Divertikulitis

Divertikulitis ist eine entzündliche Darmerkrankung und Folge einer Divertikulose. Hier finden Sie alles Wichtige über Symptome, Ursachen und Behandlung einer Divertikulitis.

Synonyme

Sigmadivertikulitis

Definition

Frau mit Bauchkrämpfen

Divertikulitis ist eine entzündliche Darmerkrankung. Sie ist eine häufige Folge einer anderen Darmerkrankung, die als Divertikulose bezeichnet wird. Darunter verstehen Mediziner, dass sich in der Darmschleimhaut Ausstülpungen bilden, in denen sich ein Hohlraum befindet. Diese Ausstülpungen werden Divertikel genannt. Wenn die Divertikel sich entzünden, kommt es zum Krankheitsbild der Divertikulitis.

Mediziner unterteilen nach dem Verlauf in akute und chronische Divertikulitis sowie nach den Beschwerden in komplizierte und unkomplizierte Divertikulitis. Die Klassifikation nach Hansen und Stock unterteilt Divertikulitis in sieben Stadien, von akut ohne Beschwerden bis hin zu wiederkehrenden schweren Fällen.

Schwere chronische Verläufe verursachen mitunter lebensbedrohliche Komplikationen wie Darmverschluss (Ileus) oder Bauchfellentzündungen (Peritonitis). Bei schwerer Divertikulitis werden die betroffenen Darmabschnitte in der Regel entfernt.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Divertikulitis und Divertikulose nimmt mit dem Lebensalter zu. Der Häufigkeitsgipfel für die nicht entzündliche Divertikulose liegt jenseits des 60. Lebensjahres (30 Prozent) und steigt nach dem 70. Lebensjahr auf mehr als 40 Prozent (nach 85: 65 Prozent). Gerade in den westlichen Industrienationen wie Deutschland sind aber auch immer mehr junge Menschen zwischen 20 und 45 betroffen.

In etwa einem Viertel der Fälle entwickelt sich aus einer Divertikulose eine Entzündung, also Divertikulitis. Dabei gilt: Je mehr Divertikel sich bilden, umso größer ist das Risiko für einen entzündlichen Verlauf.
 

Symptome

Die Symptome von Divertikulitis sind individuell sehr verschieden und hängen vor allen von Anzahl, Größe und Lage der Divertikel ab. Die Vorläufererkrankung Divertikulose verläuft häufig über lange Zeit ohne Beschwerden. Wenn die Divertikel sich entzündet haben, macht sich das in der Regel mit anhaltenden oder wiederkehrenden Bauchschmerzen bemerkbar.

Diese Schmerzen betreffen fast immer den linken Unterbauch (sogenannte Linksseiten-Appendizitis oder Sigmadivertikulitis). Je nach Entzündungsstatus kommt es zu Fieber und Blutbildveränderungen (Leukozytose).

Zu den weiteren Symptomen von Divertikulitis zählen:

  • Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, unregelmäßiger Stuhlgang, Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung bis hin zur Verstopfung (Obstipation)
  • Eiter- und Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Komplikationen

Zu den schweren Komplikationen von Divertikulitis zählen Darmverschlüsse. Diese entstehen, wenn die Darmwand der Divertikel entzündungsbedingt immer größer wird und so den Darm mehr oder minder verschließt. Ein vollständiger Ileus ist lebensbedrohend und muss dringend chirurgisch behandelt werden. Das gilt auch für eine andere schwere Komplikation von Divertikulitis. Wenn die entzündeten Divertikel nach außen in den Bauchraum durchbrechen, können sie beispielsweise zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen. Gänge (Fisteln) in Richtung Scheide oder Harnblase sowie Eiteransammlungen (Abszesse) im Fettgewebe sind weitere gefürchtete Komplikationen von Divertikulitis.

Ursache

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Divertikeln ist nicht bekannt. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit im Alter darf man davon ausgehen, dass alterungsbedingte (degenerative) Prozesse bei der Zellteilung in der Darmschleimhaut eine Rolle spielen.

Wie der Entzündungsprozess in den Divertikeln beginnt, ist auch nicht zweifelsfrei erwiesen. Da die Divertikel mit Kot und Kotsteinen gefüllt sind, darf man mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass diese gegen die Darmwand drücken und so ein Gewebeabsterben begünstigen. Infolge entzündet sich die Darmwand. Zudem vermehren sich Bakterien aus dem Stuhl bzw. aus der Darmflora in den Hohlräumen übermäßig und unterhalten die Entzündung zusätzlich.

Risikofaktoren

Ein deutlich erhöhtes Risiko für die Bildung von Divertikeln besteht bei schwerem Übergewicht (Adipositas) sowie bei ausgeprägtem Bewegungsmangel. Auch die Art der Ernährung spielt eine große Rolle. Vegetarier erkranken nur sehr selten an Divertikulitis, Menschen mit einem hohen Konsum an rotem Fleisch dagegen überdurchschnittlich oft. Fisch und helles Fleisch erhöhen das Risiko allem Anschein nach nur mäßig. Unklar ist, ob eine ballaststoffarme Ernährung zu den Risikofaktoren zählt – die meisten Darmspezialisten sind davon überzeugt.

Nicht ernährungsbedingte Risikofaktoren sind Rauchen und die regelmäßige Verwendung von nicht-steroidalen Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Ibuprofen oder Diclofenac.

Behandlung

Akute und leichte Fälle von Divertikulitis lassen sich häufig mit einer darmschonenden Diät und der Einnahme von Antibiotika wie Ciprofloxacin, Metronidazol, Rifaximin oder Gentamicin behandeln.

Komplizierte Divertikulitis wird nahezu immer operiert. Bei einer günstigen Lage und kleiner Ausdehnung kann der Eingriff mitunter minimal-invasiv erfolgen. Deutlich häufiger aber ist eine klassische Bauchöffnung (Laparotomie) mit einem großen Bauchschnitt.
 

Vorbeugung

Der beste Schutz vor Darmerkrankungen wie Divertikulitis besteht in einer frischen und abwechslungsreichen Ernährung. Ganz besonders profitiert die Darmgesundheit von regelmäßiger Bewegung. Rauchen und Alkohol hingegen schaden dem Darm. Das gilt auch für die regelmäßige Anwendung von Schmerzmitteln aus der Wirkstoffgruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika. Auch wenn Aspirin, Ibuprofen und Ko. rezeptfrei erhältlich sind: Diese Medikamente sind insbesondere für Magen und Darm besonders belastend.

Autor: Charly Kahle

Stand: 02.09.2019

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