Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Es gibt verschiedene Arten der Magenschleimhautentzündung, die sich in ihren Symptomen, Ursachen und den entsprechenden Therapiemaßnahmen unterscheiden. Hier finden Sie Informationen sowohl zur akuten als auch zur chronischen Gastritis.

Synonyme

Magenschleimhautentzündung, akute Magenschleimhautentzündung, chronische Magenschleimhautentzündung

Definition

Gastritis Chronisch

Gastritis ist der Fachausdruck für eine akute oder chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Die Magenschleimhaut ist stark durchblutet und wird durch eine Schleimschicht vor aggressiven Stoffen (wie der Magensäure) geschützt. Ist die Magenschleimhaut geschädigt oder geschwächt, kann sie verletzt werden und sich entzünden. Es kommt zu einer akuten Gastritis. Die chronische Gastritis verursacht häufig kaum Beschwerden, ist aber oft eine Vorstufe von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi). Auch das Risiko für ein Zwölffingerdarmgeschwür oder andere Tumoren im Magen oder Darm (zum Beispiel Darmkrebs) ist erhöht.

Symptome

Die Symptome unterscheiden sich je nach Art der Magenschleimhautentzündung.

Symptome der akuten Gastritis

  • plötzlich starke Magenschmerzen (auch ausstrahlend in den Rücken) oder Magenkrämpfe
  • Oberbauchbeschwerden (Kneifen, Ziehen, Druckgefühle)
  • Aufstoßen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, allgemeine Schwäche
  • belegte Zunge, evtl. Mundgeruch
  • gelegentlich Magenblutungen.

Symptome der chronischen Gastritis

  • oft ohne Symptome
  • Gelegentlich kommt es zu uncharakteristischen Oberbauchbeschwerden wie Blähungen, Aufstoßen oder Völlegefühl nach den Mahlzeiten.
  • bei Typ-A-Gastritis (siehe Ursachen) Schwäche, Kurzatmigkeit und Müdigkeit infolge Blutarmut.

Ursachen

Ursachen von akuter Gastritis

  • übermäßiger Genuss von Nikotin, Alkohol, Kaffee oder scharfem Essen
  • Einnahme oder Missbrauch von Medikamenten wie Schmerz- und Rheumamitteln (beispielsweise Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen), Kortison und Chemotherapeutika.
  • Stress oder andere psychische Belastungen
  • Verletzungen, Operationen, Verbrennungen, Unfälle, schwere Erkrankungen (zum Beispiel Herzinfarkt)
  • Strahlentherapie
  • Verätzungen durch Säure oder Laugen
  • Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.

Ursachen von chronischer Gastritis

Die Ursachen der chronischen Gastritis sind vielfältig. Mediziner unterscheiden chronische Gastritis vom Typ A, B, C, D und R.

  • Typ-A-Gastritis: Ursache nicht vollständig geklärt, Mediziner vermuten autoimmune Reaktionen. Demnach bildet das körpereigene Immunsystem Abwehrstoffe (Antikörper) gegen Magenschleimhautzellen (sogenannte Belegzellen). Die Belegzellen sterben ab und die Magensäureproduktion verringert sich. Die fehlende Magensäure bietet nun keinen Schutz mehr vor Krankheitserregern. Daraufhin wird verstärkt Gastrin ausgeschüttet, das die Säurebildung anregt. Zu viel Gastrin jedoch schädigt die Schleimhaut wiederum. Schlimmstenfalls kann es zu Magenkrebs kommen. Zudem produzieren Belegzellen den Intrinsic-Faktor, einen Stoff für die Aufnahme von Vitamin B12. Vitamin B12 wird für die Blutbildung benötigt. Ohne dieses Vitamin kommt es zu Blutarmut (sogenannte perniziöse Anämie).
  • Typ-B-Gastritis: Ursache ist eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori (85 % der Fälle). Wie die Ansteckung erfolgt, ist noch nicht geklärt. Häufig tritt die Typ-B-Gastritis am Anfang des Magenausgangs (Antrum) auf. Deshalb wird sie auch als Antrumgastritis bezeichnet.
  • Typ-C-Gastritis: Ursache sind chemisch-toxische Einflüsse auf die Magenschleimhaut. Magenreizende Stoffe sind zum Beispiel Medikamente wie Schmerzmittel, Rheumamittel, Kortison (siehe oben).
  • Typ-D-Gastritis: Unter diesem Typ werden diverse Ursachen zusammengefasst, die weder autoimmun, noch bakteriell oder toxisch-chemisch sind. Dazu gehören zum Beispiel eine Gastritis durch seltene Krankheitserreger, Polypen oder eine Harnvergiftung, die kollagene Gastritis (infolge Strukturveränderungen der Magenschleimhaut) sowie eine Gastritis im Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.
  • Typ-R-Gastritis: Ursache ist der Rückfluss von saurem Speisebrei aus dem Magen über die Speiseröhre.

