in der Regel innerhalb von 7 bis 8 Tagen ab. Vor allem in den ersten Tagen zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern. Dabei helfen einfache entzündungslindernde Medikamente mit Diclofenac oder Ibuprofen. Bei ausgeprägten Entzündungen kommen auch Meloxicam und Phenylbutazon in Betracht. Schmerzmittel wie Paracetamol und Metamizol können die symptomatische Therapie ergänzen.

Vor allem aber kommt es darauf an, den überaus druckempfindlichen Hoden zu schonen und zu schützen. Um die Hoden hoch zu lagern, gibt es im Sanitärfachhandel Suspensorien. Viele Männer empfinden es zudem als sehr schmerzlindernd, den Intimbereich zu kühlen. Eisbeutel sollten aber nie direkt auf die Haut gelegt werden, sondern in ein Tuch eingeschlagen werden. In den ersten Tagen kann bei schweren Hodenentzündungen, insbesondere bei Fieber und Schüttelfrost, auch Bettruhe sinnvoll sein.

Operation

In sehr seltenen Fällen, beispielsweise bei großen Abszessen, sind Operationen nicht zu vermeiden.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach einer Hodenentzündung sind insgesamt als sehr gut zu bewerten. In den meisten Fällen sind Orchitiden innerhalb einer Woche überstanden. Die Komplikationsrate mit Einschränkungen oder Verlust der Zeugungsfähigkeit ist – von der Mumps-Orchitis einmal abgesehen - sehr gering. Wenn es aber zu einer Hodenatrophie gekommen ist, ist das nicht mehr rückgängig zu machen.

Vorbeugung

Den häufigsten Ursachen von Hodenentzündungen lässt sich leicht vorbeugen. Den größten Nutzen bietet die Mumpsimpfung. Sie schützt Jungen wie Männer gleichermaßen zuverlässig vor einem der häufigsten viralen Erreger der Hodenentzündung, den Mumpsviren.

Sexuell aktive Männer können sich mit Kondomen effektiv vor Harnwegsinfektionen und sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhoe (Tripper) oder Lues (Syphilis) schützen – und so das Risiko von Hodenentzündungen erheblich senken.

Schließlich trägt auch die Vorbeugung von Prostataentzündungen zum Schutz vor Orchitis bei. Daher sollten Männer spätestens ab dem 40. Lebensjahr die Prostata alle 2 bis 3 Jahre untersuchen lassen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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