Haarprobleme

Haare haben keine lebenswichtige Funktion, besitzen aber, da sie unser Erscheinungsbild stark beeinflussen, große Bedeutung für die meisten Menschen. Haarprobleme, wie fettiges Haar oder Haarausfall, führen daher häufig zu einer seelischen Belastung. Im Ratgeber Haarprobleme erfahren Sie mehr über die Ursachen und die Therapie von Haarausfall.

Definition

Haarausfall Bürste

Die häufigsten Haarprobleme sind zu trockenes oder zu fettiges Haar, Kopfschuppen und Haarausfall. Zu trockene Haare und zu fettige Haare lassen sich mit den entsprechenden Shampoos, Spülungen und Kuren etwas beeinflussen. Tägliche Kopfwäsche mit geeigneten Shampoos schadet dem Haar in der Regel nicht; nur bei fettigem Haar eher weniger waschen, da durch das Waschen die Talgdrüsen zur Produktion von Fett angeregt werden. Wichtig ist, dass das Haar anschließend stets gut mit klarem Wasser ausgespült und nicht zu heiß geföhnt wird. Auch Kopfschuppen sind meist nur ein kosmetisches Problem. Es können jedoch auch eine Schuppenflechte, ein Ekzem oder eine Pilzinfektion dahinterstecken. Spezielle Schuppenshampoos oder Antipilzmittel (Antimykotika) können hier helfen.

Die Anzahl der Kopfhaare variiert zwischen ca. 90.000 und 150.000 und ist abhängig von der Haarfarbe. Rothaarige haben die wenigsten Haare. Ein Haar wächst etwa 0,4 mm pro Tag und bleibt etwa 3-6 Jahre auf dem Kopf. Dabei ist es ca. 3 Jahre in der Wachstumszeit und kommt dann in eine Übergangsphase von 1-2 Wochen. Schließlich tritt das Haar für 3-6 Monate in die Ruhephase ein, bevor es ausgestoßen und durch ein neues ersetzt wird. Schädigungen können die Wachstumsphase verkürzen und zum verfrühten Übergang in die Ruhephase führen. Diese verläuft dann wieder normal, so dass 3-4 Monate später der Haarausfall auftritt, der auf die vorangegangene Schädigung hinweisen kann. Täglich dürfen bis zu 100 Haare ausfallen.

Etwa ab dem 25. Lebensjahr beginnt das Haar zu verdünnen. Es fallen mehr Haare aus als nachwachsen. Man spricht erst bei einem Verlust von über 100 Haaren pro Tag von Haarausfall. Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall, die meisten Formen sind nicht erblich, sondern erworben.

Ursachen

Haarausfall kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Ein natürlicher Altersvorgang, der bei Männern meist im 3. und 4. Lebensjahrzehnt einsetzt und bis zur Glatze führen kann. Bei Frauen ist der Haarausfall weniger ausgeprägt und setzt meist im 5. Lebensjahrzehnt ein. Beginn und Intensität sind erblich bedingt.
  • Bei Frauen Verdünnung der Haare durch die Hormonumstellung, z.B. in den Wechseljahren, nach der Geburt eines Kindes oder nach dem Absetzen der Antibabypille. In der Schwangerschaft oder während der Einnahme der Antibabypille nimmt die Haardichte häufig zu.
  • Mechanische Beanspruchung (z.B. streng abgebundene Haare) oder chemische Belastung (z.B. ständige Dauerwellen oder Färbungen).
  • Einnahme starker Medikamente zur Krebstherapie (Chemotherapie) oder Bestrahlung.
  • Schwere Allgemeinerkrankungen wie Lebererkrankungen, HIV-Infektion.
  • Hormonelle Störungen wie Schilddrüsen- oder Nebennierenerkrankungen, Diabetes.
  • Erkrankungen der Kopfhaut
  • Blutarmut
  • Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen (insbesondere Eisen) und Spurenelementen oder Aminosäuren.

Behandlung

Ärztliche Behandlung

Wenn Ihnen auffällig mehr Haare ausfallen als bisher und Sie die Ursache nicht kennen, sollten Sie einen Arzt kontaktieren. Auch ein kreisrunder Haarausfall sollte ärztlich untersucht werden.

Der Arzt kann folgende Behandlungsschritte in die Wege leiten:

  • Feststellen der Ursache des Haarausfalls und gegebenenfalls die Grundkrankheit behandeln.
  • Bei Frauen kann die Einnahme eines Hormonpräparates oder die Anwendung eines hormonhaltigen Haarwassers helfen.
  • Bei kreisrundem Haarausfall kann unter Umständen eine spezielle Reiztherapie oder die Gabe von Kortisonpräparaten helfen.
  • Die Verpflanzung von Haarinseln vom seitlich behaarten Kopf oder von anderen behaarten Körperregionen ist möglich.

Warnhinweise für Einnahme von Finasterid gegen Haarausfall

Fenasterid ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der 5-alpha-Reduktasehemmer. Vor einer Entscheidung für die Einnahme sollten Sie dringend mit Ihrem Arzt über die mitunter schweren Nebenwirkungen von Finasterid sprechen. Studien belegen Erektionsstörungen, Libidoverlust und Ejakulationsbeschwerden, die zuweilen Jahre anhalten.

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt in einem sogenannten Rote-Hand-Brief (siehe Studienlage), Patienten sollten vor der Einnahme von Finasterid auf die Möglichkeit von Stimmungsänderungen einschließlich depressiver Verstimmung, Depression und Suizidgedanken hingewiesen werden. Die Europäische Arzneimittelagentur hat zudem bewirkt, dass Angst als neue Nebenwirkung von Finasterid in der Packungsbeilage erwähnt werden muss.

Gegen Haarausfall bei Männern empfehlen sich Präparate mit dem Wirkstoff Finasterid, die - frühzeitig eingenommen - den erblich bedingten Haarausfall stoppen können. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob dieses Mittel für Sie geeignet ist. Frauen dürfen dieses Medikament allerdings nicht einnehmen, da es bei ihnen zu schweren Nebenwirkungen führen kann.

Selbsthilfe bei Haarausfall

Entgegen der häufigen Annahme können Haarwässer und Shampoos den Haarausfall nicht ursächlich behandeln. Auch die Häufigkeit des Waschens und Schneidens der Haare hat keinen Einfluss auf das Haarwachstum. Stattdessen können Sie durch die Einnahme von Präparaten, z.B. mit Hefe, Vitaminen, Mineralstoffen oder Aminosäuren das Haarwachstum unterstützen. Des Weiteren sollten Sie darauf achten, die Haare nicht durch mechanische und chemische Strapazen weiter zu schädigen.

Studienlage

  1. Studien: Persistent erectile dysfunction in men exposed to the 5α-reductase inhibitors, finasteride, or dutasteride: https://peerj.com/articles/3020/
  2. Rote-Hand-Brief zu Finasterid: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-finasterid.html

Autor: Anja Braunwarth, Ärztin, Christiane von der Eltz, Apothekerin; Dr. Regina Schick, Ärztin

Stand: 23.05.2019

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