Untersuchung

Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden sowie bei Erbrechen oder Blut im Stuhl sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine akute Gastritis oder chronische Gastritis zu erkennen und die entsprechende Behandlung von Gastritis in die Wege zu leiten.

Die Diagnose von Gastritis sichert Ihr Arzt in der Regel durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Bei dieser endoskopischen Untersuchung kann er über eine Kamera den Zustand der Magenschleimhaut beurteilen und nötigenfalls auch kleine Proben des Schleimhautgewebes nehmen. Im Labor lässt sich dann beispielsweise feststellen, um welche Form der Gastritis es sich handelt. Außerdem lassen sich Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre oder auch krankhafte Veränderungen der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse bei einer solchen Magenspiegelung erkennen. Eine ausführliche Beschreibung dieser diagnostischen Untersuchungsmethode finden Sie hier: Magenspiegelung.

Behandlung

Die ärztliche Behandlung von Gastritis richtet sich nach der Form der Magenschleimhautentzündung.

Therapie von akuter Gastritis

Zur Therapie von akuter Gastritis werden in der Regel Medikamente verwendet, die die Magensäureproduktion hemmen (sogenannte Antazida). Typische Wirkstoffe sind Algedrat, Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid und Magaldrat. Bei starken Blähungen und Völlegefühl hilft häufig Simeticon. Eine andere Gruppe von Wirkstoffen sind sogenannte Protonenpumpenhemmer. Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol zählen zu den meistverkauften Medikamenten in Deutschland. Nach Angaben des Arzneimittelreports der Barmer Krankenkasse bekamen 2018 fast 12 Millionen Deutsche Protonenpumpenhemmer verordnet. Darüber hinaus sind die Wirkstoffe Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol auch frei verkäuflich. Protonenpumpenhemmer sind nach Einschätzung der meisten Experten sehr wirkungsvolle Medikamente, die allerdings mit Bedacht eingesetzt werden sollten (siehe auch weiter unten: Magensäureblocker bergen Risiken).

Wenn sie magenreizende Medikamente nehmen müssen, können Sie mit dem Arzt eine Umstellung auf andere, magenschonende, Präparate besprechen.

Therapie von chronischer Gastritis

Bei einem Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori kommen zur Behandlung der chronischen Typ-B-Gastritis Antibiotika zum Einsatz. Typische Antibiotika zur Helicobacter-Bekämpfung sind Amoxicillin und Clarithromycin (alternativ Metronidazol) zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol. Ziel dieser Therapie ist, den Krankheitserreger komplett zu vernichten. Deshalb heißt diese medikamentöse Behandlung auch Eradikationstherapie. Weil immer drei Wirkstoffe kombiniert werden, ist sie auch unter dem Namen Trippeltherapie bekannt.

Außerdem kommen bei der chronischen Gastritis ebenfalls Antizida (siehe oben) und andere magensäurehemmende Medikamente zum Einsatz. Mittel der ersten Wahl sind sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol. Mittlerweile frei verkäuflich sind beispielsweise die Protonenpumpenhemmer Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol. Mittel der zweiten Wahl sind H2-Rezeptorenblocker wie Cimetidin, Famotidin und Ranitidin, die teilweise ebenfalls freiverkäuflich sind.

Im Falle einer Blutarmut bei der Typ-A-Gastritis (siehe Abschnitt Ursachen unter Gastritis) muss Vitamin B12 in Form von Injektionen zugefügt werden.

Lässt sich bei einer Typ-C-Gastritis die Einnahme von nicht-steroidalen Medikamenten nicht vermeiden, sollten gleichzeitig magenschützende Medikamente wie Ranitidin und Esomeprazol angewendet werden. Häufig werden auch Medikamente verschrieben, die die Magenbewegung anregen und so die Verdauung unterstützen. Dazu gehören vor allem die Prokinetika Domperidon und Metoclopramid.

Rückruf von Medikamenten mit Ranitidin

Zahlreiche Medikamente mit dem Wirkstoff Ranitidin dürfen seit September 2019 vorläufig nicht mehr verwendet werden. Eine aktuelle Liste der betroffenen Medikamente finden Sie hier: Rückruf Ranitidin-Arzneimittel wegen Nitrosamin-Verunreinigung. Ranitidin zählt zur Wirkstoffgruppe der H2-Antihistaminika und außerdem vor allem bei folgenden Krankheitsbildern angewendet:

Die Europäische Arzneimittelagentur hat den EU-weiten Rückruf angeordnet, weil bei einem Hersteller des Wirkstoffes in Indien (Saraca Laboratories Limited) Verunreinigungen nachgewiesen worden waren. Dabei handelt es nach Angaben des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) um N-Nitrosodimethylamin (NDMA). Diese Nitrosamine gelten als möglicherweise krebsauslösend.

