Synonyme

FSME, Frühsommer-Meningoenzephalitis

Definition

FSME Zecke

FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Hirnhautentzündung, die von Zecken übertragen wird. In den meisten Fällen bleibt FSME ohne Folgen, es sind aber auch anhaltende Lähmungen möglich. Selten kommt es bei Komplikationen zu Todesfällen. Die Vermeidung von Zeckenstichen und die FSME-Impfung bieten Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von FSME-Infektionen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen – und der Trend verstärkt sich weiter. 2018 verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) 583 bestätigte Fälle von FSME. Das sind 98 Fälle mehr als im Vorjahr (2017: 485 Fälle) und der höchste Stand seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. Zuvor war die Zahl der FSME-Erkrankungen von 2016 auf 2017 um 59 Prozent auf 348 angestiegen.

Zahl der FSME-Risikogebiete 2019

Das RKI hat im Frühjahr 2019 weitere 5 Landkreise als Risikogebiet für FSME eingestuft. Zum ersten Mal gilt ein Landkreis in Niedersachsen als FSME-Risikogebiet. Damit ist das Emsland das nördlichste FSME-Risikogebiet. In dem Landkreis kam es nach Angaben des RKI seit 2016 zu insgesamt 8 Erkrankungsfällen.

Bundesweit liegt die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland nun bei 161. Landkreise werden als FSME-Risikogebiet eingestuft, wenn es dort innerhalb der vergangenen 5 Jahre mehr als einen Fall von FSME gegeben hat.

Neben dem Emsland werden die folgenden Landkreise als neue FSME-Risikogebiete geführt:

  • Sachsen: Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  • Bayern: Landkreis Garmisch Partenkirchen, Landkreis Landsberg a. Lech, Stadtkreis Kaufbeuren

Symptome

FSME verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich schwer. Nur jeder dritte Infizierte erkrankt an einer fieberhaften "Sommergrippe". Und nur jeder fünfte bis zehnte Infizierte zeigt eine Beteiligung des Nervensystems. FSME verläuft in bis zu drei Stadien.

FSME-Stadien im Überblick

Stadium 1: fast immer kaum ausgeprägt

  • häufig ohne Beschwerden
  • sonst eine bis maximal vier Wochen nach dem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden; vor allem allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, leichtes Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen – über eine Woche lang.
  • Im günstigen Fall ist die FSME damit ausgestanden. Anderenfalls folgt eine beschwerdefreie Phase von einer bis zwei Wochen, ehe das 2. Stadium beginnt.

Stadium 2: Das Virus befällt das Nervensystem

  • Hirnhautentzündung (Meningitis): ausgeprägtes Krankheitsgefühl, hohes Fieber, starke Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Schwindel, erhöhte Lichtscheue. Weitere Symptome siehe: Hirnhautentzündung

Stadium 3: Entzündungen von Hirn und Rückenmark mit Lähmungen oder Todesfolge

  • Hirnhaut- und Hirnentzündung (Meningoenzephalitis): zu den Symptomen bei Hirnhautentzündung kommen Sprachstörungen, Wesensveränderungen, Lähmungen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen hinzu, die bis zum Koma reichen können; siehe auch: Hirnentzündungen
  • Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks (Meningoenzephalomyelitis): Zusätzliche Symptome (neben denen aus Stadium 1 und 2) sind Schluck- und Sprachstörungen, Lähmungen an Armen, Beinen und im Schulterbereich, schlimmstenfalls Atemlähmung.

Ursachen

FSME wird durch ein Virus übertragen, das durch Zeckenstiche (in Deutschland meist durch den Gemeinen Holzbock) in den menschlichen Organismus gelangt. Daher zählt FSME wie Borreliose zu den zeckenübertragenen Erkrankungen. Wie das Virus die Symptome von FSME verursacht, ist nicht geklärt.

In den vergangenen Jahren mehren sich die Hinweise, dass neben dem Gemeinen Holzbock auch andere Zeckenarten eine zunehmende Rolle bei der Infektion mit FSME-Viren spielen. Im Sommer 2018 hat das Deutsche Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis nach eigenen Angaben erstmals größere Zahlen der Hyalomma-Zecke gefunden. Demnach ist das auszugehen, dass diese Zeckenart sich immer weiter von Süd nach West ausbreite. Hyalomma-Zecken stammen ursprünglich aus den Tropen und Subtropen vor. Dort gelten sie als Überträger von Krim-Kongo-Fieber-Virus oder Fleckfieber.

Im Vorjahr hatte das Konsiliarlabors schon eine steigende Zahl infizierter Auwaldzecken gefunden. All zu große Gefahr durch die Auwaldzecke bestehe aber nicht, da diese Zeckenart Menschen nur selten befalle.

