Eichelentzündung (Balanitis)

Eichelentzündungen machen sich meist durch eine geschwollene juckende Eichel bemerkbar. Die Ursachen einer solchen Balanitis sind sehr vielfältig. Hier erfahren Sie mehr Symptome, Behandlung und Vorbeugung einer Eichelentzündung.

Synonyme

Balanitis, Eicheltripper

Definition

Eichelentzündung

Balanitis ist der medizinische Obergriff für Entzündungen der Penisspitze. Eichelentzündungen (Balanitiden) betreffen in der Regel die Eichel (Glans penis). Bei unbeschnittenen Männern ist die Vorhaut oft gleichzeitig entzündet. Das bezeichnen Mediziner als Balanoposthitis.

Typische Symptome von Balanitis sind schmerzhafte Rötungen und Schwellungen der Eichel. Manchmal kommt es auch zu geschwürartigen Veränderungen (siehe Symptome). Die Ursachen von Eichelentzündungen sind vielfältig. Am häufigsten sind Infektionen mit Pilzen oder Bakterien. Aber auch übertriebene Intimpflege oder Allergien sind typische Ursachen. Zudem gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die Balanitiden auslösen oder begünstigen. Dazu zählen unter anderem Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Herpes genitalis, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Psoriasis (Schuppenflechte).

Wegen der zahlreichen Ursachen stellt die Diagnose besondere Anforderungen dar. Die besten Ansprechpartner für Diagnose und Therapie von Eichelentzündungen sind Hautärzte und Urologen. Ist die Ursache einmal gefunden, verläuft die Therapie in aller Regel ohne Komplikationen.

Häufigkeit

Eichelentzündungen gelten als sehr häufig. Verlässliche und genaue Angaben zur Häufigkeit aber fehlen. Experten schätzen, dass bis zu 11 Prozent aller Jungen und Männer einmal pro Jahr an Balanitis erkranken. Eine Auswertung der Praxisbesuche bei Urologen ergab, dass 10 Prozent der Praxisbesucher wegen einer Eichelentzündung in die Sprechstunde kommen.

Besonders häufig sind Balanitiden demnach bei Jungen mit unbehandelter Vorhautverengung (Phimose). Zudem steigt die Häufigkeit mit dem Alter.

Symptome

Einzelne Symptome von Eichelentzündungen sind je nach Ursache spezifisch, andere treffen auf nahezu alle Balanitiden zu.

Allgemeine Symptome von Eichelentzündungen

Die typischen Symptome einer Eichelentzündung sind offenkundig. Fast immer ist die Eichel geschwollen, gerötet und juckt. Meistens brennt es beim Wasserlassen. Druckempfindlichkeit und mehr oder minder starke Schmerzen sind weitere Symptome. Nicht selten kommt es zu Ausfluss, der gräulich bis eitrig-gelb sein kann. Je nach Ursache der Balanitis sind Ausschläge oder geschwürartige Veränderungen der Eichel möglich.

Bei unbeschnittenen Männern erstreckt sich die Entzündung normalerweise auch auf die Vorhaut. Typische Symptome dafür sind Schmerzen beim Zurückziehen der Vorhaut.

Selten werden Eichelentzündungen von unspezifischen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen begleitet. Diese Symptome weisen in der Regel auf Erkrankungen hin, die die Balanitis ausgelöst haben.

Spezifische Symptome von Eichelentzündungen nach Ursache

Einige Anzeichen von Eichelentzündungen sind so spezifisch, dass sie einen Rückschluss auf die Ursache erlauben. Dazu zählen die folgenden spezifischen Symptome von Eichelentzündungen.

  • In Gruppen auftretende Bläschen auf der Penisspitze deuten auf eine Infektion mit Herpesviren.
  • Blumenkohlartige Wucherungen (Kondylome) am unteren Rand der Eichel sind ein klares Indiz für Infektionen mit dem Humanen Papillomvirus (HPV).
  • Stark juckende weißliche Verfärbungen und leichte Schwellungen sind typische Anzeichen für eine Pilzinfektion.
  • Stark schmerzende Geschwüre mit einem deutlich tastbaren harten Rand sind ein Anzeichen für die Geschlechtskrankheit Syphilis.

Ursachen

Die Ursachen von Eichelentzündungen sind überaus vielfältig. Zudem gibt es häufig nicht den einen Auslöser. Vielmehr sind Kombinationen von mehreren Ursachen, insbesondere die von mangelnder Genitalhygiene und Krankheitserregern, durchaus verbreitet. Manchmal findet sich auch keine Ursache für die Eichelentzündung. Das ist vor allem bei Männern jenseits des 60. Lebensjahres der Fall.

Zunächst einmal lassen sich die Gründe für Eichelentzündungen in infektiöse und nicht-infektiöse Ursachen unterscheiden.

Infektiöse Ursachen von Eichelenentzündungen

In den meisten Fällen werden Eichelentzündungen durch Keime verursacht. Das sind vor allem Pilze, Viren und Bakterien. Die meisten dieser Keime werden vor allem durch Geschlechtsverkehr oder Schmierinfektionen übertragen. Dabei kommt es häufig zu einer wechselseitigen Infektion der Sexualpartner mit dem sogenannten Ping-Pong-Effekt. Die Infektion wird also permanent hin und her übertragen.

Pilzbedingte Eichelenentzündungen werden hierzulande nahezu ausschließlich durch den Hautpilz Candida ausgelöst. Die Infektion erfolgt in der Regel beim Geschlechtsverkehr.

