Herzinfarkt

Der Herzinfarkt gilt vielen Menschen auch heute noch als tödliche Bedrohung für gestresste Männer mittleren Alters. Tatsächlich sind Herzinfarkte bei Frauen mindestens ebenso häufig wie bei Männern. Hier finden Sie Informationen über Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Herzinfarkt.

Synonyme

Myokardinfarkt

Definition

Krankenhausaufenthalt älterer Dame

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt oder AMI für acute myocardial infarcation) wird Herzmuskelgewebe aufgrund von verschlossenen Herzkranzgefäßen nicht mehr ausreichend versorgt und stirbt ab. Je nachdem, an welcher Stelle sich der Infarkt befindet und wie groß das betroffene Areal ist, sind unterschiedlich schwere Schäden bis hin zum Tod möglich. Hierzulande erleiden jährlich etwa 280.000 Menschen einen Herzinfarkt.

Anzeichen von Herzinfarkt

Die Anzeichen von Herzinfarkt sind vielfältig, aber dennoch typisch. Zwei wichtige und hinweisgebende Anzeichen von Herzinfarkt sind:

  • länger als 5 Minuten anhaltende linksseitige, stärkste Brustschmerzen, die bis in den Hals oder den Arm ausstrahlen können
  • ein mehr als 5 Minuten anhaltendes Brennen hinter dem Brustbein. Im Gegensatz zur Angina pectoris (eine durch Sauerstoffmangel vermittelte Brustenge) bessern sich die Schmerzen nicht durch die Gabe von Nitroglyzerin. Wenn Ihr Nitrospray also nicht wirkt, alarmieren Sie bitte umgehend einen Rettungswagen.

Gefahr der „stummen Infarkte“

Ein Herzinfarkt wird nicht immer als imposantes Ereignis wahrgenommen. Frauen und ältere Personen haben oft weniger ausgeprägte Beschwerden. Bei Menschen mit Diabetes (Zuckerkrankheit) beispielsweise können Infarkte auch ganz ohne oder nur mit minimalen Beschwerden verlaufen. Diese Herzinfarkte werden „stumme Infarkte“ genannt. Dabei besteht die große Gefahr, dass der ernste Zustand nicht als solcher erkannt wird. Das kann zu schweren Folgen, bis hin zum plötzlichen Herztod, führen.

Komplikationen nach Herzinfarkten

Bei oder nach einem Herzinfarkt kommt es häufig zu – auch lebensgefährlichen – Herzrhythmusstörungen. Eine sehr gefürchtete Komplikation ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Kammerflimmern. Diese Rhythmusstörung ist unter anderem durch fehlenden Puls zu erkennen und sollte durch sofortige lebensrettende Maßnahmen (unverzügliche Herzdruckmassage und Defibrillation) behandelt werden. Ausgeprägte Herzinfarkte führen zu folgenden Erkrankungen:

  • Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Herzbeutelentzündungen (Perikarditis)
  • krankhafte Aussackung von Arterien (Aneurysmen)
  • Einrisse der Herzkammer bzw. Herzwand im Infarktbereich (Ventrikel- oder Septumruptur)
  • Herzklappenfehler (wie eine Mitralklappeninsuffizienz).

Symptome

Beim Herzinfarkt können in jedem Bereich des Brustkorbs (auch rechtsseitig) sowie in Hals, Schulter, Ober- und Unterbauch sowie im Rücken auftreten. Die Patienten sind oft blass und kaltschweißig und haben Todesangst. Typische Begleiterscheinungen des Herzinfarkts sind weiterhin:

  • Engegefühl in der Brust („wie zugeschnürt“ oder „als ob jemand auf der Brust sitzt“)
  • Schwäche/Erschöpfung
  • Atemnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • spürbarer, schneller und/oder unregelmäßiger Herzschlag (Herzstolpern)
  • Kreislauf-Kollaps
  • Bewusstlosigkeit.

Ursachen

Bei einem Herzinfarkt stirbt Herzmuskelgewebe infolge von Gefäßverschlüssen ab. Zugrunde liegt meist eine langjährige Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit, KHK). Ablagerungen in den Gefäßwänden verengen die herzmuskelversorgenden Gefäße und beeinträchtigen so den Blutfluss zum Herzmuskel. Ist das zuführende Gefäß komplett verstopft, stirbt dahinterliegendes Herzmuskelgewebe ab – das nennen Mediziner Herzinfarkt. Die sklerotisch veränderten Herzkranzgefäße können auch einreißen und in die Gefäßinnenwand einbluten. Als körpereigener Reparaturmechanismus werden Blutgerinnsel gebildet, die aber mitunter das Herzkranzgefäß verstopfen. So werden bestimmte Abschnitte im Herzmuskel nicht mehr mit Blut versorgt – Herzmuskelgewebe stirbt ab, ein Herzinfarkt entsteht.

Seltene Ursachen von Herzinfarkt

Selten führen Gefäßentzündungen (Vaskulitiden), lang anhaltende Verkrampfungen der Herzkranzgefäße (Prinzmetal-Angina), eingeschwemmte Blutgerinnsel infolge einer Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), Blutungen oder Tumore zum Herzinfarkt.

