Diphtherie (Krupphusten)

Diphtherie wird oft als Kinderkrankheit betrachtet. Tatsächlich handelt es sich um eine lebensbedrohliche Infektion, die Jeden treffen kann. Hier finden Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung von Diphtherie

Synonyme

Diphtherie, Echter Krupphusten

Definition

Impfbuch Diphtherie Tetanus Pertussis Haemophilus

Diphtherie wird zuweilen als Kinderkrankheit betrachtet, weil Kinder gegen Diphtherie geimpft werden. Tatsächlich handelt es sich um eine hierzulande fast vergessene Infektion, die lebensbedrohlich verlaufen kann – auch für Erwachsene. Diphtherie-Antitoxine und Antibiotika können das verhindern. Eine Diphtherie-Impfung schützt zuverlässig vor Ansteckung.

Diphtherie wird von Bakterien verursacht. Das von diesen Bakterien produzierte Gift führt zu Schleimhautentzündungen, die durch süßlich riechenden, grauweißen Belag auf den Mandeln sichtbar werden. Dieses Symptom gab der Diphtherie den Namen. Er stammt vom altgriechischen „diphthera“ für Tierhaut oder Fell.

Zuweilen wird Diphtherie als Krupphusten oder Echter Krupphusten bezeichnet. Das führt mitunter zu Verwechslungen mit Pseudokrupp. Dabei handelt es sich aber um eine andere Erkrankungen, nämlich eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes.

Häufigkeit

In Deutschland und Westeuropa spielt Diphtherie gegenwärtig kaum eine Rolle. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet schon seit Jahren nur Einzelfälle. Dabei handelt es sich in aller Regel um Urlauber, die sich im Ausland angesteckt haben. Insbesondere in Russland und seinen Nachbarstaaten ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu begrenzten Ausbrüchen gekommen. Grundsätzlich ist Diphtherie in den gemäßigten Klimazonen der ganzen Welt verbreitet. Sie tritt gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten auf.

Für Europa sind die Fallzahlen insgesamt sehr klein. Für die vier Jahre von 2009 bis 2013 meldet das ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) für ganz Europa gerade einmal 102 Fälle. 2016 gab es nach Angaben des ECDC aus 3 EU-Staaten Meldungen über Einzelfälle von Diphtherie-Infektionen unter Flüchtlingen. 13 andere EU-Länder meldeten, sie hätten keine Diphtherie-Fälle registriert.

Die Seltenheit in Europa hat einen einfachen Grund: Die Impfquote ist hoch. In Deutschland beispielsweise sind nach jüngsten RKI-Angaben 97 Prozent aller Kinder gegen Diphtherie geimpft, wenn sie in die Schule kommen.

Symptome

Zu Beginn ähneln die Symptome von Diphtherie einer Hals- oder Rachenentzündung. Das Gift der Diphtherie-Bakterien kann sich aber schnell im ganzen Körper verbreiten und schwere Komplikationen verursachen – bis hin zum Herztod. Je nachdem, ob die Erreger nur den Rachenraum befallen haben (lokalisierte Diphtherie) oder ob die Entzündung um sich gegriffen hat (toxische Diphtherie).

Lokalisierte Diphtherie: meist harmloser Verlauf

Die Symptome der lokalisierten Diphtherie bleiben in der Regel auf den Rachen-, Nasen- und Kehlkopfraum begrenzt. Typische Krankheitszeichen sind Fieber, Heiserkeit und Schluckbeschwerden. Ein fellartiger Belag, der sich von den Mandeln bis in die Nasen- und Rachenschleimhaut ausbreiten kann, verursacht einen süß-penetranten Mundgeruch, der schon aus einiger Entfernung wahrzunehmen ist und seit jeher zu den charakteristischen Symptomen von Diphtherie zählt. Nach einigen Tagen werden die Belege abgestoßen. Dann verbleiben in der Schleimhaut Geschwüre, die zum Teil narbig abheilen.

Die lokalisierte Diphtherie verläuft meist gutartig, das heißt, sie heilt aus, ohne größere Schäden zu hinterlassen. Breitet sie sich auf den Kehlkopf aus, kann allerdings auch die lokalisierte Diphtherie lebensbedrohlich sein. Typisch für einen Kehlkopfbefall sind pfeifende Atemgeräusche und Heiserkeit in Verbindung mit dem charakteristisch bellenden Krupp-Husten (daher auch die Bezeichnung echter Krupp). Schwellen die Schleimhäute stärker an, kann es zu Atemnot und zum Erstickungstod kommen.

Toxische Diphtherie: Herztod, Nerven- und Organschäden

Diphtherie kann sich auch weiter im Organismus ausweiten. Mediziner sprechen dann von der toxischen Diphtherie. Die Vergiftungserscheinungen bleiben bei der toxischen Diphtherie nicht auf Mund und Hals beschränkt. Vielmehr greifen die Toxine der Diphtherie-Bakterien die inneren Organe an. Das betrifft vor allem das Herz und das Nervensystem. Toxische Diphtherie kann eine Herzmuskelentzündung verursachen, die den Herzmuskel so stark und nachhaltig schädigt, dass es noch Wochen nach der Erkrankung zum plötzlichen Herztod kommt. Auch die Funktion von Leber und Nieren wird durch das Bakteriengift beeinträchtigt.

Schwerwiegende Symptome entstehen, wenn das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen wird. Nicht selten kommt es zu Lähmungen der Augenmuskeln, die zu Sehbehinderungen führen. Lähmungen im Bereich des weichen Gaumens führen zu Sprechveränderungen. Später können sich sogar Lähmungen der Nackenmuskulatur und der Arme ausbilden.

