Diabetes mellitus Typ 1

Typ-1-Diabetes hat viele Namen wie juveniler Diabetes, jugendlicher Diabetes oder insulinabhängiger Diabetes. Im Gegensatz zu Diabetes mellitus Typ 2 ist der juvenile Diabetes meist eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung und wird nicht im Laufe des Lebens erworben. Typ-1-Diabetes muss dauerhaft mit Insulin behandelt werden. Bei Entgleisungen des Blutzuckerstoffwechsels drohen schwere Komplikationen.

Synonyme

juveniler Diabetes, jugendlicher Diabetes

Definition

Blutzuckermessung

Diabetes mellitus (kurz Diabetes oder im Volksmund Zuckerkrankheit genannt) ist eine Störung des Blutzuckerstoffwechsels. Der Organismus ist nicht in der Lage, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Zucker bzw. Traubenzucker (Glukose) gehört zu den Kohlenhydraten und ist der wichtigste Energielieferant des Körpers. Den größten Teil nimmt der Mensch in Form von Stärke (z.B. in Getreide, Kartoffeln, Nudel oder Reis) zu sich. Bei der Verdauung wird die Stärke dann zu Glukose abgebaut. Insulin aus der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass die Glucose in die Zellen gelangt.

So stört Diabetes den Blutzucker-Stoffwechsel

Wenn wie beim Diabetes Typ 1 zu wenig Insulin vorhanden ist, reichert sich der Zucker immer weiter im Blut an. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel und den Zellen fehlt gleichzeitig der Energielieferant, da der Zucker ja im Blut bleibt. Um den Energiemangel in den Zellen auszugleichen, springt die Leber ein und produziert Glucose. Doch auch diese neu gebildete Glucose kann nur mit Insulin – das ja weiterhin fehlt – in die Zellen gelangen. Der Energiemangel in den Zellen bleibt also weiter bestehen.

Um diesen Energiemangel auszugleichen, geht der Organismus an die Fettdepots. Das hat Folgen: Der Organismus wird mit freien Fettsäuren überschwemmt. Diese können infolge des gestörten Kohlenhydratstoffwechsels nicht normal abgebaut werden. Es entstehen sogenannte Ketonkörper. Die große Menge an Fettsäuren und Ketonkörper führen zu einer Übersäuerung des Blutes, die unbehandelt im lebensbedrohlichem ketoazidotischen Koma (siehe auch weiter unter: diabetisches Koma) mündet.

Blutzuckerwerte bei Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 wird vor allem mit einer Blut- und Harnzuckermessung festgestellt. Die normale Blutzuckerkonzentration liegt nüchtern unter 100 mg/dl. Nach dem Essen steigt diese bis auf etwa 140 mg/dl an. Für Diabetes Typ 1 sprechen:

  • eine wiederholte Gelegenheitszuckermessung von über 200 mg/dl
  • ein Nüchternblutzucker von über 126 mg/dl
  • ein Zuckerbelastungstest (oraler Glucose-Toleranz-Test) von über 200 mg/dl.

Bei Typ-1-Diabetes finden sich häufig noch sehr viel höhere Werte als hier angegeben.

Zucker im Urin

Normalerweise ist Urin zuckerfrei. Bei erhöhtem Blutzucker aber kann Glucose im Harn nachgewiesen werden. Daher kommt auch der Name Diabetes, was auf griechisch „honigsüßer Durchfluss“ heißt. Der Urin-Geschmackstest war lange Zeit ein sicheres Diagnosekriterium für die Zuckerkrankheit.

Bei gesunder Nierenfunktion wird bei einer Blutzuckerkonzentration ab 180 mg/dl (der sogenannte Nierenschwellwert) Glucose mit dem Urin ausgeschieden. Dazu wird Flüssigkeit benötigt. Die Urinmenge erhöht sich drastisch (Polyurie) und der Durst steigt (Polydipsie). Kann der Flüssigkeitsverlust nicht mehr durch eine erhöhte Trinkmenge ausgeglichen werden, trocknet der Körper immer weiter aus (Exsikkose).