Bei den Bakterien umfasst die Palette der Balanitis-Auslöser ein sehr breites Spektrum. Unter den Erregern finden sich beispielsweise Staphylokokken, Enterokokken und Streptokokken. Ein typischer Erreger der Scheidenentzündung, das Bakterium Gardnerella vaginalis und Tuberkulose-Bakterien können ebenfalls eine Eichelentzündung verursachen.

Einige Anzeichen von Eichelentzündungen sind so spezifisch, dass sie einen Rückschluss auf die Ursache erlauben:

  • In Gruppen auftretende Bläschen auf der Penisspitze deuten auf eine Infektion mit Herpesviren.
  • Blumenkohlartige Wucherungen (Kondylome) am unteren Rand der Eichel sind ein klares Indiz für Infektionen mit dem Humanen Papillomvirus (HPV).
  • Stark juckende weißliche Verfärbungen und leichte Schwellungen sind typische Anzeichen für eine Pilzinfektion.
  • Stark schmerzende Geschwüre mit einem deutlich tastbaren harten Rand sind ein Anzeichen für die Geschlechtskrankheit Syphilis.

Erkrankungen als Ursache von Eichelentzündungen

Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis), trockene Haut und Hautentzündungen begünstigen die Eichelentzündungen, weil sie die natürliche Schutzfunktion der Haut herabsetzen. Überdurchschnittlich sind Balanitiden auch bei Männern mit Diabetes. Experten vermuten, dass der erhöhte Zuckergehalt im Urin insbesondere die Vermehrung von Pilzen als Auslöser der Entzündung fördert. Auch starkes Übergewicht gilt als Risikofaktor, weil die Keime sich im warmen und feuchten Klima von Hautfalten besonders gut vermehren.

Bei Jungen sind Vorhautverengungen (Phimosen) eine häufige Ursache von Eichelentzündungen. Zum einen reizt die enge Vorhaut die Eichel. Zum anderen erschwert sie eine angemessene Intimhygiene.

Nicht-infektiöse Ursachen von Balanitis

Mangelhafte oder übertriebene Intimhygiene sind die häufigsten nicht-infektiösen Ursachen von Balanitis. Unter der Vorhaut bildet sich natürlicherweise das sogenannte Smegma. Das ist ein Gemisch aus Hautzellen, Schleimhautresten und Hauttalg. Bei mangelhafter Intimhygiene wird Smegma zum idealen Nährboden für Bakterien und Pilze.

Aber auch eine übertriebe Intimhygiene kann Eichelenentzündungen verursachen. Diese Form ist häufiger, als viele Menschen glauben. Mediziner kennen sie als Reinlichkeitsbalanitis. Sie entsteht durch den übertriebenen Gebrauch von Intimwaschlotionen und/oder Desinfektionsmitteln.

Eine andere Gruppe von nicht-infektiösen Ursachen von Balanitis sind allergische Reaktionen. Weit verbreitet ist etwa die Latexallergie. Aber auch Duftstoffe oder andere Inhaltsstoffe von Intim-Deodorants oder Reinigungsmitteln können eine allergische Reaktion auslösen.

Untersuchung

Erste Anhaltspunkte für die Diagnose einer Eichelentzündung erkennen Hautärzte oder Urologen anhand der allgemeinen Symptome auf den ersten Blick. Die genaue Ursache herauszufinden ist aber nicht immer ganz leicht. Daher wird in aller Regel ein Abstrich genommen und labortechnisch untersucht. Damit lässt sich der Erreger einer infektiösen Balanitis meist ausreichend genau bestimmen. In seltenen Fällen werden auch Urin und/oder Blut untersucht. Das geschieht beispielsweise bei Verdacht auf Diabetes.

Behandlung

Die Mehrzahl der infektiösen Eichelentzündungen lässt sich leicht und sicher medikamentös behandeln. In der Regel werden die Medikamente in Salbenform angewendet. Bei sexuell aktiven Männern empfiehlt es sich, Partner oder Partnerinnen ebenfalls zu behandeln, um Ping-Pong-Infektionen zu vermeiden.

  • Bei pilzbedingten Eichelentzündungen wird meistens der pilztötende Wirkstoff Clotrimazol angewendet.
  • Bei Bakterien als Auslöser kommen Antibiotika wie Metronidazol und Tetracyclin zum Einsatz.
  • Gegen virale Ursachen werden virenhemmende Wirkstoffe wie Aciclovir und Ganciclovir eingesetzt.

Bei Erkrankungen als Ursache der Eichelentzündung wird die Grunderkrankung behandelt. Bei Allergien kann ein Allergietest helfen, das Allergen zu erkennen und künftig zu meiden.

Prognose

Die Heilungsaussichten bei den meisten Formen von Eichelentzündungen sind sehr gut. Spezielle Formen, wie etwa bei Syphilis, sind – je nach Stadium der Grunderkrankung – nur noch symptomatisch, aber nicht ursächlich behandelbar.

Vorbeugung

Angesichts der Vielzahl von Ursachen lassen sich Eichelentzündungen wohl kaum sicher vermeiden. Eine angemessene Intimhygiene sowie die Verwendung von Kondomen bei häufig wechselnden Sexualpartnern verringern das Risiko deutlich.

Männer können als Vorbeugemaßnahme auch eine Beschneidung der Vorhaut erwägen. Beschnittene Männer sind jedenfalls deutlich seltener von Balanitiden betroffen.

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.07.2017

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