Risikofaktoren bei Herzinfarkt

Das Herzinfarkt-Risiko steigt mit zunehmendem Alter an. Altersunabhängige Risikofaktoren sind zum Beispiel die familiäre Belastung sowie Stress und Wut. Im Jahre 2006 zeigte eine Studie, dass zum Beispiel die emotionale Belastung bei einem Fußballspiel während der Weltmeisterschaft, das Risiko für einen Herzinfarkt erheblich steigerte. Andere Risikofaktoren bei Herzinfarkt sind:

  • Rauchen ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen, z.B. erhöhter Cholesterinspiegel
  • Diabetes
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • erhöhter Homocysteinspiegel im Blut (Hyperhomocysteinämie)
  • niedriger Blutspiegel des Vitamins D3
  • Menschen mit Blutgruppe AB.

Untersuchung

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wird der Notarzt noch vor Beginn der eigentlichen Behandlung sofort ein Elektrokardiogramm (EKG) schreiben. Darauf sieht er in den allermeisten Fällen schon typische Infarktzeichen. Im Krankenhaus, ideal ist ein spezialisiertes Herz-Zentrum, wird Blut abgenommen. Im Herzkatheterlabor ermittelt der Arzt mittels Herzkatheter-Untersuchung den Sitz und das Ausmaß des Infarktes. Zudem ist es ihm mithilfe des Katheters möglich, den Verschluss direkt zu behandeln.

Behandlung

Die bevorzugte Methode zur schnellen Behandlung eines Herzinfarktes ist die sogenannte Ballondilatation. Dabei wird über den Katheter ein Ballon in den verstopften Bereich gebracht und aufgeblasen. Dadurch öffnet sich das Gefäß wieder. In der Regel setzen die Ärzte dann noch eine Gefäßstütze (Stent) ein. Diese sorgt dafür, dass das Gefäß dauerhaft offen bleibt.

Lyse bei Herzinfarkt

Eine andere Behandlungsmöglichkeit ist die Lyse. Innerhalb der „goldenen Stunde“ (der ersten Stunde nach Absterben des Gewebes) kann der Gefäßverschluss fast vollständig rückgängig gemacht werden. Bei der Lyse eingesetzte Medikamente bestehen aus Enzymen, die Blutgerinnsel abbauen können oder aus Stoffen, die ein körpereigenes Abbauenzym aktivieren. Mit beiden Methoden wird das Blutgefäß wieder durchlässig und der Blutfluss somit wiederhergestellt. Je früher lysiert wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten der Behandlung des Herzinfarkts.

Weitere medikamentöse Therapie

Die weitere medikamentöse Therapie des Herzinfarktes hat drei Ziele:

  • eine möglichst optimale Sauerstoffversorgung des Herzens gewährleisten
  • Schmerzen lindern
  • weitere Blutgerinnselbildung vermeiden.

Nachbehandlung des Herzinfarkts

Nach einem Herzinfarkt müssen die meisten Patienten lebenslang Medikamente einnehmen. So wird Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche sowie erneuten Herzinfarkten vorbeugt. Dabei werden typischerweise folgende Medikamente verordnet:

  • zur Blutplättchenhemmung: Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor
  • zur Vorbeugung von Herzrhythmusstörungen: Betablocker, wie Metoprolol, Propranolol oder Pindolol
  • zur Senkung des Cholesterinspiegels: Statine wie Atorvastatin, Cerivastatin, Fluvastatin und Pravastatin)
  • um die unerwünschten Umbauprozesse des Herzmuskels zu bremsen und die Prognose nach einem Infarkt zu bessern: ACE-Hemmer, wie Captopril, Enalapril, Lisinopril und Ramipril.

Vorbeugung

Mit einfachen Verhaltensregeln können Sie das Herzinfarkt-Risiko verringern.

  • Fangen Sie nicht mit dem Rauchen an oder geben Sie das Rauchen auf. Ihre Krankenkasse informiert Sie gern und ausführlich über Raucherentwöhnungsprogramme in Ihrer Nähe.
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht und nehmen Sie bei Übergewicht ab.
  • Achten Sie auf eine ausgeglichene Lebensweise mit genügend Bewegung und frischer, gesunder sowie ausgewogener Ernährung.
  • Ernähren Sie sich fettarm und tauschen Sie ungesunde Trans-Fette gegen einfach- und mehrfach ungesättigte Fette aus. Greifen Sie beispielsweise zu Raps- oder Distelöl.
  • behandeln bzw. vermeiden Sie Fettstoffwechselstörungen
  • Reduzieren Sie Stress und starke Anspannung und erlernen Sie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai Chi.
  • Als Diabetiker sollten Sie auf die gute Einstellung Ihrer Blutzuckerwerte achten.
  • Bluthochdruck-Patienten müssen Ihre Medikamente gewissenhaft einnehmen.
  • Bei Koronarer Herzkrankheit (KHK) lassen Sie Ihr Herz regelmäßig untersuchen

Autor: Charly Kahle

Stand: 03.04.2014

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