Häufigkeit

Diabetes ist die am häufigsten auftretende Stoffwechselstörung in Deutschland. Schätzungen zufolge leiden hierzulande etwa 6 bis 8 Prozent der Bevölkerung an der Zuckerkrankheit. Mediziner unterscheiden zwei große Gruppen von Diabetes: Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. 90 Prozent aller Diabetiker haben Diabetes vom Typ 2. Etwa 5 Prozent entfallen auf den Typ-1-Diabetes. Die restlichen 5 Prozent auf Sonderformen wie hormonelle oder medikamentenbedingte Zuckerkrankheit, Diabetes als Folge von Infektionen oder den Schwangerschaftsdiabetes.

Symptome

Das einzige blutzuckerspiegelsenkende Hormon des Körpers ist das Insulin. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Es bewirkt, dass die Zellen ihre Schleusen für Zucker öffnen und den Zucker aus dem Blut aufnehmen. Das funktioniert nicht mehr, wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin produziert oder aber Zellveränderungen vorhandenes Insulin an seiner Arbeit hindern. In beiden Fällen gelangt die Glukose nicht mehr in die Zellen. Daraus ergeben sich die Symptome von Typ-1-Diabetes.

Beim Typ-1-Diabetiker kann die Bauchspeicheldrüse schon in sehr jungen Jahren – meist in der Kindheit oder Jugend – nicht mehr ausreichend Insulin produzieren. Mit der Zeit entsteht ein absoluter Insulinmangel und die Zuckerkonzentration im Blut steigt immer weiter an. Wenn mehr als 80 Prozent der insulinbildenden Zellen zerstört sind, kommt es zu folgenden Symptomen:

  • süßer Urin, da zu viel Blutzucker mit dem Urin ausgeschieden wird
  • häufiges Wasserlassen, weil die Nieren versuchen, den zuckerhaltigen Urin zu verdünnen
  • starker Durst, um den Flüssigkeitsmangel durch das viele Wasserlassen wieder auszugleichen
  • Austrocknung mit trockener Haut, Sehstörungen, Wadenkrämpfen, Kopf- und Bauchschmerzen, weil häufiges Wasserlassen nicht mehr durch eine gesteigerte Trinkmenge ausgeglichen werden kann
  • Heißhunger, vor allem auf Süßigkeiten (um den Zuckermangel in den Zellen auszugleichen, was aber ohne Insulin nicht funktioniert)
  • rasante Gewichtsabnahme innerhalb weniger Wochen, weil der Körper Energie braucht. Da er diese aber nicht in Form von Zucker bekommt, baut er Körperfette und Eiweiße um. Nach einiger Zeit sind aber alle Fettreserven aufgebraucht.
  • häufige Blasenentzündungen und Harnwegsinfektionen, da die Zuckerkristalle im Urin die Schleimhäute von Blase und Harnwegen reizen
  • nach Keton riechender Atem und Ketonkörper im Urin, denn beim Abbau der Fette fallen saure Ketonkörper an. Damit der Körper nicht übersäuert und in eine Azidose fällt, werden die Ketonkörper mit der Atemluft und dem Urin ausgeschieden.

Fortschreitende Schwäche und Infektanfälligkeit

Aufgrund der ständigen Körperbelastung durch den gestörten Kohlenhydratstoffwechsel werden Kinder und Jugendliche immer schwächer, ihre Leistung nimmt ab und sie sind ständig müde. Zudem kommt es zu einer verstärkten Infektanfälligkeit, häufig auch zu Haut- und Schleimhautverletzungen. Etwaige Wunden heilen nur sehr langsam ab. Grund dafür ist die erhöhte Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe bei einer verringerten Insulinwirkung. Zudem fühlen sich Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze bei hohen Blutzuckerspiegeln wohler.

Diabetisches Koma bei Diabetes Typ 1

Werden die frühen Symptome längere Zeit ignoriert – und keine Behandlung eingeleitet - , kann es gefährlich werden. Aufgrund des immer stärker werdenden Zuckermangels in den Zellen rutscht der Organismus in das sogenannte diabetische Koma (Coma diabeticum oder ketoazidotisches Koma). Das diabetische Koma kündigt sich durch Azetongeruch beim Ausatmen, Magenschmerzen und Erbrechen an. Um die Ketonkörper auszuscheiden, atmen Patienten auffallend tief und regelmäßig. Mediziner sprechen von der Kußmaul-Atmung. Ohne Behandlung kommt es zu Bewusstseinstrübungen und Benommenheit. Schon kurze Zeit später folgt Bewusstlosigkeit. Der Übersäuerungs-Zustand des diabetischen Komas ist lebensgefährlich und erfordert einen sofortigen Notarzteinsatz.