Ursachen

Ursache der Diphtherie ist eine Infektion mit dem Bakterium Corynebacterium diphtheriae. Der Erreger wird hauptsächlich durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion oder durch Staub verbreitet. Die Erkrankungen häufen sich in den Wintermonaten. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) beträgt 2 bis 5 Tage. Den schlimmen Folgen einer Diphtherie können Sie durch rechtzeitige Behandlung und durch eine Schutzimpfung vorbeugen.

Behandlung

Die Therapie von Diphtherie stützt sich auf drei Säulen: Isolation, Anti-Toxine und Antibiotika. Bei rechtzeitiger Diagnose und guter medizinischer Versorgung lässt sich die Ausbreitung einer lokalen Diphtherie zur toxischen Diphtherie meist verhindern. Selbst bei Komplikationen sind die Heilungsaussichten hierzulande sehr gut.

Isolation, Anti-Toxine und Antibiotika gegen Diphtherie

Ob lokale Diphtherie oder toxische Diphtherie: Am Anfang der Behandlung steht, die Ansteckung von anderen Menschen zu vermeiden. Daher werden Diphtherie-Patienten in der Regel unmittelbar nach der Diagnose stationär im Krankenhaus aufgenommen und dort in einer Isolierstation behandelt.

Dringendstes Ziel dieser Behandlung ist es, das Gift der Diphtherie-Bakterien unschädlich zu machen. Dazu werden unmittelbar nach einem Verdacht auf Diphtherie sogenannte Anti-Toxine, also Gegengifte, eingesetzt. Das Diphtherie-Antitoxin stammt für gewöhnlich von Pferden. Es bindet direkt an sich frei im Körper zirkulierende Diphtherie-Toxine und neutralisiert diese. Gegen bereits an Körperzellen gebundene Toxine kann es jedoch nichts ausrichten.

Das nächste Ziel sind die Bakterien selbst. Ihre Ausbreitung und Anzahl lässt sich mit Antibiotika (meinst Penicillin) in der Regel schnell und zuverlässig begrenzen. Das Penicillin muss wenigstens 10 Tage lang eingenommen werden.

Daneben besteht die Behandlung von Diphtherie darin, die Begleitsymptome zu lindern. Dazu gehört beispielsweise die Gabe von Schmerzmitteln und Bettruhe.

Notfall-Behandlung von Diphtherie

Bei der Kehlkopf-Diphtherie kann es zu einem Verschluss der Atemwege kommen. Das ist eine Komplikation, die notfallmedizinisch mit einem Luftröhrenschnitt versorgt werden muss. Auch bei starken Herzbeschwerden oder fortgeschrittenen Beeinträchtigungen von Leber oder Nieren sind mitunter intensivmedizinische Therapiemaßnahmen vonnöten.

Prognose

Selbst bei rechtzeitiger Diagnose und guter medizinischer Versorgung sterben etwa 2 bis 3 Prozent der Erkrankten an den Folgen toxischer Diphtherie. Insgesamt gehen Experten von einer Sterblichkeit zwischen 5 und 10 Prozent aus. Bei schlechter medizinischer Versorgung kann diese Quote deutlich höher ausfallen.

Vorbeugung

Auch wenn die Heilungsaussichten bei Diphtherie sehr gut sind: Warum ein Risiko eingehen? Grundsätzlich ist es sehr ratsam, sich vor Diphtherie zu schützen – mit einer einfachen Schutzimpfung.

Die Diphtherie-Schutzimpfung besteht aus dem unschädlich gemachten Gift der Diphtherie-Bakterien. Nach der Impfung bildet der Körper Antikörper aus. Bei einem späteren Kontakt mit den Diphtherie-Toxin ist der Körper sofort in der Lage, das Gift abzuwehren.

Achtung: Trotz Impfung kann die Person weiterhin die Corynebakteriem in sich tragen und weiter geben. Denn der Impfstoff schützt vor dem Diphtherie-Toxin, nicht aber vor den Bakterien selbst.

Schutzimpfung für Säuglinge

Nach aktuellem Stand (Sommer 2017) wird Säuglingen die erste bis dritte Schutzimpfung gegen Diphtherie mit 2, 3 und 4 Monaten verabreicht. Die abschließende vierte Impfung zur Grundimmunisierung wird im Alter zwischen 11 und 14 Monaten gegeben. Eine Auffrischung der Impfung wird mit 5 bis 6 Jahren vor der Einschulung empfohlen. Eine weitere Auffrischung ist zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr ratsam. Erwachsene mit vollständiger Grundimmunisierung benötigen alle 10 Jahre eine Auffrischungsimpfung.

Offizielle Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission des RKI (STIKO) empfiehlt die Diphtherie-Impfung für alle Personen ohne ausreichenden Impfschutz, also ohne Grundimmunisierung oder Auffrischung. Gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen sieht die STIKO zunehmenden Impfbedarf. So beobachten die RKI-Experten, dass bei der Musterung von angehenden Soldaten nur noch die Hälfte der jungen Männer über einen ausreichenden Diphtherie-Schutz verfügt, obwohl die Rekruten als Grundschulkinder in 95 Prozent der Fälle voll immunisiert waren.

Nach Empfehlung des RKI schützen sich Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz bei nächster Gelegenheit durch einen Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf) und Polio (Kinderlähmung).

Autor: Charly Kahle

Stand: 01.11.2016

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