Erfrierungen (Unterkühlung)

Erfrierungen beginnen mit blasser Haut und Taubheitsgefühlen. Die Vorboten haben die meisten wohl schon einmal erlebt. Dauert die Kälteeinwirkung an, entstehen Erfrierungen - mit oft vermeidbaren Folgen.

Definition

Frost Schnee

Erfrierungen sind kältebedingte Schädigungen der Haut. Von Erfrierungen häufig betroffen sind Nase, Ohren, Finger und Zehen, da dort die schützende Muskulatur fehlt. Nässe und Wind sowie zu enge Schuhe und Kleidung begünstigen Erfrierungen. Analog zu den Verbrennungen unterscheiden Mediziner verschiedene Grade von Erfrierungen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden auch Frostbeulen zuweilen als Erfrierungen bezeichnet. Im medizinischen Sinne ist das nicht ganz richtig. Mehr darüber sowie über Hilfe und Selbsthilfe im Ratgeber Frostbeulen.

Nach starker beziehungsweise lang anhaltender Kälteeinwirkung wird die Haut blass und gefühllos. Das sind die Vorboten einer Erfrierung, wie sie wohl jeder schon einmal im Winter bei Schnee und Eis erlebt hat. Man wärmt sich auf - und die kalten Hautbereiche normalisieren sich wieder. Dauert die Kälteeinwirkung weiter an, entstehen Erfrierungen.

Symptome

Mediziner teilen Erfrierungen anhand der Symptome in 4 Schweregrade ein.

  • Erfrierung 1. Grades: Bei der Erfrierung 1. Grades ist die Haut blass-weiß bis bläulich, sie schmerzt zunehmend und ist geschwollen. Die Blutgefäße in der Haut stellen sich eng, um keine kostbare Wärme abzugeben. Nach Wärmezufuhr erholt sich die Haut wieder, bleibende Schäden sind nicht zu befürchten.
  • Erfrierung 2. Grades: Bei der Erfrierung 2. Grades bilden sich erste Blasen, die Haut färbt sich blau-rötlich. Die Blutgefäße können die Engstellung nicht mehr aufrecht erhalten und weiten sich. Es entsteht ein scheinbar wohliges, aber tückisches Wärmegefühl. Denn der Erfrierungsprozess schreitet trotzdem weiter voran. Nach dem Wiedererwärmen können leichte Schäden zurückbleiben, zum Beispiel eine erhöhte Kälteempfindlichkeit der Haut.
  • Erfrierung 3. Grades: Bei der Erfrierung 3. Grades stirbt Gewebe ab. Es kommt zu Gefäßverschlüssen. Dieser Vorgang erfolgt häufig schmerzlos, da auch die schmerzleitenden Sinneszellen (Rezeptoren) abgestorben sind. Die erstarrten Körperteile werden zunehmend unempfindlich und hart, die Haut färbt sich blau bis schwarz. Der Übergang zum gesunden Gewebe ist üblicherweise entzündlich verändert. Bei andauernder Kälteeinwirkung wird das abgestorbene Gewebe abgestoßen. Narben bleiben zurück.
  • Erfrierung 4. Grades: Bei der Erfrierung 4. Grades führt eine Vereisung zu einer völligen Zerstörung des Gewebes. Die betroffenen Bereiche mumifizieren.

Erfrierungen und Unterkühlung

Lokalen Erfrierungen sind häufig von einer Unterkühlung des gesamten Körpers begleitet. Zunächst frösteln und frieren wir. Aufgrund von Kälteeinwirkung fangen die Muskeln an zu zittern. Damit versucht der Körper, die Wärmeproduktion zu erhöhen. Hält der Kältereiz weiter an, kühlt der Körper immer weiter aus und unterkühlt schließlich. Mediziner unterscheiden die leichte und schwere Unterkühlung.