Diabetischer Schock

Es gibt noch eine genau gegenteilige Komplikation, nämlich den diabetischen Schock. Der entsteht jedoch erst, wenn der Diabetes Typ 1 schon diagnostiziert und mit Insulin behandelt wird. Bei dieser Komplikation ist zu wenig Zucker im Blut vorhanden. Das passiert häufig nach einer zu hohen Insulindosis, verstärkter körperlicher Belastung oder auch, wenn mal eine Mahlzeit ausgelassen wurde. Eine Unterzuckerung entwickelt sich in der Regel plötzlich mit einem Hungergefühl, Schwitzen, Blässe, leichten Kopfschmerzen, Zittern oder Herzklopfen.

Betroffene werden unruhig, teilweise auch verwirrt, Krampfanfälle sind möglich. Erhält das Gehirn gar keinen Zucker mehr, folgt Bewusstlosigkeit. Spätestens dann muss unverzüglich der Notarzt alarmiert werden. Noch ansprechbaren Patienten hilft oft ein Stück Traubenzucker, das die meisten Diabetiker für den Notfall immer bei sich tragen.

Komplikationen und Folgeschäden

Die Komplikationen bei Diabetes Typ 1 sind die gleichen wir bei einem Diabetes Typ 2. Ausführliche Informationen finden Sie im Krankheitsbild Diabetes mellitus Typ 2.

Ursachen

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Die Veranlagung zur Zuckerkrankheit kann genetisch bedingt sein. Bei entsprechender Veranlagung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes Typ 1 oder 2 zu erkranken. Diabetes an sich wird aber nicht vererbt.

Bei Diabetes Typ 1 zerstört das körpereigene Abwehrsystem über eine Autoimmunreaktion die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, bis schließlich kein Insulin mehr ausgeschüttet werden kann. Warum genau es bei einigen Menschen zu dieser Abwehrreaktion kommt, ist bis heute unklar. Wissenschaftler haben aber herausgefunden, dass bestimmte genetische Merkmale die Neigung zu Autoimmunreaktionen erhöhen oder verringern. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von Risikoallelen und Schutzallelen. Menschen mit Risikoallelen in der Erbsubstanz erkranken häufiger an Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1. Sind Schutzallele vorhanden, treten autoimmune Reaktionen wesentlich seltener auf.

Behandlung

Leider ist Typ-1-Diabetes nach wie vor nicht heilbar. Die medikamentöse Behandlung mit Insulin erlaubt aber eine Lebensqualität, die sich mit der gesunder Menschen vergleichen lässt. Um Folgeschäden wie Wundheilungsstörungen oder Sehprobleme zu vermeiden, sollte die Diabetes-Therpaie immer wieder überprüft und angepasst werden.

Insulin-Therapie in Diabetikerschulungen einüben

Da Typ-1-Diabetiker nicht mehr ausreichend Insulin in der Bauchspeicheldrüse bilden, muss dass blutzuckerspiegelsenkende Hormon zugeführt werden. Dies geschieht durch Spritzen, meist in Form von Diabetiker-Pens. Insulin in Tablettenform gibt es bislang nicht. Inhalatives Insulin (ähnlich wie Asthmasprays) gab es vor einigen Jahren, wurde aus diversen Gründen aber weltweit wieder vom Markt genommen.

Von besonderer Bedeutung ist, dass der Insulinbedarf genau an die individuellen Erfordernisse angepasst wird. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen etwa Menge und Art der aufgenommenen Nahrung sowie die körperliche Aktivität. Das geschieht durch regelmäßige Blut- oder Harnzuckermessungen, die Typ-1-Diabetiker selbstständig vornehmen.