2018 hatten NDMA-Verunreinigen bereits bei einer anderen Wirkstoffgruppe, den Sartanen, zu zahlreichen Rückrufen gesorgt. Inzwischen hat das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker 38 Präparate untersucht und für nicht kontaminiert erklärt.

Selbsthilfe bei Gastritis

Vor allem bei einer akuten Magenschleimhautentzündung können Sie selbst viel tun, um Selbsthilfe bei Gastritis zu leisten:

  • Die auslösende Ursache vermeiden: kein Alkohol oder Kaffee, nicht rauchen, keine scharfen Speisen, für Ruhe sorgen und Stress mindern
  • 1 bis 2 Tage Bettruhe halten
  • Fasten oder Schonkost beruhigen Magenschmerzen. Mehrere kleine Mahlzeiten sind besser als wenige große.
  • Tees, Tropfen oder Tabletten mit Kamille, Schafgarbenkraut oder Süßholzwurzel wirken entzündungshemmend und krampflösend. Auch Pfefferminztee oder schwarzer Tee wirken beruhigend auf den Magen.
  • Säurebindende Mittel mit Magnesium- und Aluminiumsalzen (siehe oben) schützen die erkrankte Schleimhaut und fördern so das Abheilen. Die Kautabletten oder Beutel mit Suspensionen sollten eine Stunde nach dem Essen und vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
  • Gegen Magenkrämpfe helfen krampflösende Medikamente, sog. Spasmolytika, beispielsweise mit Butylscopolamin in Form von Tabletten oder Zäpfchen.

Magensäureblocker bergen Risiken

Nierenschäden als Nebenwirkung

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern zählen Knochenschwund (Osteoporose) und Magnesiummangel mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und Krampfanfälle. Diese Nebenwirkungen sind mittlerweile durch eine ganze Reihe von Studien belegt. Noch schwerer wiegt mitunter, dass die Medikamente den natürlichen Regelkreislauf der Magensäureproduktion dauerhaft aus dem Takt bringen. Nach längerer Einnahme bleiben zwischen 14 bis 64 Prozent der Patienten dauerhaft auf die Medikamente angewiesen.

Zusammenhang von Protonenpumpenhemmern und Allergien möglich

Möglicherweise erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko für allergische Erkrankungen. Wissenschaftler der Universität Wien veröffentlichten inm Fachmagazin "Nature Communications" (August 2019) eine Studie (siehe Quellen), die zumindest einen auffälligen statistischen Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von Protonenpumpenhemmern und allergischen Erkrankungen herstellt. Die Wissenschaftler hatten Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit für die Verschreibung von antiallergischen Medikamenten um bis zu 300 Prozent steigt, wenn zuvor Magensäureblocker verschrieben worden waren. Das bedeutet nicht zwingend, dass Protonenpumpenhemmer tatsächlich Allergien auslösen oder begünstigen. Der Zusammenhang ist nach Einschätzung der Studienautoren aber nicht von der Hand zu weisen und lege nahe, Magensäureblocker nur sehr dosiert einzusetzen.

Anders bewertet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten das Studienergebnis. Die Fachgesellschaft sieht laut Pressemitteilung keinen „evidenten Zusammenhang zwischen Magensäureblockern und Allergien“. Eine entsprechende Bewertung gebe das Design der österreichischen Studie nicht her.

Vorbeugung

Durch eine frische, abwechslungsreiche und fettarme Ernährung können Sie zahlreichen Magen-Darmbeschwerden vorbeugen, so auch einer Gastritis. Zudem profitiert die Magenschleimhaut, wenn Sie Alkohol, Nikotin und Kaffee sowie saure und scharf gewürzte Speisen nur in Maßen genießen. Vielen Rauchern ist nicht bewusst, dass Tabakrauch auch dem Magen schadet. Eine Gastritis dürfen Raucher gerne als warnendes Signal verstehen und mit dem Rauchen aufhören.

Studienlage

Studie zu Protonenpumpenhemmern und Allergie: Country-wide medical records infer increased allergy risk of gastric acid inhibition: https://www.nature.com/articles/s41467-019-10914-6

Autor: Charly Kahle

Stand: 07.10.2019

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