  • Leichte Unterkühlung: Bei der leichten Unterkühlung sinkt die Körperkerntemperatur unter 36 bis 34 Grad Celsius. Dem Betroffenen ist kalt, er fühlt sich schwach und wird zunehmend müder. Im weiteren Verlauf werden die Bewegungen unkoordinierter und das Kältezittern verschwindet.
  • Schwere Unterkühlung: Sinkt die Körpertemperatur unter 33 Grad Celsius ist der Körper bereits schwer unterkühlt. Bewusstseinsstörungen treten auf. Unter einer Körpertemperatur von 30 Grad Celsius verlieren Betroffene das Bewusstsein, Puls und Atmung werden schwächer und langsamer. Ein Atem- und Kreislaufstillstand ist bei einer Körpertemperatur unter 27 Grad Celsius zu erwarten. Zu diesem Zeitpunkt ist das Leben der Betroffenen stark bedroht.

Ursachen

Erfrierungen entstehen aufgrund starker und/oder andauernder trockener oder feuchter Kälte unter dem Gefrierpunkt. Erfrierungsfördernd wirken zudem unangepasste sowie enge Kleidung und Schuhe, die die Durchblutung von körperfernen Bereichen (Hände, Füße, Ohren) behindern.

Risikogruppen bei Erfrierungen

Einige Risikogruppen sind besonders anfällig für Erfrierungen. Das gilt beispielsweise für alle Zustände oder Erkrankungen, die mit Durchblutungsstörungen einhergehen können, zum Beispiel Arteriosklerose, Diabetes, Alkohol- oder Drogenmissbrauch sowie Rauchen. Insbesondere folgende Personengruppen haben ein höheres Risiko, eine Erfrierung zu erleiden:

  • Bergsteiger, Wintersportler, Motorschlittenfahrer
  • alkoholisierte Menschen oder Menschen im Drogenrausch
  • ältere Menschen, junge Mädchen und Frauen
  • Kinder
  • erschöpfte und/oder hungrige Menschen
  • Patienten mit Nerven- oder Gefäßleiden wie Polyneuropathie
  • Querschnittsgelähmte bzw. gelähmte Menschen überhaupt
  • Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen oder Menschen mit geistigen Behinderungen (häufig mit mangelndem Kältegefühl einhergehend).

Behandlung

Die Therapie von Erfrierungen richtet sich nach dem Grad der Erfrierung und danach, wie schwer die Haut geschädigt ist.

Erste Hilfe bei leichten Erfrierungen

Leichte Erfrierungen mit kribbelnder, tauber und schmerzender blasser Haut sollte so rasch wie möglich, aber dennoch vorsichtig, erwärmt werden. Als Erste Hilfe bietet sich an, betroffene Körperteile (Hände, Finger, Füße, Nase und Ohren) mit anderen, warmen Körperbereichen zu wärmen. Bedecken Sie kalte Ohren oder die Nase zum Beispiel mit den Händen (selbst oder ein Helfer). Eisige Finger werden in den Achselhöhlen schnell warm. Bitte nicht mit Schnee abreiben! Das verstärkt die Erfrierung eher noch.

  • Nasse Kleidung wechseln: Wieder im Warmen tauschen Sie sofort nasse und klamme Kleidung gegen warme (wollene) und trockene Sachen. Anschließend können Sie kalte Hände zum Beispiel unter warmem Wasser oder an einer Tasse Tee wärmen. Kuscheln Sie sich in eine warme Decke. Achten Sie aber darauf, eisige Körperstellen nicht zu schnell wieder zu erwärmen, beispielsweise nicht durch heiße Bäder.
  • Kein Alkohol: Wärmen Sie sich zusätzlich von innen. Ein heißer Kakao oder eine Tasse Tee vermitteln ein wohltuendes Wärmegefühl, das sich im gesamten Körper ausbreitet. Auch wenn es noch so verlockend erscheint: Trinken Sie keinen Alkohol. Alkohol weitet die Gefäße der Haut, wodurch zusätzlich Wärme verloren geht.