Für eine optimale Diabetestherapie sind - für Kindern und Eltern gleichermaßen - spezielle Diabetikerschulungen empfehlenswert. Eine solche Schulung erfolgt sinnvollerweise über mehrere Tage, eventuell sogar in einer Klinik.

Verhaltensempfehlungen für Typ-1-Diabetiker

Patienten mit Diabetes Typ 1 müssen lebenslang mit Insulin behandelt werden. Sie sollten sich dabei streng an die Anweisungen ihres Arztes halten. Eine Behandlung ist langfristig nur dann erfolgreich, wenn der Blutzuckerwert permanent in den empfohlenen Grenzen bleibt, der Blutzuckerspiegel also stabil ist.

  • Normalgewichtige Diabetiker vom Typ 1 brauchen keine spezielle Ernährung. Es gelten die gleichen Empfehlungen wie für Gesunde. Nach heutiger Medizinermeinung darf alles (auch Süßigkeiten) gegessen werden. Typ-1-Diabetiker müssen lediglich die Insulindosis an die zugeführte Menge Kohlenhydrate anpassen. Untergewichtige Patienten erhalten vom Arzt einen speziell auf sie zugeschnittenen Ernährungsplan. Übergewichtige Diabetiker sollten ihr Gewicht normalisieren.
  • Die meisten Diabetiker essen fünf bis sechs kleine Mahlzeiten. So kann das zugeführte Insulin besser ausgenutzt werden kann. Aber auch drei Mahlzeiten sind bei einer entsprechenden Berechnung der Insulinmenge möglich.
  • Speisen oder Getränke, die mit reichlich Zucker gesüßt sind, sollten - wie von Gesunden auch - gemieden werden. Übergewichtige können zum Süßen Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit oder Süßstoffe wie Saccharin und Stevia verwenden. Diese haben weniger Kalorien als normaler Haushaltszucker. Spezielle Diabetiker-Süßwaren, wie sie es früher gab, gibt es jedoch schon seit 2012 nicht mehr.
  • Als Alkoholika können gelegentlich trockene Weine oder leichte Biere getrunken werden. Süße Spirituosen, schwere Weine und normales oder alkoholfreies Bier sind wegen des Zuckergehaltes und Alkoholanteils nicht zu empfehlen.
  • Um Unterzuckerungen zu vermeiden, sollten Sie stets ein Stück Brot oder Traubenzucker bereithalten.
  • Suchen Sie Selbsthilfegruppen auf. Dort können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Häufig sind die Mitglieder über alle Neuigkeiten in der Diabetestherapie informiert.

Und noch ein letzter aber wichtiger Tipp für Eltern: Übertragen Sie die Verantwortung für den Diabetes und seine Behandlung so früh wie möglich auf Ihr Kind. So stärken

Diabetischen Folgeschäden vorbeugen

Um diabetischen Folgeschäden wie Wundheilungsstörungen, Nierenschwäche oder Sehverlust vorzubeugen, ist es zwingend erforderlich, immer auf eine optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels achten. Vermeiden Sie Unter- oder Überzuckerungen. Außerdem helfen die folgenden Tipps, Diabetes-Folgeschäden zu vermeiden:

  • Fangen sie nicht an zu rauchen. Rauchen verschlimmert alle durchblutungsbedingten Erkrankungen.
  • Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger sportlicher Betätigung und gesunder, ausgewogener Ernährung.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Fußpflege für Diabetiker und pflegen Sie ihre Füße selber penibel.
  • Schützen Sie Ihre Füße vor jeglicher Art von Verletzung durch geeignetes Schuhwerk.
  • Nehmen sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel beim Augenarzt, wahr.

Prognose

Die Lebensqualität bei Typ-1-Diabetes lässt sich heute durchaus mit der gesunder Menschen vergleichen. Da die Patienten in der Regel schon von klein auf an die Insulingabe gewöhnt sind, fühlen sie sich nicht wirklich eingeschränkt und haben ihre Erkrankung oft erstaunlich gut im Griff. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass der Diabetes-1 möglichst früh als solcher erkannt wird. Mit zunehmender Dauer des Insulinmangels wächst das Risiko für nicht mehr rückgängig machbare Schäden.

Autor: Charly Kahle

Stand: 20.11.2017

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