Wissenschaftler der Uni Hohenheim berichten im Frühjahr 2017 von FSME-Infektionen durch Rohmilch. Zu der FSME-Übertragung durch Rohmilch und/oder Rohmilchprodukte kam es demnach im Sommer 2016 auf einem Bio-Ziegenhof im Landkreis Reutlingen. Es sei das erste Mal, dass eine FSME-Infektion durch Rohmilchprodukte in Deutschland zweifelsfrei habe nachgewiesen werden können. Solche Fälle seien bislang nur aus Osteuropa bekannt.

Zeckenbiss ist ein Zeckenstich

Auch wenn umgangssprachlich immer wieder von Zeckenbissen gesprochen wird: Zecken beißen nicht, sie stechen. Beim vermeintlichen Zeckenbiss ritzt die Zecke die Haut mit den Kieferklauen an. Dann sticht sie mit ihrem Stachel, dem sogenannten Hypostom, zu. Dabei wird keine blutführende Ader verletzt. Vielmehr kommt es bei der Verankerung des Stachels in der Haut zu einer winzigen Wunde, die sich mit dem Blut aus den umliegenden verletzten Kapillaren füllt. Dieses Blut saugt die Zecke als Nahrung auf. Der Saugakt verläuft jedoch nicht stetig. Insbesondere am Ende der Blutmahlzeit würgt die Zecke für sie nichtverdauliche Nahrungsbestandteile – und mitunter Bakterien, Viren, oder Parasiten von einem früheren Wirt – herauf und spuckt diese in die Wunde. So werden die Krankheitserreger übertragen, die FSME und Co. verursachen.

Nicht alle Zecken übertragen FSME

Nicht in allen Regionen Deutschlands übertragen Zecken FSME. Das Virus tritt vor allem in Baden-Württemberg und Bayern auf. Kleinere Verbreitungsgebiete finden sich außerdem in Rheinland-Pfalz, Hessen (Odenwald), im Saarland und in den neuen Bundesländern (Brandenburg, Sachsen und Thüringen). Aber auch in diesen Gebieten ist nur jede 100. bis 500. Zecke Virusträger. Außerhalb von Deutschland tritt die FSME vorwiegend in Ost- und Südosteuropa und in einigen Regionen Skandinaviens auf.

Untersuchung

Zu den Herausforderungen in der Therapie von FSME gehört eine schnelle Diagnose. Die ist anhand der Beschwerden nicht immer leicht zu stellen. Auch Blutuntersuchungen geben nicht immer Aufschluss. In einigen Fällen können Antikörper nachgewiesen werden, zuweilen aber auch nicht. Gewissheit verschafft in aller Regel erst eine Untersuchung von Gehirnwasser (Liquor), das bei einer Punktion des Rückenmarks entnommen wird. Letzte Sicherheit gibt eine Kernspintomografie des Gehirns, mit der krankhafte Veränderungen nachgewiesen werden können.

FSME zählt seit 2001 zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Daher werden alle Fälle an das Gesundheitsamt berichtet und von dort an Stellen wie das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter geleitet. Beim RKI werden die Daten anonymisiert erfasst.

Zecken auf Viren überprüfen

Ein Zeckenstich weckt – insbesondere bei Eltern – Unsicherheit und Sorge. Daraus haben Unternehmen ein Geschäftsmodell entwickelt. Sie bieten an, tote Zecken auf FSME-Viren überprüfen zu lassen. Mediziner raten von diesen Tests ab. Das hat vor allem folgende Gründe: Der Stich einer infizierten Zecke verursacht nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle eine Infektion. Außerdem: Selbst in Risikogebieten sind Zecken nur selten mit dem Virus infiziert. Je nach Studie soll 1 von 100 bis zu 1 von 500 Zecken das Virus in sich tragen. Außerdem werden die Kosten für den Zeckentest von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht erstattet.

Behandlung

Auch wenn es gegenwärtig keine ursächliche Therapie gegen das FSME-Virus gibt, lassen sich die Symptome lindern und Komplikationen vermeiden. Dazu werden in der Regel schmerzhemmende Medikamente eingesetzt. Wissenschaftlich umstritten ist die Gabe von fiebersenkenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen.

Je nach Schwere der Symptome wird FSME ambulant oder stationär behandelt. In besonders schweren Fällen und wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, wird eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Bei Lähmungserscheinungen kann eine frühzeitige Physiotherapie mit gezielten krankengymnastischen Übungen hilfreich sein. Eventuell ist auch ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik angebracht.