Erste Hilfe bei schweren Erfrierungen

Bei schweren Erfrierungen (Grad 3 und 4) kann man sich in der Regel nur noch schwer selbst helfen. Finden Sie Erfrorene, alarmieren Sie zu allererst einen Rettungswagen. Anschließend sorgen Sie für Schutz. Ein Windschutz im Biwaksack oder ein Schneeloch beispielsweise schützen vor kalten Winden. Noch besser ist es, in Räumlichkeiten Schutz zu suchen. Lockern Sie einengende Kleidung oder feste Schuhe. Bedecken Sie Erfrierungen im Gesicht (meist rundliche weiße Flecken an Nase, Wangen oder Ohren) mit trockenen Materialien (Handschuhe, Schal). Das Gleiche können sie auch bei eisigen, gefühllose Zehen machen - jedoch nur an einem wind- und kältegeschützten Ort. Erfrorene Körperteile sollten druckfrei gelagert werden. Wechseln Sie nasse Kleider und geben Sie dem Betroffenen, solange er bei Bewusstsein ist, warme (keine heißen!) Getränke.

Erfrorene Gliedmaßen auftauen

Körperteile, die an Metallgegenständen festgefroren sind, können Sie mit lauwarmem Wasser lösen. Bei frischen Erfrierungen wird nach aktuellem medizinischem Stand empfohlen, erfrorene Körperteile in einem körperwarmen Wasserbad (bis maximal 40°C) rasch aufzutauen (möglichst unter ärztlicher Aufsicht). Langsames Auftauen wird hingegen nicht empfohlen. Das Bad sollte beendet werden, wenn:

  • die Haut rosig erscheint
  • erfrorenes Gewebe ganz aufgetaut ist
  • wieder Bewegungen möglich sind
  • spätestens jedoch nach 30 Minuten.

Anschließend wird der Betroffene vorsichtig abgetrocknet und mit einem keimfreien Watteverband versorgt. Lagern Sie das betroffene Körperteil hoch, um Schwellungen zu vermeiden.

Medikamentöse Therapie

Wird die Erwärmung bei ärztlicher Aufsicht durchgeführt, können schmerzstillende Mittel (wie Ibuprofen) gegeben werden. Die zusätzliche Gabe von Acetylsalicylsäure (100 bis 300 Milligramm) verbessert die Hautdurchblutung im geschädigten Gewebe. Zusätzlich infrage kommen etwa eine Infusionstherapie mit gefäßerweiternden Mitteln (Vasodilatatoren), die Gabe von hoch dosiertem Heparin oder eine hyperbare Oxygenierung (spezielle Sauerstofftherapie).

Operative Therapie

Frühamputationen sind nach aktuellem medizinischem Stand nicht mehr empfohlen. Stattdessen wird gewartet, bis der Körper das zerstörte Gewebe spontan abstößt. Das kann mitunter mehrere Monate dauern. Bei Erfrierungen 3. Und 4. Grades sind zu einem späteren Zeitpunkt noch rekonstruktive Maßnahmen durch plastische Chirurgie möglich (zum Beispiel Teilamputationen, Lappenplastiken oder Hauttransplantationen).

Vorbeugung

Bei Kälte, Wind und Schnee sollten Sie nur mit angemessener und warmer, aber locker aufsitzender Kleidung nach draußen gehen. Besonders wichtig ist eine Kopfbedeckung, da über den Kopf einen großen Teil der Körperwärme abgestrahlt wird. Des weiteren gilt:

  • keine zu engen Schuhe tragen
  • unbedingt Handschuhe benutzen,immer Ersatzhandschuhe mitnehmen
  • nasse Kleidung möglichst sofort wechseln, da sie sonst anfrieren kann
  • bei Kälte kein Metall direkt an oder auf der Haut tragen (Ohrringe, Reißverschlüsse)
  • bei Kälte nicht rauchen und keinen Alkohol trinken
  • nicht zu lange in der Kälte aufhalten (insbesondere bei Kindern darauf achten!)
  • Bewegung hält den Kreislauf in Schwung.
  • Wechselbäder dienen dem Gefäßtraining.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.06.2015

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