Synonyme

antisoziale Persönlichkeitsstörung, APS

Definition

Persönlichkeitsstörung

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung wird auch als antisoziale Persönlichkeitsstörung (APS) bezeichnet. Beschrieben wurde das Krankheitsbild erstmals vom US-Kriminalpsychologen Robert Hare. Eine abgeschwächte Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung bewerten Psychologen als antisozialen Persönlichkeitsstil. In der Umgangssprache werden Menschen mit APS zuweilen Psychopathen oder Soziopathen genannt.

Die Symptome von APS können sehr unterschiedlich, ja sogar gegensätzlich sein, beruhen aber auf einer Gemeinsamkeit. Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung missachten und verletzten die Rechte anderer Menschen. Sie kennen vor allem den eigenen Vorteil. In der Regel haben Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung kein Mitgefühl für ihre Mitmenschen. Neben der Empathie sind ihnen auch Verantwortungsgefühl oder soziale Normen fremd. Häufig reagieren Menschen mit APS schon auf kleine Misserfolge (geringe Frustrationstoleranz) mit Aggressivität oder Gewalt.

Angesichts dieser Grundsymptome überrascht nicht, dass dissoziale Persönlichkeitsstörungen unter Gefängnisinsassen oder Patienten in geschlossenen psychiatrischen Krankenhäusern besonders häufig sind (70 Prozent).

Abgrenzung zu Psychopathie und Soziopathie

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung oft als Psychopathen oder Soziopathen bezeichnet. Das erklärt sich aus den Schnittmengen mit diesen Störungen. Fachleute sprechen definitionsgemäß aber nur von Psychopathie, wenn den Betroffenen jedwedes Gefühl für andere (Empathie) abgeht. Das trifft beispielsweise nur auf gut ein Fünftel der Menschen mit APS zu.

Soziopathie ist keine klinische Störung. Der Begriff bezeichnet vielmehr, dass Menschen sich an Verhaltensmuster halten, die von der Mehrheit der Gesellschaft als kriminell oder unsozial bewertet werden. Soziopathen in diesem Sinne können aber im Gegensatz zu Menschen mit APS sehr gut zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Zudem verfügen sie über Empathie und können beispielsweise ein schlechtes Gewissen haben. Das trifft bei antisozialen Persönlichkeitsstörungen nicht zu.

Häufigkeit

Genaue Zahlen zur Häufigkeit der dissozialen Persönlichkeitsstörung in Deutschland gibt es nicht. Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Demnach erfüllen zwischen 0,2 und 3 Prozent der Menschen in Deutschland die Voraussetzungen für die Diagnose dissoziale Persönlichkeitsstörung oder eine Vorstufe wie den antisozialen Persönlichkeitsstil. Männer sind mindestens 3 Mal so oft betroffen wie Frauen, möglicherweise aber auch noch sehr viel häufiger.

Symptome

Typischerweise treten APS-Symptome bereits in Kindheit und Jugend auf. Kinder mit antisozialer Persönlichkeitsstörung haben häufig Lernprobleme oder schwänzen. Sie lügen und fallen oft früh durch Diebstähle oder Vandalismus auf. Erwachsene mit APS sind beispielsweise nur selten in der Lage, längerfristig einer Beschäftigung nachzugehen oder in einer Beziehung zu leben. Das führt aber nicht immer zu einer kriminellen Karriere.

Es gibt eine Reihe von Menschen, die antisoziale Persönlichkeitsmerkmale sehr geschickt für sich einsetzen. Zwar geht APS mit Unfähigkeit zur Empathie einher. Das bedeutet aber nicht, dass Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung die Gefühle anderer Menschen nicht lesen und manipulieren könnten. Eher ist häufig das Gegenteil. Sie spannen andere Menschen mit Begeisterung, Witz und Charme für ihre Sache ein. Und nutzen diese Menschen dann ohne Reue oder Mitgefühl aus. Diese Fähigkeit zeichnet Zuhälter ebenso aus wie manche Menschen auf dem Weg in die Führungsriegen von Politik und Wirtschaft. Psychologen sprechen hier von instrumentell-dissozialem Verhalten, das vor allem auf Macht und Geld zielt.

Andere Verhaltensmuster nach APS sind das impulsiv-feindselige Verhalten und das ängstlich-aggressive Verhalten. Im kriminellen Milieu sind vor allem Mischformen der letztgenannten Verhaltensmuster vertreten.

Behandlung

Die Behandlung von dissozialen Persönlichkeitsstörungen ist schwierig. Das liegt vor allem daran, dass die Betroffenen nur selten die Notwendigkeit für eine Therapie sehen. Wie so häufig bei Persönlichkeitsstörungen fehlt ihnen die Einsichtsfähigkeit. Menschen mit APS fühlen sich in aller Regel viele Jahre lang sehr gut. In ihrer Wahrnehmung haben nur die Anderen ein Problem mit der antisozialen Persönlichkeit.

Diese Wahrnehmung erschwert Behandlungen stark. Denn die einzige Therapieoption besteht in psychotherapeutischen Verfahren, die ohne Mitwirkung des Betroffenen nicht helfen können. Medikamentöse Therapieversuche mit Antidepressiva beispielsweise haben sich bislang als wirkungslos erwiesen.

Zuweilen gelingt es, APS-Patienten zu einer Therapie zu bewegen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit dem Lebensalter und dem Leidensdruck (wiederholte Gefängnisaufenthalte, Drogenabhängigkeit, soziale Isolation).

Autor: Charly Kahle

Stand: 14.02.2019