Selbsthilfe: Zecken richtig entfernen

Zeckenstiche treten häufig vom Frühjahr bis zum Spätherbst auf, bei milden Wintern oftmals auch schon wesentlich früher. Häufig werden Personen befallen, die sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. Dabei werden die blutsaugenden Insekten an Wegrändern, Wiesen, im Wald, aber auch in Gärten oder Parks von Gräsern, Sträuchern oder Unterholz abgestreift. Zecken lassen sich nicht - wie häufig behauptet wird - von Bäumen fallen. Eine festsitzende Zecke sollte sofort entfernt werden: Fassen Sie das Tier mit einer gut schließenden Pinzette oder einer Zeckenzange aus der Apotheke möglichst nah an der Haut und entfernen Sie es unter deutlichem Zug und leichten Drehbewegungen. Die Drehrichtung ist dabei völlig nebensächlich. Zerquetschen Sie das Tier möglichst nicht. Entgegen früheren Ratschlägen wird heute nicht mehr empfohlen, die Zecke mit Öl oder Ähnlichem zu betäuben, da durch den "Todeskampf" des Tieres nur mehr infektiöse Flüssigkeiten in die Stichwunde gelangen.

  • Desinfizieren Sie die Stichstelle anschließend mit PVP-Iod-Lösung.
  • Beobachten Sie das Hautareal in den folgenden Tagen und Wochen. Achten Sie besonders auf Entzündungszeichen oder Rötungen (Wanderröte).

Gehen Sie bei Symptomen sofort zum Arzt.

Prognose

In den allermeisten Fällen heilt FSME ohne besondere Therapie folgenlos aus. Es sind aber auch komplizierte Verläufe mit bleibenden Schäden möglich. Trotz Behandlung auf der Intensivstation kann das Stadium 3 von FSME tödlich verlaufen. Und zwei Drittel der Überlebenden erleiden bleibende Schäden, meist in Form von Lähmungen. Doch auch im Stadium 3 sind Spontanheilungen möglich – manchmal sogar nach Monaten.

Vorbeugung

FSME ist eine ernsthafte Erkrankung. Nach Möglichkeit sollten Sie es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommen lassen. Dabei helfen die folgenden Empfehlungen:

  • Tragen Sie in zeckengefährdeten Gebieten geschlossene und möglichst eng anliegende Kleidung, vor allem im Bereich der Beine. Das macht es den Zecken schwerer, an eine geeignete Hautstelle zu gelangen.
  • Da die Zecken zuerst eine Weile auf der Haut herumkrabbeln, ehe sie sich für eine Stichstelle entscheiden, sollte man sich nach einem Aufenthalt in der freien Natur gleich nach Zecken absuchen. Dann haben Sie gute Chancen, die Zecken zu finden, noch bevor sie sich festgebissen haben.
  • Informieren Sie sich vor Ausflügen über Wanderungen darüber, ob die Zecken im Zielgebiet mit Borreliose oder FSME infiziert sind.

Impfung gegen FSME

Wer in den sogenannten FSME-Risikogebieten lebt, sollte über eine FSME-Schutzimpfung nachdenken. Als Risikogebiete gelten Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch in Teilen Hessens und Thüringens leben Zecken, die FSME übertragen.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die FSME-Schutzimpfung für Menschen, die in den Risikogebieten (siehe Karte) leben und/oder den Zecken mit einiger Wahrscheinlichkeit ausgesetzt sind. Das trifft beispielsweise auf Menschen zu, die sich in den Risikogebieten viel in der Natur oder im Garten bewegen. Die Empfehlung gilt ausdrücklich für Kinder und Erwachsene. Außerdem empfiehlt das RKI die FSME-Schutzimpfung für Menschen, die berufsbedingt mit Zecken oder infiziertem Blut in Kontakt kommen, beispielsweise Forstarbeiter oder Laboranten.

Impfschutz und Impfschema

Gegenwärtig gibt es eine ganze Reihe von FSME-Impfstoffen, die für Deutschland zugelassen sind. Dazu zählen Impfstoffe für eine Schnellimmunisierung und herkömmliche Impfstoffe, die bis zu 3 Mal angewendet werden müssen.

Nach dem klassischen Impfschema folgt die zweite Impfung zwischen 1 und 3 Monate nach der ersten, die letzte Impfung dann 5 bis 12 bzw. 9 bis 12 Monate nach der zweiten.

Nach RKI-Angaben besteht bereits nach 2 herkömmlichen Impfungen ein Impfschutz von 98 Prozent, der für etwa 1 Jahr anhält. Nach einer vollständigen Impfserie mit 3 Impfungen besteht bei 99 Prozent der Geimpften ein vollständiger Schutz vor FSME. Der Impfschutz hält für mindestens 3 Jahre an.

Nebenwirkungen der FSME-Impfung

Schwerwiegende Impfkomplikationen sind nicht bekannt. Dennoch kann es zu den für eine Impfung typischen Nebenwirkungen kommen. Das sind in erster Linie Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen oder Juckreiz. Manche Menschen reagieren sensibler. Sie empfinden beispielsweise Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder Gelenkschmerzen. Diese Reaktionen sind in der Regel auf die Aktivierung des Immunsystems nach der Impfung zurückzuführen. Nach spätestens 3 Tagen sollten diese Nebenwirkungen nicht mehr auftreten. Bei länger anhaltenden oder ausgeprägten Nebenwirkungen gehen Sie bitte zu einem Arzt.

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.03.2019